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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Kategorie: Touren (Seite 1 von 19)

Löwenberger Land und Naturpark Uckermärkische Seen

Auch wenn man denkt, manche Gegenden schon gut zu kennen, ergeben sich immer wieder neue Perspektiven. Rund um das Löwenberger Land fuhr ich meine erste Tour mit Tom 2016. Damals ging es etwas weiter westlich Richtung Neuruppin und Rheinsberg. Vier Jahre später trafen wir uns am gleichen Ausgangspunkt wie damals – einer Tankstelle an der B96 bei Oranienburg. Nur sollte unsere Tour jahreszeitenbedingt etwas kürzer ausfallen.

Zunächst hielten wir uns westwärts bis Sommerfeld, dann ging es weiter über Herzberg (Mark) wieder ostwärts Richtung Häsen. Diesen Teilabschnitt kannte ich noch nicht, er lohnte sich aber sehr. Schöne, kurvige Strassen entlang herbstlicher Alleen waren echt ein Genuß.

Ab Zehdenick ging es weiter über Woltersdorf und Stechlin bis Fürstenberg. Nach einer kurzen Pause in Fürstenberg statteten wir dem Weihnachtsmannpostamt in Himmelpfort einen Besuch ab, bevor es wieder südwärts über die Mühle Tornow über Blumenow bis Zehdenick.

Hier kreuzten wir zweimal die Route der Hinfahrt, weil ich noch zum Hangelberg bei Gransee wollte.

Auf dem Hangelberg

Speaking of Lost Places… Tom jammerte zwar etwas mangels der Bodenfreiheit seiner R1200 aber folgte mir dann doch über das ehemalige NVA-Gelände auf die Erhebung, von der aus wir ein paar schöne Drohnenaufnahmen machen konnten. Seit meinem letzten Besuch hatten sich einige neue Fahrspuren durch ambitionierte Enduristen aufgetan. Die alten Bunker ergaben dann auch einen schönen Fotohintergrund für meine GS.

Am Nachmittag erwartete uns spektakuläres Abendlicht der doch sehr früh untergehenden Sonne. Lustig, wie ich meinen eigenen Schatten verfolgen konnte.

Bevor die Sonne unterging, machte ich noch einen letzten Fotostop im Briesetal.

Tourabschluss im Briesetal

Die Briese ist ein kleiner Nebenfluss der Havel. Vom Parkplatz an der L211 erreicht man schnell die Biberdämme, die den Flußlauf aufstauen. Im sumpfigen See steht der Erlenbruchwald. Sowohl vom Boden als auch aus der Luft ein toller Anblick.

Die Route

Die Route könnt ihr Euch hier bei Kurviger.de anschauen oder herunterladen.

Le grand tour du Havelland

Der letzte Sonntag im Oktober versprach Sonne und Temperaturen nahe der 20°. Solche Tage darf man nicht ungenutzt lassen und wenn dein Motorradkumpel anruft und fragt, ob Du auf ne Runde mitkommst, sagst Du nicht nein. Auch wenn der Treffpunkt zur Runde am anderen Ende der Hauptstadt liegt und Du erstmal ne knappe 3/4 Stunde brauchst, um das Mopped von der heimischen Garage da hin zu schubsen.

Von einer Tankstelle am Hermsdorfer Damm machten wir uns gegen Mittag zu viert auf ins Havelland. Tom hatte die Route ausgeheckt und fuhr voran, ich reihte mich ganz hinten ein und genoß es, ausnahmsweise mal nicht navigieren zu müssen sondern einfach nur hinterherfahren zu dürfen.

Das Rudel bestand aus einer BMW R1200 R, einer S1000RR und einer KTM 1290 Super Adventure. Dagegen war meine F800 GS der Welpe im Wolfsrudel. In sportlich ambitionierter Gangart wurde nach Verlassen der A111 die brandenburgischen Landstrassen westwärts in Angriff genommen.

