Le Tour des Grandes Alpes – Tag 8: die Schlussetappe vom Elsaß nach Neuss

Der letzte Tourtag begrüßte uns mit einem schönen Sonnenaufgang über dem kleinen Elsaß-Städtchen Ingwiller. Ein letztes Mal gemeinsam die Motorräder beladen, dann hieß es auch für Thomas und mich Abschied nehmen. Er ritt heim nach München, ich fuhr nordwärts zurück nach Neuss.

Die ersten Kilometer führten mich durch den Parc Naturel Régional des Vosges du Nord, bevor ich bei Hornbach die Grenze nach Deutschland überquerte. Aber zunächst musste ich mich noch einmal über die Städtenamen auf der französischen Seite amüsieren:

….please! #scnr

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Über die A8 und A1 fuhr ich bis zur Ausfahrt Bernkastel-Kues. Von dort an liess ich mich vom Navigon Cruiser leiten auf dem Weg zum Nürburgring.

Ein entspannter Kurventanz bei bestem Wetter, die Eifel ist auch ein sehr feines Motorradrevier, welches ich am heutigen Tage auch nicht ausreichend würdigen konnte. Irgendwo bei Euskirchen sortierte ich mich wieder auf der Autobahn ein um die letzten Kilometer nach Neuss zurück zu legen, wo ich das Motorrad wieder in den heimischen Stall brachte.

Nach über 3.100 gefahrenen Kilometern in acht Tagen geht die beeindruckenste Tour, die ich bisher gefahren bin, zu Ende. Meinen Testbericht zur Yamaha 900 Tracer findet ihr hier. Die Videos zur Tour findet ihr in einer eigenen YouTube-Playlist hier.

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Le Tour des Grandes Alpes – Tag 7: von Genf ins Elsaß

Abends in Genf angekommen wälzten wir nochmals die Tourkarten und schauten auf diverse Wetter-Apps. Zum einen sollte der Tag 7 von der Fahrstrecke mit annähernd 500 Kilometern relativ lange werden, zum anderen waren ab Mittags für das Elsaß Gewitter angekündigt. Da uns an den Kurven im Elsaß mehr lag als an der Überquerung des französischen Juras, disponierten wir um.

Nach der Überquerung des Pont Du Mont Blanc in Genf (Skandal, die Wasserfontäne war aus) orientierten wir uns Richtung Autobahn und fuhren am Genfer See und später an Lac de Neuchâtel entlang. Die an Tag 3 der Tour gekaufte Autobahnvignette musste ja noch für irgendwas gut sein.

Dort verliessen wir dann die Autobahn und orientierten uns nordwärts durch den Parc naturel régional du Doubs. Die Städte wurden hübscher und die Strassen kurviger. Der Doubs ist auch der Grenzfluss zwischen der Schweiz und Frankreich, nachdem wir ihm einige Kilometer auf der schweizer Seite folgten überfuhren wir kurz vor Biaufond die Grenzbrücke und orientierten uns weiter Richtung Montbéliard. Ein Stück weit schummelten wir und nahmen die Autobahn Richtung Belfort, an der Peugeot-Fabrik in Sochaux vorbei.

In sämtlichen Wetter-Apps stand immer noch Gewitter am Nachmittag, jedoch verschoben sie sich langsam zeitlich nach hinten. Die Hoffnung stieg, daß wir doch halbwegs trocken unseren Zielort Ingwiller im Nordelsass erreichen sollten.

In Burnhaupt-le-Bas verliessen wir die Autobahn und setzten das Navi auf den Col de la Schlucht. Leider haben wir verpasst zu kucken, wie das Navi uns leitete. So fuhren wir statt über den Hartmannswillerkopf, den Großen Belchen und den Markstein im Tal nebendran entlang. Voll der Anfängerfehler.

So hätten wir fahren sollen

Nach der lustigen Auffahrt zum Col de la Schlucht folgten wir der Route des Crêtes zum Col du Bonhomme. Danach wollten wir uns Richtung der N159 Richtung Schirmeck orientieren und das Navi suchte uns auch eine spannende Route. Von der Hauptstrasse auf die Nebenstrasse auf die Schotterpiste durch den Wald. Alles regulär befahrbare Wege, aber am Schluss dann eben ohne Apshaltdecke. Aber nach dem Colle delle Finestre konnte Thomas und mich nichts mehr abschrecken und so holperten wir gut gelaunt die Strecke entlang.

Nous avons le Spass, dans l'Alsace! 😄#letourdesgrandesalpes #alpenblitz2017

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Auch auf alten Eisen kann man gut reisen! #bmw #zweiventilboxer

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Die N159 sah auf der Karte gut aus, war in echt so mittel. Aber für das letzte Stück unserer Tagesetappe hatten wir uns noch ein schönes Stück ausgesucht. Hinter Schirmeck bogen wir in Urmatt Richtung Wangenbourg-Engenthal und Dabo ab. Hier ging es weitestgehend durch den schattigen Wald (kühl!) lustig bergauf und bergab. In Pfalzbourg kamen wir wieder aus dem Wald raus, um dann für ein kurzes Stück durch die Réserve Nationale de Chasse de la Petite-Pierre wieder in den Wald reinzufahren.

Nach einem langen, heissen Tag kamen wir in dem putzigen Städtchen Ingwiller an und parkten unsere Moppeds in der Garage unserer Gastgeber, wo die beiden Maschinen auch über Abkühlung froh waren. Wir kühlten uns dann auch innerlich mit Bieren und Crémant d’Alsace.

Gefahrene Route

Unsere improvisierte Routenplanung wurde den Möglichkeiten des Elsasses nicht gerecht. Hier müssen wir dringend mal nachbessern. Nächstes Jahr dann!

