Le Tour des Grandes Alpes – Tag 3: vom Sustenpass ins Aostatal

Yeah, das Wetter wird besser. Also, der Nebel wird durchsichtiger. Zu Beginn des dritten Tourtages hüllt sich das Sustenhospiz immer noch in dicke Suppe. Aber es hätte schlimmer kommen können, auf dem Stilfser Joch hat es angeblicherweise in der gleichen Nacht geschneit.

Der um unser leibliches Wohl anscheinend sehr besorgte Wirt des Sustenhospiz läßt uns ein leichtes Käsefrühstück angedeihen, damit wir nicht vom Fleisch fallen.

Sustenpass

Nach einigen Kilometern lichtet sich die Suppe und es offenbart sich eine traumhafte Alpenkulisse. Man hatte das Gefühl, durch eine Märklin H0-Kulisse zu fahren. Es hätte mich nicht gewundert, wenn der Bahnhof Lachenheim hinter der nächsten Kurve aufgetaucht wäre.

Berauscht von den Panoramen und den Kurven mussten wir im Tal erstmal eine Pause machen. Das und weil wir die Regenpellen wieder ausziehen wollten, die wir für den Rest der Tour nicht mehr brauchen sollten. Nach einem kurzen Tankstopp ging es weiter zum:

Grimselpass und Furkapass

An mehreren beeindruckenden Staumauern vorbei turnten wir den Grimselpass empor. Nach der Überquerung der Passhöhe eröffnete sich uns eines der tollsten Panoramen dieser Tour, der Blick den Grimsel hinab rüber zum Furkapass. Diesen erklommen wir dann sofort als nächstes und machten am Belvedere-Hotel erstmal Pause, um den atemberaubenden Ausblick zu geniessen.

Als wir die Ostseite des Furkas Richtung Hospental herunterfuhren dachte wohl jeder von uns an die legendären Szenen aus dem James Bond-Film „Goldfinger“. Und wir waren mittendrin in der Filmkulisse.

Gotthardpass

Ein Pass reiht sich an den nächsten. Als wir auf der Passhöhe des Gotthard standen, war das für mich ein sehr besonderer Moment. Auf den Monat genau vor 30 Jahren stand ich hier oben schon mal. Allerdings mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Lago Maggiore. Ich gebe zu, mit dem Motorrad war es deutlich kommoder. Und dieses Mal holte ich etwas nach, was ich damals versäumt hatte: die alte Gotthard-Strasse Tremola zu fahren. Altes Kopfsteinpflaster in eng geschwungenen Kehren. Und Kühe, vergesst die Scheiss-Kühe nicht. Ein Traum!

Alter Gotthard, gepflastert. #alpenblitz2017 #letourdesgrandesalpes

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Nufenenpass

Kaum waren wir den Gotthard runtergefahren zeigte uns schon das nächste Schild den Weg zum Nufenenpass. Eigentlich hatte ich in der ersten Version der Routenplanung nach dem Grimselpass den Abzweig nach rechts Richtung Martigny geplant. Dann hätten wir sowohl Furka, Gotthard als auch den Nufenen verpasst. Nicht auszudenken!

Der Nufenenpass ist gut ausgebaut, im Vergleich zur alten Gotthardstrasse fehlt ihr etwas der Flair, aber wenn man auf der Passhöhe bei klarem Wetter das Matterhorn aufragen sieht, dann ist das jeden Umweg wert.

Wieder unten im Tal entschieden wir uns zähneknirschend, den eidgenössischen Autobahn-Obulus zu entrichten und uns Vignetten ans Tauchrohr zu kleben. Die Route bis Martigny durchs Tal wäre auf der Landstrasse nicht die aufregendste gewesen, auf der Autobahn versprachen wir uns neben kühlendem Fahrtwind ein schnelleres Vorankommen bis Martigny. Anfangs war das Autobahnnetz noch etwas bruchstückhaft, aber dann gelang es uns doch, die Fahrtzeit bis zum Großen Sankt Bernhard etwas zu verkürzen.

