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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Kategorie: Touren (Seite 2 von 17)

Alpenblitz 2018, Tag 3 – Pässeslalom über die Karawanken

Nachdem die Bässe des Clubs im Vorderhaus unseres Apartments uns sanft in den Schlaf ge-umpft-umpf-umpft hatten, wachten wir nach einer entspannten Nacht voll guter Dinge und neuer Fahrlaune auf. Unser Nuttenfrühstück (Cappucino, Schokocroissant und ne Kippe für die Raucher) nahmen wir im Innenhof, bevor wir uns erneut auf die Reise machten und Ljubljana gen Norden Richtung Karawanken verliessen. Kurz vor der Stadtgrenze wurde noch ein Supermarkt ausgeraubt für die Mittagsjause.

Zum Einrollen in den neuen Tag war die zweispurige Schnellstrasse bis Kamnik genau richtig. Nach Osten konnten wir in die aufgehende Sonne blinzeln, genau vor uns baute sich der Gebirgszug der Karawanken auf.

Ab Kamnik folgten wir der 225, die nach dem Ortsausgang schmaler und kurviger wurde. So langsam schraubten wir uns die Höhenmeter Richtung Velika Planina empor. An einer kleinen Weggabelung stand ein Café, an dem wir bereitwillig das zweite Frühstück einnahmen und die Natur um uns herum genießen konnten. Die Velika Planina wird seit ewigen Zeiten als Hochalm genutzt, entsprechend umgaben uns Almwiesen, Kühe und Schafe wohin das Auge blickte.

Auf der Abfahrt nach Luče fuhr uns ein Laster vor der Nase herum auf der schmalen Straße. Es dauerte aber keine vier Kurven, bis der Fahrer rechts ran fuhr und uns vorbei ließ. Es war nicht das erste Mal, daß die Slowenier uns positiv mit ihrer Umsicht überraschten. Großartig.

Das Baustellenpech sollte uns in Solčava ein zweites Mal einholen. Der Abzweig zur Solčava-Panoramastraße war gesperrt. Leider gab es keine alternative Auffahrt, so fuhren wir weiter das Tal hoch. Den Abzweig zur Logarska Dolina liessen wir rechts liegen, danach begann dann aber ein sehr kurzweiliger und kurvenreicher Aufstieg zum Paulitschsattel. Dieser entschädigte zumindest teilweise für die Höhenstrasse.

Auf österreichischer Seite wird die Strasse etwas schmaler, dafür steht weniger Wald dem Ausblick im Weg. Daher sollte man auch hier und da mal anhalten, um diesen zu genießen. Nach ein paar kurvigen Kilometern stößt man auf den Seebergsattel. Willkommen im Paradies der Knieschleiferfraktion. Sechsundzwanzig Kurven bis zur Passhöhe, sechsundzwanzig Mal die Fußrasten leicht einkürzen. Hammer. Zu dem Zeitpunkt war ich gerade mit der S1000XR unterwegs und dank des superelastischen Motors konnte ich sie fast ausschließlich im zweiten Gang den Berg hochtreiben und die Maschine hat so dermaßen derbe abgeliefert. H-A-M-M-E-R! Wir waren kurz davor, den Pass auf österreichischer Seite wieder runterzufahren um das ganze Spektakel nochmal zu erleben.

Aber wir folgten dann doch der vorgesehenen Route Richtung Zgorne Jezersko und machten uns auf die Suche nach einem lauschigen Plätzchen für die Mittagsrast. Auf dem Weg kamen uns mehr uns mehr Radfahrer entgegen und kurz nachdem wir ein schönes Vesperplätzchen am Fluss Kokra gefunden hatten, waren plötzlich überall Polizeimotorräder und Streckensicherungspersonal, die die Straße für eine Stunden lang sperrten, denn hier fand ein Fahrradrennen statt. Uns störte das nicht sonderlich, waren wir doch gerade eh mit vespern beschäftigt. Und die übrige Zeit nutzten wir für eine kleine Fotossession mit den Bikes im Fluss.

Den letzte Tankstopp auf slowenischem Boden machten wir in Tupalice, bevor wir dann Richtung Tržič fuhren und den Loiblpass in Angriff nahmen. Der war ok, aber nicht so spektakulär wie der Seebergsattel. Bei der Routenplanung zeigten mir die verwandten Karten den Loiblpass als befahrbar an. Wenn eine Passhöhe da ist, habe ich nämlich keine Lust, einen Tunnel zu fahren. Dei alte Passstraße war auch noch existent, aber für den Verkehr gesperrt und nur per Schusters Rappen zu bewältigen. Also doch Tunnel.

