Motorrad-Magazin über Benzinkultur, Motorrad-Touren und Custombikes

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Warum die Übernachtung in der Alpenhütte eine Motorradtour magisch macht – die Alpen-Hospize

Motorradfahren in den Alpen ist weit mehr als das Abspulen von Kehren. Es ist die Kombination aus Konzentration, Freiheit und der rauen Schönheit der Berge. Doch die wahre Magie entsteht erst, wenn wir den Motor abstellen und bleiben. Es gibt diesen Moment am späten Nachmittag, wenn der letzte Touri-Bus ins Tal rollt und die Straßen plötzlich leer sind. Die Luft wird kühler, die Schatten länger, und das einzige Geräusch ist das leise Knistern des abkühlenden Motors. Genau dann, auf über 2.000 Metern Höhe, beginnt das Abenteuer einer Motorradtour mit Übernachtung in einer Alpenhütte. Diese besondere Stimmung, wenn die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet und man mitten in der Stille der Berge steht, macht die Reise unvergesslich.

Hier sind sechs Orte, an denen die Verbindung zwischen Motorrad und Bergwelt auf besondere Weise spürbar wird.

Sustenhospiz: Kaminwärme im Nebel und Gletscherblick am Morgen

Auf dem Weg in den französischen Seealpen war das Sustenhospiz der Treffpunkt für unsere fünfköpfige Truppe, da wir aus verschiedensten Richtungen anreisten. Allesamt nahmen wir die westliche Auffahrt von Wassen aus. Selbst Nässe und Nebel konnten uns das Tagesfinale nicht trüben, obwohl uns nur die Vermutung blieb, wie der Fernblick hätte aussehen können. Durch den kurzen Gipfeltunnel hindurch – übrigens genau die Grenze zwischen den Kantonen Uri und Bern – hätten wir fast die Auffahrt linker Hand zum Sustenhospiz (2265 m. ü. M.) verpasst.

Die Belohnung? Das Motorrad abstellen und die nassen Stiefel vor den offenen Kamin zum Trocknen stellen, während die Kehle mit dem ersten Bier befeuchtet wird. Der Wirt bereitete uns dann eigenhändig eine üppige Grillplatte an der offenen Feuerstelle zu, die gut und gerne auch zehn ausgewachsene Männer satt gemacht hätte.

Wir nächtigen in den einfachen Mehrbett-Lagern mit Gemeinschaftsbad, es gibt aber auch Komfortzimmer mit eigenem Bad im Zimmer.

Das gemütliche Frühstück am nächsten Tag bestand vor allem aus vielen lokalen Käsesorten, sehr grosszügig aus dem Rad geschnitten. Zu unserem Glück hatte sich der Regen und der Nebel verzogen und wir starteten unseren Tourtag mit der Talfahrt Richtung Innertkirchen durch eine traumhafte Alpenkulisse.

Das Hospiz ist von Passöffnung bis -schließung (ca. Juni bis Oktober) geöffnet. Die Übernachtung ist einfach, aber gemütlich: vom Komfortzimmer (Du/WC, CHF 90.- inkl. Frühstück) bis zum Lager (CHF 45.- inkl. Frühstück).

Flüelahospiz: Die Symbiose mit der Maschine und die kalte Höhenluft

Den Flüelapass (2383 m. ü. M.) erreichten wir am Abend des ersten Tourtages unserer Wochenendtour 2016. Auch wenn wir schon über 400 Tageskilometer hinter uns hatten, hier weckten die schönen Kombination von längeren Passagen und engen Spitzkehren nochmal alle Lebensgeister. Dem Schaltassistent der S 1000 RR verlangte ich auf den knapp 13 Kilometern vom Ortsausgang Davos bis zur Passhöhe nochmal alles ab. Beim Ankommen vor dem Flüelahospiz stellten wir die Maschinen ab, und als sie leicht knisternd abkühlten, ertappten wir uns bei dem Gedanken, gleich nochmal runter- und wieder hochzufahren.

