Motorrad-Magazin über Benzinkultur, Motorrad-Touren und Custombikes

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Royal Enfield Classic 650 Test – Retro-Charme mit Stil & Chrom

Im Royal Enfield Classic 650 Test geht es nicht nur um technische Daten. Es geht um Stil, um das Gefühl beim Fahren – und darum, ob ein Motorrad mit Retro-Look im Alltag überzeugt. Wir haben die neue 650er ausprobiert und ordnen sie für euch ein.

Design und Verarbeitung

Es gibt Motorräder, die funktionieren über Datenblätter – und solche, die über Gefühl und Stil kommen. Die Royal Enfield Classic 650 gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Wer das Motorrad sieht, denkt an britische Klassiker der 50er-Jahre, an Ölgeruch in alten Garagen und an Nachmittage vor dem Pub. Und genau dieses Bild will Royal Enfield mit dem neuen Twin bedienen – nur eben mit moderner Technik und besserer Verarbeitung.

Das Design ist auf den ersten Blick gelungen: viel Chrom, runde Formen, schön gemachte Lackierung mit Pinstripes – alles da, was eine klassische Silhouette braucht. Auch wenn das Motorrad in Indien gebaut wird, macht die Verarbeitung einen durchdachten, hochwertigen Eindruck. Tank, Seitendeckel und Schutzbleche sind aus Metall. Die Proportionen stimmen. Und man erwischt sich schnell dabei, wie man das Ding einfach nur anschaut.

Motor und Fahrverhalten

Unter dem Blech steckt bekannte Technik: den 648cc Zweizylinder durfte ich schon in der Interceptor, Shotgun und zuletzt in der Bear 650 bewegen. Er bringt auch hier 47 PS und 52 Nm Drehmoment. Das reicht für die Landstraße und kurze Autobahnetappen, auch wenn bei 120 km/h spürbare Vibrationen einsetzen.

Das Fahrwerk ist einfach, aber solide: vorn eine 43er Telegabel, hinten zwei Federbeine – nicht einstellbar. Wer alleine unterwegs ist und keine sportlichen Ambitionen hat, kommt gut klar. Für Sozia oder Sozius könnte es hinten etwas straff werden, testen konnte ich das nicht denn mein Testbike kam in der Einzelsitz-Variante. Die Sitzposition ist aufrecht, fast brav, und passt gut zum gemütlichen Fahrstil, den das Bike fördert.

Positiv fällt die Bremsanlage auf – besonders das hintere Bremssystem wirkt stärker als erwartet. Das Handling überzeugt: Trotz eines Gewichts von über 240 Kilo wirkt die Classic 650 überraschend handlich und liegt stabil in Kurven, auch wenn sie naturgemäß nicht zum Heizen gebaut ist.

BMW R12G/S mit Mosko Moto Reckless 80 Gepäcksystem

BMW R 12 G/S im Alpentest – Fahrspaß auf Straße und Schotter

Man kann viel über ein Motorrad schreiben – oder man fährt einfach los. Für diesen Test der BMW R 12 G/S waren es am Ende rund 1.400 Kilometer in viereinhalb Tagen, quer durch Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und zurück. Eine Tour, wie gemacht für eine Maschine, die den Spagat zwischen klassischem Design und echtem Nutzwert schaffen will.

R 12 G/S Test: Die Route im Überblick

Auf dem Plan standen bekannte Größen wie die Nockalmstraße, der Vršič-Pass oder der Passo di Giau, der sich ganz nebenbei als mein neuer Lieblingspass entpuppt hat. Es ging aber auch über mir bis dahin unbekannte Strecken wie das Würzjoch und über groben Schotter hinauf zur Panoramica delle Vette, einer schmalen Militärstraße mit echtem Offroad-Charakter.

Die R 12 G/S bekam dabei alles serviert, was man dem Begriff „Adventure“ so unterlegen kann: nagelneuer Asphalt mit perfekten Radien, Straßen mit Winterspuren und Frostaufbrüchen, enge Spitzkehren mit losem Untergrund und ausgesetzte Hochgebirgs-Schotterpisten. Kurz: beste Bedingungen, um herauszufinden, ob die neue Retro-Enduro aus München mehr ist als nur ein Design-Zitat.