Großer St. Bernhard

Letzte Passhöhe für heute, der Grosse St. Bernhard! #alpenblitz2017 #letourdesgrandesalpes

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Was für ein schöner Abschluss dieses tollen Tourtages. Wiederum bestes Wetter, tolle Kurven und erstaunlich wenig Verkehr versüßte uns die Überfahrt über den Großen Sankt Bernhard. Im Aostatal herrschten am Abend noch hochsommerliche 34 Grad und so setzten wir uns nach erfrischender Dusche in den Hotelgarten und glichen unseren Flüssigkeitshaushalt erstmal mit reichlich Bier wieder auf. Was für ein Fest.

Lest auch den Tag im Bericht bei Motor8.

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Le Tour des Grandes Alpes – Tag 2: Schwarzwald bis Sustenpass

Der zweite Tag der Tour begann, wie der erste geendet hatte. Nein, nicht mit Bier, sondern mit Regen. Beim Frühstück beobachteten wir das Regenradar und entschlossen uns, genau die Lücke zwischen zwei Regenfronten zu nutzen, um durch den Schwarzwald Richtung Waldshut-Tiengen aufzubrechen. Den Trip auf den Feldberg haben wir uns geklemmt, da ob der vielen Wolken eh‘ nichts zu sehen gewesen wäre.

Der Plan ging so mittel auf, ganz trocken sind wir nicht über die Runden gekommen, aber kurz vor Waldshut konnten wir die Regenklamotten wieder ausziehen.

Nach der Kaffeepause in Waldshut-Tiengen fanden wir den wahrscheinlich kleinsten Grenzübergang in die Schweiz, wo uns nach wenigen Kilometern doch wieder die Regenfront erwartete. Bot uns die Landstrasse bis Zürich noch einige Kurven, so wurde es Richtung Rapperswil doch recht fad. Es ging fast nur geradeaus und die einzigen Kurven fanden wir in den zahlreichen Kreisverkehren.

Erheiternd war dann der Besuche beim Young Guns Speedshop, der Plausch mit Nik lenkte gut von der feuchten Witterung ab.

Es folgten die Fahrt über den Zürisee, der schöne Blick auf den Lauerzersee kurz vor Schwyz und die Vorbeifahrt am Vierwaldstättersee.

Dann am späten Nachmittag ging es endlich signifikanter den Berg rauf, als wir den Anstieg Richtung Gotthard unter die Räder nahmen. In Wassen ging der Abzweig rechts den Berg rauf zum Sustenpass, der unser Tagesfinale darstellt. Unten war es noch trocken, doch mit jedem Höhenmeter näherten wir uns der dichten Wolkendecke und dem Regen. Trotz der nassen Strasse war der Pass sehr gut zu fahren und bot den einen oder anderen tollen Ausblick.

Bei der Ausfahrt aus dem kurzen Gipfeltunnel standen wir komplett in der Nebelsuppe und hätten fast die Auffahrt zum Susten-Hospiz verpasst. Vor der Hütte standen bereits die Motorräder von Rolf und Reinhard. Die hatten schon in der Stube ihre Stiefel vor den offenen Kamin zum Trocknen aufgestellt un die Kehle mit dem ersten Bier befeuchtet. Das klang gut für uns und wir machten es ihnen gleich nach.

Kurz nach uns sollte auch Thomas den Weg durch den Nebel zum Ziel finden und zu fünft versuchten wir, die kleine Würschtelplatte zu verspeisen, die der Wirt uns zubereitet hatte.

Zufrieden und k.o. fielen wir in unsere Betten. Bis hierher war alles nur Vorspiel, morgen sollte die Tour richtig losgehen.

Im Test: Revit Gear 2 Motorradhose

Auf die Tour des Grandes Alpes begleitete / bekleidete mich eine neue Motorradhose: die Revit Gear 2. Meine Resurgence Pekev Cargohose hatte ich zwar auch noch dabei für trockene und wärmere Tage, aber die standen in den ersten Tourtagen nicht auf dem Zettel.

Von der Papierform her versprach die Revit Gear 2 schon, eine gutes Multitalent zu sein. Die Stiefelhose verfügt über eine eingezippte und einfach entfernbare hydratex®-Membran, die Trockenheit garantieren soll, wenn’s nötig ist. Nach dem Herausnehmen steht an heißen Sommertagen dem kühlenden Fahrtwind nichts mehr im Weg. So soll die Gear 2 Hose den Schutz von Leder mit der Vielseitigkeit einer erstklassigen wasserdichten Textilhose kombinieren.