Nach dem langen Fahrtag freuten wir uns auf die gutbürgerliche Speisen im Restaurant, hausgemachte Rösti und Wildpfeffer aus eigener Jagd. In den rustikalen, holzgetäfelten Zimmern sanken wir müde und satt in die Kissen. Als ich am kommenden Morgen früh um 6:00 Uhr aufwachte machte ich noch einen kleinen Spaziergang und genoß den Blick auf den Schottensee und die umgebenden Berggipfel, bevor wir wieder die Motorräder sattelten. Auch der zweite Teil des Flüelas sollte keine Enttäuschung werden. Im oberen Teil noch das unbewaldete Hochtal mit weiten Kehren wird er im unteren Teil kurz vor Susch etwas engmaschiger. 

Das Hospiz, das nur von Mitte Mai bis Mitte Oktober geöffnet ist, bietet in dieser kargen Hochgebirgslage sechs Zimmer (ab CHF 65.- bis CHF 85.- inkl. Frühstück) und ein Lager (CHF 45.-).

Tibethütte am Stilfser Joch: Abendruhe nach dem Pass-Trubel

Das Stilfser Joch ist mit Sicherheit eines der prominententesten Alpenpässe und in der Hochsaison vor allem am Wochenende überfüllt. An freies Fahren ist hier kaum zu denken. Mann kann das System aber ausdribbeln, wenn man antizyklisch fährt. Wie wir 2022 auf unserer Rückfahrt vom Gardasee. Als Abends die restlichen Motorradfahrer, Autos und Wohnmobile ins Tal zuckelten, nahmen wir die Südrampe des Stelvio von Bormio kommend unter die Räder zu nehmen und kamen kurz vor 19:00 Uhr auf der Tibethütte an. Freie Bahn mit Marzipan.

Beim sehr leckeren Abendessen mit typischer Südtiroler und Veltliner Küche. genossen wir den sensationellen Ausblick auf den Ortler aus dem Halbrund des Restaurants. Nach dem Absacker sackten wir in die gemütlichen Betten unseres modern eingerichteten Vierbettzimmers.

Das schöne am nächsten Morgen ist auch hier die Stille. Morgens den Kopf aus dem Zimmerfenster zu strecken und – nichts – zu hören. Ausser dem Pfeifen eines Murmeltiers in der Ferne. Na gut, irgendwann drang das Auspuffwummern unserer BMW Boxer die Luft und wir genossen die freie Fahrt auf den Spitzkehren im frühen Morgenlicht. Bis Trafoi hatten wir kaum Verkehr auf dem Stelvio, wann hat man das schon mal erlebt?

Die Hütte auf 2800 Metern Höhe (geöffnet Ende Mai bis Ende Oktober) ist ein Magnet für Biker, die moderne Zimmer (Doppel- bis Vierbettzimmer, alle mit Du/WC) ab EUR 75,00 inkl. Frühstück buchen können. Kleiner Tipp für Elektro-Motorradfahrer: an der Hütte befindet sich eine Ladestation mit Typ2-Lader.

R12 Heritage Tour – Tag 4: übers Würzjoch, Jaufenpass, und das Timmelsjoch zurück nach München

Nach einer ruhigen Nacht und einem stärkenden Frühstück mit Blick auf die Dolomiten machten wir uns auf zur letzten Etappe. Doch bevor wir dazu kommen möchten ich Euch die Halslhütte in der wir genächtigt hatten sehr empfehlen. Die Halslhütte liegt auf 1.620 Metern Höhe am Fuße des Würzjochs und ist gut über die kurvige, teils enge Passstraße von Brixen oder St. Martin in Thurn erreichbar. Wer mit dem Motorrad kommt, parkt direkt vor der Hütte – mit Aussicht auf die Dolomiten inklusive.

