Motorrad-Magazin über Benzinkultur, Motorrad-Touren und Custombikes

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Above the Clouds: Mit Niels-Peter Jensen durchs Spiti Valley

Niels-Peter Jensen ist viel unterwegs. Als Mountainbike-Pionier, als Fernsehgesicht, als Custombike-Schrauber. Aber seit einiger Zeit zieht es ihn immer wieder an denselben Ort: in den Himalaya. Nicht mit dem Fahrrad, sondern auf zwei Rädern mit Motor. Seine Videoreihe Above the Clouds dokumentiert diese Reisen – rau, ehrlich, mit Staub in der Linse und echtem Fernweh im Gepäck.

Gerade ist Teil drei erschienen. Ziel: das Spiti Valley. Ein abgelegenes Hochgebirgstal im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh, eingerahmt von 6.000ern und durchzogen von Schotterstraßen, die eher Geröllfeldern gleichen. Wer da freiwillig mit dem Motorrad hinfährt, meint es ernst mit dem Abenteuer.

Mit dabei: Schauspieler Joscha Kiefer, bekannt aus deutschen TV-Formaten, und Christian Sosa, ein legendärer Customizer aus den USA. Und natürlich NPJ selbst – Offroad-Enthusiast und inzwischen auch ein erfahrener Himalaya-Reisender. Gefahren wird auf Royal Enfield Himalayans. Ein Motorrad, das für genau solche Routen gebaut ist. Robust, einfach zu reparieren, kein Schnickschnack.

Von Umling La bis Pangong Tso

Teil eins der Reihe führte die Crew zum Umling La – mit über 5.800 Metern der höchste befahrbare Pass der Welt. Ein Ort, an dem selbst Laufen zur Herausforderung wird und Motorräder an ihre Grenzen kommen.

In Teil zwei ging es zum Pangong Tso, einem Salzsee auf knapp 4.300 Metern. Bekannt aus Bollywood-Filmen – aber hier geht’s nicht um Romantik, sondern um Schlaglöcher, Kälte und Einsamkeit.

Jetzt: Spiti

Der dritte Teil ist mehr als nur eine Fortsetzung. Spiti steht für spektakuläre Landschaften, alte Klöster, karge Weiten – und für ein Gefühl von Abgeschiedenheit, das man sonst kaum noch findet. Der Film zeigt genau das. Kein Hochglanz, kein überproduzierter Reisekitsch. Sondern ehrliche Aufnahmen von einem Ort, der alles abverlangt – den Maschinen, den Menschen und dem Teamgeist.

Wer sich selbst ein Bild machen will: Die Reise kann man auch buchen. Unter dem Label Gravel Adventures bietet NPJ genau diese Tour an – ins Spiti Valley, mit den gleichen Bikes, auf denselben Routen. Eine Einladung für alle, die nicht nur zusehen, sondern selbst fahren wollen.

„Träume sind nur gut, wenn man sie auch anfassen kann!“

Fazit

Above the Clouds ist das, was passiert, wenn Leute mit echter Leidenschaft losfahren. NPJ zeigt, dass Abenteuer nicht inszeniert sein müssen – sie passieren einfach, wenn man sich auf den Weg macht.

Der Raps blüht in der Uckermark – Zeit für eine Frühjahrstour

Es ist schon Ende April und ich bin noch nicht ausgeritten. Und dabei habe ich ein Ganzjahreskennzeichen und keine Ausrede. Es war also dringend an der Zeit, die Motorräder durch Fahrtwind zu entstauben. Die Wahl fiel auf die BMW F800 GS und bezüglich der Route entsann ich mich auf einen meiner Klassiker, die Tour durch Schorfheide, Uckermark und den Müritz Nationalpark (wie schon 2012, 2013, 2014, 2016 und zuletzt 2021).

Im Prinzip habe ich mich an der Tour von 2021 orientiert, aber in der Gegend zwischen Temmen und Prenzlau noch ein paar Schlenker extra eingebaut. Doch eins nach dem anderen, zur Einstimmung hier die Bewegtbild-Kurzfassung des Tages:

Start- und Endpunkt der Tour ist in Finowfurt und da die Tour lange genug werden würde, entschloss ich mich für den direktesten Weg dahin über die Autobahn.