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 6: Guillestre, Galibier, Genf

Guillestre

Von unserem schnuckeligen Quartier in Guillestre aus fuhren wir zunächst nordwärts nach Briançon, wo sich unsere Wege trennten. Da Rolf auf den BMW Motorrad Days einen Vortrag über seine Motorrad-Weltreise halten musste, drehte er mit Reinhard und Akki ab Richtung Osten, während Thomas und ich weiter nordwärts Richtung Genf fuhren. Aber erstmal ein stimmungsvolles Abschiedsfoto vor der Festungsmauer in Briançon gemacht:

Die Kettenritzelcrew 2017 (Foto: Axel Thomsen)

Col du Lautaret

Von Briançon aus orientierten wir uns Richtung Villar-d’Arêne. Was zunächst gemütliches Cruisen durchs Alpental ist, wird spätestens beim Anstieg zu Col du Lautaret zum forcierten Angasen. Die langgezogenen Kurven sind sehr gut ausgebaut und erlauben laaaaaange Schräglagen. Nach dem Abzweig zum Col du Galibier wird das Asphaltband etwas schmaler und welliger, aber die Ausblicke umso beeindruckender.

Col du Galibier

An dieser Stelle muss ich mich selber korrigieren. In meiner Euphorie auf dem Col de la Bonette hatte ich vorschnell behauptet, daß wir in dem Moment die Top 10 der höchsten Alpenpässe voll gemacht hätten. Falsch, denn es fehlte noch die Nummer 5 in der Liste, der Col du Galibier mit seinen 2.646 m.

Wiederum waren wir erstaunt, wie wenig auf diesem Pass los war. Kurz unterhalb des Gipfel gibt es einen Tunnel, aber wer will da schon durchfahren, wenn er oben an der bekannten Spitzkehre ein Selfie machen kann. Die Aussicht von der Abfahrt war ebenfalls superschön, man kann weite Strecken des Asphaltbandes schon gut einsehen und schon etwas forscher angasen. Weiter unten wird es flacher und wir folgen für einige Kilometer dem Hochtal von Valloire, halten an für einen Café und geniessen den Blick auf die Berge.

Col du Télégraphe
Nähert man sich dem Col du Télégraphe wie wir von der Südseite, so ist man von der wenig spektakulären Passhöhe etwas überrascht. Schwupps ist die Haarnadelkurve da und von da an geht es bergab Richtung Valloire.

Wir folgen dem Tal einige Kilometer bis La Chambre, der Col de la Madeleine ist früh ausgeschildert.

Col de la Madeleine
Der Col de la Madeleine verbindet La Chambre mit Feissons-sur-Isère im Isère-Tal. Er schafft es fast auf eine Gipfelhöhe von 2.000 Metern, hat aber auch einige steilere Passagen und schöne Kurvenkombinationen. Auf die waren wohl auch die Luzerner Gold Wing-Fahrer aus, die uns ganz zu Anfang der Auffahrt ziemlich derbe gebügelt haben. Die hatten die 350 kg Lebendgewicht ihrer Stahlrösser ganz gut im Griff.

Wir entschlossen uns, unsere Mittagsmahlzeit nicht am Gipfel einzunehmen sondern fuhren ein kurzes Stück weiter und fanden einen wildromantischen Picknickplatz mit Blick auf das Mont Blanc-Massiv. Stilvoller geht es kaum. Vor allem war da ausser dem Rauschen des Bergbaches und dem gelegentlichen Kuhglockengebimmel eine herrliche Ruhe.

Col des Saisies
Ein kurzes Stück auf der Autobahn verschaffte etwas mehr Fahrtwind als auf den kurvigen Alpenpässen, auch heute meinte es die Sonne sehr gut mit uns. In Albertville bogen wir auf die Landstrasse ab und fuhren nordwärts. Eigentlich hatte ich die Alternative im Hinterkopf, einen Schlenker über die Barrage de Roselend zu fahren. Aber irgendwie wars mir zu warum und ich mochte nicht mehr. Aber wie gut, wenn man einen Mitfahrer wie Thomas hat, der dann einfach aufstieg und meinte, ich solle ihm hinterher fahren. So fuhren wir eine kleine, lustige Schleife über den Col des Saisies.

Saisies selber ist ein relativ seelenloser Wintersportort, aber die Auffahrt machte sehr viel Spass. Die Rückseite des Col des Saisies, ebenfalls relativ gut ausgebaut, führt durch viele kleine Dörfer und an einzelnen Gehöften vorbei und erreicht nach etwa 15 km Flumet und die N212 zwischen Albertville und Chamonix.

Col des Aravis
In Flumet schliesst sich gleich die Auffahrt zum Col des Aravis an. Zunächst geht es eine enge, schattige Schlucht entlang, bei La Ciettaz beginnt der Anstieg zur Passhöhe in engen Kurven.

Wir hielten kurz hinter der Passhöhe, legten uns ins Gras und genossen die fast schon werbisch-klischeehafte Alpenkulisse.

Unsere ursprünglich geplante Route nach Genf konnte wir leider nicht fahren, da kurz hinter Saint-Jean de Sixt die Strasse voll gesperrt war. Wir folgten der Umleitung über Thones, was ein Fehler sein sollte. Denn so mussten wir über Annecy und die Autobahn einen Riesenschlenker fahren, bis wir an unser Ziel in Genf erreichen sollten. Wären wir rechts rum über Le Reposoir gefahren, hätten wir fast die ursprünglich geplante Route einhalten können.

Gefahrene Route

Und hier der Tag aus Thomas Sicht.

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 5: die Königsetappe von Briançon nach Guillestre

Briançon

Mit dem Wetter hatten wir Glück, denn das Gewitter hat sich die Nacht zum abregnen gesucht und so durchbrach am nächste Morgen die Sonne den Frühnebel und schien auf die imposante Festung von Briançon. Und auf unsere bescheidene Herberge.

