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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Deutschland: welches Motorrad fährst Du?

Wenn ich mir meine bisherigen Motorräder anschaue, dann hatte ich das Gefühl, eher abgehangenere Maschinen der mittleren Leistungsklasse im Besitz zu haben (nach Leistung sortiert):

  • Vespa GTS 300 Super, Baujahr 2010, 22 PS
  • Honda CJ 250T, Baujahr 1977, 27 PS
  • BMW F650 GS, Baujahr 2002, 48 PS
  • Yamaha MT-07, Baujahr 2015, 75 PS
  • BMW F800 GS, Baujahr 2014, 86 PS
  • Triumph Street Triple 675 R, Baujahr 2009, 106 PS

Über alle Maschinen ergibt sich daraus ein Durchschnittsalter von 15,5 Jahren und eine Durchschnittsleistung von 60,7 PS. Wenn man die Vespa und die Honda mal ausklammert, ergeben sich ein Durchschnittsalter von 10 Jahren sowie eine Durchschnittsleistung von 78,8 PS.

Wenn ich nun mal nicht meine F800 GS oder die Street Triple als Einzelreferenz nehme, liege ich mit den obigen Durchschnittszahlen wirklich ziemlich nah am Schnitt. Doch wie schaut der denn nach Bundesländern aus? Schauen wir es uns an:

Motorräder nach Alter

Quelle: CHECK24 Vergleichsportal für Kfz-Versicherungen GmbH https://www.presseportal.de/pm/73164/4596532

Nach dieser Auswertung sind Schleswig-Holsteiner auf den ältesten Motorrädern unterwegs. Im Schnitt haben die Maschinen dort 12,1 Jahre auf dem Buckel. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland (jeweils Ø 12,0 Jahre) sind vergleichsweise alte Maschinen unterwegs. Brandenburger fahren mit durchschnittlich 9,9 Jahren die modernsten Zweiräder. Die meisten Motorräder pro Einwohner fahren in Brandenburg, in Thüringen die wenigsten.

Deutschlands Biker-Hochburg ist Brandenburg. Bezogen auf die Einwohnerzahl sind dort am meisten Biker unterwegs: 40 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. In Thüringen sind die Zweiräder vergleichsweise unbeliebt. Die Motorradquote ist dort 40 Prozent geringer als im Bundesschnitt.

Motorräder nach Leistung

Quelle: CHECK24 Vergleichsportal für Kfz-Versicherungen GmbH https://www.check24.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/motorradversicherung%3a-bremer-sind-mit-den-meisten-ps-unterwegs-1449/

Bremen ist die Hochburg der PS-starken Motorräder. Biker sind dort mit durchschnittlich 81,6 Pferdestärken unterwegs. Das sind 22 PS mehr als bei den letztplatzierten Thüringern (Ø 59,6 PS).

Motorradfahrer im Saarland (Ø 77,1 PS) und Niedersachsen (Ø 74,9 PS) fahren ebenfalls Maschinen mit hoher Motorleistung. In Sachsen-Anhalt (Ø 67,7 PS) und Mecklenburg-Vorpommern (Ø 66,0 PS) hingegen sind eher schwach motorisierte Bikes unterwegs.

Übrigens: Männer (Ø 73,8 PS) fahren im Schnitt deutlich stärker motorisierte Zweiräder als Frauen (Ø 58,2 PS) – ein Plus von 27 Prozent.

Ein bisschen überrascht war ich schon von den Zahlen, hatte ich zumindest bei der Leistung mit einem höheren Schnitt gerechnet. Gefühlt fährt doch jeder zweite ne Boxer-BMW neueren Zuschnitts, die je nach Modell nun eben 110 bis 135 PS auf den die Kurbelwelle drücken.

Was mein Bauchgefühl dabei nicht auf dem Zettel hatte sind die Leichtkrafträder, die sich sehr größer Beliebtheit erfreuen. Ein Blick auf die aktuellen Zulassungen bestätigt dies:

Der Motorradmarkt 2020

Im Juni 2020 erreichte der Zweiradmarkt, gegenüber dem Vorjahresmonat, ein Zulassungsplus von 48 Prozent. Stark nachgefragt waren vor allem wieder die Leichtkrafträder-/roller mit einem satten Zuwachs von 129 bzw. 169 Prozent. Auch die Nachfrage nach Motorrädern stieg deutlich auf fast 14.000 Maschinen (+21%). Hier führt der Osten Deutschlands deutlich vor dem Westen. Bayern liegt als einziges Bundesland unter dem Vorjahresniveau.