Für die optimale Passform gibt es Verstellmöglichkeiten am Bund sowie Stretch-Einsätze an Knien und über dem Steißbein. Der Verbindungsreißverschluss geht einmal rundum und bietet die Möglichkeit, die passende Revit Ignition 2 Jacke zu verbinden. Interessanterweise trug mein Mitfahrer Akki die Ingnition-Jacke auf der Tour, aber irgendwie haben wir es versäumt, mal beide zu kombinieren.

Für die Sicherheit gibt es ProLife-Protektoren an den Knien, die höhenverstellbar sind. Hüftprotektoren sind bei der Hose ebenfalls nachrüstbar. Von der Passform her fällt sie schmal, aber nicht unangenehm auf. Die Hosenbeine fanden gut Platz in meinen ICON Elsinore-Stiefeln.

Die ersten Tage auf der Tour boten so ziemlich alles, was man an Motorradwetter haben kann. Von 4 Grad und Dauerregen bis hin zu 34 Grad und stahlblauem Himmel. So bot sich mir eine sehr gute Bandbreite, in der sich die Hose bewähren musste. Anfangs fuhr ich sie mit Innenfutter, mit dem sie leichtere Regenschauer gut wegsteckte und auch den Fahrtwind gut abhielt. Bei stärkerem Regen musste eh’ die Regenkombi herhalten.

Bei Temperaturen über 18 Grad kann man das Innenfutter gut weglassen, die Textileinsätze ein der Hose funktionieren dann sehr gut und sorgen dann für ein angenehmes Körperklima. Als wir am dritten Tourtag dann ins Aostatal einrollten und deutlich über 30 Grad herrschten, wurde es ohne Fahrtwind dann doch schweisstreibend. Trotzdem klebte die Hose nicht am Körper.

Für die Folgetage, bei denen durchgehend höhere Temperaturen angesagt waren wechselte ich dann doch auf meine Resurgence Pekev Cargohose. Als kevlargefütterte Stoffhose funktioniert sie zwischen 25 und 35 Grad dann doch besser als die Revit Gear 2. Beide Hosen zusammen decken aber so ziemlich meinen Gesamtbedarf an Motorradhosen ab. An kälteren und eher nassen Tagen kommt die Revit zum Einsatz. Wenn es absehbar wärmer und trockener ist, wird die Resurgence die erste Wahl. Und wenn man auf Tour genug Platz im Gepäck hat, kommen eben beide mit.

Auf jeden Fall bekommt die Revit Gear 2 von mir eine Kaufempfehlung.

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 1: vom Bergischen Land in den Südschwarzwald

Hatte ich noch am Freitagabend nach der Abholung der Yamaha Tracer 900 das Glück, trocken und in der Abendsonne bis ins Bergische Land zu fahren, so standen der folgende Morgen im Zeichen des vorhergesagten, gedeihlichen Landregens.

„Wir sind ja nicht aus Zucker!“ dachten sich Holger und ich und pellten uns in unsere Ganzkörperkondome und sattelten unsere Yamahas. Über 20 Jahre lagen zwischen seiner XTZ 750 Super Ténéré und meiner Tracer.

Auf dem ersten Teilstück übernahm Holger die Führung und zeigte mir seinen Arbeitsweg von Wermelskirchen nach Rösrath. Die 44 Kilometer führten uns durch eine lustige Kurvenachterbahn, die bei schönerem Wetter sicherlich noch besser zu geniessen wäre. Aber egal, es war auch so ein Spaß.

Ab Rösrath schmiss ich den Navigon Cruiser an, der uns bis kurz vor Frankfurt zu Sandra führen sollte, bei der wir einen Trocknungsstopp einlegten. Nach vier Stunden Dauerregen hatten meine Stiefel kapituliert und ich brauchte dringend trockene Socken. Während Sandras Nachwuchs das Mittagessen einnahm, wärmten Holger und ich uns am Kaminofen auf. Ende Juni, wohlgemerkt.