Wir verliessen Briançon in Richtung Cervières und dem Col d’Izoard.

Col d’Izoard

Mit seinen 2.360 Metern ist er der dritthöchste Pass der Route des Grandes Alpes, aber in die Top 10 der höchsten Alpenpässe schafft er es damit leider nicht. Macht nix, denn dieser Klassiker der Tour de France ist auch so ein Genuß. Auf der Passhöhe zollt ein kleines Museum der Radfahrgeschichte des Passes Tribut, auf der anderen Strassenseite steht das bekannte Steindenkmal. War die Nordseite des Passes durch die weiten Kurvenschleifen kurz vor dem Gipfel ein fahrerischer Spaß, beeindruckt die Südseite optisch durch die trockene Verwitterungslandschaft mit Schutthalden und Felsnadeln.

Im Tal passieren wir das Dörfchen Château-Queyras um nach ein paar Kilometern bereits den nächsten Anstieg zum Col Agnel in Angriff zu nehmen.

Col Agnel

Der Col Agnel bzw. Colle dell’Agnello ist der höchste Grenzpass der Alpen, mit 2.746 Metern Höhe fehlen ihm nur ein paar Meter auf das Stilfser Joch. Was ihn sehr positiv vom Stilfser Joch unterscheidet: er ist meiner Ansicht nach viel schöner zu fahren und der Affenzirkus am Gipfel fehlt komplett. Nur ein Parkplatz, ein Gipfelschild und eine atemberaubende Aussicht.

Als ich die Route im Frühjahr plante, hatte ich zwischen für den Weg zwischen dem Col Agnel und dem Col de la Bonette keinen Plan. Irgendwie suchte ich mir eine Route über die Berge, die einigermassen spannend und kurvenreich aussah. Damals wusste ich noch nicht, welchen Volltreffer ich landen sollte.

Colle di Sampeyre

Nach der Abfahrt vom Col Agnel folgte nach der Ortschaft Sampeyre der Anstieg zum Colle di Sampeyre. Auch hier finden wir wieder eine sehr schmale Strasse vor, die das Durchschnittstempo senkt, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit erhöht, die tolle Landschaft links und rechts des Asphaltbandes wahrzunehmen. Definitiv ein Genußfahrer- denn ein Heizerpass.

Mairatal

Von Stroppo bis Ponte Marmora folgten wir kurz dem idyllischen Mairatal.

Colle del Vallonetto

Wenn man drei Alpengipfel innerhalb von zwei Kilometern fahren möchte, ist man hier an der richtigen Stelle. Zunächst kommt der Colle d’Esischie, dann der Colle del Vallonetto und ein paar hundert Meter weiter der Colle Fauniera. Die Auffahrt aus Richtung Ponte Marmora ist schon ein Genuß. Eine gut ausgebaute, aber schmale Strasse die sich im oberen Bereich in ein Hochtal öffnet mit schönen gut einsehbaren Kurven. Der Blick zum Gipfel ist fast immer da.

Oben auf dem Colle d’Esischie angekommen umspielen die Wolken die Berggipfel, aber weichen schnell wieder der Sonne. Und wir wundern uns um den oben parkenden T5 mit Anhänger, auf dem eine XT600 festgezurrt war. Hat da jetzt einer sein Motorrad den Berg hochgezogen, um oben erst in die Maira-Stura-Kammstraße einzusteigen? Oder warum macht man sowas? Egal, kurz den Kopf geschüttelt und weitergefahren.

Als wir den Colle Fauniera erreichten, musste Rolf als führender Fahrer mal rechts ranfahren, um den Blick über das Tal schweifen zu lassen. Jemand, der mit dem Motorrad die Welt umrundet hat und schon vieles gesehen hat, ist sicherlich schwerer zu beeindrucken als der Durchschnittsmotorradfahrer. Dieses Panorama hat es auf jeden Fall geschafft, ihn zu berühren. Kann man verstehen, oder?

Die Abfahrt nach Demonte zieht sich etwas. Interessanterweise ist die direkte, geteerte Abfahrt teilweise nur für Fahrradfahrer freigegeben, alle anderen müssen sich über geschotterte Zwischenpassagen nach unten bewegen. Im Tal angekommen ist es mittlerweile nachmittags, es hat deutlich über 30 Grad und wir machen erstmal Pause.

Wir hatten noch über 100 Kilometer auf der Uhr und die GS-Fraktion war etwas gebraucht und entschied sich, unseren Zielort Guillestre direkt anzusteuern. Ich hatte aber dermassen Hummeln im Hintern, den Col de la Bonette zu erreichen. Thomas Gottseidank auch.

Col de la Lombarde

Zurück nach Frankreich sollte uns der Col de la Lombarde führen. Den Namen des Passes musste ich erst im Nachhinein nachschauen, während der Planungsphase war das eben nur die Strasse, die uns zum südlichen Wendepunkt unserer Tour führen sollte.

Eingerahmt wird der Pass vom Bergen Cime de la Lombarde (2.800 m) im Nordosten und dem Tête de l’Adrech (2.475 m) im Südwesten. Die Passhöhe liegt auf 2.350 m, das sind stramme 300 Höhenmeter mehr als die Bielerhöhe auf der Silvretta-Hochalpenstrasse Und hier ist das einfach ein kleiner Pass in einem Seitental zwischen Italien und Frankreich. Thomas und mir gingen langsam die Superlative aus. Noch geilere Kurven, noch schönere Panoramen. Einfach alles geil.

Durch den Retorten-Skiort Isola 2000 und Isola überbrückten wir zügig die 30 Kilometer bis ins Örtchen Saint-Étienne-de-Tinée, wo sich langsam der Anstieg zum Finale des Tages und dem Höhepunkt der ganzen Tour abzeichnete. Der Col de la Bonette stand vor uns.