Motorradfreundliche Übernachtung auf der Halslhütte

Drinnen erwartet einen eine gemütliche Stube mit viel Holz, Dielenboden und Kachelofen. Draußen gibt’s eine große Sonnenterrasse mit Panoramablick. Die Küche ist bodenständig-südtirolerisch, hausgemacht und ohne Schnickschnack. Knödel, Schlutzkrapfen, Speck – alles, was man nach einem langen Tag im Sattel braucht.

Übernachten kann man in einfachen, aber sauberen Zimmern oder im Lager. Warmes Wasser, frische Bettwäsche, gutes Frühstück – alles da. Wir haben die familiäre Atmosphäre und die herzliche Gastfreundschaft sehr geschätzt. Wenn man abends beim Stiefelbier auf der Terrasse sitzt und die Sonne langsam hinter den Zacken der Dolomiten verschwindet – dann weiß man, warum sich der Weg hierher gelohnt hat. Vielen Dank an Siggi, der die Hütte recherchiert und gebucht hatte.

Kurviger Start über das Würzjoch bis zum Jaufenpass

Über das schmale Asphaltbands des Würzjochs rollten wir hinunter nach Brixen, von dort aus folgten wir der Brennerstrasse bis Sterzing. Hier trennten sich Sandra und Siggi von uns, die über den Brenner den direkteren Heimweg nahmen. Der Rest von uns nahm Kurs auf den Jaufenpass. Der verbindet das Eisacktal mit dem Passeiertal und zählt zu den abwechslungsreichsten Pässen Südtirols. Die Straße ist durchgehend asphaltiert, bietet in der Nordauffahrt schnelle Kurven mit weitem Blick, oben dann enge Kehren, kleine Galerien, kurze Waldstücke – alles dabei. Wer früh unterwegs ist, bekommt das volle Programm fast für sich allein.

R12 Heritage Tour – Tag 3: Schotter, Serpentinen und ein neuer Lieblingspass

Der dritte Fahrtag hatte zwei Routenvarianten. Eine für die Straßen- und eine für die Stollenfraktion. Die Stollenfraktion bestand aus Simon und mir – und weil unsere Route ein paar Kilometer mehr und ein bisschen Schotter enthielt, starteten wir früh in Venzone und fuhren im Tal nordwärts bis Sutrio.

Hier teilten sich die Wege. Die Straßenfraktion bog auf die klassische Auffahrt zum Monte Zoncolan ab – ein Mythos unter Rennradfahrern und fester Bestandteil des Giro d’Italia. Die Westauffahrt ab Ovaro gilt als eine der härtesten Passstraßen Europas mit Steigungen bis zu 22 %. Die Ostseite ab Sutrio, die unsere Gruppe wählte, ist „nur“ extrem steil – mit rund 10 % im Schnitt, auf 13,5 Kilometern, durch dichten Wald und mit engen Kehren. Wer hier oben ankommt, weiß, was er getan hat.

Wir hingegen fuhren einige Kilometer weiter nördlich. In Cercivento zweigt die Strecke eigentlich auf den Monte Zoufplan ab, doch ich hatte die Route am Vorabend noch mal überarbeitet: Die knapp 25 Kilometer rauf und runter hätten uns locker 90 Minuten gekostet – das wäre angesichts des so schon langen Tourtages sportlich geworden.

Und es sollte die richtige Entscheidung gewesen sein. Also ging es für uns ein kleines Stück weiter bis kurz vor Ravascletto, wo in einer Spitzkehre der Abzweig auf die Panoramica delle Vette ausgeschildert war. Auf einem schmalen, sehr brüchigen Asphaltband schraubten wir uns den Berg hoch, dessen Gipfel noch im Nebel hing. In den unteren Kehren offenbarten sich aber schon spektakuläre Aussichten auf den Bergrücken des Monte Zoncolan auf der anderen Talseite. Jenseits der Baumgrenze bewegten wir uns dann durch Nebelschwaden, die immer wieder von Sonnenstrahlen durchbrochen wurden.