Die anfängliche Route deckte sich mit meiner Hamburg-Tour vor nicht mal 10 Tagen: über Wolfslake, Schönwald-Glien, Alt-Brieselang nach Nauen.

Ab Nauen ging es dann aber weiter südlich bis Tremmen, links und rechts der Straße dekorierten akkurat gestutzte Bäume in den ortsansässigen Baumschulen den Weg. In der Gegend um Ketzin und Brandenburg / Havel war ich bislang nur vor sieben Jahren mal gewesen. Meine damalige Route hatte ich nicht so spektakulär in Erinnerung, aber die Strecke, die Tom vorgab geizte nicht mit Reizen.  Am Oberen Betzsee vorbei und durchs Havelländische Luch gab es kurzweilige Kurven zu fahren und schöne, herbstliche Landschaften zu sehen.

Einige Schlenker durch die Havelauen ließen wir aus, um das stramme Nachmittagsprogramm bei Tageslicht noch zu Ende fahren zu können. So ging es auf relativ direktem Weg westwärts durch Rathenow durch. Dann führten uns die L96 und die L18  Richtung Havelberg. Hier ließ es sich vortrefflich angasen und wir genossen die freie Straße.

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Der Herbstklassiker in der 2020 Edition: Berlin-Hamburg-Berlin

Seit acht Jahren existiert dieses Blog. Seit acht Jahren fahre ich Motorrad. Und seit acht Jahren fahre ich im Herbst nach Hamburg. Die unterschiedlichsten Routenvarianten habe ich dabei ausprobiert, einige findet ihr in der Karte hier oder auch verlinkt auf meiner Tourenseite.

Einige Streckenabschnitte haben sich als meine Favoriten fest etabliert, aber zwischendrin gab es immer noch Optimierungsmöglichkeiten. Und so machte ich mich diesen Herbst dran, diese Lücken zu schliessen.

Hinfahrt nach Hamburg

Für die diesjährige Hinfahrt nach Hamburg wollte ich eine Route südlich der Elbe ausprobieren. Bislang war ich meistens auf der Nordseite geblieben.

Bei 8° und Nieselregen machte ich mich zunächst auf dem schnellsten Wege aus der Stadt. Über die A114 und den Berliner Ring ging es bis zur Ausfahrt Oberkrämer. Von dort aus hatte ich mir eine Route geplottet. Und es ging schon gut las, kurz mach der Autobahnausfahrt befand ich mich auf besseren Feldwegen. Bei Wolfslake ging es dann wieder auf asphaltierte Strassen.

Kurzweilige Nebenstrecken führten mich über Nauen bis Friesack, hier hatte ich noch einen Schlenker eingeplant über die schöne Strecke Richtung Dreetz und Giesenhorst, die ich letztes Jahr entdeckt hatte.

Kurz danach machte ich meinen ersten Stop beim Flugplatz Stölln/Rhinow. Hier unternahm Otto Lilienthal seine ersten Flugversuche (nachzulesen hier), ausgestellt ist hier seit über dreißig Jahren eine Iljuschin der ehemaligen DDR Fluglinie Interflug, die „Lady Agnes“. Ihre letzte Landung machte sie auf dem Acker, bevor sie zum Ausstellungsstück wurde.

Über die Dörfer fand ich meinen Weg nach Havelberg, wo ich die Fähre Richtung Werben nahm wie zuletzt vor drei Jahren mit der MT-07.

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Erzgebirgstour 2020: die deutsche Erzgebirgsseite

Früh zu Bett, früh wieder auf den Beinen: nachdem am Vorabend in Hohnstein die Bordsteine unter unseren Füßen hochgeklappt wurden und nirgendwo mehr ein Bier aufzutreiben war, lagen wir früh in den Betten in unserem Burgzimmer. Irgendwann nachts stand ich auf um das Fenster zuzumachen, nachdem es draussen schon wieder regnete. Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen offenbarte auch grau in grau. Wird’s halt wieder nass, dachten wir. Ein Jugendherbergs-Frühstück später sattelten wir die im Burghof geparkten Stahlrösser und ritten durchs Burgtor hinaus in den letzten Tourtag.