Ein Zuwachs von 41% (Leichtkrafträder) bzw. 70% bei Leichtkraftrollern sind echt beeindruckend. Ob es die neue Führerscheinregelung ist oder der Umstieg vom Auto auf den Roller oder das Motorrad, begrüßenswert finde ich es auf jeden Fall.

Und, wo reiht ihr Euch mit Euren Motorrädern ein?

Palm Moto Honda Dominator

Hinter Palm Moto steckt der Michael, bei dem ich im Januar meine ersten Schweisserfahrungen gemacht habe beim Workshop im Craftwerk. Bereits damals arbeitete er am Umbau seiner Honda Dominator. Bei meinen gelegentlichen Besuchen im Craftwerk konnte ich das Motorrad in diversen Zuständen sehen. Angefangen von kompletten Originalzustand bis zum finalen Umbau.

Der Weg dahin war nicht frei von Iterationen. Einer der ersten Mockups zeigte noch eine sehr ambitionierte Tanklinie:

Der finalen Version ist die kurze, knackige Optik geblieben, nun aber mit anderem Tank, 3D-gedruckter Lampenmaske, selbstgebauten Seitenteilen und anderer, leckerer Features:

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its all about details | #nx650

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Die Geschichte des Umbaus hat Michael neulich dem Nils erzählt. Sehr kurzweilig, schaut mal rein!

Erzgebirgstour 2020: die deutsche Erzgebirgsseite

Früh zu Bett, früh wieder auf den Beinen: nachdem am Vorabend in Hohnstein die Bordsteine unter unseren Füßen hochgeklappt wurden und nirgendwo mehr ein Bier aufzutreiben war, lagen wir früh in den Betten in unserem Burgzimmer. Irgendwann nachts stand ich auf um das Fenster zuzumachen, nachdem es draussen schon wieder regnete. Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen offenbarte auch grau in grau. Wird’s halt wieder nass, dachten wir. Ein Jugendherbergs-Frühstück später sattelten wir die im Burghof geparkten Stahlrösser und ritten durchs Burgtor hinaus in den letzten Tourtag.

Als erstes erwartete uns eine Runde um den Deutschlandring. Leider nicht in seiner kompletten Länge, denn der Aufstieg zwischen Polenztal und Hockstein ist am Wochenende für Motorradfahrer gesperrt. Also bogen wir rechts ab Richtung Heeselicht und fuhren wir uns etwas warm auf den langgezogenen Landstrassenkurven. Hinter Heeselicht orientierten wir uns entlang der Streckenführung der alten Rennstrecke südwarts und das aufklarende Wetter bot uns einen tollen Blick  aus der Sächsischen Schweiz Richtung Erzgebirge. Warum hatten wir nochmals in vorauseilendem Gehorsam gleich zur Abfahrt die Regenklamotten angelegt? Kurz hinter Pirna hielten wir nochmal an und pellten uns wieder aus.

Nach Überquerung der A17 fuhren wir ins Seidewitztal ein und folgten dem mäandrierendem Flusslauf bergauf. Ein kleines Stück durchs Müglitztal weiter führte uns dann nach Glashütte. Die Wirtschaftskraft der örtlichen Uhrenfabrik spiegelt sich deutlich im Ortsbild wieder. Natürlich befindet sich hier im Ort auch das deutsche Uhrenmuseum, wo sonst sollte es beheimatet sein.

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Erzgebirgstour 2020: Vogtland und tschechisches Erzgebirge

Das Vogtland zum Frühstück

Der Tag begann, wie der gestrige geendet hatte: mit dem Blick auf das Regenradar und auf diverse Wetter-Apps. Unser Urteil fiel unterschiedlich aus: Thomas fuhr erstmal so los, ich pellte mich schon in meine Regenklamotte.

Nach den ersten Landstrassenkilometern bogen wir in Mühltroff auf kleine und kleinste Sträßchen durchs Vogtland ab. Schönberg, Rodau, Tobertitz, Bösenbrunn und Triebel hiessen die Dörfer, die wir passierten. Zwischendrin schöne, hügelige Landschaften, regennasse Felder und leider grauer Himmel.