Am anderen Ende der Röhre war der Grenzübergang nach Österreich mitsamt einem Grenzpolizisten, der es bei der Einreisekontrolle sehr genau nahm. Helm ab, Personalausweis zeigen, dann erst Weiterfahrt. Wenn man bedenkt, daß wir kurze Zeit vorher auf der Passhöhe des Paulitschsattels sich nicht mal die Waldameisen für unseren Grenzübertritt interessiert haben, wundert es einen doch ob der Sinnhaftigkeit des Ganzen.

Unten im Tal gondelten wir am Ferlacher und Feistritzer Stausee vorbei in Richtung Villach. Als der Rest der Truppe Kaffeepause machte, fuhr ich weiter nach Villach, ich wollte mir im dortigen Mediamarkt eine neue Halterung für die GoPro besorgen. Die hatte sich beim Absturz am Vortrag auch in ihre Einzelteile zerlegt, so daß ich unterwegs nicht mehr filmen konnte. Das führte dazu, daß ich den ganzen Tag latent stinkig auf mich selber war. Aber neue Halterung, neues Glück.

Die anderen holten mich in Villach wieder ein, dort verabschiedeten wir auch Siggi, der nordwärts Richtung München abdrehte. Zu viert rollten wir dann durch das Gailtal am Dobratsch entlang und konnten nun die Rote Wand von unten betrachten, an deren Abrißkante wir am Nachmittag des ersten Tages standen.

In Hermagor fuhren wir weiter Richtung Weißbraich, die kurvenreiche Weißenseestrasse führte uns nach Kreuzberg und weiter ins Drautal. Mittlerweile hatte ich auf die G310 GS gewechselt und musste zwar etwas am Kabel ziehen, aber vor allem bei den Bergabpassagen war es ein Spaß, den großen Maschinen am Rockzipfel zu hängen. Also wenn man die Maschine im Drehzalbereich von 7.000 bis 9.500 U/min bewegt.

Im Drautal fahren wir eine schöne, schmale Nebenstrecke bevor wir in Berg im Drautal die Auffahrt zu Emberger Alm in Angriff nehmen. Ich stutzte, als das erste Hinweisschild die Entfernung mit 10,5 Kilometern angab. Kein Scherz:

Was für ein geiles Tagesfinale. Und auch in diesem engen Winkelkwerk fühlte sich die kleine GS pudelwohl. Brääääp, brääääp, brääääääääp. Tom fuhr auf seiner R1200 R direkt hinter mir und meinte danach, daß ohne lange Gerade kein Vorbeikommen möglich gewesen wäre. Ich laß das mal so stehen, hehe.

Oben angekommen waren wir komplett überwältigt von dem unfassbaren Panorama, welches sich uns hier bot. Ein Ausblick über sieben Bergketten bis rüber in die Dolomiten.

Etwas mehr überdreht als sonst hatten Sandra und ich unsere drolligen fünf Minuten und tobten uns am zahlreich vorhandenen Kinderspielgerät aus, bevor wir uns zu einem sehr leckeren Abendessen zu den anderen gesellten (wobei natürlich gleich die Aufnahmen des Tages gesichtet werden mussten).

Die Emberger Alm und der Sattlegger Alpenhof sind wirklich ein Geheimtipp. Herzliche Belegschaft, tolle Zimmer, leckeres Essen und das alles für einen echt fairen Tarif. Und über 10km Kurven zur An- und Abfahrt. Was kann man sich als Motorradfahrer mehr wünschen? Sensationell.

Noch einmal genossen wir den abendlichen Blick von der Alm, bevor wir uns satt und glücklich in unsere Bettchen verkrümelten.

Knapp 370 Kilometer sind wir an dem Tag gefahren, die Route des dritten Tages findet ihr hier zum Download oder ihr schaut es Euch bei Rever an.

Alpenblitz 2018, Tag 2 – vom Triglav Nationalpark bis Ljubljana

Auch wenn ich abends müde und k.o. ins Bett gehe, schlafe ich auf Motorradtouren nicht wirklich lange. Zum einen verarbeitet mein Köpfchen noch den zurückliegenden Fahrtag, zum anderen freue ich mich schon auf den kommenden Tag. Das führt dann gerne dazu, daß ich morgens um sechs schon wach im Bett liege und ungeduldig aus dem Fenster kucke, wie das Wetter ist. So auch in Podkoren, hier offenbarte sich beim Blick aus dem Dachfenster bereits die Aussicht auf unser heutiges Revier, den Triglav Nationalpark.