Wieder aufgewärmt holte Sandra ihre Dominator aus der Garage und fuhr mit Holger noch eine kleine Runde auf den großen Feldberg, während ich den Tiefflugmodus gen Süden auf der Autobahn startete.

Zwei Stunden und ’nen Keks später rollte ich auf dem letzten Liter Benzin in Baden-Baden an die Tanke. Mittlerweile hatte das Wetter aufgeklart und die Sonne schien. Voller Vorfreude wühlte ich mich durch den Kurort und nahm den Aufstieg zur Schwarzwald Hochstraße in Angriff.

Leider hielt das gute Wetter nicht lange, mit jedem erklommenen Höhenmeter wurde es kälter und nebliger. Am Aussichtspunkt Mummelsee sah man gerade mal 10 Meter weit, die Temperatur war unter 10 Grad gesunken. Also wieder anplünnen und langsam weiterfahren. Da der Nebel nicht besser wurde, entschloss ich mich irgendwann, aus dem Hochwarzwald in die Niederungen des Elztals runterzufahren und mich Richtung Freiburg zu orientieren.

Nach 12 Stunden im Sattel und 570 gefahrenen Kilometern war es dann auch gut für den Tag und ich freute mich auf das Abendessen und diverse gepflegte Biere mit Akki, der sich aus München aus Richtung Schwarzwald aufgemacht hatte und mit dem ich dann den nächsten Tag gemeinsam fahren sollte.

Mit der Yamaha 900 Tracer auf der Tour des Grandes Alpes

Im Jahre 2005 führte Yamaha das erste MT-Modell ein. Die MT-01 prägte mit ihrem maximalen Drehmoment von 150 Nm den Begriff der „Masters of Tourque“. Mittlerweile hat sich die MT-Familie gut erweitert und erfreut sich in den verschiedensten Varianten großer Beliebtheit. Allen voran die MT-07, die sich schon seit längerem in den Zulassungsstatistiken nur der BMW R1200 GS geschlagen geben muss.

Ein kurzer Blick auf die Zulassungszahlen Juni 2017 zeigt, daß auch der Rest der Top 50 sehr gut von MT-Modellen durchsetzt ist:

  • Platz 02: Yamaha MT-07, 2.021 Einheiten,
  • Platz 16: Yamaha MT-09, 913 Einheiten,
  • Platz 21: Yamaha MT-09 Tracer,  724 Einheiten,
  • Platz 26: Yamaha MT-07 Tracer,  676 Einheiten,
  • Platz 31: Yamaha MT-10, 652 Einheiten.

Auf meine bisher längsten Motorradtour begleitete mich die Yamaha 900 Tracer, wie die MT-09 Tracer neuerdings firmiert. Der Sporttourer teilt sich mit dem Schwestermodell MT-09 einen Großteil der Komponenten, ergänzt um ein paar fernreisetaugliche Zutaten wie eine rahmenfeste Verkleidung mit Windschild und Handguards. Eine sehr gute Ausgangsbasis für das 3.000 Kilometer lange Gemisch aus Autobahn, Landstrassen und vor allem großen und kleinen Alpenpässen welches uns erwartete.

Gepäck
Vor dem Tourstart stand erstmal das Beladen des Motorrads an. Fährt man mit dem eigenen Motorrad von zu Hause aus los, ist man sehr gut mit den Verstaumöglichkeiten vertraut. Da ich erstmal mit Gepäck durch die halbe Republik fuhr um das Testmotorrad zu übernehmen, musste ich erst vor Ort sehen, wie ich das Motorrad am besten bepacke. Ausgerüstet war die Tracer mit den Soft-ABS-Seitenkoffern aus dem Yamaha-Zubehörprogramm. Jeder Seitenkoffer hat ein Fassungsvolumen von 25 Litern. Die Seitenkoffer öffnen in der Mitte via Reissverschluss und haben innen auf jeder Seite elastische Gurte, die das Gepäck an Ort und Stelle halten sollen. Zwei Nachteile des Koffersystems: sie waren aufgrund ihrer Form nicht so optimal bepackbar wie klassische, rechteckige Koffer und sie waren nicht wasserdicht. Also zurück zu den Plastiktüten.