R12 Heritage Tour – Tag 2: Vršič, Soča, Mangart – Kurvenkino in Slowenien und Italien

Kranjska Gora ist der perfekte Ort für den Start in einen Tourtag. Nicht nur, weil man hier gut schläft und ordentlich frühstückt, sondern weil direkt hinter dem Ortsausgang die Nordrampe des Vršič-Passes beginnt. Kein Einrollen, kein Vorgeplänkel – einfach direkt rein in die 50 Kehren, viele davon noch mit dem originalen Kopfsteinpflaster aus Zeiten der k.u.k. Armee. Der Pass wurde im Ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen gebaut – ein Mahnmal und eine Kapelle erinnern an diese Geschichte.

Oben auf 1.611 Metern angekommen, eröffnet sich der Blick ins Soča-Tal. Und ab da wird’s wirklich spektakulär. Die Straße schlängelt sich in sanften Bögen dem türkisfarbenen Fluss entlang – glasklar, eiskalt und landschaftlich schwer zu toppen. Wer hier durchrauscht, macht was falsch. Wir halten gefühlt alle paar hundert Meter an, schießen Fotos, lassen die Drohne fliegen. Die G/S wird kurzerhand direkt ins Flussbett gestellt – alles für den Shot.

R12 Heritage Tour – Tag 1: Regen, Kurven und Kärntner Reidn – Motorradtour durch Österreichs Alpenpässe

Der Plan: 1.400 km durch 4 Länder in 4 Tagen, unser Motorradtrip mit drei BMW R12. Eigentlich waren es 4,5 Tage, denn wir hatten am Vorabend des ersten Tourtages die Bikes bei BMW in München übernommen: eine BMW R 12, eine R 12 nineT und die neue R 12 G/S. Das Anbringen des Gepäcks auf fremden Bikes dauert immer etwas länger aber dann konnten wir endlich vom Hof rollen und in den ersten Regenschauer rein.

Zunächst ging es über die Autobahn und später über die Landstraße bis Bischofswiesen. Regen war lange unser Begleiter, aber die Kurven der Deutschen Alpenstraße (B305) genossen wir trotzdem. Die B305 ist ein Teilstück der ältesten Ferienstraße Deutschlands und schlängelt sich ab Schneizlreuth durch das Berchtesgadener Land – mit knackigen Kurven, aber auch landschaftlich starken Abschnitten entlang von Ramsau und dem Hintersee.

Am nächsten Morgen blieb uns der Blick auf den Watzmann immer noch verwehrt, er hing in dichten Wolken – aber zumindest kamen wir im Trockenen los. Kurz noch getankt und dann rauf zur Roßfeld-Panoramastraße, der höchstgelegenen durchgehend befahrbaren Straße Deutschlands. Die 15,4 Kilometer lange Mautstraße führt bis auf 1.570 Meter Höhe und bietet normalerweise einen spektakulären Blick auf das Berchtesgadener Land, das Salzachtal und bei klarer Sicht bis zum Dachstein. Nur eben nicht bei Sicht unter 50 Meter im Regen. Die Maut hätten wir uns also sparen können. A propos Maut: die Schranke an der Mautstelle ist mit das deutscheste, was ich in letzter Zeit gesehen habe. Wenn Du die Motorradmaut am Automaten entrichtet hast, geht wirklich nur der kleinere Teil der zweigeteilten Schranke auf, durch das eben nur ein Motorrad passt. Damit keiner auf die Idee kommt, Mautbetrug zu begehen.

Alte Leidenschaft, neue Maschinen – Preview unserer R12 Heritage Tour

Vor ziemlich genau zehn Jahren bin ich meine erste richtige Alpentour gefahren. Damals auf einer frisch eingefahrenen BMW R nineT, die mir nicht nur den Einstieg ins sportliche Tourenfahren erleichtert hat, sondern auch die Leidenschaft für lange Tage im Sattel geweckt hat. Kurven, Ausblicke, Alpenpässe – und das Gefühl, sich mit jedem Höhenmeter freier zu fahren. Unter anderem hat sich dieses Bild von damals fest in mein Gehirn eingebrannt, welches bei der Abfahrt von den Drei Zinnen entstand.

