Le Tour des Grandes Alpes – Tag 3: vom Sustenpass ins Aostatal

Yeah, das Wetter wird besser. Also, der Nebel wird durchsichtiger. Zu Beginn des dritten Tourtages hüllt sich das Sustenhospiz immer noch in dicke Suppe. Aber es hätte schlimmer kommen können, auf dem Stilfser Joch hat es angeblicherweise in der gleichen Nacht geschneit.

Der um unser leibliches Wohl anscheinend sehr besorgte Wirt des Sustenhospiz läßt uns ein leichtes Käsefrühstück angedeihen, damit wir nicht vom Fleisch fallen.

Sustenpass

Nach einigen Kilometern lichtet sich die Suppe und es offenbart sich eine traumhafte Alpenkulisse. Man hatte das Gefühl, durch eine Märklin H0-Kulisse zu fahren. Es hätte mich nicht gewundert, wenn der Bahnhof Lachenheim hinter der nächsten Kurve aufgetaucht wäre.

Berauscht von den Panoramen und den Kurven mussten wir im Tal erstmal eine Pause machen. Das und weil wir die Regenpellen wieder ausziehen wollten, die wir für den Rest der Tour nicht mehr brauchen sollten. Nach einem kurzen Tankstopp ging es weiter zum:

Grimselpass und Furkapass

An mehreren beeindruckenden Staumauern vorbei turnten wir den Grimselpass empor. Nach der Überquerung der Passhöhe eröffnete sich uns eines der tollsten Panoramen dieser Tour, der Blick den Grimsel hinab rüber zum Furkapass. Diesen erklommen wir dann sofort als nächstes und machten am Belvedere-Hotel erstmal Pause, um den atemberaubenden Ausblick zu geniessen.

Als wir die Ostseite des Furkas Richtung Hospental herunterfuhren dachte wohl jeder von uns an die legendären Szenen aus dem James Bond-Film „Goldfinger“. Und wir waren mittendrin in der Filmkulisse.

Gotthardpass

Ein Pass reiht sich an den nächsten. Als wir auf der Passhöhe des Gotthard standen, war das für mich ein sehr besonderer Moment. Auf den Monat genau vor 30 Jahren stand ich hier oben schon mal. Allerdings mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Lago Maggiore. Ich gebe zu, mit dem Motorrad war es deutlich kommoder. Und dieses Mal holte ich etwas nach, was ich damals versäumt hatte: die alte Gotthard-Strasse Tremola zu fahren. Altes Kopfsteinpflaster in eng geschwungenen Kehren. Und Kühe, vergesst die Scheiss-Kühe nicht. Ein Traum!

Alter Gotthard, gepflastert. #alpenblitz2017 #letourdesgrandesalpes

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Nufenenpass

Kaum waren wir den Gotthard runtergefahren zeigte uns schon das nächste Schild den Weg zum Nufenenpass. Eigentlich hatte ich in der ersten Version der Routenplanung nach dem Grimselpass den Abzweig nach rechts Richtung Martigny geplant. Dann hätten wir sowohl Furka, Gotthard als auch den Nufenen verpasst. Nicht auszudenken!

Der Nufenenpass ist gut ausgebaut, im Vergleich zur alten Gotthardstrasse fehlt ihr etwas der Flair, aber wenn man auf der Passhöhe bei klarem Wetter das Matterhorn aufragen sieht, dann ist das jeden Umweg wert.

Wieder unten im Tal entschieden wir uns zähneknirschend, den eidgenössischen Autobahn-Obulus zu entrichten und uns Vignetten ans Tauchrohr zu kleben. Die Route bis Martigny durchs Tal wäre auf der Landstrasse nicht die aufregendste gewesen, auf der Autobahn versprachen wir uns neben kühlendem Fahrtwind ein schnelleres Vorankommen bis Martigny. Anfangs war das Autobahnnetz noch etwas bruchstückhaft, aber dann gelang es uns doch, die Fahrtzeit bis zum Großen Sankt Bernhard etwas zu verkürzen.

Großer St. Bernhard

Letzte Passhöhe für heute, der Grosse St. Bernhard! #alpenblitz2017 #letourdesgrandesalpes

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Was für ein schöner Abschluss dieses tollen Tourtages. Wiederum bestes Wetter, tolle Kurven und erstaunlich wenig Verkehr versüßte uns die Überfahrt über den Großen Sankt Bernhard. Im Aostatal herrschten am Abend noch hochsommerliche 34 Grad und so setzten wir uns nach erfrischender Dusche in den Hotelgarten und glichen unseren Flüssigkeitshaushalt erstmal mit reichlich Bier wieder auf. Was für ein Fest.