Ergänzend hatte ich noch Moto-Detail Trekkingrolle mit Rokstraps auf den Soziussitz geschnallt. Es gibt an der Tracer zehn Spanngurt-Halterungen, acht unter dem Beifahrersitz und jeweils eine auf den Beifahrer-Fußrasten. Genug also, um auch mehr als eine Tasche zu verstauen. Nach zwei Tourtagen mit hin- und herpacken hatte ich dann auch die optimale Verteilung des Gepäcks ausgeklügelt.

Ergonomie
Alles verstaut? Also aufsitzen uns losfahren. Die Tracer bietet eine komfortable Sitzposition mit sehr breitem Lenker. Für das Durchmogeln im Stadtverkehr zwar ungeeignet, aber auf langes Tagesetappen sehr kommod. Die Sitzbank ist in zwei Positionen höhenverstellbar. Die Polsterung taugt gut für Tagestouren, auf längeren Touren wie der unseren würde ich mir etwas Komfort wünschen, sonst zwickt es doch sehr am Gesäß. Der Tank baut nach vorne hin sehr breit, das empfand ich aber als nicht unangenehm. Im Gegenteil, beim stehend fahren auf Schotter hatte man auch einen guten Knieschluss und konnte das Motorrad gut dirigieren. Doch dazu später mehr.

Die Armaturen und Schalter sind gut bedienbar und geben kein Rätsel auf. Die Windschutzscheibe ist in drei Positionen höhenverstellbar, das lösen zweier Einstellschrauben und das verschieben einer Gleitplatte fand ich zwar etwas fummelig, aber in der Regel macht man das ja nur einmal, bis es passt. Den Windschutz fand ich sehr gut, gerade bei den paar längeren Autobahnetappen war das sehr komfortabel. Ich hatte auch keine störenden Verwirbelungen am Helm wie z.B. beim Test der Honda Africa Twin.

Das LCD-Display schön zu nennen wäre geprahlt, andere Hersteller sind da im Jahre 2017 deutlich weiter vorne. Vom Design her und von den dargebotenen Informationen ist es funktional, mehr aber auch nicht. Drehzahl, Geschwindigkeit, Fahrmodi, Temperaturen, zwei Kilometerzähler und Tankanzeige hat man im Blick, alles andere brauchte ich nicht.

Die Tankanzeige hat eine asymmetrische Balkenanzeige:

Das erste Balkensegment steht gefühlt für Ewigkeiten, da passiert über 200km lang nix. Ist das mal weg, gehen danach die kleineren drei Segmente auch viel schneller aus. Das letze Segment fängt irgendwann an zu blinken und im rechten Display fängt ein Reservekilometerzähler an zu laufen. Einmal tankte ich nach 40 Reservekilometern, da hatte ich noch einen Liter Rest im 18l-Spritfass.

Aber zurück zum Display und zur Ergonomie. Wenn man die Sonne im Rücken hat, reflektiert das Display teilweise sehr stark und man wird geblendet. Wenn man nur geradeaus fährt, kann man sich in der Fahrtposition etwas drauf anpassen. Aber wenn das beim Kurventurnen passiert und man im Kurvenscheitel die Sonne wieder im Rücken hat und man dann geblendet wird, ist das ärgerlich.

Serienmässig ist die Tracer mit einer 12V Steckdose ausgerüstet – in der Bedienungsanleitung umständlich Nebenverbraucheranschluss genannt. Günstig positioniert links neben dem Tachodisplay konnte ich das mittels Quadlock lenkermittig montierte Smartphone gut mit Strom versorgen.

Motor und Getriebe
Der Dreizylinder-Motor der Tracer ist definitiv das Highlight des ganzen Motorrades. Er liefert 84,6 kW (115PS) bei 10.000 /min ab, viel wichtiger sind aber die 87,5 Newtonmeter Drehmoment, die bei 8.500 /min erreicht werden. Bereits ab Leerlaufdrehzahl liegen aber bereits 75 Newtonmeter an und hier zeigt sich die Stärke des Crossplane-Drilling. Der Dampf von unten raus begeistert wirklich und sorgt für eine tolle und flexible Fahrbarkeit. Angas-Modus auf weit geschwungenen Kurven des Col de la Bonette kann die Maschine ebenso gut wie das Kurvenwedeln auf den engen Spitzkehren in der unteren Sektion des Colle delle Finestre. Und als auf eben diesem Pass der Strassenbelag im oberen Sektor auf groben Schotter wechselte, stellte ich mich entspannt in die Fußrasten, suchte den Knieschluss am Tank und ließ mich im zweiten Gang den Berg hinaufziehen (zum Erstaunen der anwesenden GS-Fahrer).