Als erstes erwartete uns eine Runde um den Deutschlandring. Leider nicht in seiner kompletten Länge, denn der Aufstieg zwischen Polenztal und Hockstein ist am Wochenende für Motorradfahrer gesperrt. Also bogen wir rechts ab Richtung Heeselicht und fuhren wir uns etwas warm auf den langgezogenen Landstrassenkurven. Hinter Heeselicht orientierten wir uns entlang der Streckenführung der alten Rennstrecke südwarts und das aufklarende Wetter bot uns einen tollen Blick  aus der Sächsischen Schweiz Richtung Erzgebirge. Warum hatten wir nochmals in vorauseilendem Gehorsam gleich zur Abfahrt die Regenklamotten angelegt? Kurz hinter Pirna hielten wir nochmal an und pellten uns wieder aus.

Nach Überquerung der A17 fuhren wir ins Seidewitztal ein und folgten dem mäandrierendem Flusslauf bergauf. Ein kleines Stück durchs Müglitztal weiter führte uns dann nach Glashütte. Die Wirtschaftskraft der örtlichen Uhrenfabrik spiegelt sich deutlich im Ortsbild wieder. Natürlich befindet sich hier im Ort auch das deutsche Uhrenmuseum, wo sonst sollte es beheimatet sein.

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Erzgebirgstour 2020: Vogtland und tschechisches Erzgebirge

Das Vogtland zum Frühstück

Der Tag begann, wie der gestrige geendet hatte: mit dem Blick auf das Regenradar und auf diverse Wetter-Apps. Unser Urteil fiel unterschiedlich aus: Thomas fuhr erstmal so los, ich pellte mich schon in meine Regenklamotte.

Nach den ersten Landstrassenkilometern bogen wir in Mühltroff auf kleine und kleinste Sträßchen durchs Vogtland ab. Schönberg, Rodau, Tobertitz, Bösenbrunn und Triebel hiessen die Dörfer, die wir passierten. Zwischendrin schöne, hügelige Landschaften, regennasse Felder und leider grauer Himmel.

Meine Tankleuchte hatte bereits beim Losfahren geblinkt, aber wenn man so durchs Hinterland fährt wie wir, sind die Tankstellen spärlich gesät. Erst in Schöneck fanden wir eine, worüber ich sehr dankbar war, da ich nur noch für ca. 20km Sprit im Tank hatte. Thomas warf sich hier auch seine Latexpelle aka Regenklamotte an, da der Himmel nichts gutes verhieß.

Das tschechische Erzgebirge

Über Tannenbergsthal und Mühlleiten erreichten wir in Sachsenberg-Georgenthal die tschechische Grenze. Der Grenzübergang kam sehr überraschend, wir fuhren durch ein Wohngebiet, das Navi hieß uns links abbiegen und schwupps, waren wir in Tschechien.

Über schmale, kurvenreiche Sträßchen mäandrierten wir uns durch das Westerzgebirge bevor wir bei Rolava eine moorige Hochebene erreichten (Frühbußer Heide), die an die schottischen Highlands erinnerte. Und genau das mag ich so sehr an der Tschechei: während sich unweit auf der deutschen Seite Städtchen an Städtchen reiht, bist Du hier in einer komplett anderen Welt. Viel weniger Zivilisation, dafür viel mehr Natur.

Zu unserem Leidwesen wurde die Natur sehr fleißig von Petrus gegossen, je weiter wir fuhren desto mehr regnete es. Über Nové Hamry, Horní Blatná und Pernink näherten wir uns dem höchsten Punkt der Tour, dem Klínovec. Er ist mit 1.243m die höchste Erhebung des Erzgebirges und überragt damit seinen deutschen Nachbarn Fichtelberg um gut 30 Meter. An Fernblick war nicht zu denken, denn mit jedem erklommenen Höhenmeter regnete es stärker und der Wind nahm deutlich zu. Oben angekommen war das Thermometer auf 9 Grad gesunken und es regnete quer. Das scheint unser Schicksal mit tschechischen Bergen zu sein, bereits 2013 erging es uns auf dem Ještěd exakt gleich.