Lest auch den Tag im Bericht bei Motor8.

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Le Tour des Grandes Alpes – Tag 2: Schwarzwald bis Sustenpass

Der zweite Tag der Tour begann, wie der erste geendet hatte. Nein, nicht mit Bier, sondern mit Regen. Beim Frühstück beobachteten wir das Regenradar und entschlossen uns, genau die Lücke zwischen zwei Regenfronten zu nutzen, um durch den Schwarzwald Richtung Waldshut-Tiengen aufzubrechen. Den Trip auf den Feldberg haben wir uns geklemmt, da ob der vielen Wolken eh‘ nichts zu sehen gewesen wäre.

Der Plan ging so mittel auf, ganz trocken sind wir nicht über die Runden gekommen, aber kurz vor Waldshut konnten wir die Regenklamotten wieder ausziehen.

Nach der Kaffeepause in Waldshut-Tiengen fanden wir den wahrscheinlich kleinsten Grenzübergang in die Schweiz, wo uns nach wenigen Kilometern doch wieder die Regenfront erwartete. Bot uns die Landstrasse bis Zürich noch einige Kurven, so wurde es Richtung Rapperswil doch recht fad. Es ging fast nur geradeaus und die einzigen Kurven fanden wir in den zahlreichen Kreisverkehren.

Erheiternd war dann der Besuche beim Young Guns Speedshop, der Plausch mit Nik lenkte gut von der feuchten Witterung ab.

Es folgten die Fahrt über den Zürisee, der schöne Blick auf den Lauerzersee kurz vor Schwyz und die Vorbeifahrt am Vierwaldstättersee.

Dann am späten Nachmittag ging es endlich signifikanter den Berg rauf, als wir den Anstieg Richtung Gotthard unter die Räder nahmen. In Wassen ging der Abzweig rechts den Berg rauf zum Sustenpass, der unser Tagesfinale darstellt. Unten war es noch trocken, doch mit jedem Höhenmeter näherten wir uns der dichten Wolkendecke und dem Regen. Trotz der nassen Strasse war der Pass sehr gut zu fahren und bot den einen oder anderen tollen Ausblick.

Bei der Ausfahrt aus dem kurzen Gipfeltunnel standen wir komplett in der Nebelsuppe und hätten fast die Auffahrt zum Susten-Hospiz verpasst. Vor der Hütte standen bereits die Motorräder von Rolf und Reinhard. Die hatten schon in der Stube ihre Stiefel vor den offenen Kamin zum Trocknen aufgestellt un die Kehle mit dem ersten Bier befeuchtet. Das klang gut für uns und wir machten es ihnen gleich nach.

Kurz nach uns sollte auch Thomas den Weg durch den Nebel zum Ziel finden und zu fünft versuchten wir, die kleine Würschtelplatte zu verspeisen, die der Wirt uns zubereitet hatte.

Zufrieden und k.o. fielen wir in unsere Betten. Bis hierher war alles nur Vorspiel, morgen sollte die Tour richtig losgehen.

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 1: vom Bergischen Land in den Südschwarzwald

Hatte ich noch am Freitagabend nach der Abholung der Yamaha Tracer 900 das Glück, trocken und in der Abendsonne bis ins Bergische Land zu fahren, so standen der folgende Morgen im Zeichen des vorhergesagten, gedeihlichen Landregens.

„Wir sind ja nicht aus Zucker!“ dachten sich Holger und ich und pellten uns in unsere Ganzkörperkondome und sattelten unsere Yamahas. Über 20 Jahre lagen zwischen seiner XTZ 750 Super Ténéré und meiner Tracer.

Auf dem ersten Teilstück übernahm Holger die Führung und zeigte mir seinen Arbeitsweg von Wermelskirchen nach Rösrath. Die 44 Kilometer führten uns durch eine lustige Kurvenachterbahn, die bei schönerem Wetter sicherlich noch besser zu geniessen wäre. Aber egal, es war auch so ein Spaß.

Ab Rösrath schmiss ich den Navigon Cruiser an, der uns bis kurz vor Frankfurt zu Sandra führen sollte, bei der wir einen Trocknungsstopp einlegten. Nach vier Stunden Dauerregen hatten meine Stiefel kapituliert und ich brauchte dringend trockene Socken. Während Sandras Nachwuchs das Mittagessen einnahm, wärmten Holger und ich uns am Kaminofen auf. Ende Juni, wohlgemerkt.

Wieder aufgewärmt holte Sandra ihre Dominator aus der Garage und fuhr mit Holger noch eine kleine Runde auf den großen Feldberg, während ich den Tiefflugmodus gen Süden auf der Autobahn startete.