Auch wenn der Motor sehr drehfreudig ist, kann ich mich nicht erinnern, auf der Tour das Drehzahlspektrum jenseits der 8.000 u/min ausführlich genutzt zu haben. Weil einfach keine Notwendigkeit dafür da war. Auf der Autobahn ist man auch bei schnellen Überholvorgängen im 5. und 6. Gang gut aufgehoben und auf den Alpenpässen ist man eh so schnell an der nächsten Kurve, daß man gar nicht in die oberen Drehzahlbereiche kommt.

Der Motor verfügt darüber hinaus über drei Fahrmodi, Standard, Modus A (schärfere Gasannahme) und Modus B (sanftere Gasannahme). Die Dosierbarkeit der Leistung ist aber so gut, daß es für mich des A/B-Modus gar nicht bedarf. Egal ob vier Grad und Dauerregen oder 30 Grad und frisch-asphaltierte Strassen, die richtige Menge Gas fand sich immer intuitiv ohne Modi-Steuerung.

So begeisternd der Motor, so ernüchternd das sequentielle 6-Gang-Getriebe. Das letzte Mal so derbe in den Schalthebel treten musste ich bei meiner alten 650er Rotax-GS. Gerade wenn man etwas sportlicher unterwegs war und mehrere Gänge vor der Kurve runterschalten musste, ging das oft nur sehr widerwillig. Oder man hatte einen höheren Gang drin, als man eigentlich wollte. das trübte den ansonsten sehr guten Fahreindruck etwas.

Fahrwerk
Die Teleskopgabel vorne und das über einen Hebel angelenkte, einstellbare hintere Federbein haben auf den unterschiedlichsten Oberflächen überzeugt. Von der frisch geteerten Passstrasse bis zum ausgewaschenen Schotterweg hatten wir alles unter den Rädern und immer fiel die Tracer durch satte Strassenlage positiv auf. Tadelloses Handling und sauberes Einlenkverhalten machten das Kurvenzirkeln zum Spaß, lediglich das etwas hohe Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage wäre negativ zu vermerken. Auf der Autobahn neigte die Maschine auch ab ca. 160 – 170 km/h zum Pendeln. Durch optimalere Gewichtsverteilung des Gepäcks ließ sich das etwas mindern.

Fazit
An der einen oder anderen Stelle klang es schon durch: ich fühlte mich auf der Tracer 900 auf der Tour sehr wohl. Sie ist ein sehr vielseitiges Motorrad, welches für die lange Tour ebenso gut taugt wie für die schnelle Ausfahrt am Wochenende. Es muss also nicht immer Reiseenduro sein, wenn man mehrere Tage unterwegs sein will. Zumal die Tracer auch in Endurogefilden wie dem Colle delle Finestre eine sehr gute Figur gemacht hat. Die Optik mag nicht jedermanns Sache sein, aber der Fahrspaß ist jedem garantiert. Definitiv zwei Daumen hoch!

Technische Daten
84,6 kW (115PS) bei 10.000 /min
87,5 Nm (8,9 mkp) bei 8.500 /min
sequentielles 6-Gang-Getriebe
Gewicht, fahrfertig, vollgetankt 210 kg
Tankinhalt 18 L
Kaufpreis: ab 10.295,00 €

Mehr Angaben auf der Yamaha-Website

Vielen Dank an die Yamaha Motor Deutschland GmbH für die Teststellung der Tracer 900.

Pure & Crafted Festival 2017 – Tickets zu gewinnen

Am 26. und 27. August 2017 findet die dritte Ausgabe des Pure&Crafted Festivals statt – in neuem Gewand und in Berlin-typischer Location. Nach zwei erfolgreichen Jahren im Berliner Postbahnhof zieht das Festival auf ein größeres Gelände und findet im Alten Kraftwerk Rummelsburg sein neues Zuhause. Das Areal beeindruckt durch seinen industriellen Charme und bietet einen spannenden Rahmen für die Live-Shows von Interpol, Car Seat Headrest und Razz.