Meine Tankleuchte hatte bereits beim Losfahren geblinkt, aber wenn man so durchs Hinterland fährt wie wir, sind die Tankstellen spärlich gesät. Erst in Schöneck fanden wir eine, worüber ich sehr dankbar war, da ich nur noch für ca. 20km Sprit im Tank hatte. Thomas warf sich hier auch seine Latexpelle aka Regenklamotte an, da der Himmel nichts gutes verhieß.

Das tschechische Erzgebirge

Über Tannenbergsthal und Mühlleiten erreichten wir in Sachsenberg-Georgenthal die tschechische Grenze. Der Grenzübergang kam sehr überraschend, wir fuhren durch ein Wohngebiet, das Navi hieß uns links abbiegen und schwupps, waren wir in Tschechien.

Über schmale, kurvenreiche Sträßchen mäandrierten wir uns durch das Westerzgebirge bevor wir bei Rolava eine moorige Hochebene erreichten (Frühbußer Heide), die an die schottischen Highlands erinnerte. Und genau das mag ich so sehr an der Tschechei: während sich unweit auf der deutschen Seite Städtchen an Städtchen reiht, bist Du hier in einer komplett anderen Welt. Viel weniger Zivilisation, dafür viel mehr Natur.

Zu unserem Leidwesen wurde die Natur sehr fleißig von Petrus gegossen, je weiter wir fuhren desto mehr regnete es. Über Nové Hamry, Horní Blatná und Pernink näherten wir uns dem höchsten Punkt der Tour, dem Klínovec. Er ist mit 1.243m die höchste Erhebung des Erzgebirges und überragt damit seinen deutschen Nachbarn Fichtelberg um gut 30 Meter. An Fernblick war nicht zu denken, denn mit jedem erklommenen Höhenmeter regnete es stärker und der Wind nahm deutlich zu. Oben angekommen war das Thermometer auf 9 Grad gesunken und es regnete quer. Das scheint unser Schicksal mit tschechischen Bergen zu sein, bereits 2013 erging es uns auf dem Ještěd exakt gleich.

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Erzgebirgstour 2020: der Prolog

Never change a winning Anreiseplanung. Schon im letzten Jahr waren Thomas und ich sehr synchron in unserer Anreise in den Thüringer Wald. Und dieses Jahr lag unser Treffpunkt bei Schleiz auf der gleichen Höhe wie Bad Lobenstein im letzten Jahr. Nur auf der anderen Autobahnseite.

So endete mein Home Office-Arbeitstag Freitags gegen Mittag. Noch am Vorabend hatten Thomas und ich diskutiert, ob wir überhaupt fahren sollten. Alle verfügbaren Wetter-Apps zeigten drei Tage Regen und Gewitter an. Aber es gab eine leichte Tendenz der Aufklarung. Hatten wir damals beim Alpenblitz 2016. Nur Schiff angesagt. Und was war? Bisschen Regen auf der Silvretta Hochalpenstrasse. Mehr nicht. Aus dieser Erfahrung heraus hatten wir uns entschlossen, doch zu fahren.

Gepackt hatte ich eigentlich schon am Sonntag davor. Nennt mich Vorbereitungsspießer. Also musste ich mir nur in die Motorradklamotten werfen, Tankrucksack und Tasche aufschnallen und los gings. Den mühsamen Weg im Freitagsnachmittagsverkehr aus der Stadt raus. Seestrasse, A100, Avus, Dreieck Potsdam, A9. Alleine bis hierhin habe ich fast ne Stunde gebraucht. Kurze Pause gemacht, um die Regenklamotten anzuziehen, denn Himmel und Strasse verhiessen nichts Gutes.

Dann erstmal auf der Bahn fliegen lassen. Um die Anreise etwas abwechslungsreicher zu gestalten, hatte ich einen kleinen Abstecher eingeplant. Nach einer knappen Stunde verließ ich die Autobahn bei Dessau Ost und steuerte Gräfenhainichen an. Noch nie hatte ich mir die maschinellen Relikte aka Industriekultur aus dem Braunkohletagebau angeschaut. Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt. Für 6€ Eintritt kann man die alten Bagger aus der Nähe bestaunen und begehen. Infotafeln und ein Museum geben Auskunft über die Bergbautradition und die riesigen Metallgiganten, die den Abbau bewerkstelligten. Nun sind sie beeindruckende Kulisse für Musikfestivals wie das Melt, auch die Petrolettes waren letztes Jahr hier zu Gast.