Zwei Stunden und ’nen Keks später rollte ich auf dem letzten Liter Benzin in Baden-Baden an die Tanke. Mittlerweile hatte das Wetter aufgeklart und die Sonne schien. Voller Vorfreude wühlte ich mich durch den Kurort und nahm den Aufstieg zur Schwarzwald Hochstraße in Angriff.

Leider hielt das gute Wetter nicht lange, mit jedem erklommenen Höhenmeter wurde es kälter und nebliger. Am Aussichtspunkt Mummelsee sah man gerade mal 10 Meter weit, die Temperatur war unter 10 Grad gesunken. Also wieder anplünnen und langsam weiterfahren. Da der Nebel nicht besser wurde, entschloss ich mich irgendwann, aus dem Hochwarzwald in die Niederungen des Elztals runterzufahren und mich Richtung Freiburg zu orientieren.

Nach 12 Stunden im Sattel und 570 gefahrenen Kilometern war es dann auch gut für den Tag und ich freute mich auf das Abendessen und diverse gepflegte Biere mit Akki, der sich aus München aus Richtung Schwarzwald aufgemacht hatte und mit dem ich dann den nächsten Tag gemeinsam fahren sollte.

Pfingstmontags-Ausfahrt in die Schorfheide Chorin

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Gestern hat es geregnet, heute war schönes Wetter, also sind Robert und ich eben heute ausgeritten in die Schorfheide Chorin.

Robert hat seiner R nineT Scrambler die Sporen gegeben und ich habe die Vespa 300GTS ausgeführt, damit sie mal etwas mehr sieht als nur Stadtverkehr. Und wieder mal war ich überrascht, wie viel Spaß man mit 22PS auf der Landstrasse haben kann. Und den Scramblertest hat sie auch bestanden. Aber seht selbst:

707,2 km Kurven – 4 Tage Nord-Thailand

Meine Lieblingskollegin Dana und ihr Mann Fredo waren dieses Jahr in Thailand im Urlaub. Als Strafe dafür, daß sie mich aus ihrem Urlaub mit Motorradbildern bombardierte während ich arbeiten musste, habe ich Ihr und Ihrem Mann abgerungen, daß sie über ihren Endurotrip in Nordthailand einen kleinen Bericht schreiben. Hier ist er:

Dieser Reisebericht wird vermutlich nicht den Erwartungen abgekochter Hinterhof-Frickler entsprechen: Praxiserfahrungen mit Auspuffanlagen oder Spezialgabeln sind mir egal. Mir ist es wichtiger, zusammen mit meiner Frau, der es genauso geht wie mir, und einem Guide, der über Landessprache, Regionalkenntnisse und Reparaturwissen verfügt, wunderschöne Gegenden zu durchfahren. Und dabei einen kurzen, aber meistens interessanten Einblick in den Alltag der Locals zu bekommen, der eben noch nicht durch bekannte Portale zu einem Jakobsweg der Backpacker geworden ist.

Nachdem wir so bereits letztes Jahr die abgeschiedene Schönheit des vietnamesischen Nordens kennenlernen durften, war dieses Jahr der Norden von Thailand das Ziel. Um das Fazit vorwegzunehmen: Auch wenn uns vieles in Vietnam besser gefallen hat – die Motorrad-Tour in Nord-Thailand hat alles andere in den Schatten gestellt, auch wenn sich unsere ursprünglich geplante Mae-Hong-Son-Tour entlang der myanmarischen Grenze aufgrund von Waldbränden verlagern musste.

Tag 1: Chiang Mai – Chiang Dao
Da meine Frau leider gesundheitlich nicht auf der Höhe war, hat sie sich aus Sicherheitsgründen dazu entschieden, bei mir als Sozia mitzufahren, was zwar extrem schade, aber verständlich war. So sind wir dann morgens um 8 vom langhaarigen und ganzkörperbemalten Chef des Touren-Unternehmens und unserem Guide, Mr. Ping Pong, vom Hotel abgeholt worden. In einem zum Boom-Car umgebauten Mittelklasse-Japaner, in dessen Kofferraum neben der Bassbox nur Platz für unsere Helme und Knie- und Ellenbogen-Protektoren war, wurden wir zu einem örtlichen Motorradverleih gefahren.