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Erzgebirgstour 2020: der Prolog

Never change a winning Anreiseplanung. Schon im letzten Jahr waren Thomas und ich sehr synchron in unserer Anreise in den Thüringer Wald. Und dieses Jahr lag unser Treffpunkt bei Schleiz auf der gleichen Höhe wie Bad Lobenstein im letzten Jahr. Nur auf der anderen Autobahnseite.

So endete mein Home Office-Arbeitstag Freitags gegen Mittag. Noch am Vorabend hatten Thomas und ich diskutiert, ob wir überhaupt fahren sollten. Alle verfügbaren Wetter-Apps zeigten drei Tage Regen und Gewitter an. Aber es gab eine leichte Tendenz der Aufklarung. Hatten wir damals beim Alpenblitz 2016. Nur Schiff angesagt. Und was war? Bisschen Regen auf der Silvretta Hochalpenstrasse. Mehr nicht. Aus dieser Erfahrung heraus hatten wir uns entschlossen, doch zu fahren.

Gepackt hatte ich eigentlich schon am Sonntag davor. Nennt mich Vorbereitungsspießer. Also musste ich mir nur in die Motorradklamotten werfen, Tankrucksack und Tasche aufschnallen und los gings. Den mühsamen Weg im Freitagsnachmittagsverkehr aus der Stadt raus. Seestrasse, A100, Avus, Dreieck Potsdam, A9. Alleine bis hierhin habe ich fast ne Stunde gebraucht. Kurze Pause gemacht, um die Regenklamotten anzuziehen, denn Himmel und Strasse verhiessen nichts Gutes.

Dann erstmal auf der Bahn fliegen lassen. Um die Anreise etwas abwechslungsreicher zu gestalten, hatte ich einen kleinen Abstecher eingeplant. Nach einer knappen Stunde verließ ich die Autobahn bei Dessau Ost und steuerte Gräfenhainichen an. Noch nie hatte ich mir die maschinellen Relikte aka Industriekultur aus dem Braunkohletagebau angeschaut. Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt. Für 6€ Eintritt kann man die alten Bagger aus der Nähe bestaunen und begehen. Infotafeln und ein Museum geben Auskunft über die Bergbautradition und die riesigen Metallgiganten, die den Abbau bewerkstelligten. Nun sind sie beeindruckende Kulisse für Musikfestivals wie das Melt, auch die Petrolettes waren letztes Jahr hier zu Gast.

Von hier aus orientierte mich auf der Landstrasse südwärts zu meinem nächsten Zwischenstopp, dem Pegelturm am Goitzschesee. Nähe Bitterfeld erhebt sich die interessante Stahlkonstruktion über den Grossen Goitzschesee. Erklommen habe ich sie nicht, obwohl die Aussicht von dort oben schon spannend sein soll. Vielmehr fesselte mich die Aussicht auf ein klitzekleines Stück Kuchen am Strandcafé gegenüber.

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Vom Schleizer Dreieck zum Deutschlandring: eine Rundtour durchs Erzgebirge

Wenn ich eines mag, dann ist es etwas Kontext zu den Touren. Zum Beispiel die zehn höchsten Alpengipfel zu erfahren oder verlorene Orte in Brandenburg zu erkunden.

Ich gebe allerdings zu: der Plan, ein Wochenende ins Erzgebirge zu fahren stand vor der Erkenntnis, daß man damit zwei geschichtsträchtige Rennstrecken in Ostdeutschland damit verbinden könnte. Das Erzgebirge war mir dabei nicht neu. Bereits bei der Mittelgebirgstour 2014 lernte ich die Vorzüge von Erzgebirge und Vogtland kennen. Die Sächsische Schweiz hingegen erkundeten wir bereits auf der Riesengebirgstour 2013.