Design, Gepäck und Alltagstauglichkeit

Live wirkt die G/S noch stimmiger als auf Pressefotos. Mein Testmotorrad kam in der Option 719 „Aragonit“, also Sandrover uni matt mit Akzenten in Racingred und Mineralgrau. Klang für mich im Vorfeld nach Wüsten-Rallye meets Designkonfigurator – sah dann aber in der Realität überraschend rund aus. Vor allem nach ein paar Tagen im Staub hatte die Farbe fast etwas Werkzeughaftes. Die ebenfalls verbauten Option 719-Frästeile waren Geschmackssache. Technisch sicher top, aber optisch eher Customshow als Reiseenduro. Ich hätte gut darauf verzichten können.

BMW R 1300 GS – der Fahrbericht

Einer der 100 Menschen weltweit zu sein, die diese Woche die neue BMW R 1300 GS beim internationalen Media Launch im andalusischen Màlaga testen durften hat mich schon ein bisschen mit Stolz erfüllt. Gemeinsam mit den „klassischen“ Kollegen von MOTORRAD oder Online-Vorreitern wie 1000PS und YouTubern wie Valle on Tour oder Asphalt.Art morgens auf dem Hotelparkplatz das Bein über die Sitzbank einer der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2023 zu schwingen war schon etwas besonderes.

Die Pressemitteilung und Bilder lagen uns ja schon seit drei Wochen vor, wie bei vielen Bikes ist man dennoch auf den Live-Eindruck gespannt. Bei der Eröffnung der BMW Motorrad Welt in Berlin hatte ich bereits früh die Gelegenheit, die neue GS live zu sehen, anzufassen und aufzusitzen. Und der erste Realitätscheck fiel für mich sehr positiv aus. Schlanker, drahtiger, definierter und moderner kommt das neue BMW-Flagschiff rüber.

Vierzig Jahre GS-Evolution in einem Bild

Die Abkehr vom gewohnten asymmetrischen Scheinwerferdesign erklärte Edgar Heinrich auf der abendlichen Pressekonferenz sehr stringent. Herkömmliche Halogen oder LED-Scheinwerfer haben mehr Bautiefe und brauchen mehr Raum, aber moderne Matrix LEDs geben neuen Gestaltungsspielraum, den BMW hier auch genutzt hat. Ebenso mit dem Blechschalenrahmen und dem Heckrahmen aus Aluminium-Druckguß. Hier entstanden neue Spielflächen für das Fahrzeugdesign, die das Motorrad optisch sehr kompakt machen. Leichter ist sie ja auch geworden und gerade hier kehrt BMW den Gesamttrend zu immer größeren und schwereren Fahrzeugen um. Das schmale Heck wirkt viel leichter als beim Vorgänger, auch wurde der Auspuffendtopf merklich kleiner, was mir richtig gut gefällt.

Vielfältig sind die Ausstattungsoptionen der neuen GS. Fahrwerkoptionen, Fahrmodi, Assistenzsysteme, mit jedem weiteren Feature können weitere individuelle Bedürfnisse befriedigt werden. Macht die Konfiguration der neuen Enduro aber auch komplexer. Bestellungswütige werden sicherlich mehr Zeit im Konfigurator oder im Beratungsgespräch beim Händler verbringen als bisher.

Doch genug der Theorie, ab aufs Mopped und in die praktische Anwendung!

Mit der R 1300 GS Trophy ins Gelände

Als allererstes ging es für uns mit dem GS Trophy Modell auf das Trainingsgelände des Enduro Park Andalusia – einem alten Steinbruch – und auf wunderschöne Pfade ins Hinterland. Schlechter Asphalt ging über in groben und zum Teil tiefen Schotter, der sich mit Sandpassagen abwechselte. Garniert wurde das noch mit engen Haarnadelkurven und steilen Auf- und Abfahrten. Auf teilweise technisch anspruchsvollem Terrain zeigte die neue GS, dass sie nahtlos da anknüpft, wo die Vorgängerin aufgehört hat. Und sie legt eben noch eine Schippe drauf. Der bärige, drehmomentorientierte Motor liefert mit 145 Newtonmetern kontrollierbare Kraft wo immer man sie braucht, die Maschine wirkt aber insgesamt agiler, was nicht nur der Gewichts- sondern auch der Fahrwerksoptimierung zuzuschreiben ist.

Der Metzeler Karoo 4 Reifen sorgt für sehr guten Bodenkontakt und verbunden mit der längeren Hinterradschwinge ist gefühlt Traktion in allen Lebenslagen vorhanden. Eine auch im Stehen sehr gute Fahrerposition verankern den Fahrer gut an der Maschine. Die zum Fahrer hin abfallende Tankrückseite besteht nicht aus lackiertem Kunststoff sondern aus weicherem, griffigeren Material ähnlich des Sitzbankbezuges. So wie bei einer stark nach vorne gezogenen Hard-Enduro-Sitzbank verbessert dies ebenfalls den Kontakt zur Maschine. Ein weiteres, durchdachtes Detail ist der Fußbremshebel, der sich durch einen praktischen Klappmechanismus mit einem Handgriff nach oben verstellen lässt und so in der Stehposition für den Fahrer besser erreichbar ist.