Da ursprünglich für unsere Tour eine für Südost-Asien typische Honda Dream, für den deutschen Markt Honda Innova, vorgesehen war, mussten wir für verhältnismäßig schmales Geld ein Upgrade auf eine Honda CRF 250 machen. Anders wären vier Tage wohl unmöglich gewesen. So rollten wir also los, aus Chiang Mai hinaus. Die ersten Kilometer hätte mein Mund nicht trockener sein können, weil ich noch nie vorher Linksverkehr gefahren bin. Situationen, die etwas struppiger hätten werden können, wie z.B. Kreisverkehre, Vorfahrtsregeln oder Überholmanöver, stellten sich aber als relativ harmlos heraus. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir Sonntag morgens aus der Stadt hinter Mr. Ping Pong auf kilometerlangen, ziemlich drögen Ausfallstraßen unterwegs waren, die entlang der Route wenig bis gar keine schönen Aussichten zu bieten hatte, die mich hätten ablenken können.

So rollten wir eine zeitlang dahin, die Ausfallstraße wurde schmaler und befahrenswerter. Der erste nennenswerte Stop war ein schöner Nationalpark, der hauptsächlich von thailändischen Familien bevölkert war, die die geweihte Quelle besuchen und sich in den kalten Fluten des Wasserfalls abkühlen wollten. Etwas ungewohnt war für uns der Umstand, sich vor Besuch von Toiletten die Schuhe aus- und bereitgestellte Plastiklatschen anzuziehen. Damit kamen wir klar, da es der Reinheit und dem Respekt von selbst in den abgelegensten Orten aufgestellten Gedenkschreinen des extrem beliebten, im Herbst letzten Jahres gestorbenen Königs Bhumibol diente.

Der erste ungeplante Zwischenstop in einer Kleinstadt lag am fehlenden Visier meiner einfachen Jet-Schale, da ab einer Geschwindigkeit von über 65 km/h meine Augen dermaßen austrockneten, das ich kaum noch sehen konnte. Nachdem wir für umgerechnet 1,80 € bei einem Mopedladen das Visier klargemacht haben, konnte ich in einer Apotheke Augentropfen kaufen, die erfreulicherweise sofort ihren Zweck erfüllt haben. In der Zwischenzeit hat sich Mr. Ping Pong einen verhältnismäßig großen Fisch und dazu passende Zutaten gekauft und in einer Plastiktüte ungefähr zwei Stunden bei fast 40° im Schatten zu unserem ersten Tribal Village gefahren, in dem wir mittags eine etwas längere Pause eingelegt haben und unser Guide den Fisch zubereitete. Um es kurz zu machen: Erstaunlicherweise haben wir nicht schwerste Magen-/Darm-Krankheiten bekommen, sondern konnten erholt über außergewöhnlich schöne, kleine und quasi unbefahrene Straßen in den Nachmittag fahren.

Am späten Nachmittag folgte ein Zwischenstop bei einem weiteren Tribal Village. Wir fühlten uns unwohl dabei, kamen wir uns doch bei der extremen Armut vor wie in einem Zoo, in dem vergleichsweise reiche Europäer durchs Dorf schlendern und dann wieder abziehen. Auch wenn es sicherlich einen authentischen Einblick in das Leben der extrem armen Thailänder geben kann.

Von dort ging es weiter zur finalen Station für den Tag. Müde aber glücklich vom Fahren und Erlebten wollten wir die Eindrücke nur noch sacken lassen. Während wir in Vietnam in Homestays übernachtet und mit den Besitzern zusammen gesessen und gegessen haben (was zu den irrsten Erlebnissen geführt hat), hat uns unser Guide in ein Hotel geführt, das einer Zeitreise in ein Magdeburger Interhotel 1978 gleichkam. Uns war das egal: Wir haben uns selten so über eine Dusche, ein Bier und ein Bett gefreut.


Chiang Dao Inn Hotel

Tag 2: Chiang Dao – Pai
Die Fahrt begann mit einem kleinen Abstecher in eine sehr beeindruckende Höhle und einer davor liegenden weitläufigen Tempelanlage. Den Rest des sehr langen Tages rollten wir auf unbeschreiblich schönen kleinen Sträßchen innerhalb einer ebenso schönen Landschaft mit teils großartigen Aussichten durch Nationalparks, Hügel, Senken und vor allem vielen, vielen Kurven. Im Grunde war es zu schön, um dauernd anzuhalten und Fotos zu machen. Wir haben es einfach genossen, die ziemlich extreme Hitze durch Fahrtwind an der Nase erträglich zu machen und bei einigen Zwischenstops einen Einblick in die Atmosphäre intakter Dörfer, Urwaldwege, Elefantencamps oder Reisfelder zu bekommen.

Dazu kam unsere irrste Begegnung mit einer Tankstelle: Völlig unvermittelt hielt unser Guide vor einer Bambushütte. Aus einer Öffnung in der Wand reichte uns eine alte Frau einen Plastikschlauch, mit dem wir aus einem manuell per Kurbel nachfüllbaren 5-Liter-Gläschen auftanken konnten. So etwas haben wir noch nicht erlebt und werden es auch nicht vergessen.