Die US-Band Interpol wird das Pure&Crafted Festival mit ihrem melancholischen Post-Punk und New Wave als Headliner anführen. Im Gepäck haben sie ihr richtungsweisendes Album „Turn On The Bright Lights“, welches in diesem Jahr 15-jähriges Jubiläum feiert. Ebenfalls auf der Main Stage: der Selfmade Musiker Will Toledo alias Car Seat Headrest samt Band. Musikalisch will sich das Trio nicht so richtig festlegen, was auch langweilig wär’, und spielt sowohl elektronische Psychedelic-Nummern als auch Punk-Hymnen. Weitere Highlights im diesjährigen Booking sind die Indie-Rocker Razz, die als Garant für mitreißende Live-Shows gelten, die Berliner Band Pictures, die mit umarmendem Songwriter-Rock begeistern und derzeit in aller Munde ist, sowie die energiegeladenen Mädels von Gurr. Komplettiert wird das Lineup durch die experimentierfreudigen Überflieger Giant Rooks, Abay, die ihren Musikstil als Post-Pop bezeichnen, The Dead Lovers und The Rob Ryan Roadshow, die mit ihren Shows gern überraschen.

Neben der Musik gibt es im weitläufigen Außenbereich auch dieses Jahr wieder eine internationale Custom Bike Show sowie die akrobatischen Darbietungen im Original Motodrom. Im Maschinenhaus des Alten Kraftwerks laden bereits bekannte Elemente, wie der General Store mit seinen zahlreichen Ausstellern und Attraktionen oder der Food-Court mit seinem reichhaltigen Angebot zum Entdecken und kulinarischen Verwöhnen ein.

Während am Samstag durch das international renommierte Lineup insbesondere die Musik-Liebhaber voll auf ihre Kosten kommen, wird am Sonntag das Thema Motorradkultur etwas stärker im Vordergrund stehen. Dann heißt es ‚Kind & Kegel eingepackt’ und ab an die frische Luft! Das Pure&Crafted lädt alle Neugierigen und Abenteuerlustigen ein, die einzigartig entspannte Stimmung des Festivals zu genießen und das Wochenende mit einem erlebnisreichen Tag ausklingen zu lassen – inklusive Motorcycle Ride Out und Kids-Programm. Und die Musik kommt dabei selbstverständlich auch nicht zu kurz: Auf der Motodrom Bühne erwarten uns echte musikalische Schmuckstücke!

Festivaltickets sind ab sofort im Vorverkauf erhältlich. Das Festivalticket für beide Tage kostet € 24,00, das Ticket für Samstag kostet € 19,00 und das Ticket für Sonntag € 5,00. Tickets sind auf www.pureandcrafted.com/tickets erhältlich.

Aber halt: Eine(r) von Euch kommt für umme rein, denn mit Unterstützung von BMW Motorrad kann ich hier 1×2 Plätze auf der Gästeliste verlosen. Ihr wollt dabei sein? Dann einfach hier unten kommentieren. Unter allen, die den Finger gehoben haben, zieht mein Hund in vier Wochen die oder den Gewinner.

Viel Glück!

Zu Besuch beim Young Guns Speedshop

Alljährlich treffen sich die ambitionierten Dragrace-Fanatiker bei dem Custombike treffen in Monthléry, Biarritz, am Glemseck und anderswo, um den schnellsten auf der Achtelmeile zu ermitteln. Nach den ersten Treffen in diesem Jahr gibt es da einen eindeutigen Favoriten: den Young Guns Speedshop aus Rapperswil-Jona mit ihrer umgebauten Indian namens „Miracle Mike“.

Vor einigen Wochen lernte ich Fabian von den Young Guns auf dem 3000 Tage Urban Motors Fest kennen. Als ich ihm von unserer geplanten Tour durch die französischen Westalpen erzählte, die uns auch am Zürisee entlang führen sollte, lud er uns auf eine Stippvisite ein.