Col de la Bonette

Es war kurz vor 18:00 Uhr, die Sonne stand schon tief und wir waren trotz über 12 Stunden im Sattel aufgeregt wie die jungen Hühner. Unterbrochen von einigen Fotostopps arbeiteten wir uns langsam auf die 2.802 m des Cime de la Bonette hoch. Beobachtet von gefühlt 25 Murmeltieren, aber nur von 5 Motorradfahrern und 3 Autofahrern genossen wir diese Kilometer mehr als alles in unserem Motorradfahrerleben.

Oben angekommen war das für mich ein extrem emotionaler und erfüllender Moment. Vor zwei Jahren hatten wir den Gedanken an diese Tour mit diesem höchsten asphaltierten Alpenpass als Krönung. Und nun standen wir hier und es fehlten uns die Worte ob des Ausblicks.

Bei der Abfahrt Richtung Jausiers passieren wir noch den Col de Restefond (2.680 m) und kurz danach die beeindruckenden Ruinen der Caserne de Restefond. Die Abendsonne taucht die gut ausgebaute und kurvige Abfahrt in sehr weiches Licht und macht den Moment einfach perfekt, mit Sicherheit der schönste in meinem bisherigen Motorradleben. Noch weiter aufgehellt wurde er durch die riesige Horde an Schafen und Lamas, die uns auf der Strasse plötzlich entgegenkamen und uns umfluteten wie eine Riesenwelle. Ein großartiger Spaß.

Col de Vars

Zwischen uns und unserem Tagesziel Guillestre lag noch der Col de Vars. Mag er ein Veteran der Tour de France sein, am heutigen Tag war er lediglich der abschliessende Digestif nach einem großartigen, mehrgängigem Menü eines Sternekochs.

Auf Motor 8 kannst Du den Tag aus Thomas Sicht lesen.

Gefahrene Route

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 4: Aostatal bis Briançon

Für den Weg aus dem Aostatal Richtung Kleiner Sankt Bernhard hatte meine Routenplanung ein paar Extrakurven eingebaut. Unfreiwilligerweise, denn ich hatten den Vorschlag von kurviger.de ungeprüft übernommen und so kamen wir in den Genuß einiger dörflicher Nebenstrassen am Hang. Auf jeden Fall offenbarte sich uns bereits früh der Blick auf den Mont Blanc, den wir am diesen Tag noch einige Male aus verschiedenen Blickwinkeln geniessen sollten.

Kleiner Sankt Bernhard

Freundlicherweise hatte das lokale Strassenverkehrsamt den Kleinen Sankt Bernhard komplett neu geteert. Blank und glatt wie ein Babypopo lag die Passtrasse vor uns und wir nahmen das Geschenk gerne an. Die Paßhöhe machte uns mehr Spaß als die auf dem Großen Sankt Bernhard. Die GS-Fraktion nutzte die große Wiese zum leichten beschmutzen der Motorräder.

Col de l’Iseran

Die Abfahrt nach Bourg St. Maurice war sehr beschwingt, auf halber Höhe fand Rolf eine Abkürzung irgendwo durch den Wald und Schotter und nahm Reinhard mit. In Val d’Isère sammelten wir die beiden wieder ein und machten uns dran, mit dem Col de l’Iseran einen Klassiker der Tour de France und der französischen Alpen schlechthin zu erobern. Man muss sich pausenlos entscheiden, ob man die Kurven aufschnupfen möchte oder das Panorama geniessen möchte. Und wenn man glaubt, es kann schöner nicht werden kommt hinter der nächsten Biegung eine noch berauschendere Aussicht. Nicht umsonst gehört der Iseran zur Panoramastrecke der Route des Grandes Alpes.

Ab Bonneval-sur-Arc ging es eine zeitlang im Tal entlang, aber auch das war ein Genuß. Perfektes Motorradwetter und überall traumhafte Natur und Berggipfel. Herrlich. Der nächste Anstieg erwartete uns zum:

Col du Mont Cenis

Dieser Pass war jetzt nicht so spektakulär, aber das ist auch Klagen auf hohem Niveau. Wenn man sich in diesem Revier bewegt, ist alles unter 2.000 m Gipfelhöhe und mit weniger als 40 Kurven biedere Hausmannskost. Am Stausee Lac du Mont Cenis vorbei passierten wir abermals die französisch-italienische Grenze und nahmen die Abfahrt Richtung Susa. Auch diese war sehr gut ausgebaut und gespickt mit schönen Kurven, nur das allenthalben vorhandene Tempolimit mahnte zur Mäßigung.

In Susa machten wir kurz halt, aber ohne Fahrtwind war es uns definiv zu warm. Nach einem kurzen Plausch mit einem deutschen GS-Fahrer, der auf dem Weg zum Stella Alpina war, machten wir uns auf zum nächsten Pass.

Colle delle Finestre

In Susa verpasst man fast den Abzweig zum Finestre, ganz unscheinbar geht es rechts weg den Berg hinauf. Die Strasse wird immer schmäler und die Kurven immer enger. Mehr als den zweiten Gang brauche ich hier nicht um das schmale Spaghettiband empor zu turnen.

Irgendwann kurz vor Ende der Baumgrenze war dann der Asphalt alle und Schotter war angesagt. Daran hatte ich Torfkopp bei der Routenplanung nicht gedacht. Den mitfahrenden GS-Treibern war das relativ egal, aber Thomas und ich schauten uns mit unseren strassenbereiften und weniger üppig gefederten Maschinen an. Egal, muss gehen, ab dafür.