Das Frühstück nahmen wir wieder gegenüber im Hotel ein, für sensationelle sechs Euro. Kann ich wirklich nur weiterempfehlen. Doch dann wurden die Pferdchen gesattelt und bereits nach drei Kilometern bogen wir in Kranjska Gora rechts ab Richtung Vrsič-Pass und es begann der lustige Kurventanz durch die Kopfsteinpflaster-Kehren. Sehr amüsant war die Kehrmaschine, die wir in einer der Kurven überholten. Immer schön das Pflaster sauber halten.

Bereits nach einigen Kilometern musste ich anhalten, denn ich war von der mich umgebenden Natur komplett geflasht. Strasse und Natur gleichzeitig kucken ging nicht. So ging es meinen Mitfahrern auch und so genossen wir den sensationellen Ausblick, der sich uns darbot.

Auf der Passhöhe wurde der obligatorische Touraufkleber geklebt, bevor wir uns wieder ins Tal wuselten und dort etwas dem Flusslauf der wunderschönen Soča folgten. So richtig Fahrfluss kam aber irgendwie nicht auf, wir hingen so bisschen hintendran was unseren Tagesfahrplan anging.

In Bovec bogen wir rechts ab und näherten uns dem höchsten Punkt und dem Höhepunkt der Tour, der Auffahrt zum Mangart (Lahnscharte). Zunächst geht es den Predilpass hinauf und kurz vor der Passhöhe nach überfahren einer Brücke geht es rechts den Abzweig zum Mangart hoch. Das Mauthäuschen war unbesetzt, also konnten wir für umme hochfahren. Hier folgt dann zehn Kilometer tollstes Kurvenfahren auf zumeist sehr schmalen Sträßchen, durch grob in den Fels gehauene, unbeleuchtete Tunnel, gesäumt mit immer atemberaubenderen Ausblicken. Die Abwesenheit von Leitplanken rät zum defensiven Fahren, zumal auch gelegentlicher Gegenverkehr das verfügbare Asphaltband noch etwas verengt.

Kurz vor dem Gipfel hinderte uns ein Schneefeld an der Weiterfahrt, ebenso warnte ein Schild vor Felsstürzen. Die meisten Leute parkten ihre Autos und stiegen zu Fuß zum Gipfel. Ich hatte mir aber in den Kopf gesetzt, bis ganz zum Gipfel zu fahren. Also sattelte ich kurzerhand die GS ab und suchte mir einen Weg durch die Wiese zwischen den Felsen hindurch. Ein bischen mehr Stolle auf der Serienbereifung wäre für diese Fahrübung gut gewesen, aber mit etwas Schubhilfe meiner Mitfahrer kam ich gut durch. Wieder auf der Straße nahm ich die letzten Meter bis zum Gipfel und konnte die atemberaubende Aussicht nach Italien geniessen.

Wieder unten am Parkplatz nahmen nach mir Sandra und Thomas die GS als Gipfeltaxi, die anderen fuhren schon mal gemütlich wieder runter, um im nächstgelegenen Ort ein Café zu finden, in dem wir uns wieder treffen wollten.

Meine Abfahrt dauerte etwas länger, denn unterwegs verlor ich meine GoPro, die Saugnapfhalterung am Seitenkoffer hatte sich gelöst und im Gegensatz zu Thomas war ich Pfosten nicht so schlau, diese mit einer Fangleine zu sichern. Mit viel Glück konnte ich sie im Strassengraben finden und machte mich dann auf, die anderen wieder zu treffen. In Log pod Mangartom machten sie im Restaurant „Mangrt“ Pause. Aber es fehlten Florian und Tim und der Grund dafür war kein guter: Florian war beim Abstellen des Motorrads fehlgetreten, hatte das Gleichgewicht verloren und ist mit der Schulter derart blöd auf einen kleinen Bordsteinvorsprung gefallen, daß er sich ernsthafter verletzt hatte. Tim hatte Florian dann auf den Sozius genommen und war nach Bovec zum Arzt gefahren. Kurze Zeit nachdem ich angekommen war, kamen die beiden vom Arzt zurück. Ohne Röntgenbild könne er nix sagen, meinte dieser. Florian hatte den ersten Schreck gut verdaut und traute sich zu, auf eigener Achse ins nahe gelegene Villacher Krankenhaus zu fahren. Tim und Amelie boten sich an, ihn zu begleiten. Nach einem kleinen Mittagessen und einem Kaffee machten sie sich als vorsichtig auf den Weg. An dieser Stelle möchte ich die wirklich sensationelle Hilfsbereitschaft unserer tollen Bedienung im Restaurant Mangrt hervorzuheben. Wenn ihr da auf der Ecke seit, macht da halt und genießt deren Gastfreundschaft.