Werbellinsee, Grumsiner Forst und Wolletzsee

Es folgt der Klassiker, die Umrundung des Werbellinsees auf der Westseite. Da ich an einem Wochentag unterwegs war, herrschte so gut wie kein Verkehr und ich hatte den Ausblick auf den See für mich alleine. Anschliessend führte mich die Route um den Grimnitzsee herum durch den Grumsiner Forst bis Altkünkendorf. Hier stehen vor allem Wegweise nach Angermünde, wenn man aber weiter nördlich durch das Dorf über das ruppige Kopfsteinpflaster fährt, passiert man erst den Heiligen See und erreicht dann den Wolletzsee (hier startet auch das Video oben).

Nach Wolletz folgt eine wunderschön glatt asphaltierte Strecke, die sich beschwingt durch den Wald windet bis Görlsdorf. Allein für diese paar Kilometer lohnt sich das Gehoppel über die ruppige Strasse auf dem Weg hierhin. In Görlsdorf sollte man nicht der Beschilderung nach Angermünde folgen, sondern gerade aus durch den Ort fahren um dann in die Birnenallee links abbiegen. Ab dem Ortsausgang folgen ein paar wunderschöne Schotterkilometer bis zur B198.

Die rollenden Hügel der Uckermark

Selbst wenn man nicht aufs Navi oder auf die Karte schaut, bleibt es eine, spätestens jetzt nicht verborgen, dass man in der Uckermark abgekommen ist. Denn die sanft geschwungene Landschaft mit ihren alten Alleen, verstreuten Seen und überraschenden Höhenzügen hat diese typische Eiszeit-Wellenform, die jede Landstraße zur kleinen Fahrspaßkurve mit ordentlich Flow macht.

Kurz nach dem Überqueren der Autobahn in Pfingstberg biegt die Route links nach Stegelitz ab und danach gleich auf die kleine Straße, die nach Groß Fredenwalde führt. Wie viele der kleineren Strassen hier ist sie zu 2/3 geteert und zu 1/3 geschottert. Natürlich baller‘ ich über den Schotterteil, wozu habe ich denn ne Enduro. Grundsätzlich sind bei dieser Tour längere Federwege nicht verkehrt, auf manchen Passagen wird man gut durchgerüttelt. Hinter Groß Fredenwalde mache ich den ersten Drohnenstopp, um die Landschaft aus der Luft zu knipsen.

Namibia auf dem Motorrad erleben mit LNR Moto und Untamed Africa Tours

Es gibt Reiseziele, die fühlen sich an wie aus einer anderen Welt. Namibia ist so ein Ziel. Endlose Weiten, wilde Tiere, der Wechsel von staubigen Wüsten und sattgrünen Oasen – es ist ein Land, das einem die Sprache verschlägt. Und jetzt stellt euch vor, diese einzigartige Landschaft auf dem Motorrad zu entdecken. Genau das bietet euch LNR Moto in Zusammenarbeit mit Untamed Africa Tours. Ein Abenteuer, das nicht nur Fahrspaß verspricht, sondern auch eure Seele berührt.

Mit Leonoor Fischer unterwegs

Hinter LNR Moto steht niemand Geringeres als Leonoor Fischer, eine leidenschaftliche Motorradfahrerin und Fotografin aus den Niederlanden. Wenn ihr unseren TwinSpark Motorrad Podcast hört, erinnert ihr euch sicher an ihre Folge. Leonoor hat eine inspirierende Art, Geschichten zu erzählen, und ihre Begeisterung für Motorräder und Reisen ist ansteckend. Sie bringt nicht nur jede Menge Erfahrung, sondern auch diesen besonderen Funken mit, der aus einer Tour ein unvergessliches Erlebnis macht.