Wir fuhren weiter und weiter durch wunderschöne Natur, am späten Nachmittag zeigte unser Tageszähler fast 200 km. Im selben Moment machten sich dann bei uns Hintern und Beine bemerkbar. Nach einem Abstecher auf Trampelpfaden entlang idyllischer Bäche, Lichtungen und Wälder zum Heimatdorf von Mr. Ping Pong, wo wir seine Familie kennenlernen durften, haben wir die letzten Kilometer nach Pai gemeistert.

Froh, auch mal die Kiste stehen zu lassen, sind wir nach kurzer Erfrischung durch das von westlichen Aussteigern und Hippies belebte kleine Städtchen Pai geschlendert, was sicher nicht authentisch, aber dennoch sehr eindrucksvoll gewesen ist.


Pai Chan Cottage and Cuisine

Tag 3: Pai – Urwald in der Nähe von Mae Wang
Der dritte Tag begann, wie der zweite aufgehört hat: von einem Nationalpark in den nächsten, wobei der irre Wechsel von vertrockneter, verbrannter hin zu blühender, grüner Vegetation sehr bemerkenswert war. Und dann die Wege: von Asphalt über Schotter- zu Feldwegen bis hin zu spektakulären Dschungelpfaden, zerfurcht von tiefen Regenrinnen, an der unglaublichsten Vegetation entlang durch einen schier unendlichen grünen Tunnel.

Zwischendurch haben wir kurze Verschnaufpausen z.B. an einer heißen Schwefelquelle gemacht, an der es für Thais Tradition zu sein scheint, mitgebrachte Eier mit langen Stöcken für’s Picknick hart zu kochen. Und die einzigen Touristen, die wir dort gesehen haben, waren zwei Thais, die wir bzw. die uns mit ihrer sehr interessant umgebauten Scrambler für den nächsten halben Tag immer wieder überholt haben.

Genauso unberührt von Backpackern oder gar Reisebussen war unsere Mittagspause in einem truckstopähnlichen Restaurant innerhalb eines kleinen Dorfes, in dem wir leckerstes und unverfälschtes Essen – mit viel Chili – gemeinsam mit örtlichen Schülern, Halbstarken und anderen Bewohnern genießen konnten.

Das Fahren in nahezu unberührter Natur setzte sich dann auch am Nachmittag fort. Am frühen Abend kamen wir in den vom Tourveranstalter gebauten Urwaldhütten an, in denen wir dann erstmals Backpacker getroffen haben, die sich Touren aus seinem eigentlichen Kompetenzbereich gebucht haben: Trekking, Fahrradtouren und Elefantenbaden. Mit einem spektakulären Blick über das Tal von den Terrassen aus haben wir den Abend ausklingen lassen und in unserer einfachen, aber vollkommen ausreichenden Hütte inmitten des Dschungels geschlafen wie Prinz und Prinzessin.


Spicy Villa Eco Lodge

Tag 4: Urwald in der Nähe von Mae Wang – Chiang Mai
Der vierte und leider letzte Tag unserer außergewöhnlichen Motorrad-Rundreise hielt dann doch noch ein paar touristische Sehenswürdigkeiten parat. Nachdem wir an die Ausläufer des Dschungels gekommen waren, begann eine sich stetig bergauf windende kleine Straße bis hin zu einer doppelten Tempelanlage, einer für den König, einer für die Königin, und das in Verbindung mit einer spektakulären Aussicht von den Regionen, in denen wir zuvor unterwegs waren, bis fast nach Chiang Mai, wo unsere Tour am späten Nachmittag enden sollte. Wunderschön angelegte Parks mit beeindruckender Bepflanzung waren die Entschädigung dafür, dass wir zu zweit mit unserer Kiste den Berg nur relativ mühsam hochfahren konnten. Mehr Leistung wäre da sicher von Vorteil gewesen, aber so konnten wir uns in Ruhe die schöne Landschaft links und rechts des Weges ansehen.

Von dort war es nur noch eine Kleinigkeit bis zum höchsten Gipfel Thailands, dem Doi Inthanon, der immerhin auf einer Höhe vom 2.565 m über dem Meer liegt. Im Vorfeld unserer Reise hat unsere Wetter-App 3° ausgegeben und dementsprechend haben wir uns mit mitteleuropäischer Winterbekleidung ausgestattet, aber als wir oben angekommen sind, hat ein einfaches Pullöverchen bei vielleicht nur noch 20° vollkommen gereicht.