Und es ging erstaunlich gut mit der Tracer 900 den Berg rauf. Stehend in den Fussrasten und meistens im zweiten Gang schnürte ich mit der Maschine den Berg rauf. Irgendwann wurde es ihr aber etwas warm und bei 107° Öltemperatur gönnte ich ihr eine kleine Verschnaufpause. Thomas S1000R hatte das gleiche Problem, so nutzten wir den Moment zum genießen der Aussicht und warteten, bis Rolf und Reinhard zu uns aufgeschlossen hatten, die sich eine kleine, abweichende Route gesucht hatten.

Als die beiden bei uns ankamen, feierten sie erstmal diesen Schotterpass. Gemeinsam machten wir uns auf die letzten Kilometer bis zum Gipfel. Hatte ich mich in Susa noch gewundert, daß das Navi für die Paar Kilometer auf den Colle delle Finestre 1,5 Stunden Fahrdauer angegeben hatte, war mir jetzt klar, warum. Tolles Erlebnis, aber das nächste Mal komme ich hier mit einer Enduro her.

Über Sestrière fanden wir unseren Weg zum Ziel des heutigen Tages, Briançon. Es gibt Tage, da schmeckt das Ankunftsbier noch besser als an anderen. Heute war so einer. In der Altstadt / Festung von Briançon genossen wir ein leckeres Abendessen, bevor wir uns in Erwartung der Königsetappe am nächsten Tag in die Betten schmissen.

Gefahrene Route

Lest auch den Tag im Bericht bei Motor8.

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 3: vom Sustenpass ins Aostatal

Yeah, das Wetter wird besser. Also, der Nebel wird durchsichtiger. Zu Beginn des dritten Tourtages hüllt sich das Sustenhospiz immer noch in dicke Suppe. Aber es hätte schlimmer kommen können, auf dem Stilfser Joch hat es angeblicherweise in der gleichen Nacht geschneit.

Der um unser leibliches Wohl anscheinend sehr besorgte Wirt des Sustenhospiz läßt uns ein leichtes Käsefrühstück angedeihen, damit wir nicht vom Fleisch fallen.

Sustenpass

Nach einigen Kilometern lichtet sich die Suppe und es offenbart sich eine traumhafte Alpenkulisse. Man hatte das Gefühl, durch eine Märklin H0-Kulisse zu fahren. Es hätte mich nicht gewundert, wenn der Bahnhof Lachenheim hinter der nächsten Kurve aufgetaucht wäre.

Berauscht von den Panoramen und den Kurven mussten wir im Tal erstmal eine Pause machen. Das und weil wir die Regenpellen wieder ausziehen wollten, die wir für den Rest der Tour nicht mehr brauchen sollten. Nach einem kurzen Tankstopp ging es weiter zum:

Grimselpass und Furkapass

An mehreren beeindruckenden Staumauern vorbei turnten wir den Grimselpass empor. Nach der Überquerung der Passhöhe eröffnete sich uns eines der tollsten Panoramen dieser Tour, der Blick den Grimsel hinab rüber zum Furkapass. Diesen erklommen wir dann sofort als nächstes und machten am Belvedere-Hotel erstmal Pause, um den atemberaubenden Ausblick zu geniessen.

Als wir die Ostseite des Furkas Richtung Hospental herunterfuhren dachte wohl jeder von uns an die legendären Szenen aus dem James Bond-Film „Goldfinger“. Und wir waren mittendrin in der Filmkulisse.

Gotthardpass

Ein Pass reiht sich an den nächsten. Als wir auf der Passhöhe des Gotthard standen, war das für mich ein sehr besonderer Moment. Auf den Monat genau vor 30 Jahren stand ich hier oben schon mal. Allerdings mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Lago Maggiore. Ich gebe zu, mit dem Motorrad war es deutlich kommoder. Und dieses Mal holte ich etwas nach, was ich damals versäumt hatte: die alte Gotthard-Strasse Tremola zu fahren. Altes Kopfsteinpflaster in eng geschwungenen Kehren. Und Kühe, vergesst die Scheiss-Kühe nicht. Ein Traum!

Alter Gotthard, gepflastert. #alpenblitz2017 #letourdesgrandesalpes

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Nufenenpass

Kaum waren wir den Gotthard runtergefahren zeigte uns schon das nächste Schild den Weg zum Nufenenpass. Eigentlich hatte ich in der ersten Version der Routenplanung nach dem Grimselpass den Abzweig nach rechts Richtung Martigny geplant. Dann hätten wir sowohl Furka, Gotthard als auch den Nufenen verpasst. Nicht auszudenken!

Der Nufenenpass ist gut ausgebaut, im Vergleich zur alten Gotthardstrasse fehlt ihr etwas der Flair, aber wenn man auf der Passhöhe bei klarem Wetter das Matterhorn aufragen sieht, dann ist das jeden Umweg wert.

Wieder unten im Tal entschieden wir uns zähneknirschend, den eidgenössischen Autobahn-Obulus zu entrichten und uns Vignetten ans Tauchrohr zu kleben. Die Route bis Martigny durchs Tal wäre auf der Landstrasse nicht die aufregendste gewesen, auf der Autobahn versprachen wir uns neben kühlendem Fahrtwind ein schnelleres Vorankommen bis Martigny. Anfangs war das Autobahnnetz noch etwas bruchstückhaft, aber dann gelang es uns doch, die Fahrtzeit bis zum Großen Sankt Bernhard etwas zu verkürzen.

Großer St. Bernhard

Letzte Passhöhe für heute, der Grosse St. Bernhard! #alpenblitz2017 #letourdesgrandesalpes

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Was für ein schöner Abschluss dieses tollen Tourtages. Wiederum bestes Wetter, tolle Kurven und erstaunlich wenig Verkehr versüßte uns die Überfahrt über den Großen Sankt Bernhard. Im Aostatal herrschten am Abend noch hochsommerliche 34 Grad und so setzten wir uns nach erfrischender Dusche in den Hotelgarten und glichen unseren Flüssigkeitshaushalt erstmal mit reichlich Bier wieder auf. Was für ein Fest.