Zehn Jahre später ist die R nineT erwachsen geworden – und hat Gesellschaft bekommen. Die neue R 12 Familie von BMW Motorrad besteht aus drei Modellen: der klassisch gestylten R 12 nineT, dem coolen Cruiser R 12 und der offroad-orientierten R 12 G/S. Drei unterschiedliche Charaktere, die sich trotzdem eine technische Basis teilen. Und was liegt da näher, als mit allen dreien genau dorthin zurückzukehren, wo alles begann? Sandra wird die R 12 nineT pilotieren, Stephan die R 12 und ich freue mich sehr auf die R 12 G/S. Begleitet werden wir von Carina, Siggi, Tom und Simon Kommende Woche geht es schon los.

Prolog – Von München nach Berchtesgaden

Am Mittwoch starten wir in München. Nach der Übergabe der Motorräder cruisen wir über Landstraßen Richtung Alpen. Bad Aibling, Aschau im Chiemgau, Reit im Winkl – und dann über die Deutsche Alpenstraße nach Berchtesgaden. Eine entspannte Einrollrunde, um sich schon mal mit den Bikes vertraut zu machen.

Tag 1 – Rossfeld, Katschberg, Nockalm und Wurzenpass

Von Berchtesgaden starten wir auf die Rossfeld-Panoramastraße – eine der höchstgelegenen durchgängig befahrbaren Straßen Deutschlands. Sie schlängelt sich oberhalb von Berchtesgaden entlang, bietet freie Blicke auf das Salzburger Land und die Berchtesgadener Alpen. Perfekt, um den Tag mit einer Portion Panorama zu beginnen.

Azores Untamed – mit Charley Boorman unterwegs auf São Miguel

Mitten im Atlantik, rund 1.400 Kilometer westlich vom europäischen Festland, liegt ein kleines Archipel, das oft übersehen wird: die Azoren. Neun Inseln, vulkanischen Ursprungs, verteilt auf drei Kontinentalplatten – amerikanisch, eurasisch und afrikanisch. Klingt nach Spannung? Ist es auch. Die Erde ist hier nie ganz ruhig, überall dampft, blubbert oder bebt es. Und genau deshalb ist es dort so grün, so schroff und so reizvoll.

Die größte der Inseln heißt São Miguel. Rund 750 Quadratkilometer, also in etwa so groß wie Hamburg – nur mit mehr Kühen, mehr Kurven und deutlich weniger Ampeln. Die Hauptstadt Ponta Delgada ist das Tor zur Insel, aber das wahre Highlight beginnt direkt hinterm Ortsausgang: schmale Straßen, saftig grüne Berghänge, Steilküsten und Kraterseen wie gemalt.

Auf britischer Mission durch deutsche Kurven – Die Triumph Speed Twin 1200 im Test

Manchmal braucht es keinen weiten Horizont, um Großes zu erleben. Eine Karte, ein Motorrad und ein paar Tage Zeit reichen völlig. Diesmal waren es vier Tage, an denen ich mich mit der Triumph Speed Twin 1200 quer durch Mittelhessen, das Bergische Land und den Vogelsberg bewegt habe. Mal alleine, mal in Gesellschaft, mal bei Sonnenschein, mal klatschnass. Immer aber mit einem Motorrad, das sich als überraschend tourentauglich und angenehm sportlich erwiesen hat.

Hier kommt mein Tourbericht – inklusive Fahreindrücken, Kurvenhighlights und ein paar Erkenntnissen über das Miteinander von Mensch, Maschine und Mittelgebirge.

Die Route – vier Tage Fahrspaß pur

Tag 1 – Vom Taunus ins Bergische Land

Mittags übernahm ich bei Triumph die Speed Twin 1200 und kleidete das schicke Naked Bike erstmal in mein Tourenornat: Tankrucksack, Heckrolle, Quadlock-Halter und Ram-Mount für die Insta360. Hat das Bike zwar nicht hübscher gemacht, aber zweckmäßiger für die knapp 1.000 Kilometer, die ich in den kommenden vier Tagen mit ihr zurücklegen sollte.