So rollten wir unangemeldet am vorletzten Sonntag am frühen Nachmittag auf den Industriehof und just in dem Moment lief uns Fabians Kompagnon Nik vor die Füße, unschwer erkennbar an der Indian-Jacke, die er trug.

So spontan wie wir auftauchten, so spontan lud er uns zum Werkstattbesuch ein und wir plauschten über die ersten Rennsiege von Miracle Mike und das anstehende Bonneville-Projekt. Zu diesen Behufe stand das Vorjahres-Renngerät „Ferdinand the Sparrow“ zerpflückt auf der Werkbank. Die NOS-befeuerte Guzzi wird von den Young Guns gerade vorbereitet für die Bonneville Speedweek und vor der Verfrachtung nach Amerika gab es noch einiges zu tun. Wie an jenem Sonntag die Anpassung des Tanks.

Die richtig guten Fotos hat allerdings Akki gemacht. Ich glaube, bei ihm gehe ich mal in die Lehre, ich Foto-Amateur!

Vielen Dank, Nik, für die freundliche Aufnahme und gutes Gelingen Euch in Bonneville!

Wheels & Waves aus der Sicht von El Solitario

El Solitario / El Rollo / W&W / 2017 from El Solitario on Vimeo.

EL SOLITARIO DESERT WOLVES / ART RIDE / W&W / 2017 from El Solitario on Vimeo.

Die Freuden des Motorradfahrens

Die Kettenritzelcrew 2017 (Foto: Axel Thomsen)

Seit fünf Jahren fahre ich jedes Jahr eine Motorradtour. Anfangs war es nur ein verlängertes Wochenende ins Riesengebirge, jetzt komme ich gerade zurück von acht Tagen Kurven jagen in den französischen Alpen. Die Zusammensetzung der Kettenritzelcrew hat dabei auch jedes Jahr variiert, von anfangs zwei Jungs auf fünf in den letzten drei Jahren in unterschiedlichster Zusammensetzung. Letztes Jahr kam Rolf neu dazu, dieses Jahr brachten Axel und Rolf ihren Freund Reinhard mit.

Auch wenn wir uns größtenteils untereinander nicht näher kannten, es passte immer. Obwohl immer unterschiedliche Charakterköpfe dabei sind. Vielleicht liegt es daran, daß wir alle im Motorrad fahren einen sehr emotionalen, gemeinsamen Nenner haben. Auch in anderen Kontexten habe ich erleben dürfen, daß sich Menschen viel schneller und direkter öffnen, wenn man die gleiche Passion Motorrad beim Gegenüber entdeckt.

Die Herzlichkeit, mit der uns Sandra letzte Woche Samstag begrüßte als wir regendurchnässt bei ihr vor der Tür standen ist auch nicht selbstverständlich für zwei Personen, die sich vorher noch nie persönlich gesehen haben. Gut, wir lesen unsere Blogs gegenseitig schon länger und sind auch in diversen sozialen Netzwerken verdingst. Trotzdem würde ich nicht bei jedem beim ersten Treffen meine nassen Socken ausziehen und zum trocknen auf den Ofen legen.

Schön sind auch die kurzen Gespräche mit anderen Motorradfahrern, wenn man auf der Tour irgendwo anhält. Am Furkapass scherzte ich mit zwei älteren, englischen Ehepaaren, die neben uns geparkt hatten. Am Colle del Valonetto versucht man dem verzweifelten Africa Twin-Fahrer zu erklären, wie er den Einstieg in die Maira-Stura Grenzkammstrasse finden kann (er hatte seine Karte falschrum gelesen). Man hat Spaß gemeinsam, man hilft sich gegenseitig.

Motorrad fahren macht viel mehr aus, als das reine ziehen am Kabel. Ich freue mich jeden Tag, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Wann fahren wir wieder?

Gone riding

Mein Motorrad für die Tour des Grandes Alpes habe ich vorhin bei Yamaha abgeholt. Die nächsten acht Tage wird es mein Zuhause sein.

Wenn ihr wissen wollt, was wir unterwegs so erleben, folgt dem Hashtag #alpenblitz2017 oder #letourdesgrandesalpes auf Instragram. Enjoy!