Mit der HNTR 350 auf dem Royal Enfield One Ride

Der Royal Enfield One Ride ist eine alljährliche Marken-Ausfahrt, die in diesem Jahr zum zwölften Mal stattfand: in 7 Ländern, in über 460 Städten mit über 750 Rides und über 17.000 Ridern. Unter dem Motto “One Mission – One World” wurde One Ride 2011 initiiert, um Fans und Besitzer:innen von Royal Enfield Motorrädern auf der ganzen Welt zusammenzubringen. Der Berliner Ride hatte seinen Start- und Endpunkt im Craftwerk Berlin und mit 45 Fahrer:innen machte ich mit auf den Weg auf eine kleine Ausfahrt ins östliche Umland von Berlin.

Meine Zulassungsvorraussetzung zur Mitfahrt wurde mir von Royal Enfield in Form des im letzten Jahr vorgestellten Einstiegsmodells HNTR 350 bereit gestellt. Sie basiert auf der gleichen Plattform wie die auch in Deutschland erhältlichen Classic 350 und die Meteor 350.

Die HNTR 350 ist das Einsteigermodell in die Royal Enfield-Familie und ab 4.490 Euro zu haben. Für den Preis bekommt man im Motorrad-Segment sonst nur 125er-Modelle. Für meine Vespa 300 GTS Super müsste ich heutzutage neu über 7.000 € auf den Tisch legen. Das mag ein Vergleich von Äpfel mit Birnen sein, aber sowohl die Vespa als auch die Hunter sind für den urbanen Verkehrsraum gemacht und so erlaube ich mir einfach, die Vespa als Referenz für die Hunter heranzuziehen.

Für den Preis der HNTR darf man nicht allzu viel Luxus erwarten, die Ausstattung als pragmatisch zu bezeichnen trifft es meiner Ansicht nach sehr gut. Ein überschaubares Cockpit mit Kombiinstrument und einfachen Schaltern, ein klassisch geformter Metalltank sitzt über den Einzylindermotor. Die Sitzbank ist breit und gut gepolstert, sowohl für den Fahrer als auch den Sozius, für den auch noch breite Haltegriffe montiert sind.

B196 Bikes: Zero DS

Als drittes und letztes Bike in der B196-Reihe darf ein Elektromotorrad nicht fehlen. In der Modellfamilie von Zero Motorcycles finden sich gleich mehrere Modelle, die in dieser Klasse mitspielen: die S, DS und FXE verfügen alle über einen 11-kW-Motor (Dauerleistung). Bei Elektromotorrädern ist das allerdings nur die halbe Wahrheit, wie man beim Blick auf das Datenblatt feststellen kann. Dort stehen nämlich eine Maximalleistung von 59 PS und 109 Nm Drehmoment. Trotzdem darf sie bei den „kleinen Bikes“ mitmischen.

Mein Spielkamerad war die Zero DS, was für Dual Sport steht. Entsprechend hochbeiniger und grob bereifter ist auch ihr Auftritt, in der Farbe „Quicksand“ lackiert fallen auch die Dreckspritzer vom gelegentlichen Ausritt auf nicht befestigten Strassen nicht gleich auf.