Von hier aus orientierte mich auf der Landstrasse südwärts zu meinem nächsten Zwischenstopp, dem Pegelturm am Goitzschesee. Nähe Bitterfeld erhebt sich die interessante Stahlkonstruktion über den Grossen Goitzschesee. Erklommen habe ich sie nicht, obwohl die Aussicht von dort oben schon spannend sein soll. Vielmehr fesselte mich die Aussicht auf ein klitzekleines Stück Kuchen am Strandcafé gegenüber.

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Vom Schleizer Dreieck zum Deutschlandring: eine Rundtour durchs Erzgebirge

Wenn ich eines mag, dann ist es etwas Kontext zu den Touren. Zum Beispiel die zehn höchsten Alpengipfel zu erfahren oder verlorene Orte in Brandenburg zu erkunden.

Ich gebe allerdings zu: der Plan, ein Wochenende ins Erzgebirge zu fahren stand vor der Erkenntnis, daß man damit zwei geschichtsträchtige Rennstrecken in Ostdeutschland damit verbinden könnte. Das Erzgebirge war mir dabei nicht neu. Bereits bei der Mittelgebirgstour 2014 lernte ich die Vorzüge von Erzgebirge und Vogtland kennen. Die Sächsische Schweiz hingegen erkundeten wir bereits auf der Riesengebirgstour 2013.

Den westlichen Punkt der diesjährigen Route markiert das Schleizer Dreieck, den östlichen der unbekanntere Deutschlandring.

Start: das Schleizer Dreieck

Am 10. Juni 1923 fand das erste Rennen auf dem Schleizer Dreieck statt, das macht die Strecke zum ältesten Straßenrundkurs Deutschlands. Im Laufe der Jahre wurde die Strecke mehrmals umgebaut. So reduzierte sich die Streckenlänge von 7,6 auf 3,8km. Große Teile der Strecke sind Landstrassen, die unterjährig befahrbar sind wie der Streckenteil Buchhübel mit dem alten Start- und Zielgebäude.

Heute wird das Schleizer Dreieck vor allem für Motorrad-, Gespann- und Veteranen-Rennen sowie für das ADAC-Bergrennen genutzt. Als Saisonhöhepunkt gilt der Lauf der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft.

Ziel: der Deutschlandring

Der Deutschlandring in der Nähe von Hohnstein bei Dresden war eine der ersten Rennstrecken Deutschlands. Von 1919 bis 1922 wurde die Wartenbergstraße vom Polenztal bei Hohnstein bis zur Hocksteinschänke erbaut. Bis 1939 wurde die Rennstrecke zum exakt 10 km langen „Deutschlandring“ ausgebaut und sollte zu einem Gegenstück in Sachsen zum Nürburgring in der Eifel werden. Am 26. April 1939 wurde der Deutschlandring feierlich eingeweiht. Doch Kriegsausbruch und Nachkriegszeit verhinderten einen beachtenswerten Rennbetrieb. Nach dem Krieg fand ein allerletztes Rennen am 14. Oktober 1951 statt.

Im Gegensatz zum Schleizer Dreieck ist die komplette Streckenführung des Deutschlandrings befahrbar. Ausser, man ist auf dem Motorrad unterwegs. Dann kann man die Wartenbergstrasse zwischen Polenztal und Hockstein nicht befahren weil wegen Fahrverbot.

Das Zwischendrin: unsere Route durchs Erzgebirge

Zwischen den beiden historischen Eckpunkten bastelte ich für Thomas und mich eine wochenendtaugliche Route, Samstags auf der tschechischen Seite rein, Sonntags auf der deutschen Seite wieder raus.

Und was wir unterwegs so erlebt haben, das erfahrt ihr im nächsten Post.