Den westlichen Punkt der diesjährigen Route markiert das Schleizer Dreieck, den östlichen der unbekanntere Deutschlandring.

Start: das Schleizer Dreieck

Am 10. Juni 1923 fand das erste Rennen auf dem Schleizer Dreieck statt, das macht die Strecke zum ältesten Straßenrundkurs Deutschlands. Im Laufe der Jahre wurde die Strecke mehrmals umgebaut. So reduzierte sich die Streckenlänge von 7,6 auf 3,8km. Große Teile der Strecke sind Landstrassen, die unterjährig befahrbar sind wie der Streckenteil Buchhübel mit dem alten Start- und Zielgebäude.

Heute wird das Schleizer Dreieck vor allem für Motorrad-, Gespann- und Veteranen-Rennen sowie für das ADAC-Bergrennen genutzt. Als Saisonhöhepunkt gilt der Lauf der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft.

Ziel: der Deutschlandring

Der Deutschlandring in der Nähe von Hohnstein bei Dresden war eine der ersten Rennstrecken Deutschlands. Von 1919 bis 1922 wurde die Wartenbergstraße vom Polenztal bei Hohnstein bis zur Hocksteinschänke erbaut. Bis 1939 wurde die Rennstrecke zum exakt 10 km langen „Deutschlandring“ ausgebaut und sollte zu einem Gegenstück in Sachsen zum Nürburgring in der Eifel werden. Am 26. April 1939 wurde der Deutschlandring feierlich eingeweiht. Doch Kriegsausbruch und Nachkriegszeit verhinderten einen beachtenswerten Rennbetrieb. Nach dem Krieg fand ein allerletztes Rennen am 14. Oktober 1951 statt.

Im Gegensatz zum Schleizer Dreieck ist die komplette Streckenführung des Deutschlandrings befahrbar. Ausser, man ist auf dem Motorrad unterwegs. Dann kann man die Wartenbergstrasse zwischen Polenztal und Hockstein nicht befahren weil wegen Fahrverbot.

Das Zwischendrin: unsere Route durchs Erzgebirge

Zwischen den beiden historischen Eckpunkten bastelte ich für Thomas und mich eine wochenendtaugliche Route, Samstags auf der tschechischen Seite rein, Sonntags auf der deutschen Seite wieder raus.

Und was wir unterwegs so erlebt haben, das erfahrt ihr im nächsten Post.

Wenn der Vater mit dem Sohne: die erste Ausfahrt mit dem Nachwuchs

Eigentlich wäer das „nur“ eine gepflegte Nachmittagstour mit meinem Kumpel Tom gewesen. Eigentlich. Hätte nicht Sohn I kürzlich nach Erwerb der F800GS den Wunsch geäußert, doch mal eine Tour mitfahren zu können. Wer wäre ich, der ich dem widersprechen würde! Seinen ersten Helm bekam er, als er 6 Jahre alt war. Gelegentliche, kleine Touren auf der Vespa in der Stadt folgten. Aber so richtig raus in die Wildnis Brandenburgs? Das war neu.

Mittlerweile ist das Kind prepubertär, mein alter Helm passt sowie die Motorradhose seiner Mutter. Eine Motorradjacke in passender Größe hatte ich neulich erst erstanden. Fehlten noch die Motorradschuhe, aber das Problem konnten wir letzten Samstag beim freundlichen Zubehörhändler lösen.

Sonntags nach dem Mittagessen wurde aufgesattelt, am Standardtreffpunkt stieß Tom zu uns und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Mühle Tornow.  Die Tour hatten wir vor einem Jahr schon mal unternommen. Die Routenführung hatte ich leicht modifiziert, um nicht allzu lange Brandenburger Geradeaus-Strecken zu haben.

Natur, Natur, Natur

Berliner Tor in Templin

Nette Strecke vor Annenwalde

Um Annenwalde fanden wir nette Kurven und die „Allee des Jahres 2012“. In Groß Dölln konnten wir einem Amateurrennen zukucken und in der wieder geöffneten Mühle Tornow gab es eine Stärkung für die drei Motorradreisenden.