Namibia erleben – aber richtig

Gemeinsam mit Untamed Africa Tours, mit deren Gründer Dirkie sich Leonoor übrigens auf dem MaxlRide in Bayern kennengelernt hat, hat Leonoor eine Tour zusammengestellt, die Namibia von seiner faszinierendsten Seite zeigt. Ihr fahrt durch abwechslungsreiche Landschaften: von der Skelettküste mit ihren Schiffswracks bis hin zu den roten Dünen von Sossusvlei. Unterwegs begegnet ihr Elefanten, Giraffen und vielleicht sogar einem Löwen. Keine Sorge, die Guides kennen die Wege und wissen, wie man sicher durch die Wildnis kommt.

Das Schöne an dieser Tour ist, dass sie perfekt auf Motorradfahrer zugeschnitten ist. Es geht nicht darum, Kilometer zu schrubben, sondern die Landschaft zu erleben, die Augenblicke zu genießen und diese Momente mit Gleichgesinnten zu teilen. Die Unterkünfte reichen von charmanten Lodges bis hin zu authentischem Camping unter dem Sternenhimmel – Luxus und Abenteuer in perfekter Balance.

Warum diese Tour?

Namibia ist ein Land, das sich nicht einfach nur bereisen lässt – es will erfahren werden. Und das geht kaum besser als auf zwei Rädern. Der Wind, der Staub, die Geräusche der Wildnis – all das wird Teil eures Abenteuers. Doch was diese Tour wirklich besonders macht, ist die Kombination aus Leonoor’s persönlicher Art und der Expertise von Untamed Africa Tours. Hier habt ihr nicht nur ein tolles Motorradabenteuer, sondern auch die Gelegenheit, tief in die Kultur und Natur Namibias einzutauchen.

Warten auf den perfekten Moment?

Ich sage: Wartet nicht zu lange! Namibia auf dem Motorrad mit LNR Moto und Untamed Africa Tours ist eine dieser Gelegenheiten, die man nicht verpassen sollte. Es ist mehr als nur eine Reise – es ist eine Erfahrung, die bleibt.

Also, schnappt euch eure Motorradstiefel, packt den Helm ein und lasst euch von Dirkie und Leonoor durch Namibia führen. Ich glaube, dieses Abenteuer werdet ihr nicht so schnell vergessen. Alle weiteren Infos und Buchungsmöglichkeiten findet ihr hier.

Fotos: Leonoor Fischer

LEJOG – Die legendäre Route von Land’s End nach John O’Groats

Eines der Länder, die noch auf meiner Motorrad-Bucketlist stehen ist England. Obwohl ich mal ein Jahr in London lebte und arbeitete, habe ich vom Land fast nix gesehen. Und damals hatte ich auch noch keinen Motorradführerschein. Hinzu kommen Inspirationen wie die Reisen von Ewan McGregor und Charly Boorman – speziell „Long Way Down“ in diesem Fall – das ABR Magazin und deren tollen Routentipps und zuletzt die Adventure Country Tracks UK. Jetzt sitze ich hier und frag mich, wann ich mal eine Tour durch das Vereinigte Königreich machen kann und wo ich anfange. Die Option „einmal mit allem“ wäre beispielsweise LEJOG.

LEJOG steht für Land’s End to John O’Groats und ist mehr als nur eine Motorradroute – es ist eine Reise durch die Seele Großbritanniens. Von den südlichsten Klippen Cornwalls bis zum nördlichsten Punkt Schottlands bietet diese Strecke alles, was das Herz eines Abenteurers höher schlagen lässt. Doch was macht diese Route so besonders, und warum zieht sie seit Jahrzehnten Motorradfahrer, Radfahrer und Abenteurer gleichermaßen an?

Die Route im Detail

Die klassische Strecke von Land’s End nach John O’Groats erstreckt sich über etwa 1.400 Kilometer (je nach gewählter Route) und führt durch die gesamte britische Insel. Dabei kann man entscheiden, ob man die schnelle Route auf den Hauptstraßen nimmt oder sich für eine landschaftlich reizvollere Variante auf kleineren Nebenstraßen entscheidet.