Technische Daten der Zero DS im Überblick

  • Motor: Der Zero DS ist mit einem bürstenlosen Elektromotor ausgestattet mit einer Dauerleistung von 15 PS (11 kW) @ 3.800 U/min und einer Maximalleistung von 59 PS (44 kW) @ 5.800 U/min. Das maximale Drehmoment beträgt beeindruckende 109 Nm.
  • Batterie: Die Lithium-Ionen-Zellen bieten eine Kapazität von 14,4 kWh.
  • Reichweite: Je nach Fahreinsatz zwischen 120 km (nur Autobahn) und 260 km (nur Stadt)
  • Ladezeit: Die Ladezeit hängt von der Art des Ladegeräts ab. Mit einem Standard-Heimlader dauert es laut Hersteller 9,8 Stunden um die Batterie voll zu laden. Mit der maximalen Anzahl an zusätzlichen Ladegeräten soll sich die Ladezeit auf etwa 2,8 Stunden verkürzen.
  • Fahrwerk: Vorne Showa Upside-down-Gabel 41 mm mit Cartridge-Einsatz, Federvorspannung, Druck- und Zugstufendämpfung einstellbar, vorderer Federweg 178 mm; hinten Showa-Gasdruck Stoßdämpfer, Kolbendurchmesser 40 mm, mit fixiertem, externem Reservoir, Federvorspannung, Druck- und Zugstufendämpfung einstellbar, hinterer Federweg 179 mm
  • Räder: 19-Zoll Vorderrad, 17-Zoll Hinterrad, Erstbereifung Pirelli MT-60
  • Höchstgeschwindigkeit: Das Zero DS erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 140 km/h, was für den Großteil der alltäglichen Fahrten mehr als ausreichend ist.
  • Gewicht: Leergewicht 187 kg, Zuladung 224 kg

Fahreindrücke

Die Sitzposition ist angenehm aufrecht, die Sitzbank eher straffer gepolstert. Mit Federwegen vorne und hinten von fast 180mm und der gröberen Serienbereifung mit Pirelli MT-60 ist die DS auch bereit für Ausflüge jenseits des Asphalts. Das Cockpit ist sehr clean, das gut ablesbare Zentraldisplay bietet die nötigsten Informationen: Geschwindigkeit, Ladezustand, Leistungsabgabe, gewählter Fahrmodus und vieles mehr. Das Display kann mit den Smartphone synchronisiert werden, um die angezeigten Informationen nach eigenen Wünschen anzupassen.

B196 Bikes: KTM RC 125

Vollmundig kann KTM: „Die KTM RC 125 der Generation 2023 nimmt stolz ihren Startplatz ein und brennt darauf, der Konkurrenz einen vor den Latz zu knallen.“ Ist der Achtelliter-Renner von KTM im MotoGP-Outfit ein Aufschneider oder liefert er wirklich ab? Finden wir es heraus.

Im Stand ruft das Bike auf jeden Fall laut „Ready to Race“. Optisch zeigt das Bike ein klares, sportliches Profil mit Vollverkleidung und typischer KTM-Kriegsbemalung in orange-weiß. Hier stand das Factory Racing-Bike RC16 klar Pate. Mit der in diesem Jahr erfolgten Überarbeitung hat das Bike eine – in meinen Augen – gefälligere Frontmaske bekommen. Beim Vorgänger befanden sich beiden Rund-Scheinwerfer in einer schwarzen Vertiefung der Front, bei der neuen Version fügen sie sich schön eben in die Frontverkleidung ein.

Die Sitzposition ist so sportlich wie es der optische Eindruck erwarten lässt. Der Kniewinkel ist erwartet eng, mit gestreckter Sitzposition greift man sich die Stummellenker. Diese sind sogar um 10mm höhenverstellbar und somit an die persönlichen Vorlieben anpassbar. Für ein Sportmotorrad fand ich sie komfortabel, das Sitzkissen war sogar bequemer als das bei der Husqvarna Svartpilen 125. Die an geraden Auslegern montierten Spiegel sind klappbar, falls die Parklücke mal schmaler ausfällt. Trotz der eher breiten Form der Spiegel fand ich die Sicht nach hinten eingeschränkt. Egal wie ich sie einstellte, ich hatte immer mehr Ellenbogen als Straße im Blickfeld.

B196 Bikes: Husqvarna Svartpilen 125

Mit über über 185.000 erworbenen Führerscheinerweiterungen innerhalb von drei Jahren stieß der B196-Führerschein in Deutschland auf reges Interesse. Auf diese erfreuliche Entwicklung reagieren auch die Hersteller und es bieten sich spannende Alternativen in der 11 KW-Klasse. Anlass genug, euch in einer kleinen Artikelserie einige der aktuellen Modelle vorzustellen. Wir beginnen mit einer sehr stylischen Vertreterin dieser Klasse, der Husqvarna Svartpilen 125.

Optisch reicht sich die Svartpilen 125 nahtlos in die Linie ihrer größeren Schwestern 401 und 701 ein. Wer auf eine moderne Designsprache steht, ist hier genau richtig. Die in Pirelli Scorpion Rally STR-Gummi gehüllten 17 Zoll-Speichenfelgen sorgen für einen rustikalen Auftritt und einen erwachseneren Auftritt der Maschine im Vergleich zu anderen Motorrädern dieser Klasse.