Auf dem Rückweg bergrunter ins Tal, aus den kurvigen, sehr kurvigen Hügeln und Bergen heraus, haben wir dann noch an einem sehr beeindruckenden Wasserfall einen kleinen Stop gemacht, bevor unsere letzte Etappe, die 55 km Schnellstraße zurück nach Chiang Mai, anstand. Diese wurde jedoch für uns von überraschender Brutalität begleitet, da wir uns in den letzten Tagen an ein etwas milderes Klima gewöhnt haben. Auspuffhitze und Sonnenknüppel haben uns relativ heftig zugesetzt, was zur Folge gehabt hat, dass sich die letzten Kilometer nicht wirklich gut angefühlt haben.

So sind wir dann dehydriert und erschöpft, aber glücklich über das Erlebte der vergangenen vier Tage an den Vororten Chiang Mais vorbeigekommen, wo wir Werbetafeln und dazugehörende Baustellen für Gated Communities sahen, die sich an Superreiche wenden und in krassem Widerspruch zu dem Tribal Village des ersten Tages standen – und vermutlich nicht nur zu dem.

Viel Licht und wenig Schatten haben uns auf unserer Tour begleitet und selten haben wir uns auf das vor Ort favorisierte Leo-Bier und den Breezer in Limetten-Richtung gefreut, das wir uns unmittelbar nach Ankunft in Chiang Mai vom 7eleven geholt haben.

Ich danke ausdrücklich meiner wunderbaren Frau, die die Erlebnisse vier Tage auf dem harten Rücksitz einer Enduro erst möglich gemacht hat.


Meine Frau, Mr. Ping Pong und ich (vlnr)

Rund um den Ätna

Ihr kennt das: auch wenn man ohne Motorrad unterwegs ist, kann man eine Strasse nicht mehr nur als einfaches verkehrsinfrastrukturelles Element betrachten. Man sieht es automatisch aus der Helmperspektive, die rechte Hand dreht in Gedanken schon am Gasgriff und fühlt vor jeder Kurve imaginär den Druckpunkt der Bremse.

Es deutete sich mir schon an, als ich im Flieger nach Catania die ersten Kapitel in Ted Simon’s „Jupiter’s Travels“ las. Dort las ich über den Auftakt seiner Reise, wie er durch den Süden Italiens und durch Sizilien fuhr. Ich hob den Blick und sah aus dem Flugzeugfenster und sah, daß wir gerade die Strasse von Messina überflogen.

Welche Bilder mich erwarten würden konnte ich schon bei der Lektüre des aktuellen Curves-Magazin über Sizilien erahnen, welches schon seit Wochen meinen Couchtisch bevölkert.

Leider war ich nicht zum Vergnügen in Sizilien, sondern musste beruflich dort einen Event betreuen, der uns auch auf den Ätna führte. Mit seinen über 3.300 Metern muss er sich neben ausgewachsenen Alpengipfeln nicht schämen.

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An der Küste brandet das Mittelmeer gegen die Lavafelsen. Der Ätna sollte von hier aus sichtbar sein, doch Wolken verhüllen den Vulkan. Auf dem Weg den Berg hinauf wechseln sich Regen und Nebel ab, zwischendrin reisst es auf und die Sonne kämpft sich durch und der Gipfel wird sichtbar.

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Großartige Serpentinen offenbaren sich und mit jeder Kurve die wir mit dem Jeep umkurven wird die Sehnsucht nach einem Motorrad größer. Zumal das Thermometer hier Mitte Oktober sommerliche 24 Grad hat während zur gleichen Zeit meine Berliner Kumpels bei einstelligen Temperaturen und Regen ihre Saisonabschluss-Ausfahrt bestreiten.

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Zurück im Hotel kann ich nicht umhin, eine Tour rund um den Ätna zu planen, auch wenn ich sie dieses Mal nicht fahren kann. Ausgehend im Ort Linguaglossa im Nordosten des Ätnas führen einen Serpentinen bis knapp auf 1.900 Meter an die Talstationen der Skilifte. Es geht weiter an der Ostseite in einer abwechslungsreichen Aneinanderreihung von tal- und bergwärts gerichteten Kurven.

In Adriano erreicht man den südlichen Punkt der Ätna-Umrundung. Von hier aus geht es westwärts um den Berg herum, weniger spektakulär, aber auch hier werden knapp 1.000 Höhenmeter erreicht und etwas weiter geschwungene Landstrassen lassen einen etwas ausgiebiger am Gashahn zupfen.

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Würde man die Strecke ohne Halt fahren, käme man in 2,5 Stunden nach ca. 150km wieder am Ausgangsort Linguaglossa an. Aber ich halte jede Wette, daß jeder halbwegs emotionale Mensch mehrfachst anhalten wird, um dieser unglaublichen Natur Tribut zu zollen und die sensationellen Bilder, die sich einem bieten, in sich aufzusaugen.