Das hier ist übriges die Allee des Jahres 2012: die Lindenallee zwischen Densow und Annenwalde bei Templin

Den Amateur-Rossis in Groß Dölln zukucken

Kleine Stärkung in der Mühle Tornow

Zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, daß es dem Kind zu lange oder zu langweilig wäre. Aber nein, er zeigte auf allerlei Sehenswürdigkeiten neben der Strecke und genoß die Fahrt. Mangels Intercom hatten wir uns auf Klopfzeichen verständigt für „Festhalten“(ich zu ihm), „Anhalten“ (er zu mir) oder „Langsamer“ (er zu mir, kam aber nie zum Einsatz).

Noch mehr Natur

Klappbrücke oben, Böötchen muss durch

Kurz vorm Ziel musste ich nochmal tanken, da meinte der Sohn zu mir „Papa, können wir auf der Autobahn nochmal ganz schnell fahren?“ Sagt hallo zum neuen Sozius, ich glaube der fährt jetzt öfters mit!

Chasing Lost Places in Berlin und Brandenburg

Lost Places: alte, verlassene Gebäude und Strukturen. Ihren Zweck haben sie längst erfüllt und werden nicht mehr gebraucht. Der Zahn der Zeit nagt an Ihnen und die Natur erobert sich ihren Platz zurück. Schon als Kind fand ich das faszinierend und stöberte gerne in alten Gebäuden herum, auf der Suche nach Artefakten oder spannenden Perspektiven.

Berlin und Brandenburg ist voll von Komplexen, die noch aus der Kaiserzeit stammen, dem ersten oder zweiten Weltkrieg oder dem Kalten Krieg geschuldet sind und die nun so rumstehen. Die Erkundung dieser Orte erschienen mir ein guter Aufhänger für eine kleine Motorradtour und so pickte ich mir als Auftakt sechs Lost Places im Norden von Berlin heraus und machte mich auf einem Samstagnachmittag auf den Weg.

Für den Weg aus der Stand fand ich sogar eine Route abseits der Bundesstrassen über Schotter. Man fährt ja jetzt Enduro. Nordostwärts führte mich die Landstrasse dann zum ersten Stop.

Flugplatz Werneuchen

Der Flugplatz Werneuchen wurde als Ausbildungsplatz der Luftwaffe ab 1935 errichtet, nachdem im gleichen Jahr das Reichsluftfahrtministerium das Gelände erworben hatte. Der Bau der eigentlichen Anlagen begann im Frühjahr 1936 und wurde im November des folgenden Jahres abgeschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Flugpatz weiter ausgebaut und von den Sowjetischen Truppen bis zu deren Abzug 1993 militärisch genutzt. Der Flugplatz ist noch heute ein Sonderverkehrslandeplatz, auf dem Flugzeuge mit einem Gewicht von bis zu 5,7 Tonnen landen dürfen.

Aufgrund von illegalen Autorennen auf dem Platz und auch auf der Startbahn wurde die Bahn geteilt, um diese künftig zu verhindern. Dazu wurde ein ca. 0,7 m hoher Erdwall aufgeschüttet, welcher die Bahn in einen 900 m langen westlichen und einen 1499 m langen östlichen Abschnitt teilt. Für den Flugbetrieb ist nur noch der östliche Abschnitt zugelassen.

Im Umfeld der Landebahn finden sich noch alte, graffitiübersäte, rostige Hangars, eine alte Tankstelle und noch ein Bunker, der von der Schützengilde Werneuchen als Schiessplatz genutzt wird. Ein Großteil des Geländes ist mit Solarpaneelen bedeckt, die man schon von der Zufahrt von der alten Hirschfelder Strasse aus sehen kann.

Heeresbekleidungsamt Bernau

Das Nebenlager des Heeresbekleidungsamtes Bernau wurde 1939-1942 erbaut und von 1941 bis 1945 von der deutschen Wehrmacht zur Herstellung und Lagerung von Uniformen und Armeezubehör genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich hier ein Nachschub- und Versorgungsdepot der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.