Die Svartpilen 125 enstand aus dem Konzernbaukasten. Grundlage ist die größere Svartpilen 401, von der ein Großteil der Komponenten übernommen wurde, der Motor kommt von der KTM 125 Duke. Was aus Produktionssicht praktisch ist, kommt mit einem Nachteil: mit einem fahrfertigen Gewicht von 156 kg hat die kleine Svartpilen viel Masse zu bewegen mit den 11 kW, die das Achtelliter-Aggregat mitbringt.

Mit einer Sitzhöhe von 835 mm ist sie sehr zugänglich, die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker harmoniert auch mit breiteren Schultern, die Knie finden ausreichend Platz unter der markanten Tankkante. Das Digitaldisplay sitzt in einem runden Gehäuse hinter dem Lenker im Enduro-Stil. Die Ablesbarkeit des LC-Displays ist ok, über mit Nachdruck zu bedienende Schalter kann man sich durch die Menüs klicken.

Auf Tour mit der Triumph Tiger 1200 GT Explorer

Auf meine diesjährige Tourbegleiterin Triumph Tiger 1200 war ich im Vorfeld schon sehr gespannt. Nicht nur, weil sie bei der Fahrzeugpräsentation schon bereits einen guten Eindruck machte sondern auch weil Sabine – die mich bei der letztjährigen Fahrvorstellung auf und um den Nürburgring vertrat – sehr begeistert von ihr berichtete. Nach fünf Tagen und knapp 1.500 Kilometern mit der GT Explorer durch das Elsaß und die Vogesen ist es nun Zeit für ein Fazit.

Den ersten Eindruck lieferte bereits Sandra am ersten Fahrtag. Nachdem sie keine zwei Stunden hinter mir her gefahren war, meinte Sie: „Es wirkt so, als ob Du in Deinem Leben kein anderes Motorrad gefahren wärst. Du bist echt eins mit der Maschine!“. Interessanterweise fühlte es sich für mich auch genauso an. Das Motorrad gibt einem keine Rätsel auf, ist super zugänglich und man gewinnt sehr schnell Vertrauen in die Tiger.

Die Tiger 1200 GT Explorer im Überblick

Bei der von mir gefahrenen Maschine handelte es sich um eine in Snowdonia White lackierte GT Explorer. Für einen Kaufpreis von 21.945,00 € kommt sie bereits in Vollausstattung mit semiaktivem Fahrwerk, Quicksifter, Totwinkelassistent, Reifendruck-Überwachungssystem, Berganfahrhilfe und Tempomat. An optionalem Zubehör kann man neben ein paar Kleinteilen eigentlich nur die Bekofferung auswählen. Mit zwei Koffern und einem Topcase fuhr ich bei Triumph mit maximaler Ladekapazität von 123 Litern vom Hof. Der mit 30 Litern voll gefüllte Tank versprach eine Reichweite von um die 500 km, sorgt aber auch für ein fahrfertiges Gesamtgewicht von 255 kg.

Ergonomie und Reisekomfort

Beim Rangieren merkt man schon, dass man ein großes Bike bewegt. Interessanterweise stellten wir später fest, dass die Honda CB 1100 meines Mitfahrers Stephan genau das gleiche Gewicht wie die GT Explorer auf die Waage bringen sollte, die CB baut aber flacher und hat dadurch einen niedrigeren Schwerpunkt.

Die Sitzhöhe ist verstellbar von 850-870 mm, so dass für unterschiedliche Fahrergrößen vorgesorgt ist. Der Kniewinkel war entspannt, der 849mm breite Lenker ist zum Fahrer geneigt, man nimmt eine angenehme Fahrposition hinter dem Windschild ein. Dieses ist leicht während der Fahrt verstellbar. Auf schnelleren Autobahnetappen zwirbelte es mir in der höchsten Position bei meinen 1,82 m Größe noch leicht am Helm, ich würde mir da wahrscheinlich noch einen Windabweiser montieren um komplett windgeschützt zu sitzen.Auf der Landstrasse hatte ich das Windschild immer unten, um mehr kühlende Luft am Oberkörper zu haben.

Obwohl der große Tank optisch sehr präsent ist, zwängt er einem im Sitzen keine gespreizte Sitzposition auf – etwas, was mich vor kurzem bei der Husqvarna Norden 901 sehr gestört hatte.

