Nachdem Ducati auf der letzten EICMA bereits erste Appetithappen serviert hat, ist die Katze nun aus dem Sack: Die DesertX 2026 ist kein bloßes Facelift, sondern eine technische Neukonstruktion. Während das Ur-Modell noch stark auf dem Erbe der Scrambler-Reihe und dem bewährten Testastretta-Motor basierte, schlägt die zweite Generation einen deutlich technischeren und kompromissloseren Weg ein.
Herzstück: Der neue V2 mit variabler Steuerung
Die wichtigste Nachricht sitzt unter dem Tank: Der neue 890-cm³-V2-Motor. Mit 110 PS und einem maximalen Drehmoment von 92 Nm rückt die DesertX leistungsmäßig in das Kernfeld der Konkurrenz wie der KTM 890 Adventure R oder der Triumph Tiger 900 Rally Pro.
Spannend ist hier die variable Einlasssteuerung IVT. Während andere Hersteller in dieser Klasse oft auf kompakte Reihen-Zweizylinder setzen, bleibt Ducati dem V2-Layout treu, macht ihn aber zum leichtesten Zweizylinder ihrer bisherigen Geschichte. Das Ziel dieser Technik ist ein bauchiger Drehmomentverlauf: 70 % der Kraft liegen bereits bei 3.000 U/min an, was vor allem in technischen Trail-Passagen im Gelände für Ruhe im Fahrwerk sorgen dürfte.
Der neue Film Adventure Country Tracks France ist seit heute – dem 25.12. online. Und er macht ziemlich schnell klar, dass es hier nicht um Hochglanz-Adventure oder touristische Abkürzungen geht. Gezeigt wird Adventure Riding, wie es in Europa tatsächlich stattfindet. Mit Planung, Rücksicht, Umwegen und Momenten, die man nicht kontrollieren kann.
Fünf Tage, 970 Kilometer und kein Postkarten-Frankreich
Die Route führt vom Massif Central bis an die Ausläufer der Pyrenäen. Dazwischen liegen Wälder, Schluchten, rote Erde, alte Asphaltbänder und lange Schotterpassagen. Der Film zeigt bewusst kein Frankreich für Durchreisende, sondern Regionen, die man nur versteht, wenn man sich Zeit nimmt und bereit ist, auch mal stehenzubleiben.
Wenn nicht alles nach Plan läuft
Platte Reifen, blockierte Wege wegen Waldbrandgefahr, Verletzungen, gesperrte Abschnitte und spontane Routenänderungen gehören im Film selbstverständlich dazu. Genau diese Szenen geben dem Projekt Glaubwürdigkeit. Das Abenteuer entsteht nicht trotz der Probleme, sondern durch sie. Wer Adventure Riding ernst nimmt, erkennt sich hier schnell wieder.
Verantwortung ist Teil der Strecke
Ein zentrales Thema des Films ist der respektvolle Umgang mit Wegen, Landbesitzern und lokalen Regeln. Geschlossene Schranken bleiben zu, gesperrte Tracks werden nicht diskutiert. Der Film macht deutlich, warum die Arbeit von Adventure Country Tracks e.V. so entscheidend ist. Legales Offroad-Fahren ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis von Vertrauen, Regeln und Verantwortung.
Mehr Informationen zum Projekt und zur Mitgliedschaft finden sich direkt auf der offiziellen Seite von Adventure Country Tracks.
Landschaft, die ständig ihr Gesicht ändert
Was Adventure Country Tracks France besonders macht, ist die enorme Vielfalt. Kühle Schluchten wechseln sich mit dichten Wäldern ab, später folgen rote Schotterflächen, offene Plateaus und mediterrane Landschaften. Nichts wirkt inszeniert, alles ergibt sich aus der Strecke. Der Film lebt davon, diese Wechsel nicht zu erklären, sondern sie erlebbar zu machen.
Gemeinschaft statt Ego-Show
Der Film erzählt keine Heldengeschichte. Es geht um Gruppe, Abstimmung, gemeinsames Essen mit Einheimischen, Kaffee am Morgen und Diskussionen über Streckenschwierigkeiten. Adventure Riding wird als kollektive Erfahrung gezeigt. Genau das hebt den Film von vielen anderen ADV-Formaten ab. Es zeigt einen ehrlichen Blick auf das, was Adventure Riding in Europa heute bedeutet.
Folge 90 war für uns etwas Besonderes: Wir haben nicht nur in der BMW Motorrad Welt in Berlin aufgezeichnet, sondern mit Andreas Keßler einen Gast begrüßt, den die meisten als „Autopapst“ von Radio Eins kennen.
Andreas erzählte, wie ihn schon als Kind ein Porsche 356 in den Bann zog, wie er später auf frisierten Mopeds unterwegs war und warum er früh lernte, selbst zu schrauben. Es ging um die Freude am Reparieren, um ölverschmierte Finger in Berliner Hinterhöfen und um die Frage, was Handwerk früher ausmachte – und was heute von Laptops und Software ersetzt wurde.