Auf Google Maps fand ich den entsprechenden Eintrag für das Heeresbekleidungsamt, nachdem ich vorher noch Bilder auf der Website Pixelgranaten entdeckt hatte. Es passte perfekt in die geplante Route, also machte ich da einen Zwischenstop. Anstelle eines alten Komplexes fand ich aber eine neugebaute Wohnsiedlung vor. Auf der Wiese gegenüber musste das Heeresbekleidungsamt gestanden haben. Jetzt wehten da Gräser im Wind. So bleiben von diesem Ort nur die oben verlinkten Bilder.

Auf zum nächsten Ort, den ich schon öfters besucht hatte.

FDJ-Jugendhochschule Bogensee

Bekannt wurde der Bogensee durch den hier errichteten Landsitz für Joseph Goebbels und die spätere Nutzung als Jugendhochschule der FDJ, deren Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Eigentümer des Bogensees ist das Land Berlin. 1936 schenkte die Stadt Berlin den Borgensee samt eines Blockhaus Reichspropagandaminister Goebbels zu dessen 39. Geburtstag auf Lebenszeit. 1939 ließ sich Goebbels ein neues Landhaus sowie diverse Nebengebäude errichten. Alle Gebäude wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1946 als Lazarett genutzt. Am 9. März 1946 wurden das Gelände und die Gebäude von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) an die zwei Tage zuvor gegründete Freie Deutsche Jugend (FDJ) übergeben, die dort ihre Jugendhochschule Waldhof am Bogensee einrichtete. 1950 wurde der FDJ-Jugendhochschule der Name des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, verliehen. Seit 1990 suchte man vergebens nach einer neue Nutzung. Heute befindet sich dort noch die Waldschule Bogensee.

Den nächsten Ort könnte man von hier aus mit einem kleinen Marsch nordwärts durch den Wald erreichen. Ich nahm aber die kurze Strecke entlang des Obersees mit ihren schönen Kurven bis Lanke und dann nach Prenden.

Bunker 5001 – Honecker Bunker

Im Wald von Prenden verbirgt sich das angeblich technisch aufwendigste Schutzbauwerk im Warschauer Pakt (außerhalb der Sowjetunion). Der Bunker 17/5001 wurde zwischen 1978 und 1983 als Hauptführungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR in der Nähe des Dorfes Prenden gebaut. Der Vorsitzende des NVR war nach Walter Ulbricht ab 1971 Erich Honecker. Da er somit quasi die wichtigste Person im Bauwerk gewesen wäre, wird es oft auch „Honecker-Bunker“ genannt.

Einen Überblick über das Bauwerk gibt der folgende Film:

Die Anfahrt erfolgt über die Utzdorfer Strasse in Prenden. Zur Rechten der Strasse steht noch ein verwittertes Wachhäuschen. Etwas weiter der Strasse entlang steht das Eingangstor des Komplexes, links davon geht eine Sandpiste weiter in den Wald, die der Begrenzung des Geländes folgt. Der Stacheldraht ist nicht mehr, man kann auch kurz durch den Wald laufen und findet sich hinter dem Eingangstor wieder auf der Zufahrtsstrasse zum Bunker.

Zugegebenermassen gibt es von aussen nicht viel zu sehen und leider werden aktuell keine Führungen im Bunker angeboten. Der Bunker soll aber als Museum eröffnet werden, der Besuch wird sich sicher lohnen.

Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde

Der vorletzte Halt auf der Tour führte mich über Schotter und Sandwege in den Wald nordwestlich von Klosterfelde. Irgendwann zur linken Seite tauchten wieder Gebäude auf, abgesperrt durch einen Zaun und Gitter.