Lieblingsrouten in Kalifornien

Zugegebenermassen ist Kalifornien nicht gerade um die Ecke und wenn ihr eher spontan einen Motorradtrip plant, seid ihr mit dieser Destination nicht so gut beraten. Aber mit etwas mehr Zeit und Planungsvorlauf werdet ihr hier wunderschöne und atemberaubende Strecken finden. Hier sind einige Strecken die wir während unserem Kalifornien-Urlaub befahren haben, die ich sehr empfehlen kann. Wir waren zwar „nur“ mit dem Auto unterwegs, aber mein innerer Motorradfahrer war immer mit dabei.

Shoreline Highway von Tamalpais nach Stinson Beach

Auf diese Strecke sind wir gestoßen, als wir von San Francisco aus Muir Woods besuchen wollten. Von San Francisco aus reisten wir über die Golden Gate Bridge an und fuhren in Mill Valley vom Redwood Highway auf den Shoreline Highway ab. Ab der Tamalpais Valley Junction geht es bereits kurvig den Berg hinauf. Nach ein paar Meilen könnt ihr rechts auf den Panoramic Highway abbiegen um dann auf die Muir Woods Road abzubiegen. Hier reiht sich Kurve an Kurve, der Asphalt ist hier etwas ruppiger aber der Fahrspaß ist groß. Unten im Tal erreicht ihr das Muir Woods Visitor Center – der Zwischenstopp in den Redwoods lohnt sich auf jeden Fall. Weiter geht es auf der Frank Valley Road bis Muir Beach, danach führt der Shoreline Highway direkt an der Küste entlang bis Stinson Beach. Auch wenn es im Sommer sehr neblig sein kann lohnt sich die Fahrt. Wir konnten beim einen oder anderen Zwischenstopp sogar Wale sichten.

Angekommen in Stinson Beach lohnt es sich, sie Füße ins (sehr kalte) Pazifikwasser zu stippen. Und wenn ihr Hunger habt, besucht auf jeden Fall das Parkside Café, ob auf ein Eis, ein Gebäck oder ein Mittagessen, hier seid ihr gut aufgehoben.

Frisch gestärkt geht es auf den Rückweg, bis Muir Beach geht es auf dem gleichen Weg zurück. Von da aus aber geht es zurück auf dem Shoreline Highway bis nach Tamalpais. Hier sind die Kurven etwas weiter, dadurch kann man etwas forscher Gas geben.

In der Umgegend gibt es aber noch diverse andere Routenoptionen, aber den Shoreline Highway (entspricht auch den Highway Number One) würde ich auf jeden Fall mitnehmen.

Hecker Pass zwischen Watsonville und Gilroy

Auf den Hecker Pass sind wir nur zufällig gestoßen auf dem Weg zum Gilroy Outlet Shopping Center.

Der Hecker Pass ist ein Mittelgebirgspass in den Santa Cruz Mountains in Zentralkalifornien, der Watsonville an der Pazifikküste mit Gilroy und dem Santa Clara Valley verbindet. Er wird von der Hecker Pass Road überquert, dem westlichen Teil der California State Route 152, die von Gilroy über den Pacheco Pass nach Osten in das Central Valley führt. Der Pass liegt auf einer Höhe von 408 m.

Kurz hinter Interlaken (Kalifornien, nicht Schweiz) beginnt es mit den Kurven auf den zehn Meilen. Die Westseite des Passes ist deutlich kurviger, die Ostseite führt dafür durch sehr schöne Wälder und bietet weitläufigere Kurven. Wenn ihr in der Gegend seid, nehmt den Pass gerne mit.

Highway #1 von Monterey bis McWay Falls

Dieser Abschnitt des Highway #1 ist für mich das Sahnestück dieser legendären Strecke. Aufgrund der Streckensperrung wegen eines Erdrutsches kamen wir nur bis McWay Falls, der weitere Streckenverlauf bis San Simeon verspricht – zumindest von der Papierform her – ebenso reizvoll zu sein.

In Monterey startet man am besten mit dem 17 Mile Drive. Auf dieser kostenpflichtigen Mautstrasse kann man die Monterey Halbinsel bis Carmel umrunden und wechselweise wunderschöne Küstenabschnitte, traumhafte Golfplätze und bescheidene Millionärs-Domizile begutachten.