Auf der Karte sieht die Route aus wie die ziemlich direkte Verbindung zwischen Rosbach und Wuppertal, nur eben ohne die A3 / A4 auf der Rheinseite oder die A45 auf der östlichen Seite. Auf der Strecke gaben sich der Taunus, der Westerwald und das Bergische Land die Klinke in die Hand.

Zwischen Usingen und dem ersten Tankstopp in Merenberg wurden die schönen Landstraßenkurven nur durch wenige Ortsdurchfahrten unterbrochen und ich konnte schon mal meine Gräten auf der Triumph sortieren, Schräglagen austesten und die Treibwerksdynamik erkunden. Der Twin mag auf jeden Fall Drehzahlen – unter 3.000 U/min wirkt der Motor etwas grummelig, aber darüber entwickelt er eine schöne Dynamik, die einen die Landstraßenkurven mit Freude ausfahren lässt.

Roadtrip im Retrolook: Die Royal Enfield Bear 650 auf Landstraßen-Testfahrt

Zwei Tage, rund 600 Kilometer und kein Meter Autobahn. Die Royal Enfield Bear 650 durfte zeigen, was sie kann – auf Landstraßen, Kopfsteinpflaster, Schotter und zwischendurch auch mal im Sand. Beladen für eine kleine Tour, unterwegs in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Der perfekte Härtetest für einen klassischen Scrambler mit modernem Anspruch.

Packen, satteln, los

Schon das Gepäck war ein kleiner Test: Zwischen Rahmen und Anbauteilen ist wenig Platz. So musste der Tankrucksack auf den Tank gefummelt werden, und auch die Hecktasche mit Rockstraps fand nur mit etwas Geduld Halt. Aber: Es funktioniert und man kann so mit der Bear auch auf mehrtätige Tour gehen.

Tag 1 – An Havel und Elbe entlang

Los geht’s an der Zitadelle Spandau. Ein schöner Ort für einen Tourstart, denn kaum ist der Motor der Royal Enfield Bear 650 warm, rollt man durch den Spandauer Forst Richtung Norden und lässt die Stadt buchstäblich hinter sich. Zwischen den hohen Bäumen und schattigen Waldwegen kommt sofort das richtige Gefühl auf: raus, los, Ruhe.

Hinter Pausin wird’s kurviger. Kleine Kreisstraßen schlängeln sich durch die brandenburgische Landschaft, und die Bear 650 zeigt hier zum ersten Mal, wofür sie gemacht ist: flüssige Landstraße, nicht zu schnell, aber genau richtig für entspanntes Kurvenfahren. Über Tremmen geht es Richtung Walchow – eigentlich. Denn dort ist die Ortsdurchfahrt wegen Bauarbeiten gesperrt. Statt der groß ausgeschilderten Umleitung probiere ich die schmale Abkürzung über einen Feldweg. Legal, aber eher für Traktoren gedacht.

Die Bear nimmt’s gelassen. Schotter, fester Sand, ein kurzes Stück tieferer Boden – das alles steckt sie überraschend souverän weg. Klar, sie ist keine Enduro. Aber sie ist ausgewogen, gut zu kontrollieren und auch im Gelände nicht gleich überfordert.

Weiter geht’s am oberen Beetzsee entlang und weiter durchs Havelländische Luch– ein Stück Landstraße, das richtig Spaß macht. Weit gezogene Kurven, wenig Verkehr, viel Ausblick. Hier fühlt sich das Motorrad zuhause: aufrecht sitzen, Blick über Felder, ruhiger Motorlauf, einfach fahren. Ab Weinberg geht es westwärts, vorbei an Nennhausen, durch Bamme Richtung Rathenow. Dort dann der erste Tankstopp – für die Maschine und auch für den Fahrer. Ein belegtes Brötchen, ein Getränk und weiter geht’s.