Lest auch den Tag im Bericht bei Motor8.

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 2: Schwarzwald bis Sustenpass

Der zweite Tag der Tour begann, wie der erste geendet hatte. Nein, nicht mit Bier, sondern mit Regen. Beim Frühstück beobachteten wir das Regenradar und entschlossen uns, genau die Lücke zwischen zwei Regenfronten zu nutzen, um durch den Schwarzwald Richtung Waldshut-Tiengen aufzubrechen. Den Trip auf den Feldberg haben wir uns geklemmt, da ob der vielen Wolken eh‘ nichts zu sehen gewesen wäre.

Der Plan ging so mittel auf, ganz trocken sind wir nicht über die Runden gekommen, aber kurz vor Waldshut konnten wir die Regenklamotten wieder ausziehen.

Nach der Kaffeepause in Waldshut-Tiengen fanden wir den wahrscheinlich kleinsten Grenzübergang in die Schweiz, wo uns nach wenigen Kilometern doch wieder die Regenfront erwartete. Bot uns die Landstrasse bis Zürich noch einige Kurven, so wurde es Richtung Rapperswil doch recht fad. Es ging fast nur geradeaus und die einzigen Kurven fanden wir in den zahlreichen Kreisverkehren.

Erheiternd war dann der Besuche beim Young Guns Speedshop, der Plausch mit Nik lenkte gut von der feuchten Witterung ab.

Es folgten die Fahrt über den Zürisee, der schöne Blick auf den Lauerzersee kurz vor Schwyz und die Vorbeifahrt am Vierwaldstättersee.

Dann am späten Nachmittag ging es endlich signifikanter den Berg rauf, als wir den Anstieg Richtung Gotthard unter die Räder nahmen. In Wassen ging der Abzweig rechts den Berg rauf zum Sustenpass, der unser Tagesfinale darstellt. Unten war es noch trocken, doch mit jedem Höhenmeter näherten wir uns der dichten Wolkendecke und dem Regen. Trotz der nassen Strasse war der Pass sehr gut zu fahren und bot den einen oder anderen tollen Ausblick.

Bei der Ausfahrt aus dem kurzen Gipfeltunnel standen wir komplett in der Nebelsuppe und hätten fast die Auffahrt zum Susten-Hospiz verpasst. Vor der Hütte standen bereits die Motorräder von Rolf und Reinhard. Die hatten schon in der Stube ihre Stiefel vor den offenen Kamin zum Trocknen aufgestellt un die Kehle mit dem ersten Bier befeuchtet. Das klang gut für uns und wir machten es ihnen gleich nach.

Kurz nach uns sollte auch Thomas den Weg durch den Nebel zum Ziel finden und zu fünft versuchten wir, die kleine Würschtelplatte zu verspeisen, die der Wirt uns zubereitet hatte.

Zufrieden und k.o. fielen wir in unsere Betten. Bis hierher war alles nur Vorspiel, morgen sollte die Tour richtig losgehen.

Im Test: Revit Gear 2 Motorradhose

Auf die Tour des Grandes Alpes begleitete / bekleidete mich eine neue Motorradhose: die Revit Gear 2. Meine Resurgence Pekev Cargohose hatte ich zwar auch noch dabei für trockene und wärmere Tage, aber die standen in den ersten Tourtagen nicht auf dem Zettel.

Von der Papierform her versprach die Revit Gear 2 schon, eine gutes Multitalent zu sein. Die Stiefelhose verfügt über eine eingezippte und einfach entfernbare hydratex®-Membran, die Trockenheit garantieren soll, wenn’s nötig ist. Nach dem Herausnehmen steht an heißen Sommertagen dem kühlenden Fahrtwind nichts mehr im Weg. So soll die Gear 2 Hose den Schutz von Leder mit der Vielseitigkeit einer erstklassigen wasserdichten Textilhose kombinieren.

Für die optimale Passform gibt es Verstellmöglichkeiten am Bund sowie Stretch-Einsätze an Knien und über dem Steißbein. Der Verbindungsreißverschluss geht einmal rundum und bietet die Möglichkeit, die passende Revit Ignition 2 Jacke zu verbinden. Interessanterweise trug mein Mitfahrer Akki die Ingnition-Jacke auf der Tour, aber irgendwie haben wir es versäumt, mal beide zu kombinieren.

Für die Sicherheit gibt es ProLife-Protektoren an den Knien, die höhenverstellbar sind. Hüftprotektoren sind bei der Hose ebenfalls nachrüstbar. Von der Passform her fällt sie schmal, aber nicht unangenehm auf. Die Hosenbeine fanden gut Platz in meinen ICON Elsinore-Stiefeln.

Die ersten Tage auf der Tour boten so ziemlich alles, was man an Motorradwetter haben kann. Von 4 Grad und Dauerregen bis hin zu 34 Grad und stahlblauem Himmel. So bot sich mir eine sehr gute Bandbreite, in der sich die Hose bewähren musste. Anfangs fuhr ich sie mit Innenfutter, mit dem sie leichtere Regenschauer gut wegsteckte und auch den Fahrtwind gut abhielt. Bei stärkerem Regen musste eh’ die Regenkombi herhalten.

Bei Temperaturen über 18 Grad kann man das Innenfutter gut weglassen, die Textileinsätze ein der Hose funktionieren dann sehr gut und sorgen dann für ein angenehmes Körperklima. Als wir am dritten Tourtag dann ins Aostatal einrollten und deutlich über 30 Grad herrschten, wurde es ohne Fahrtwind dann doch schweisstreibend. Trotzdem klebte die Hose nicht am Körper.