Natürlich haben wir auch über seine Radiokarriere gesprochen. Denn wenn man Andreas Keßler zuhört, merkt man schnell: Da sitzt einer, der nicht nur Ahnung hat, sondern dessen Stimme allein schon eine Geschichte erzählt.
Für uns war es ein Blick über den Motorrad-Tellerrand hinaus – hin zu Autos, Motoren und Geschichten aus einer Zeit, als man noch mit dem Ohr eine Diagnose stellen konnte. Und ja: Wir hätten ihm auch noch zwei Stunden länger zuhören können.
Mit der One Show fand am letzten Wochenende die erste große internationale Bike Show des Jahres statt. Zu der zum achten Mal von SeeSee Motorcycles organisierten Veranstaltung kamen über 17.000 Besucher nach Portland, Oregon.
Von den zahlreichen Umbauten, die mir auf allen möglichen Social Media-Kanälen von der Show entgegenprasselten, blieben zwei besonders hängen. Alex Lapidus’ 1974 Honda Elsinore
Die Kombination von alten und neuen Elementen, garniert mit poliertem Chrom und grobem Gummi sind für mich ein absoluter Hingucker. Roland Sands Design’s BMW R nineT
Roland Sands tut, was Roland Sands tun muss. An Tracker-Umbauten aus dem Hause RSD mangelt es ja nicht. Auch der Ninette steht die schmale und tiefe Optik sehr gut.
Alle Bilder und mehr Details hat Jenson Beeler bei Asphalt and Rubber zusammengetragen.
Bilder: Asphalt and Rubber
Als Motorradfahrer kann man nicht aus seiner Haut. Auch wenn man in der eigenen vierrädrigen Blechdose unterwegs ist, muss man immer den anderen Motorrädern hinterher schielen. Vor allem, wenn einem so ein Prachtexemplar wie dieses begegnet:
So schnell wie die XT neben mir auftauchte, so schnell war sie wieder weg. Später entdeckte ich die Maschine noch auf dem Parkplatz beim Built not Bought 2016, aber viel mehr konnte ich nicht über sie in Erfahrung bringen. Der dezente Schriftzug „Rockmann Brothers Racing“ auf dem Tank war der einzige Hinweis über die Erbauer, die Berliner Brüder Norman und Sven Rockmann.
Ihr erstes Umbauprojekt haben sich beide vor drei Jahren zur Brust genommen. Da beide sehr crossaffin sind musste etwas mit Geländegenen als Basis her. Etwas, was auch leicht und agil ist und für die Stadt und Tagestouren ins Brandenburger Umland geeignet ist. So fiel ihre Wahl auf eine 1992er Yamaha XT 600 3UW, die sie von Grund auf neu aufbauten. Viele Teile für den Umbau fanden sie bei Kedo, unter anderem auch einiges von JvB moto wie die Fender und die Lampenmaske. Der Alutank wurde von einer 79er XT genommen, angepasst und aufgearbeitet.
Das Farbschema in mattweiss, silber und schwarz gibt der Maschine ein geschmackvolles Finish und so wurde aus der Enduro die Rockmann Brothers Racing XT.
Die Umbaudetails:
Fender vorn JvB Moto stumpf weiss lackiert
Gabel vorne weiss gepulvert
Lampenmaske JvB Moto mattweiss lackiert
Lenker LSL
Gabelbrücken weiss bzw. schwarz gepulvert
Tacho Kedo
komplette Front gecleant (u.a. Elektrik zur Seite verlegt, Hupe verlegt und versteckt, Ausgleichsbehälter verlegt nach hinten)
Blinker Alu schwarz von Arizona
Alu Tank angepasst von 79er XT, aufgearbeitet + mattweiss lackiert
Motor mit Soda gereinigt und schwarz lackiert
Sitzbank Kedo, Halterungen angepasst
Rahmen gekürzt und schwarz gepulvert
Schwinge schwarz gepulvert
Kedo Alu Kettenschutz schwarz gepulvert
Motorschutz schwarz gepulvert
Supermoto-Felgen „San Remo“ von Friedrich Menze
Dunlop Mutant Reifen hinten und vorn – keine 500km gelaufen
Am Freitag dieser Woche findet die offizielle Pressepräsentation des Triumph Bonneville Bobbers in Deutschland statt. Dann erfahren wir auch die Details zu technischen Daten und Preis. Im Rahmen einer Brutal Beauty Tour genannten Eventreihe hat Triumph in acht Städten den Bobber vorab der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Gestern abend waren sie in Berlin und Hamburg zu Gast, während in Spanien die Kollegen von The Bike Shed schon fahren durften.
Mein erster Eindruck: für einen Großserienhersteller finde ich das ein bemerkenswertes Motorrad. Das von der Bonneville bekannte und gelernte Retrostyling wurde hier konsequent auf den Bobber fortgesetzt. Viel gebürstetes Metall machen einen wertigen Eindruck. Das bobbertypische Layout wurde gut getroffen, der 1200cc-Motor verfügt in der Bobber-Version zwar „nur“ über 75 PS, aber dürfte über üppiges Drehmoment einen guten Antritt abliefern.