Ab Carmel geht es dann auf den Highway No. 1 und hier reiht sich bereits ein schöner Ausblick an den anderen. Wenn gerade mal nicht der Nebel sein Tuch über die Küste legt. Aber wie wir gesehen haben kann das sich sehr schnell abwechseln, tendenziell ist es am früheren Vormittag eher neblig, ab Mittag besteht eine gute Chance auf klarere Sicht.

Ein Muss-Stop ist auf jeden Fall Bixby Bridge, Mac-Nutzer kennen die Brücke von den System-Bildschirmhintergründen. Die 1932 eröffnete Stahlbeton-Bogenbrücke im Art-déco-Stil ist ein wirklich elegantes Bauwerk.

Richtet euch auf jeden Fall auf zahlreiche Fotostops ein, die Ausblicke sind wunderschön. Der nächste kommt gleich ein paar Kilometer später am Little Sur River Beach. Die Strasse macht einen sehr schönen Bogen um den Strand, Fotos macht ihr am besten am Südende. Den Strand selber könnt ihr leider nicht betreten, da er Privatgelände ist.

Nach diesem Stopp führt der Highway ins Inland in den Big Sur State Park. Hier mündet der Big Sur River in den Pazifik, der dichte Wald aus Mammutbäumen, Koniferen, Eichen und vielen anderen Gehölzen ist super geeignet zum campen und hiken, wenn ihr mal einen Tag nicht auf dem Mopped verbringen wollt. Und ihr habt die Möglichkeit an niedlichen Tankstellen zu halten um den Bock wieder aufzufüllen.

Wenn ihr die Badehose eingepackt habt, dann nehmt hier den Abzweig zum Pfeiffer Beach. Nach ca. 2 Meilen erreicht ihr den Strand. Zum Sonnenuntergang auch sehr zu empfehlen.

Wenn ihr unterwegs was essen wollt, sei Euch das Coast Big Sur empfohlen, ein schönes Café direkt am Strassenrand, die tonnenförmigen Gebäude sind nicht zu übersehen und von der Terasse hat man einen sehr schönen Ausblick.

Von hier aus sind es nur ein paar Meilen bis zum südlichen Wendepunkt der Strecke, dem McWay Fall. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig, über einen kleinen Fußweg erreicht ihr den Aussichtspunkt von dem ihr die Bucht mitsamt des Wasserfalls überblicken könnt. Der McWay Fall ist übrigens nur einer von zwei Wasserfällen in Nordamerika, der direkt in den Ozean mündet.

Wir sind die Strecke dann wieder nach Monterey zurück gefahren wegen bereits erwähnter Strassensperre. Man wird aber auch beim zweiten Mal nicht müde, die Ausblicke zu bestaunen.

Endlich wieder Motorrad fahren – Sonntagsrunde durch die Schorfheide

Eigentlich ist es ein Trauerspiel. Seit April diesen Jahres war ich nicht mehr Motorrad fahren. Fast ein Vierteljahr lang. Ich gehöre zwangsenteignet. Aber wie alles im Leben gab es drölfzig Gründe dafür. Der Bann ist aber gebrochen, am gestrigen EM-Finalsonntag schmiss ich mich kurzentschlossen in meine Motorradklamotten, sattelte die GS und machte mich auf den Weg in die Schorfheide. Ich hatte Bock auf den Buchenwald rund um Grumsin und die einsamen Waldwege rund um wunderschöne Seen.

Rund um den Werbellinsee muss man sich wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung etwas zügeln, aber das gibt einem mehr Zeit den Ausblick auf den See zu geniessen. Hinter Joachimsthal bog ich Richtung Neugrimnitz ab und machte Halt an der Naturbeobachtungsstation Grimnitzsee, das kann ich vor allem bei gutem Wetter jedem empfehlen. Der Blick in die Natur ist wirklich wunderschön.