Vier Bikes, vier Touren, viele Fragen – was wollt ihr wissen?

Manchmal ergibt sich ein Plan nicht aus einem Ziel, sondern aus lauter Gelegenheiten. In den nächsten Monaten werde ich vier sehr unterschiedliche Motorräder testen – auf vier Touren, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Ein Street-Scrambler auf losem Untergrund, ein Naked-Bike-Duell mit einem alten Freund, eine dreirädrige Erfahrung in Südfrankreich und eine Alpentour mit einem ganzen Boxer-Fuhrpark.

Zwei Räder (meistens), ein Rahmen, ein Motor, so unterschiedlich sind die Zutaten ja nicht. Aber ich finde es immer wieder überraschend, wie verschiedenartig die daraus resultierenden Fahrerlebnisse sein können. Zu meinem bisherigen Erfahrungsschatz kommen also in den kommenden Monaten die folgenden hinzu:

Royal Enfield Bear 650 (Mai)

Auf die Bear freue ich mich seit der Präsentation auf der EICMA – kurzer Flashback:

In den kommenden zwei Wochen wird sie bei mir in der Garage stehen. Naja, hoffentlich steht sie möglichst wenig, ich möchte sie ja er-fahren. So nehme ich die Bear 650 auf eine mehrtägige Tour durchs Havelland, entlang der Elbe und dann retour nach Berlin über Schwerin und die Mecklenburgische Seenplatte – gespickt mit kleinen Ausflügen auf den TET in Mecklenburg-Vorpommern. Ich will wissen: Hält sie, was der Look verspricht? Wieviel Street und wieviel Scrambler steckt ihn ihr?

-> Hier findet ihr den Testbericht.

Can-Am Canyon (Mai)

Ebenfalls diesen Monat werde ich das wohl ungewöhnlichste Fahrzeug testen: den Can-Am Canyon. Drei Räder, ein Rotax-Motor, viele Fragezeichen. Ich höre schon die eingefleischte Motorradfraktion rufen „Das ist gar kein Motorrad!“ Weiss ich auch. Aber wie es sich anfühlt, was es so mit einem macht und ob es Spaß bringt, das finde ich an zwei Fahrtagen in der Provence für Euch heraus.

-> Hier findet ihr den Testbericht.

Triumph Speed Twin 1200 (Juni)

Im Juni steht für mich etwas längst überfälliges an. Eine Motorradtour mit meinem Freund Ingo. Wir kennen und schon Jahrzehnte, aber haben es nie geschafft, zusammen Motorrad zu fahren. Das werden wir ändern und auf Tour gehen im Vogelsberg und Sauerland. Er auf seiner R nineT, ich fasse mir hierfür bei Triumph die Speed Twin 1200 aus. Zwei Meinungen, zwei Maschinen, viele kleine Landstraßen.

-> Hier findet ihr den Testbericht.

BMW R 12 G/S (Juli)

Das Tour-Highlight dieses Jahres: Einmal durch die Alpen mit der neuen R12 G/S. Und nicht allein – wir sind mit der kompletten R 12 Familie unterwegs, also auch der R 12 und der R 12 nineT. Für mich eine schöne Erinnerung an meine erste Alpentour vor 10 Jahren – damals mit der originalen R nineT. Die Route stelle ich Euch separat in einem anderen Artikel mal vor.

-> Hier findet ihr den Testbericht

Eure Meinung und Fragen zählen

Jetzt seid ihr dran:
Was interessiert euch bei diesen Bikes besonders?
Was soll ich genauer unter die Lupe nehmen – Sitzposition, Gepäcklösungen, Fahrverhalten, Alltagstauglichkeit, Soziusbetrieb, Sound?
Gibt’s etwas, das euch an einem der Modelle begeistert – oder nervt?

Schreibt’s in die Kommentare, per Mail oder bei Instagram. Ich nehme eure Fragen gern mit auf Tour.

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