Tornerò, Sicilia. Ich werde wiederkommen.

Roadblog 2016 – unterwegs mit dem alten Griesgram

In den vier Jahren in denen ich nun Motorrad fahre und hier darüber schreibe habe ich sehr viele neue Menschen kennen gelernt: einige davon persönlich, viele andere bislang nur digital. Wie nun lernt man andere Motorradfahrer am besten kennen? Richtig, man fährt eine Runde mit Ihnen. Das war bereits 2010 die Grundidee für die Aktion Roadblog. Damals machten sich acht Motorrad-Blogger auf eine 36stündige Tour durch Deutschland. Die Route war vorgegeben durch die Wohnorte der anderen Motorrad-Blogger, die man unterwegs besuchen wollte, 1.700 Kilometer einmal rund durch die Republik. Das launige Tourvideo hierzu findet ihr auf Mopeten.tv.

Einer der damaligen Mitfahrer – Blogkollege Der alte Griesgram – dachte sich, daß es an der Zeit wäre, das Roadblog wieder aufleben zu lassen. Also rief er seine Leser dazu auf, sich in seinen Tourkalender einzutragen dann würde er sie besuchen. Und bislang hat er keine noch so lange Anfahrt gescheut.

Max und ich verabredeten uns und luden Griesi zum Endurowandern nach Berlin ein für das letzte Septemberwochenende. Aus dem Endurowandern wurde eine Tagestour durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, da ich in der Zwischenzeit meine GS verkauft hatte und Max leider einen Fahrrradunfall hatte und seine DR erstmal in der Garage stehen lassen muss.

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Dank BMW Motorrad konnte ich am Wochenende aber eine R nineT bewegen und als Dritter im Bunde gesellte sich mein Kollege Tom auf seiner R1150R zu uns. Zu dritt genossen wir einen perfekten, sonnigen Spätsommertag und ritten über 370 Kilometer am Werbellinsee vorbei, durch die Schorfheide Chorin, durch die Norduckermark zum Müritz Nationalpark, besuchten Freunde an der Mecklenburgischen Seenplatte und fuhren über Fürstenberg zurück nach Berlin (eine Übersicht über unsere Tagestour findet ihr hier bei GPSies).

Für seine Anreise von Köln nach Berlin brauchte Griesi 13 Stunden für 700 Landstraßenkilometer. Dagegen war unsere Tour am Samstag eine kleine Fahrt um den Block. Daß es für solche Touren keine große Tourenmaschine braucht, bewies er eindrucksvoll mit seiner #Hippe genannten Honda CRF 250 L-Enduro (hierzu auch lesenswert die Artikelreihe von Clemens auf Mojomag). Auf der Landstraße entkam ich ihm dabei nicht, stets hatte ich die Honda im linken oder rechten Rückspiegel. Auf den schmalen, geschwungenen Landstrassen Richtung Müritz Nationalpark war er auch in seinem Element und zirkelte die 145kg der kleinen Maschine flott durch die Kurven.

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Zum Abschluss der Tagestour führt ich Tom und Griesi noch auf das ehemalige Militärgelände am Hangelberg bei Kraatz. Wenn Griesi schon mit der Enduro da war, sollte er auch Gelegenheit bekommen, damit in der großen Sandkiste zu spielen. Er ließ mich damit auch einmal durchs Gelände toben, was ein großer Spaß war.

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Nachdem wir Tom verabschiedet hatten, ritten wir zurück nach Berlin, wo bereits Max an der Rummelsburger Bucht auf uns wartete. Wenn er schon nicht mitfahren konnte, wollten wir uns auf jeden Fall noch auf eine Limo treffen.

Wer Lust bekommen hat, sich auch von Griesi und der Hippe besuchen zu lassen, der werfe mal einen Blick in den Roadblog-Kalender. Sehr schöne Aktion und vielen Dank für Deinen Besucht, Griesi!

Alpenblitz 2016

Vor fast vier Wochen konnte ich Euch im längstem Artikel, die dieses Blog je gesehen hatte auseinandersetzen, wie eine BMW S1000RR aus ihrer Sicht diverse Alpenpässe goutieren würde.

Wem das zu tl;dr war, der kann sich jetzt in Sechsminutenzweiundvierzigsekunden das ganze mal aus der Sicht einer GoPro anschauen. Viel Spaß beim kucken:

Die Alpen aus Sicht einer BMW S 1000 RR

Da stand sie nun vor mir, die nächste Evolutionsstufe in meinem Motorradfahrerleben. Und dazu eine der höchsten, strassenzugelassenen Evolutionsstufen: die BMW S 1000 RR. Das Neonlicht in der Halle des BMW Fuhrparkzentrums spiegelte sich in den Konturen des in blackstorm metallic lackierten Supersportlers.