Erik Peters: Himalaya Calling

Die Älteren unter uns mögen sich an „Long Way Round“ erinnern mit Charley Boorman und Ewan McGregor. 2004 reisten sie um die Welt, begleitet von Claudio van Planta und einem mehrköpfigen Team, um aus der Reise eine mehrteilige BBC-Serie zu machen. Wir spulen einige Jahre nach vorne, Erik Peters und sein Kumpel Alain machen sich auf den Weg, von Köln aus Indien auf dem Landweg zu erreichen.

Nur zu zweit und mit Actioncam und Drohne ausgerüstet entsteht ein faszinierender Film über ihre sechsmonatige Reise. Ohne Crew. Ohne Kameramann. In vier Folgen zu jeweils knapp einer Stunde schildert Erik mit beeindruckenden Bilder und spannenden Erzählungen die Unwägbarkeiten der Reise und die Begegnungen unterwegs.

Kürzlich traf ich mich mit einer ehemaligen Kollegin, einer begeisterten Bergsteigerin. Sie erzählte mir von ihrer Reise in den Himalaya zum Basecamp des Mount Everest. Sehr plastisch berichtete Sie mir von den körperlichen Belastungen in Höhen von 5.0000 Metern. Alleine das überziehen der Kapuze oder das binden des Schnürsenkels dauerten Minuten und bedurften einiger Minuten Regeneration. Das Hochland von Tibet liegt auf ungefähr der gleichen Höhe wie das Basecamp. Stellt Euch vor auf dieser Höhe ein vollbeladenes Motorrad von rund 400kg zu bewegen. Aufheben wollt ihr das da nicht. Oder etwa einen aufgerippten Ölkühler flicken, ohne dessen Funktion die Weiterreise unmöglich wäre. Aber genau das passierte Alain, der versuchte, einen massiven Stein mit seinem Motorschutz umzupflügen.

Gottseidank konnten die beiden mittels Bordwerkzeug, Flüssigmetall und einer 20 Cent Münze die Super Ténéré wieder flott kriegen.
Zwischendrin habe ich immer wieder einen Flashback zu Rolfs Weltreise, er wählte eine sehr ähnliche Route. Was nicht schlechtes heissen soll, er brachte ähnloch faszinierende Geschichten und Bilder mit nach Hause.

Nach knapp 6 Monaten, 28.000 Kilometern und 14 Ländern endet für Alain und Erik die Fahrt unter den Palmen Goas. Den Zuschauer nahmen sie auf eine ereignisreiche und bildstarke Reise mit. Den Film könnt ihr auf Blueray oder DVD ordern oder streamen. Auf welchem Weg auch immmer er zu Euch findet, er wird Euch nicht enttäuschen.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Erik Peters.

Motorradtrainings oder warum Deine Lernkurve nie aufhört

Interessanterweise hatten zwei der Motorrad-Podcasts, die ich regelmässig höre diese Woche das Thema Motorradtrainings.

Bei Gasgeflüster sprechen Michel und Jan über Ihre Erfahrungen mit Motorradtrainings. Von ADAC Sicherheitstrainings über Supermoto- und Wheelietrainings bis hin zu Offroadtrainings schildern sie ihre Erfahrungen. Ihr Fazit unterschreibe ich sofort: egal wie versiert Du als Fahrer bist, Du kannst immer was dazulernen.

Meine Trainingserfahrungen habe ich hier über die Jahre auch dokumentiert:

2012: ADAC Basis-Training
2013: ADAC Intensiv-Training
2015: ADAC Perfektions-Training
2016: Trial Training bei Elmar Heuer
2018: ADAC Top-Training

Was dieses Jahr auf jeden Fall dazu kommen wird ist ein Offroadtraining beim Enduro Action Team. Und egal ob Strassen- oder Offroadtraining: jedes Training macht Dich zum kompletteren und besseren Fahrer.

Vor allem für den Fahranfänger ist es superwichtig. Ich selber habe erst spät mit dem Motorradfahren angefangen. Als ich aus der Fahrschule kam, hatte ich zwar die Fahrerlaubnis, aber die Fahrbefähigung habe ich mir erst über die Fahrpraxis und die oben erwähnten Trainings erarbeitet. Genau den Punkt macht auch Nasty Nils in seiner aktuellen Podcastfolge.