Zu fünft rollten wir weiter auf der ursprünglichen Route. Da wir allerdings einiges an Zeit verloren hatten, straffte ich die Fahrtstrecke etwas. Den Wasserfall bei Tolmin ließen wir aus und fuhren weiter zum See Bohijnsko Jezero. Leider war die 909 bei Petrovo Brdo wegen Bauarbeiten gesperrt, so daß wir einen Umweg über die 404 in Kauf nehmen wussten, um unser Zwischenziel zu erreichen. Kurzweilig war die Fahrt durch die waldigen Täler auf jeden Fall. Die Strecke hinter Zgornja Sorica führte uns zuerst durch einen schönen Wald und später über einen Bergrücken, von dem wir mehrere wunderschöne Ausblicke Richtung Nemski Rovt und Jezero hatten. und wir hatten die Straße fast komplett für uns alleine, traumhaft.

Am Bohijnsko Jezero genossen wir die Sonne und die Aussicht am See und Siggi schmiss eine Runde Eis. Hier erreichte uns auch Nachricht von Florian, der mittlerweile in Villach geröntgt und untersucht worden war. Er hatte sich den Schulterknochen angebrochen. Zu dritt würden sie jetzt zu unserer für Samstag geplanten Unterkunft fahren und Florian wollte dann am Folgetag über die Autobahn nach München zurück fahren.

Wir diskutierten auch, wie wir weiter fahren wollten zu unserem Tagesziel Ljubljana. Es war mittlerweile später Nachmittag und würden wir die ursprüngliche Route fahren, wären wir gegen 21:00 Uhr erst am Ziel. Da der Tag schon aufregend genug gewesen war und wir auch noch was von der slowenischen Hauptstadt sehen wollten, nahmen wir den direkten Weg am Bled-See vorbei und via Landstrasse über Kranj und Medvode.

So schön der Bledsee mit Inselkapelle und Burg in der Abendsonne anzuschauen war, so rummelig war es um den See herum. Ein Hotel nach dem anderen, Touribusse und Besucherhorden. Schnell weiter.

Gegen 19:30 erreichten wir nach 350 Tageskilometern unser Quartier mitten in der Altstadt von Lubljana. Ich hatte uns zwei Apartments reserviert die direkt in der Fußgängerzone lagen. Duschen, umziehen und diverse Biere und einen leckeren Pulled Pork Burger später machten wir uns noch auf einen Spaziergang durch die Altstadt. An dem lauen Sommerabend war noch eine Menge Volk unterwegs, von irgendwoher spielte Musik und wir nahmen noch einen Absacker in einer Bar am Fuße der Burg. Zum einen war es schade, daß wir nicht zu acht diesen Abend hier genießen konnten, zum anderen waren wir froh, daß es Florian den Umständen entsprechend gut ging.

Die gefahrene Route könnt ihr Euch hier herunterladen oder bei Rever einsehen. Allerdings würde ich Euch hier lieber die ursprünglich geplante Route empfehlen (Download / Rever). Hier ist noch ein paar schöne, kurvige Strecken vor und hinter dem Bled-See enthalten, die wir an dem Tag leider auslassen mussten.

Die Seidenstraße mit dem Motorrad erfahren

Wie ihr schon mitbekommen habt, waren wir gerade vier Tage auf Tour in Slowenien. Im Vergleich zu dem was Pamela Beckmann und Roland Stocker gerade unter die Räder nehmen ist das für’n hohlen Zahn. Die beiden sind vor ein paar Wochen aufgebrochen, um die alten Seidenstraße mit dem Motorrad zu bereisen.

Über Begegnungen mit Schwarzbären und ehemaligen TT-Rennfahrern sowie Kültür im Taurusgebirge lest ihr in ihrem  Blog, Updates gibt es auch bei Facebook und Instagram.