Einige Details am Motorrad beissen sich aber in meinen Augen mit dem klassischen Look. Primär alles, was in Kunststoff gefasst ist wie die Lenkerarmaturen, das Tachogehäuse sowie das Rücklicht und die Blinker. Beim customizing-orientierten Kunden werden das wohl die ersten Teile sein, die rausfliegen. Aber ähnlich wie bei der BMW R nineT oder der Triumph Bonneville auch für den Bobber zahlreiche Nachrüstteile einfinden.
Als Freund des fliegenden Ziegelsteins freue ich mich über jeden neuen Umbau auf Basis der K-Serie von BMW. Letzte Woche kam mir Xaver unter die Augen, ein besonders spannender Umbau einer 1986er BMW K100 LT zu einem Scrambler.
Tom Possod und Michael Siebenhofer von Titan Motorcycles aus Graz haben hier ganze Arbeit geleistet. Der eigens gebaute Heckrahmen räumt die Seitenlinie des Motorrades deutlich auf, der reguläre K-Rahmen macht es einem da schwerer, eine klare Linie zu finden. In Verbindung mit dem angepassten Tank bekommt die Maschine eine aggressive Linie, die ihr sehr gut steht.
Die Aluverkleidung der LED-Scheinwerfer vorne erinnert mich etwas an Star Wars-Droiden, gibt dem Motorrad aber auch von vorne einen sehr eigenen, ungesehenen Touch. Garniert wurde der Umbau mit vielen weiteren Feinheiten:
Motoscope pro Instrument
Full LED Scheinwerfer und Standlicht
Continental TKC80 Bereifung
Handgefertigter Heckrahmen
Höherlegung
Tomaselli Endurolenker mit interner Kabelführung
Handgefertigter Stretchtank, Scheinwerferbezel und Soziusabdeckung aus Aluminium
M-switch Microtaster
Rizoma Lenkerendenblinker
Brembo Performance Bremspumpe
Black Chrystal Lackierung
Rizoma Club S Rücklichter
Echtleder-Sitzbank mit Kreuzsteppung
REMUS Sportauspuffanlage
Eigens angefertigte tiefe Kennzeichenbefestigung im GS Style
Traditionellerweise eröffnet Ducati mit seiner Pressekonferenz am Vorabend der EICMA den Präsentationsreigen neuer Motorräder. Mit dem Desert Sled und dem Café Racer erweitert Ducati seine Scrambler-Baureihe, wobei die Desert Sled die Urban Enduro ersetzen wird. Mit verstärktem Rahmen, verändertem Kettenschutz und Kettenradschutz meldet sie ernsthaftere Offoradambitionen als ihre Vorgängerin an. Ein bischen XT500-Nostalgie umweht sie auf jeden Fall.
Ein Freitagabend im Spätsommer, Temperaturen um die 20° verführen einen dazu, den langen Weg nach Hause zu nehmen und den Sundowner in der Großstadt zu genießen. Die tiefstehende Sonne reflektiert sich im gebürsteten Alutank der R nineT während der Motor unter mir knisternd abkühlt.
Und das beste daran? Das ganze Wochenende wird so weitergehen!
Die Triumph Street Triple hat in den letzten Jahren viel Lob bei Motorradtestern bekommen, nicht zuletzt wegen ihres tollen Motors, der Fahrbarkeit und der Beherrschbarkeit. A bang for a buck ist sie nicht zuletzt auch wegen ihrer moderaten Bepreisung. Optisch fand ich sie mit ihren Insektenaugen immer etwas gewöhnungsbedürftig, auch wenn die mittlerweile zum Markenzeichen der Speedy geworden sind. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Gestaltungsweg. Das dachte sich auch Tobias Kuhn, der neben seiner Triumph Bonneville ein Bike mit mehr Bums, aber auch ohne viel Elektronik haben wollte. Als Basis für seinen geplanten Café Racer fand er eine 2008er Street Triple 675 mit geringer Laufleistung, die er günstig erstehen konnte. Dem Umstand, daß die Maschine eine optische Herausforderung ist, gewann er den positiven Aspekt ab, daß sie deswegen bislang selten für Customizing genutzt wurde. Halbschale und Einzelscheinwerfer waren für ihn ein Muß, Performance und Power waren weniger wichtig als stimmige Linie und Proportionen.
Für den Umbau verantwortlich zeichneten die Truppe von Hanse Qustoms, die den Geist des Entwurfs von Holographic Hammer umsetzten, ohne sklavisch daran zu hängen. Sehr gelungen, wie ich finde. Wenn alles klappt, wird Tobias damit den 2016er Distinguished Gentleman’s Ride in Berlin bereichern, eine gute Chance, das schöne Stück in natura zu begutachten.