Im Training wirst man kontrolliert an seine Grenzen geführt. Ein guter Instruktor geht individuell auf die Teilnehmer ein und bringt sie in ihrer Lernkurve weiter oder hilft ihnen, Ängste abzubauen. Gerade als Fahranfänger ist das super hilfreich. Ich erinnere mich noch an eine Situation nach meinem ersten Training. Eine Autofahrerin hatte mich übersehen und ich musste eine Gefahrenbremsung mit Ausweichen hinlegen. Ich habe das Motorrad nicht weggeschmissen oder abgewürgt und konnte die Kollision vermeiden. Exakt das Szenario, welches wir im Training geübt hatten. Mehr Bestätigung als das brauchte ich nicht für die Sinnhaftigkeit von Sicherheitstrainings und war seitdem immer wieder fleissig dabei.

Daher mein Appel an Euch:

  • Ihr habt gerade frisch Euren Führerschein? Macht ein Sicherheitstraining!
  • Ihr seid lange nicht mehr gefahren oder fühlt Euch zum Saisonstart eingerostet? Macht ein Sicherheitstraining!
  • Ihr wollt andere Fahrzustände erleben als die, die ihr mit Eurer Maschine gewohnt seid? Macht ein Rennstrecken- oder Offroadtraining!
  • Ihr wollt Spaß haben und an Euren Skills arbeiten? Macht ein Training!
  • Ihr habt ein neues Motorrad, mit dem ihr noch nicht so ganz vertraut seid? Macht ein Training!
  • Ihr wollt die Angstnippel am Reifen weg haben? Macht ein Kurventraining!

Es kostet nicht viel Geld, macht Euch zu besseren Motorradfahrern und ihr werdet dämlich grinsen unterm Helm. Mehr Gründe braucht es doch nicht, oder?

Edit:

Julia sagt auch, dass ihr das machen sollt!

Wenn der Vater mit dem Sohne: die erste Ausfahrt mit dem Nachwuchs

Eigentlich wäer das „nur“ eine gepflegte Nachmittagstour mit meinem Kumpel Tom gewesen. Eigentlich. Hätte nicht Sohn I kürzlich nach Erwerb der F800GS den Wunsch geäußert, doch mal eine Tour mitfahren zu können. Wer wäre ich, der ich dem widersprechen würde! Seinen ersten Helm bekam er, als er 6 Jahre alt war. Gelegentliche, kleine Touren auf der Vespa in der Stadt folgten. Aber so richtig raus in die Wildnis Brandenburgs? Das war neu.

Mittlerweile ist das Kind prepubertär, mein alter Helm passt sowie die Motorradhose seiner Mutter. Eine Motorradjacke in passender Größe hatte ich neulich erst erstanden. Fehlten noch die Motorradschuhe, aber das Problem konnten wir letzten Samstag beim freundlichen Zubehörhändler lösen.

Sonntags nach dem Mittagessen wurde aufgesattelt, am Standardtreffpunkt stieß Tom zu uns und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Mühle Tornow.  Die Tour hatten wir vor einem Jahr schon mal unternommen. Die Routenführung hatte ich leicht modifiziert, um nicht allzu lange Brandenburger Geradeaus-Strecken zu haben.

Natur, Natur, Natur

Berliner Tor in Templin

Nette Strecke vor Annenwalde

Um Annenwalde fanden wir nette Kurven und die „Allee des Jahres 2012“. In Groß Dölln konnten wir einem Amateurrennen zukucken und in der wieder geöffneten Mühle Tornow gab es eine Stärkung für die drei Motorradreisenden.

Das hier ist übriges die Allee des Jahres 2012: die Lindenallee zwischen Densow und Annenwalde bei Templin

Den Amateur-Rossis in Groß Dölln zukucken

Kleine Stärkung in der Mühle Tornow

Zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, daß es dem Kind zu lange oder zu langweilig wäre. Aber nein, er zeigte auf allerlei Sehenswürdigkeiten neben der Strecke und genoß die Fahrt. Mangels Intercom hatten wir uns auf Klopfzeichen verständigt für „Festhalten“(ich zu ihm), „Anhalten“ (er zu mir) oder „Langsamer“ (er zu mir, kam aber nie zum Einsatz).