Gute Fahrt Euch beiden und tolle Erlebnisse. Nehmt uns weiter mit auf die Reise!

Alpenblitz 2018, Tag 1 – Katschberg, Nockalm bis Slowenien

Prolog

Wie jeder Alpenblitz fängt auch dieser mit der Anreise an, die nicht auf eigener Achse stattfindet. Ok, auf eigener Achse kam ich auf jeden Fall zum Flughafen Tegel, meine treue Vespa leistete wieder mal sehr gute Dienste als Lastesel.

Am Flughafen fragte mich der Security-Muckel, ob ich mit dem Piloten schon mal geflogen wäre. „Warum?“ „Weil Sie einen Helm dabei haben?“ Insofern beschloss ich, den Helm am besten gleich aufzuziehen, sehr zur Irritation der Businesskasper um mich herum.

Angekommen in München wurde ich von Sandra abgeholt und wir fuhren voller Vorfreude zum BMW Fuhrparkzentrum, um unsere Testbikes abzuholen. Und hier waren sie, tadaaa!

Es entsponn sich eine spontane Diskussion zwischen Sandra und mir, ob an der XR denn unbedingt die Koffer dran bleiben müssten. Sandra fand sie optisch eher herausfordernd. Nach einem kleinen verbalen Handgemenge einigten wir uns auf einen Kompromiss. Das Topcase kommt runter, die Seitenkoffer bleiben.

Wie immer bei der Übernahme fremder Bikes mach ich mir einen Kopf, was man wie wohin packen kann. In diesem Fall kam mein mitgebrachter Tankrucksack auf die GS, in dem die Drohne transportiert wurde. Die Klamotten blieben in meiner Rolltasche und in die Seitenkoffer der XR kam das Kameraequipment und die Wechselklamotten für tagsüber (Pulli an, Pulli aus, Regenklamotten). Sandras Rucksack verzurrten wir auf dem sehr breiten Heckträger der GS. So fuhren wir dann nach München rein, um bei Freunden zu übernachten und um etwas auf die bevorstehende Tour hinzuhibbeln.

Auf nach Österreich

Nachdem wir uns aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen durch den Münchner Berufsverkehr gequält hatten, trafen sich acht MotorradfahrerInnen an einer Tankstelle im Münchner Süden. Geplant hatte ich mit sieben Leuten, es wurden dann aber spontan noch einer mehr, denn Siggi hatte nach seiner vor kurzem beendeten vierwöchigen Italientour noch nicht genug vom Motorradfahren und schloss sich uns auf der Tour an.

Zu den Alpenblitz-Veteranen Thomas, Siggi und mir gesellten sie die „Neulinge“ Sandra, Amelie, Tim, Florian und Tom. Nach einer kurzen Routenbesprechung rollten dann eine S1000 XR, G310 GS, F800 GT, F800 GS, R1200 R, R1200 GS Adventure und eine 28 Jahre alte Honda VFR 750 auf die Autobahn Richtung Salzburg.

Unterwegs schaute ich des öfteren in den Rückspiegel und grinste in meinen Helm hinein, wenn ich die Perlenschnur der anderen sieben Motorräder sah – die gehörten alle zu mir. Die knapp zwei Stunden bis Radstadt gingen relativ ereignislos vorbei, die vor uns liegende Regenfront lichtete sich etwas. Autobahn fahren in Österreich ist auch etwas spannender als in Deutschland, die Blicke auf die Berge links und rechts der Asphaltbandes machen es ganz kurzweilig.

Dann aber Kurvenattacke. Über Obertauern und Tweng ging es Richtung Katschbergpass, trotz leichtem Regens war gepflegtes Angasen möglich und trotz sehr offensiver Fahrweise verlor ich meinen Mitfahrer Tim nicht im Rückspiegel. Ich mag es mit Leuten unterwegs zu sein, die ihr Fahrgerät beherrschen.

Mittagspause machten wir dann bei Guntram Peter Kassmannhuber in Kremsbrück, eine kleine Stärkung vor dem Kurventanz durch die Nockalmstrasse musste sein. Obwohl die Kasspatzn, die sich Siggi und Sandra teilten locker für vier Personen gereicht hätte. Kurze Zeit später drückten wir an der Mautstelle in Innerkrems 12 € pro Nase ab. Sehr gut investierte Euros, wie sich nur kurz später herausstellen sollte. Die 35 Kilometer Kurvenalarm bis Reichenau sind jeden Cent wert. Großartige Natur, gut ausgebaute Strasse und Kurven, Kurven, Kurven! Dies war mit Sicherheit der Höhepunkt unseres ersten Tourtages.