Offroad von Berlin an die polnische Ostsee

Das hat man nun davon, wenn man in seinem Podcast unausgegorene Ideen laut ausspricht. Wie eben den Wunsch, eine Tour an die Ostsee zu fahren und dabei hier und da mal auf nicht asphaltiertem Terrain unterwegs sein zu wollen. Und einer unserer aufmerksamen Zuhörer ist Offroad-Instruktor und -Touranbieter und hat eine ebensolche Tour neu im Programm. So kam der Kontakt zu Christian Kampmann zustande. Nach einigen Nachrichten und Telefonaten stand der Plan: ich begleite Christian als Versuchskaninchen und fahre mit ihm die Drei-Tages-Tour nach Mielno. Zu meiner großen Freude hatten auch Ellie und Norman aka The8Hundreds (unsere Podcastgäste aus Folge 61) zugesagt, mit denen ich eh‘ noch eine Runde fahren wollte.

Tag 1: Berlin – Barlinek

Und so trafen wir vier uns an einer Tankstelle am östlichen Berliner Autobahnring an einem relativ kühlen, aber sonnigen Montagmorgen im März. Für die Tour hatte ich meiner F800 GS extra noch neue Heidenau K60 Ranger gegönnt, um auch für gröberes Geläuf gut besohlt zu sein. Lustigerweise hatten Chris, Norman und Ellie ebenfalls auch genau diesen Reifen aufgezogen. Am Material sollte es schon mal nicht scheitern.

Geschnackt, getankt, aufgesattelt, losgefahren. Kurz hinter dem Autobahnring war schon der Einstieg in die Route. Nach einer kurzen Aufwärmung bat ich vorsorglicherweise um etwas Nachsicht bei meinen Mitfahrern. Jetzt bin ich kein Offroad-Anfänger, aber ich war hier mit einem Offroad-Instruktor und zwei Motorrad-Weltreisenden unterwegs, von denen eine auch noch im GS Trophy-Team 2024 ist. Letzteres war nicht zu übersehen, denn Ellie hatte bereits ihr Trainingsbike von BMW Motorrad bekommen, eine nagelneue R1300 GS im Trophy-Trimm mit ihrer Startnummer und ihrem Namen. Schon beeindruckend.

Nach einem aufmunternden „Passt schon, bekommen wir alles hin!“ nahmen wir die ersten Feldwege unter die Räder, die immer wieder durch kurze Ortsdurchfahrten unterbrochen wurden. In einem großen Bogen ging es über Strausberg bis Neuhardenberg. Eine Ecke, die ich bereits sehr gut von meinen Touren in die Märkische Schweiz kenne, aber nicht so offroadlastig wie an diesem Tag. Zwischen Ihlow und Reichenberg hatten wir einen besonders schönen Abschnitt über die Felder mit weitem Blick in die Umgegend.

Nach dem Grenzübertritt nach Polen in Kystrin gabs einen kurzen Tank- und Supermarktstopp und kurze Zeit später machten wir Mittagspause im Wald. Frisch gestärkt konnten wir es auf dem festgefahrenen Waldweg ein bisschen fliegen lassen. Trotzdem musste man immer vorausschauend fahren, denn nach der nächsten Biegung kann auch wieder eine Sandpassage warten. Ich fühlte mich aber sehr wohl und merkte, wie ich viele gelernte Dinge aus den Offroadtrainings wieder abrufen konnte. Fußrastenimpulse, Gewichtsverlagerung, nicht zu fester Griff am Lenker und wie immer weit nach vorne blicken.

Offene Passagen über Felder wechselten sich mit Waldwegen ab. Das Wetter war auch mit uns und trotz der einstelligen Temperaturen den ganzen Tag konnte ich zumindest eine meiner Zwiebelschichten ablegen und die dünneren Handschuhe anziehen. Auf dem Mopped rumturnen hält auch warm.

Lieblingsstrecken anderswo: Chapmans Peak Drive in Südafrika

Der Chapman’s Peak Drive ist wohl eine der schönsten Panoramastraßen der ganzen Welt. Kurz vor Kapstadt wirst du hier noch einmal von der landschaftlichen Schönheit Südafrikas überwältigt. Hinter jeder Kurve öffnen sich neue Ausblicke, welche einen nicht zu unrecht die Sprache verschlagen. Diese Straße wurde zwischen 1915 und 1922 erbaut und verbindet Haut Bay und Noordhoek. 150 Meter über dem Meer und 450 Meter unter dem Gipfel liegt die 10 Kilometer lange Küstenstraße. Hier gibt es zahlreiche Haltebuchten, um ein schönes Foto zu schießen oder einfach nur eine Pause einzulegen.