Noch mehr Natur

Klappbrücke oben, Böötchen muss durch

Kurz vorm Ziel musste ich nochmal tanken, da meinte der Sohn zu mir „Papa, können wir auf der Autobahn nochmal ganz schnell fahren?“ Sagt hallo zum neuen Sozius, ich glaube der fährt jetzt öfters mit!

Chasing Lost Places in Berlin und Brandenburg

Lost Places: alte, verlassene Gebäude und Strukturen. Ihren Zweck haben sie längst erfüllt und werden nicht mehr gebraucht. Der Zahn der Zeit nagt an Ihnen und die Natur erobert sich ihren Platz zurück. Schon als Kind fand ich das faszinierend und stöberte gerne in alten Gebäuden herum, auf der Suche nach Artefakten oder spannenden Perspektiven.

Berlin und Brandenburg ist voll von Komplexen, die noch aus der Kaiserzeit stammen, dem ersten oder zweiten Weltkrieg oder dem Kalten Krieg geschuldet sind und die nun so rumstehen. Die Erkundung dieser Orte erschienen mir ein guter Aufhänger für eine kleine Motorradtour und so pickte ich mir als Auftakt sechs Lost Places im Norden von Berlin heraus und machte mich auf einem Samstagnachmittag auf den Weg.

Für den Weg aus der Stand fand ich sogar eine Route abseits der Bundesstrassen über Schotter. Man fährt ja jetzt Enduro. Nordostwärts führte mich die Landstrasse dann zum ersten Stop.

Flugplatz Werneuchen

Der Flugplatz Werneuchen wurde als Ausbildungsplatz der Luftwaffe ab 1935 errichtet, nachdem im gleichen Jahr das Reichsluftfahrtministerium das Gelände erworben hatte. Der Bau der eigentlichen Anlagen begann im Frühjahr 1936 und wurde im November des folgenden Jahres abgeschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Flugpatz weiter ausgebaut und von den Sowjetischen Truppen bis zu deren Abzug 1993 militärisch genutzt. Der Flugplatz ist noch heute ein Sonderverkehrslandeplatz, auf dem Flugzeuge mit einem Gewicht von bis zu 5,7 Tonnen landen dürfen.

Aufgrund von illegalen Autorennen auf dem Platz und auch auf der Startbahn wurde die Bahn geteilt, um diese künftig zu verhindern. Dazu wurde ein ca. 0,7 m hoher Erdwall aufgeschüttet, welcher die Bahn in einen 900 m langen westlichen und einen 1499 m langen östlichen Abschnitt teilt. Für den Flugbetrieb ist nur noch der östliche Abschnitt zugelassen.

Im Umfeld der Landebahn finden sich noch alte, graffitiübersäte, rostige Hangars, eine alte Tankstelle und noch ein Bunker, der von der Schützengilde Werneuchen als Schiessplatz genutzt wird. Ein Großteil des Geländes ist mit Solarpaneelen bedeckt, die man schon von der Zufahrt von der alten Hirschfelder Strasse aus sehen kann.

Heeresbekleidungsamt Bernau

Das Nebenlager des Heeresbekleidungsamtes Bernau wurde 1939-1942 erbaut und von 1941 bis 1945 von der deutschen Wehrmacht zur Herstellung und Lagerung von Uniformen und Armeezubehör genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich hier ein Nachschub- und Versorgungsdepot der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.

Auf Google Maps fand ich den entsprechenden Eintrag für das Heeresbekleidungsamt, nachdem ich vorher noch Bilder auf der Website Pixelgranaten entdeckt hatte. Es passte perfekt in die geplante Route, also machte ich da einen Zwischenstop. Anstelle eines alten Komplexes fand ich aber eine neugebaute Wohnsiedlung vor. Auf der Wiese gegenüber musste das Heeresbekleidungsamt gestanden haben. Jetzt wehten da Gräser im Wind. So bleiben von diesem Ort nur die oben verlinkten Bilder.

Auf zum nächsten Ort, den ich schon öfters besucht hatte.