Für die Folgetage, bei denen durchgehend höhere Temperaturen angesagt waren wechselte ich dann doch auf meine Resurgence Pekev Cargohose. Als kevlargefütterte Stoffhose funktioniert sie zwischen 25 und 35 Grad dann doch besser als die Revit Gear 2. Beide Hosen zusammen decken aber so ziemlich meinen Gesamtbedarf an Motorradhosen ab. An kälteren und eher nassen Tagen kommt die Revit zum Einsatz. Wenn es absehbar wärmer und trockener ist, wird die Resurgence die erste Wahl. Und wenn man auf Tour genug Platz im Gepäck hat, kommen eben beide mit.

Auf jeden Fall bekommt die Revit Gear 2 von mir eine Kaufempfehlung.

Le Tour des Grandes Alpes – Tag 1: vom Bergischen Land in den Südschwarzwald

Hatte ich noch am Freitagabend nach der Abholung der Yamaha Tracer 900 das Glück, trocken und in der Abendsonne bis ins Bergische Land zu fahren, so standen der folgende Morgen im Zeichen des vorhergesagten, gedeihlichen Landregens.

„Wir sind ja nicht aus Zucker!“ dachten sich Holger und ich und pellten uns in unsere Ganzkörperkondome und sattelten unsere Yamahas. Über 20 Jahre lagen zwischen seiner XTZ 750 Super Ténéré und meiner Tracer.

Auf dem ersten Teilstück übernahm Holger die Führung und zeigte mir seinen Arbeitsweg von Wermelskirchen nach Rösrath. Die 44 Kilometer führten uns durch eine lustige Kurvenachterbahn, die bei schönerem Wetter sicherlich noch besser zu geniessen wäre. Aber egal, es war auch so ein Spaß.

Ab Rösrath schmiss ich den Navigon Cruiser an, der uns bis kurz vor Frankfurt zu Sandra führen sollte, bei der wir einen Trocknungsstopp einlegten. Nach vier Stunden Dauerregen hatten meine Stiefel kapituliert und ich brauchte dringend trockene Socken. Während Sandras Nachwuchs das Mittagessen einnahm, wärmten Holger und ich uns am Kaminofen auf. Ende Juni, wohlgemerkt.

Wieder aufgewärmt holte Sandra ihre Dominator aus der Garage und fuhr mit Holger noch eine kleine Runde auf den großen Feldberg, während ich den Tiefflugmodus gen Süden auf der Autobahn startete.

Zwei Stunden und ’nen Keks später rollte ich auf dem letzten Liter Benzin in Baden-Baden an die Tanke. Mittlerweile hatte das Wetter aufgeklart und die Sonne schien. Voller Vorfreude wühlte ich mich durch den Kurort und nahm den Aufstieg zur Schwarzwald Hochstraße in Angriff.

Leider hielt das gute Wetter nicht lange, mit jedem erklommenen Höhenmeter wurde es kälter und nebliger. Am Aussichtspunkt Mummelsee sah man gerade mal 10 Meter weit, die Temperatur war unter 10 Grad gesunken. Also wieder anplünnen und langsam weiterfahren. Da der Nebel nicht besser wurde, entschloss ich mich irgendwann, aus dem Hochwarzwald in die Niederungen des Elztals runterzufahren und mich Richtung Freiburg zu orientieren.

Nach 12 Stunden im Sattel und 570 gefahrenen Kilometern war es dann auch gut für den Tag und ich freute mich auf das Abendessen und diverse gepflegte Biere mit Akki, der sich aus München aus Richtung Schwarzwald aufgemacht hatte und mit dem ich dann den nächsten Tag gemeinsam fahren sollte.

Mit der Yamaha 900 Tracer auf der Tour des Grandes Alpes

Im Jahre 2005 führte Yamaha das erste MT-Modell ein. Die MT-01 prägte mit ihrem maximalen Drehmoment von 150 Nm den Begriff der „Masters of Tourque“. Mittlerweile hat sich die MT-Familie gut erweitert und erfreut sich in den verschiedensten Varianten großer Beliebtheit. Allen voran die MT-07, die sich schon seit längerem in den Zulassungsstatistiken nur der BMW R1200 GS geschlagen geben muss.

Ein kurzer Blick auf die Zulassungszahlen Juni 2017 zeigt, daß auch der Rest der Top 50 sehr gut von MT-Modellen durchsetzt ist:

  • Platz 02: Yamaha MT-07, 2.021 Einheiten,
  • Platz 16: Yamaha MT-09, 913 Einheiten,
  • Platz 21: Yamaha MT-09 Tracer,  724 Einheiten,
  • Platz 26: Yamaha MT-07 Tracer,  676 Einheiten,
  • Platz 31: Yamaha MT-10, 652 Einheiten.

Auf meiner bisher längsten Motorradtour begleitete mich die Yamaha 900 Tracer, wie die MT-09 Tracer neuerdings firmiert. Der Sporttourer teilt sich mit dem Schwestermodell MT-09 einen Großteil der Komponenten, ergänzt um ein paar fernreisetaugliche Zutaten wie eine rahmenfeste Verkleidung mit Windschild und Handguards. Eine sehr gute Ausgangsbasis für das 3.000 Kilometer lange Gemisch aus Autobahn, Landstrassen und vor allem großen und kleinen Alpenpässen welches uns erwartete.

Gepäck
Vor dem Tourstart stand erstmal das Beladen des Motorrads an. Fährt man mit dem eigenen Motorrad von zu Hause aus los, ist man sehr gut mit den Verstaumöglichkeiten vertraut. Da ich erstmal mit Gepäck durch die halbe Republik fuhr, um das Testmotorrad zu übernehmen, musste ich erst vor Ort sehen, wie ich das Motorrad am besten bepacke. Ausgerüstet war die Tracer mit den Soft-ABS-Seitenkoffern aus dem Yamaha-Zubehörprogramm. Jeder Seitenkoffer hat ein Fassungsvolumen von 25 Litern. Die Seitenkoffer öffnen in der Mitte via Reissverschluss und haben innen auf jeder Seite elastische Gurte, die das Gepäck an Ort und Stelle halten sollen. Zwei Nachteile des Koffersystems: sie waren aufgrund ihrer Form nicht so optimal bepackbar wie klassische, rechteckige Koffer und sie waren nicht wasserdicht. Also zurück zu den Plastiktüten.