Überarbeitet seit dem Modelljahr 2015 drückt der Motor 199 PS (146 kW) auf die Kurbelwelle, um 6 PS stärker als ihre Vorgängerin. Um diese Leistung im Zaum zu halten bzw. auf die Strasse zu bringen sind zahlreiche elektronische Helferlein aktiv, ohne die weniger rennstreckengeübte Fahrer (also ich) die Maschine schneller in die Hecke fahren würden als man „DTC“ sagen kann. Für den Schaltassistent Pro, der Hoch- und Runterschalten ohne Kuppeln ermöglicht, war ich im Laufe der folgenden Tage ebenfalls sehr dankbar. Zum einen, weil es die Schaltvorgänge sehr viel einfacher machte, zum anderen, weil ich mich dann mit der ganzen linken Hand besser am Lenker festhalten konnte. Gerade am ersten Tag gab mir das ein klein wenig mehr Zuversicht hinsichtlich der gefühlten Kontrolle über die Doppel-R.

KRCC_Alpenblitz2016_Abholung_S1000RR_Schatten

KRCC_Alpenblitz2016_Abholung_Schlüsselband

Nach dem Anbringen des temporären Besitzstandanzeigers schickte ich mich an, die Eigenschaften der S 1000 RR zu erkunden. Nicht auf der Jagd nach den besten Rundenzeiten auf der Rennstrecke – etwas, für was diese Maschine zweifelsohne geboren wurde – sondern um ihre Eignung als (Renn-) Sporttourer herauszufinden.

Hierfür hatte ich zwei Tage Zeit und eine ca. 900km lange Route über deutsche, österreichische, schweizerische und italienische Alpenstrassen und -pässe: den #Alpenblitz2016.

Die einzelnen Streckenabschnitte bekommen gemäß ihrer Eignung für „der Gerät“ – so hatte ich die Maschine liebevoll getauft – eine Wertung von „R“ (=komplett bocklos) bis zu „RRRRR“ (=um Himmels willen, fahr da unbedingt hin). Wobei die Eignung sich nicht auf den Umstand bezieht, ob man mit der Doppel-R da hinfahren kann, sondern ob man es aus Fahrspaßgründen tun sollte.

Weiterlesen „Die Alpen aus Sicht einer BMW S 1000 RR“

Drei-Schlösser-Tour in der Ostpriegnitz

Mein Kollege Tom hat eine sehr gute Entscheidung getroffen. Er verkaufte sein Auto und legte sich wieder ein Motorrad zu, eine gebrauchte BMW R1150R. Natürlich kam, was kommen musste: unsere erste gemeinsame Ausfahrt.

Wir trafen uns im Norden von Berlin an der Tankstelle bei Germendorf und starteten in westliche Richtung über die Dörfer Richtung Wall, von dort aus über Pflasterwege zwischen den Feldern über Dörfer wie Radensleben und Papstthum nach Neuruppin. Über die Schleuse am Molchowsee fuhren wir bis Molchow. Hier hatte ich Tom schon vorgewarnt, daß es ein klitzekleines Stückchen über einen Waldweg gehen würde bis Zermützel. Von den weiteren 8 Kilometern Schotterpiste bis Braunsberg hatte ich ihm nichts gesagt (hüstel). Aber er schlug sich tapfer und fuhr seine Dicke ruhig über die Piste.

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In Rheinsberg erreichten wir das erste Schloß dieser Tour. Statt einer Besichtigung orientierten wir uns aber weiter Richtung Osten über Köpernitz, Schulzendorf nach Keller. Kurz nach dem Ortseingang ging es hier in einer scharfen Rechtskurve ab nach Meseberg. Dort erreichten wir Schloß Nummer 2 mit dem Gästehaus der Bundesregierung. Beim Schlosswirt hätten wir vornehm Kaffee trinken können, aber das war uns zu überkandidelt. Ein paar hundert Meter weiter setzten wir uns in den Dorfkrug und kamen gleich ins Gespräch mit den Eingeborenen über unsere Motorräder und Motorradtouren.

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Nach Meseberg kreuzten wir die B96 und gurkten über die Dörfer Buberow, Kraatz und Häsen um im Schloss & Gut Liebenberg das letzte alte Gemäuer unserer kleinen Ausfahrt zu erreichen. Ein kurzes Stück über die B96 brachte uns wieder zurück zum Ausgangspunkt unserer kleinen Sonntagsvormittagsausfahrt. Für Heizer ist die Runde nichts, für entspanntes Cruisen und ein bischen Endurowandern ist sie aber genau das richtige.

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