FDJ-Jugendhochschule Bogensee

Bekannt wurde der Bogensee durch den hier errichteten Landsitz für Joseph Goebbels und die spätere Nutzung als Jugendhochschule der FDJ, deren Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Eigentümer des Bogensees ist das Land Berlin. 1936 schenkte die Stadt Berlin den Borgensee samt eines Blockhaus Reichspropagandaminister Goebbels zu dessen 39. Geburtstag auf Lebenszeit. 1939 ließ sich Goebbels ein neues Landhaus sowie diverse Nebengebäude errichten. Alle Gebäude wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1946 als Lazarett genutzt. Am 9. März 1946 wurden das Gelände und die Gebäude von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) an die zwei Tage zuvor gegründete Freie Deutsche Jugend (FDJ) übergeben, die dort ihre Jugendhochschule Waldhof am Bogensee einrichtete. 1950 wurde der FDJ-Jugendhochschule der Name des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, verliehen. Seit 1990 suchte man vergebens nach einer neue Nutzung. Heute befindet sich dort noch die Waldschule Bogensee.

Den nächsten Ort könnte man von hier aus mit einem kleinen Marsch nordwärts durch den Wald erreichen. Ich nahm aber die kurze Strecke entlang des Obersees mit ihren schönen Kurven bis Lanke und dann nach Prenden.

Bunker 5001 – Honecker Bunker

Im Wald von Prenden verbirgt sich das angeblich technisch aufwendigste Schutzbauwerk im Warschauer Pakt (außerhalb der Sowjetunion). Der Bunker 17/5001 wurde zwischen 1978 und 1983 als Hauptführungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR in der Nähe des Dorfes Prenden gebaut. Der Vorsitzende des NVR war nach Walter Ulbricht ab 1971 Erich Honecker. Da er somit quasi die wichtigste Person im Bauwerk gewesen wäre, wird es oft auch „Honecker-Bunker“ genannt.

Einen Überblick über das Bauwerk gibt der folgende Film:

Die Anfahrt erfolgt über die Utzdorfer Strasse in Prenden. Zur Rechten der Strasse steht noch ein verwittertes Wachhäuschen. Etwas weiter der Strasse entlang steht das Eingangstor des Komplexes, links davon geht eine Sandpiste weiter in den Wald, die der Begrenzung des Geländes folgt. Der Stacheldraht ist nicht mehr, man kann auch kurz durch den Wald laufen und findet sich hinter dem Eingangstor wieder auf der Zufahrtsstrasse zum Bunker.

Zugegebenermassen gibt es von aussen nicht viel zu sehen und leider werden aktuell keine Führungen im Bunker angeboten. Der Bunker soll aber als Museum eröffnet werden, der Besuch wird sich sicher lohnen.

Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde

Der vorletzte Halt auf der Tour führte mich über Schotter und Sandwege in den Wald nordwestlich von Klosterfelde. Irgendwann zur linken Seite tauchten wieder Gebäude auf, abgesperrt durch einen Zaun und Gitter.

Nach einem Beschluss der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1952 sollten in der Republik fliegende Einheiten stationiert werden, darunter auch Flugabwehrsysteme. Dazu gehörte auch die Flugabwehr-Raketenabteilung 4123 (FRA-4123) in einem Waldstück bei Klosterfelde im Norden Berlins. Hier war die 41. Raketenbrigade „Hermann Duncker“ (Ladeburg/Bernau) stationiert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde fand 2012 die „artbase“ statt – ein Urban-Art-Festival, welches verlassene Orten Künstlern und Kulturschaffenden Freiräume schaffen möchte und diese aufgegebenen Locations einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Leider ist das Gelände nicht mehr zugänglich, einen guten Eindruck über die Gebäude und die Graffitis findet ihr drüben auf Rottenplaces.

Waldsiedlung Wandlitz

Auf dem Rückweg nach Berlin wollte ich noch in der Waldsiedlung Wandlitz Halt machen. Zu DDR-Zeiten schottete sich hier die SED-Führung ab. Erich und Margot Honecker auch Egon Krenz, Otto Grotewohl, Erich Mielke, Günter Schabowski und Walter Ulbricht hatten hier ihre Häuser. Auf dem Areal finden sich mittlerweile viele Kliniken, die sich coronabedingt abschotteten, Hinweisschilder überall. So entschloss ich mich, den Heimweg anzutreten ohne das Gelände weiter zu erkunden.

Fahrerisch war es weniger aufregend, aber das Entdecken auf Aufspüren der verschiedenen Locations war sehr spannend. Ich denke mal, ich werde das fortsetzen. Genug alten Krams haben wir ja hier in der Gegend.

 

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