Der Chapman’s Point bietet einen der atemberaubendsten Ausblicke in Richtung Kommetjie und dem menschenleeren Long Beach der Chapman’s Bay. Während Radfahrer die Straße kostenlose befahren dürfen, wirst du aber zur Kasse gebeten. PKWs kosten R54 Maut (3,09€), Motorräder R35 (2€). Es gibt aber besondere Tarife, falls du diese Strecke mehrmals im Monat fahren solltest oder Inhaber der Wild Card bist.

Schnell mal im Dreck spielen oder wie ich meine Hausrunde optimiere

Den Osten von Berlin in Richtung Märkische Schweiz habe ich dieses Jahr wieder entdeckt. Sei es auf meiner Neujahrsrunde oder der Tour nach Küstrin im letzten Monat. Ebenso nahm ich die Gattin neulich auf eine gemeinsame Runde Richtung Altlandsberg zum Äpfel kaufen mit – und diese Runde war total nett für eine kleine Zweistunden-Feierabendrunde. Ebenso bietet diese Runde auch genug Offroadpotential, wenn man die Wege links und rechts der Hauptstrasse inspiziert.

Damit wir und richtig verstehen: ich rede hier nur von Feldwegen, die legal zu befahren sind. Zum Teil sind das auch reguläre Ortsverbindungsstrassen wie zwischen Buchholz und Wesendahl. Und das ist dann was man findet:

Und ich habe noch nicht alle Optionen ausgeschöpft, im Nachhinein sind mir noch ein paar Passagen eingefallen, die ich noch mit einbauen kann. Wenn ich mal fertig bin, teile ich die Route auch mit Euch. Wenn ihr brav seid…

Was ich unterwegs auch entdeckt habe ist die Motocross Arena des MC Bernauer Schleife e.V.

Und wie man auf der Website sieht, kann man da Samstags auch als Gastfahrer auf die Strecke für 15 € Gebühr. Hier komme ich auf jeden Fall mal mit der Dominator nochmal hin.

Durch die Märkische Schweiz bis zur Festung Küstrin

Einige Male war ich bereits in der Märkischen Schweiz, aber weiter bis hinter Neuhardenberg hatte ich es nicht geschafft. Irgendwo hatte ich aber von der Festung Küstrin gelesen und beschloss, dass ich diesen weissen Fleck auf meiner Landkarte tilgen möchte. Und das tat ich nicht alleine, sondern nahm mir einen aktuellen und einen ehemaligen Arbeitskollegen mit.

Richtung Bernau ging es nördlich aus Berlin raus und dann Richtung Osten über kleine Alleen durch Dörfer wie Beiersdorf, Höhenland und Neutrebbin. Für brandenburger Verhältnisse war es nett kurvig und machte Laune. Manche Abschnitte hatten leider nicht die beste Asphaltdecke, was mir mit meiner GS relativ wenig ausmachte. Die Mitfahrer mit ihren Straßenmaschinen wiesen in den Pausen aber dezent drauf hin, dass es dann doch etwas rumpelig war hier und da.

Sehr rumpelig wurde es, als wir zwischen Zechin und Genschmar plötzlich vor einer aufgerissenen Asphaltdecke standen. Anderswo hätte man die Straße hier komplette gesperrt und eine Umleitung eingerichtet. Nicht so aber hier im Oderbruch: kurz vor der Fräskante eine Bake aufgestellt, fertig. Ein uns entgegenkommender Einheimischer bestätigte uns, dass das alles so seine Richtigkeit hätte und man weiter hinten noch über den Acker ausweichen muss. Also machten wir uns an die Weiterfahrt. Auch hier kann ich nur bestätigen, dass eine Enduro in Brandenburg schon das richtige Gefährt ist. Aber seht selbst:

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