Royal Enfield Himalayan Test – Erfahrungen mit der Reiseenduro

Wieviel Leistung ist eigentlich genug? Was braucht man wirklich, um vernünftig und entspannt von A nach B zu kommen? Mit meiner Vespa 300 GTS Super war ich bereits mit 22 PS auf Tour durch den Harz. In den zwei Jahren mit der Honda CJ250T lernte ich, dass man auch mit 27 PS gut auskommen kann (wenn der Oldtimer denn mal lief). Und nun stand die fabrikneue mit 24 PS vor mir. Nicht, um in der Stadt umherzufahren, sondern um eine Tour einmal quer durch die Republik zu fahren. Und ich muss gestehen, ich war sehr gespannt. Bereits 2018 sind wir im Vergleich der BMW S1000 XR und G310 FS der Frage auf den Grund gegangen, wie viel Bike man zum Reisen braucht. Mal sehen, wie sich die Antwort auf diese Frage aus Sicht von Royal Enfield gestaltet.

Die 24 PS bei mobilisiert der 411 ccm große Einzylinder bei 6.500 U / min, die atemberaubenden 32 Nm Drehmoment liegen bei 4.250 Umdrehungen. Damit sollen nun knapp 200kg Motorrad plus Gepäck plus Fahrer bewegt werden. Meine anfängliche Skepsis erschien mir aufgrund der Datenlage berechtigt.

Die erste Stunde unserer Tour führte uns über das Autobahngeschlängel rund um Frankfurt. Und sehr schnell wurde klar, dass dies nicht die Komfortzone der Himalayan war. Weist das Datenblatt 127 km/h als Höchstgeschwindigkeit aus, sind es in der Praxis eher 120 km/h. Und man merkt, wie schwer sich das Maschinchen damit tut, einen ambitioniert pilotierten LKW zu überholen.

Kaum aber auf der Landstrasse angekommen, versetzt einen das Maschinchen in einen sehr entspannten Reisezustand. Der Einzylinder treckert fleissig unter einem und man verzichtet automatisch auf das Fahren auf der letzten Rille. Zum einen ist es nicht das bevorzugte Tempo der Maschine, was sie einem deutlich zu verstehen gibt. Zum anderen wird einem dadurch klar, dass man eh keine andere Option hat, als sich im Rahmen der Möglichkeiten zu bewegen. Und durch diese faktische Akzeptanz des Hier und Jetzt entspannt sich Gehirn und Körper und man geniesst einfach. Dann ist es auch egal, wenn man ein paar Kilometer ohne Überholmöglichkeit hinter einem LKW herzuckelt. Dann steht eben die Freude an der Natur im Vordergrund. Bei den nächsten Bergauf-Kurvenpassagen muss auch keine Bestzeit in den Asphalt gebrannt werden.

BMW R nineT Scrambler Test – Erfahrungen auf unserer Alpentour

In diesem BMW R nineT Scrambler Test geht es um eine Alpentour, die ich 2022 rund um den Gardasee gefahren bin. Sieben Jahre nach meiner ersten Tour auf der R nineT Pure wollte ich wissen, wie sich die Scrambler-Version schlägt. Hier die Unterschiede, Fahreindrücke und meine Erfahrungen auf kleinen und großen Alpenpässen.

BMW R nineT Scrambler Test auf Passstraße in den Alpen

Sowohl die R nineT als auch ich hatten in der Zwischenzeit sieben Jahre um zu reifen und besser zu werden. Die Unterschiede der Scrambler zu ihren beiden mitfahrenden Schwestermodellen umfassen im Wesentlichen die folgenden Punkte: 19-Zoll-Vorderrad, schmaleres 17-Zoll-Hinterrad, schmalere Reifen, längere Federwege, weichere Feder hinten, konventionelle Gabel, flacherer Lenkkopf, längerer Nachlauf.

Der Fahrkomfort

Die BMW R nineT Scrambler bietet mit 125 mm vorne und 140 mm hinten einen spürbar längeren Federweg als die BMW R nineT Pure mit 120 mm vorne und 120 mm hinten. Es sitzt sich entspannter auf der Scrambler und der Kniewinkel ist auch etwas reisetauglicher – die Sitzhöhe bei Leergewicht beträgt bei der Scrambler 820 mm vs. 805 mm bei der Pure, ebenso ist die Schrittbogenlänge bei der Scrambler 45 mm größer als bei der Pure.

Wenn am Ende eines langen Fahrtages trotzdem der Allerwerteste zwickt, dann liegt das eher an der dünnen Sitzbank. Die hat mich schon 2015 gestört, hier würde ich am ehesten Abhilfe schaffen. Zahlreiche Zubehörlösungen sind hier ja bereits am Markt, die auch die originale Optik wieder aufgreifen.

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