Nach einem Beschluss der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1952 sollten in der Republik fliegende Einheiten stationiert werden, darunter auch Flugabwehrsysteme. Dazu gehörte auch die Flugabwehr-Raketenabteilung 4123 (FRA-4123) in einem Waldstück bei Klosterfelde im Norden Berlins. Hier war die 41. Raketenbrigade „Hermann Duncker“ (Ladeburg/Bernau) stationiert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde fand 2012 die „artbase“ statt – ein Urban-Art-Festival, welches verlassene Orten Künstlern und Kulturschaffenden Freiräume schaffen möchte und diese aufgegebenen Locations einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Leider ist das Gelände nicht mehr zugänglich, einen guten Eindruck über die Gebäude und die Graffitis findet ihr drüben auf Rottenplaces.

Waldsiedlung Wandlitz

Auf dem Rückweg nach Berlin wollte ich noch in der Waldsiedlung Wandlitz Halt machen. Zu DDR-Zeiten schottete sich hier die SED-Führung ab. Erich und Margot Honecker auch Egon Krenz, Otto Grotewohl, Erich Mielke, Günter Schabowski und Walter Ulbricht hatten hier ihre Häuser. Auf dem Areal finden sich mittlerweile viele Kliniken, die sich coronabedingt abschotteten, Hinweisschilder überall. So entschloss ich mich, den Heimweg anzutreten ohne das Gelände weiter zu erkunden.

Fahrerisch war es weniger aufregend, aber das Entdecken auf Aufspüren der verschiedenen Locations war sehr spannend. Ich denke mal, ich werde das fortsetzen. Genug alten Krams haben wir ja hier in der Gegend.

 

Erster-März-Ausfahrt

Ok, früh aufstehen wollte ich zwar, aber warum genau ich mir den Wecker auf 06:00 Uhr gestellt hatte, wissen die Götter! Naja, dann kann ich wenigstens nochmal den Hund um den Block scheuchen, bevor es auf die Motorradrunde geht. Der Wetterbericht hatte Sonnenschein für den Vormittag avisiert und so lugte auch der große Feuerball über die Dächer, als ich um 7:30 Uhr an der Tankstelle zur Luftkontrolle anhielt.

Ich hatte mich für die schnelle Variante der Hausrunde zum Schiffshebewerk entschieden, d.h. erstmal raus auf die A11 bis zur Anschlussstelle Werbellin. Als ich von der Autobahn runterfuhr, waren wenigsten Motor und Reifen warmgefahren. Für den Fahrer galt das nicht zwangsläufig, denn bei 6 Grad Aussentemperatur war es trotz Turbozwiebelprinzip noch etwas frisch am Schlüpper.

Buckow, Lichterfelde, Blütenberg, Britz, heute nahm ich mal die kleinen Sträßchen für die Anfahrt zum Schiffshebewerk. Richtig angasen wollte ich heute eh nicht, dazu war es noch zu kalt und nass auf den Straßen und die Reflexe des Fahrers waren noch etwas im Winterschlaf.

Im entspannten Tempo erfreute ich mich des blauen Himmels und der strahlenden Sonne. Die einzigen Leute, die mir begegneten waren gerade mal zum Brötchen holen unterwegs, die Straßen hatte ich fast für mich. Ein einziger Motorradfahrer begegnete mir. Umso herzlicher fiel der gegenseitige Gruß aus, um dies Jahres- und Tageszeit sind wohl nur die ganz Bekloppten unterwegs. Rund ums Schiffshebewerk genoß ich die einzig brauchbaren Bergauf- und Bergabpassagen Brandenburgs gleich zweimal.

Der Caberg Jackal und das Sena 10C Evo auf erster Ausfahrt. Demnächst dann der Testbericht.

Für den Heimweg nahm ich die kurvige L200 von Eberswalde Richtung Melchow und Biesenthal. Hier ging es wieder auf die Autobahn, denn schließlich wollte ich zum Frühstück wieder zu Hause bei der Familie sein, was mir auch gelang. Ziemlich ausgekühlt aber glücklich. Glück hatte ich auch mit dem Wetter, denn gegen Mittag fing es eimerweise an zu kübeln. Der frühe Vogel halt.

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