In Reichenau nahmen wir die acht Kilometer Anstieg bis zur Turracher Höhe noch schnell mit um nach einem kitschigen Erinnerungsfoto wieder den Abstieg und die weitere Route Richtung Villach unter die Räder zu nehmen.

Ziemlich genau im Westen von Villach liegt die Villacher Alpenstrasse, die wir am Nachmittag in Angriff nehmen. Sie führt einmal den Villacher Hausberg Dobratsch rauf und wieder runter. Auch hier latzen wir 11€ an der Mautstelle ab, doch irgendwie fühlen die sich nicht so gut an wie bei der Nockalmstrasse. Kurven gibt es auch hier genug, aber man fährt fast komplett durch den Wald und es wirkt wie im Tunnel. Kurvig und kurzweilig war es zwar schon, aber nicht so spektakulär wie erwartet. Auf der Fahrt den Berg hinab halten wir noch am Aussichtspunkt „Rote Wand“ und luschern schon mal Richtung Slowenien, unserem heutigen Etappenziel.

Kurz hinter dem Mauthäuschen kam die Kaffeefahrt-Fraktion zu ihrem Recht und es wurde pausiert bei Topfenstrudel und Cappucino. Die Motorräder kamen kurze Zeit später zu ihrem Recht beim letzten Tankhalt des Tages kurz vor dem Wurzenpass. Der folgende Anstieg zu Passhöhe war einer der steilsten des Tages, über etwas mehr Leistung bei der pilotierten G310 GS hätte ich mich hier gefreut. Aber dann regeln wir das eben über die Drehzahl. Kurz vor der slowenischen Grenze erinnerte ein alter Panzer an die kriegerische Geschichte in der Gegend. Ein paar Kilometer erreichten wir in Podkoren unser Quartier.

Hier hatte ich im Apartments Belopeški Dvori für uns alle ein Nachtlager reserviert. Im 16. Jahrhundert unter den Habsburgern wurde das Gebäude als Residenz errichtet, nun beherbergte uns das kuschelige Haus für eine Nacht. Gegenüber im Hotel Vitranc nahmen wir nicht nur unser Stiefelbier, sondern aßen auch ein derart leckeres Abendessen, was wir in dieser Abgeschiedenheit nicht erwartet hätten. Der Küchenchef erläuterte uns höchstpersönlich die Spezialitäten des Tages und sowohl das Gemüserisotto als auch das Steak in Trüffelsoße waren unglaublich exzellent. Und das alles für einen derart fairen Preis. Irre. Ein paar Biere und Schnäpse später verkrümelten wir uns ins Bett und grunzten glücklich und zufrieden dem kommenden Tag entgegen.

Aufgrund des Autobahn-Anteils am Vormittag machten wir an diesem Tag 550 Kilometer Strecke. Die Route könnt ihr bei Rever einsehen oder hier als GPX downloaden.

Alpenblitz 2018 – es geht bald los

Im Flur der Wohnung wachsen derzeit mehrere Stapel an Dingen: Motorradzeugs, Klamotten und Technik. Das kann nur eines heissen: die Motorradtour steht kurz bevor! Yeah!

Kommenden Mittwoch werden Sandra und ich die Testmotorräder bei BMW in München übernehmen. Mit der G310GS tritt das das kleinste Bike aus dem Adventure-Segment von BMW Motorrad gegen das stärkste an, die S1000XR.

Die kleine durfte ich schon bei der Premiere in Barcelona um den Montserrat jagen und es war ein wirklich großer Spaß. Sehr gespannt bin ich auf die XR, die Potenz des verbauten 1000er-Vierzylinders durfte ich in der ungezügelten Fassung ja bereit beim Alpenblitz 2016 in Form der S1000 RR erleben.

Donnerstag Morgen treffen sich dann sieben Menschen auf einer Tankstelle im Südosten von München in leicht hibbeliger Vorfreude, because Motorradtour. Die Kettenritzel-Crew hat dieses Jahr ein paar neue Mitglieder, es ist auf jeden Fall die größte Gruppe, die sich bisher zu einer meiner Touren versammelt hat.

Das Ziel ist bekannt, wie werden nach Slowenien fahren, die Route hatte ich Euch im Januar bereits vorgestellt. Machte mir die Wettervorhersage in den letzten Tagen noch etwas Sorge ob der vielen angesagten Gewitter, scheint es sich gerade etwas zu beruhigen. Ganz trocken werden wir wohl nicht durchkommen, aber das muss ja auch nicht. Hauptsache mit lustigen Menschen Motorrad fahren!

Wir werden von unterwegs hauptsächlich auf Instagram posten, folgt da gerne dem Häschtäg #alpenblitz218. Und ich muss jetzt los, weiterpacken!

Siggis Giro d’Italia: das Finale der Tour

Tag 29 und 30 – L’Aquila – Civitavecchia: Letzter Tag meines Giro d’Italia

Das kann nicht sein, mein letzter Tag meines Giro d’Italia kann nicht mit Regen beginnen. Tut er auch nicht, zum Glück habe ich mich getäuscht und beim Blick aus dem Fenster zwar dichte Wolken gesehen, aber auch gleichzeitig den plätschernden Brunnen im Innenhof. Puh, Glück gehabt. Nach einem spärlichen italienischen Frühstück mache ich mich bei 13 Grad auf den Weg zum meinem heutigen Ziel, den Fährhafen Civitavecchia.

Und welche Strecke ? Ich befrage mal das Navi. Dies möchte mich dicht an Rom heranführen. Auf keinen Fall ! Also als Wegpunkt nördlich von L‘Aquila die Stadt Rieti eingegeben. Der neue Tourenvorschlag nach der Neuberechnung sieht schon deutlich besser aus und los geht’s erst einmal durch den bereits dichten Samstags-Einkaufs-Verkehr raus aus der Stadt und dann rein in die Berge. Das Grau am Himmel ist jetzt einigen wenigen Wolken gewichen, die sich um die Bergkämme legen und selbst in der Morgensonne „dahinschmelzen“.

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Siggis Giro d’Italia: zurück auf dem Festland

Tag 27 – Maratea – Campobasso: Mein Navi und ich – eine Hassliebe

Ich öffne die Augen und das hören Meer rauschen – träume ich noch oder bin ich doch schon wach ? Bei solchen Geräuschen fällt das Aufstehen und Packen doppelt leicht. Anschließend ein Frühstück mit Blick aufs Meer – hier könnte ich durchaus noch ein paar Tage bleiben. Aber die Fähre ist am Samstag gebucht und somit gilt es die nächste Etappe nach Campobasso unter die Räder zu nehmen.

Eigentlich sagt jeder, dass man die Amalfi-Küstenstraße fahren soll – aber auch fast jeder berichtet von dem Verkehrschaos dort. Also gebe ich als Zwischenziel erst einmal Agropoli ein und lasse die Einstellung „kurvenreiche Strecke“ und entscheide dann vor Ort, wie ich weiterfahren will. Das Navi will mich nach ein paar Kilometern gleich in die Berge schicken, aber ich hatte doch eigentlich vor, zumindest den ersten Teil der Strecke noch das blau des Meeres zu genießen. Bis Ispani bleibe ich auf der SS18 gebe dann dem Navi nach und es geht in die Berge. Tolle kurvige – überwiegend gut befahrbare – Straßen und viel Natur und immer wieder Fernblicke bis an Meer. Gutes Navi.

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Siggis Giro d’Italia: Rund um den Etna und Abschied von Sizilien

Tag 25 – Nicolosi -Messina: Etna und wenn (meine) Theorie und Praxis nicht immer zusammenpassen

Gestern habe ich mir gesagt: Einfach nicht aufregen, wenn es ein paar Tropfen Regen gibt. Das dachte ich mir auch heute früh, obwohl es sehr sehr viele Tropfen waren. Aber bis zum Frühstück hatte es wieder aufgehört und ich konnte dieses im Beisein der Chefin genießen – ein Vulkan an Freude und Redebedürfnis sprühte schon am frühen Morgen, was aber sehr kurzweilig und informativ war.

Bei kühlen 15 Grad wollte ich heute den Etna erklimmen – allerdings mit dem Motorrad bis zum Rifugio Sapienza – der Mittelstation sozusagen. Dort oben wollte ich dann adhoc entscheiden, ob ich eine Tour bis zum Gipfel buche. Schon bei der Anfahrt zum Rifugio verwarf ich diese Überlegungen, denn die Wolken wurden permanent dichter und dunkler. Trotzdem war die Auffahrt ein Erlebnis zwischen den erkalteten Lavaströmen. Apropos kalt, bis zum Rifugio sank die Temperatur auf doch frische 8 Grad, aber kein Wunder in 1935m Höhe.

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Siggis Giro d’Italia: benvenuti in Sicilia

Tag 22 – Palermo – Sciacca: Sizilien ist irgendwie anders

Heute früh wurde ich durch das sonore Brummen der Schiffsdiesel geweckt. Schnell waren die wenigen Klamotten zusammengepackt und mit einem Cappuccino an Deck die Morgenstimmung und anschließend die Einfahrt in den Hafen von Palermo genossen. Kurz vorm Anlegen dann in den Bauch der Fähre, die Tasche rein in den Koffer und die Rampe runter – ERSTER von der Fähre und von 22 Grad im Hafen empfangen. Puh ist das warm, wenn man eben noch eine frische Meeresbrise gewohnt ist.

Erst mal raus aus der Stadt. Kein leichtes Unterfangen, so groß wie dieser sizilianische Hafenmetropole ist. Es herrschte schon früh um 09:00 Uhr ein reges Gewusel und Treiben mit regem Straßenverkehr und vielen Obst-/Gemüse- und Blumenhändlern, die gerne mal in zweiter Reihe oder an „unmöglichen Ecken“ parkend ihre Ware feilboten. Aber Dank Navi ging das dann doch recht gut und schon ging es westlich entlang der Küste über Capaci – Terrasini – Castellammare zum Capo San Vito. Der erste Eindruck nach ca. 30 Kilometern: Wo bin ich hier gelandet ? Auf der Müllkippe ? Erschreckend, wie man/frau hier mit der Natur umgeht. Überall Müll am Straßenrand, bei einer Tunneldurchfahrt türmte sich Müllsack an Müllsack zwischen alten Autoreifen und sonstigem Unrat zu beiden Seiten an den Tunnelwänden. Viele Bauruinen und die Straßen sind auch nicht so der berauschend (immer im Vergleich zu den letzten Eindrücken auf Sardinien). Dazu kommt eine stetiger Rauchgeruch vor irgendwelchen kleinen Müllfeuern in der Nase.

Wie heißt es so schön: Jeder hat eine zweite Chance verdient! Diese hat Sizilien auch genutzt, denn je weiter ich mich von Palermo entfernt habe, desto besser wurden die Straßen und auch der Müll wurde weniger. Und die Natur hat auch ihren Beitrag zur Stimmungsaufhellung geleistet. Angekommen im Hafen von San Vito gab es ein „Molen-Essen“ und die Welt war so langsam wieder in Ordnung beim Blick auf das klarblaue Wasser und die Sonne im Gesicht.

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Siggis Giro d’Italia: die letzten Tage auf Sardinien

Tag 19 –Olbia – Arbatax: Landschaftliche Krönung der Sardinien-Rundfahrt auf der SS125

Gaaanz entspannt in den Tag starten, die Klamotten auf dem Mopped verstauen und dann frühstücken mit einem Blick hinaus aufs Meer. Mit diesem Start in den Tag begann eine beeindruckende Fahrt durch die Landschaft Sardiniens bei wieder angenehmen 18 Grad am Golfo Aranci (Olbia).

Schnell habe ich die Hafenstadt Olbia hinter mir gelassen und mich direkt der Ostküste zugewandt. Die SS125 sollte heute überwiegend den Tag bestimmen. In San Teodoro habe ich sie trotzdem kurz für einen Abstecher auf die Küstenstraße verlassen, aber in Budoni bis Postada wieder unter die Räder genommen.

Hinter Postada ging es links in die Berge und Sardinien hat wieder einmal bewiesen, warum es so schön ist hier mit dem Motorrad Urlaub zu machen: Kurven, Kurven, Kurven, beste Straßen, (derzeit) so gut wie kein Verkehr auf der Straße, BEINDRUCKENDE und abwechslungsreiche Landschaften wohin das Auge schaut. Über Torpe ging es vorbei am Lago di Posada Richtung Lode. Was für ein Erlebnis durch die Serpentinen gen Himmel zu fahren und dann von oben den Blick hinab ins weite Tal auf den See und die vielen Kurven. Grandios.

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