Ergänzend hatte ich noch Moto-Detail Trekkingrolle mit Rokstraps auf den Soziussitz geschnallt. Es gibt an der Tracer zehn Spanngurt-Halterungen, acht unter dem Beifahrersitz und jeweils eine auf den Beifahrer-Fußrasten. Genug also, um auch mehr als eine Tasche zu verstauen. Nach zwei Tourtagen mit hin- und herpacken hatte ich dann auch die optimale Verteilung des Gepäcks ausgeklügelt.

Ergonomie
Alles verstaut? Also aufsitzen uns losfahren. Die Tracer bietet eine komfortable Sitzposition mit sehr breitem Lenker. Für das Durchmogeln im Stadtverkehr zwar ungeeignet, aber auf langes Tagesetappen sehr kommod. Die Sitzbank ist in zwei Positionen höhenverstellbar. Die Polsterung taugt gut für Tagestouren, auf längeren Touren wie der unseren würde ich mir etwas Komfort wünschen, sonst zwickt es doch sehr am Gesäß. Der Tank baut nach vorne hin sehr breit, das empfand ich aber nicht als unangenehm. Im Gegenteil, beim stehend fahren auf Schotter hatte man auch einen guten Knieschluss und konnte das Motorrad gut dirigieren. Doch dazu später mehr.

Die Armaturen und Schalter sind gut bedienbar und geben keine Rätsel auf. Die Windschutzscheibe ist in drei Positionen höhenverstellbar, das Lösen zweier Einstellschrauben und das verschieben einer Gleitplatte fand ich zwar etwas fummelig, aber in der Regel macht man das ja nur einmal, bis es passt. Den Windschutz fand ich sehr gut, gerade bei den paar längeren Autobahnetappen war das sehr komfortabel. Ich hatte auch keine störenden Verwirbelungen am Helm wie z.B. beim Test der Honda Africa Twin.

Das LCD-Display schön zu nennen wäre geprahlt, andere Hersteller sind da im Jahre 2017 deutlich weiter vorne. Vom Design her und von den dargebotenen Informationen ist es funktional, mehr aber auch nicht. Drehzahl, Geschwindigkeit, Fahrmodi, Temperaturen, zwei Kilometerzähler und Tankanzeige hat man im Blick, alles andere brauchte ich nicht.

Die Tankanzeige hat eine asymmetrische Balkenanzeige:

Das erste Balkensegment steht gefühlt für Ewigkeiten, da passiert über 200km lang nix. Ist das mal weg, gehen danach die kleineren drei Segmente auch viel schneller aus. Das letze Segment fängt irgendwann an zu blinken und im rechten Display fängt ein Reservekilometerzähler an zu laufen. Einmal tankte ich nach 40 Reservekilometern, da hatte ich noch einen Liter Rest im 18l-Spritfass.

Aber zurück zum Display und zur Ergonomie. Wenn man die Sonne im Rücken hat, reflektiert das Display teilweise sehr stark und man wird geblendet. Wenn man nur geradeaus fährt, kann man sich in der Fahrtposition etwas drauf anpassen. Aber wenn das beim Kurventurnen passiert und man im Kurvenscheitel die Sonne wieder im Rücken hat und man dann geblendet wird, ist das ärgerlich.

Serienmässig ist die Tracer mit einer 12V Steckdose ausgerüstet. Günstig positioniert links neben dem Tachodisplay konnte ich das mittels Quadlock lenkermittig montierte Smartphone gut mit Strom versorgen.

Motor und Getriebe
Der Dreizylinder-Motor der Tracer ist definitiv das Highlight des ganzen Motorrades. Er liefert 84,6 kW (115PS) bei 10.000 /min ab, viel wichtiger sind aber die 87,5 Newtonmeter Drehmoment, die bei 8.500 /min erreicht werden. Bereits ab Leerlaufdrehzahl liegen aber bereits 75 Newtonmeter an und hier zeigt sich die Stärke des Crossplane-Drilling. Der Dampf von unten raus begeistert wirklich und sorgt für eine tolle und flexible Fahrbarkeit. Angas-Modus auf weit geschwungenen Kurven des Col de la Bonette kann die Maschine ebenso gut wie das Kurvenwedeln auf den engen Spitzkehren in der unteren Sektion des Colle delle Finestre. Und als auf eben diesem Pass der Strassenbelag im oberen Sektor auf groben Schotter wechselte, stellte ich mich entspannt in die Fußrasten, suchte den Knieschluss am Tank und ließ mich im zweiten Gang den Berg hinaufziehen (zum Erstaunen der anwesenden GS-Fahrer).

Auch wenn der Motor sehr drehfreudig ist, kann ich mich nicht erinnern, auf der Tour das Drehzahlspektrum jenseits der 8.000 u/min ausführlich genutzt zu haben. Weil einfach keine Notwendigkeit dafür da war. Auf der Autobahn ist man auch bei schnellen Überholvorgängen im 5. und 6. Gang gut aufgehoben und auf den Alpenpässen ist man eh so schnell an der nächsten Kurve, dass man gar nicht in die oberen Drehzahlbereiche kommt.

Der Motor verfügt darüber hinaus über drei Fahrmodi, Standard, Modus A (schärfere Gasannahme) und Modus B (sanftere Gasannahme). Die Dosierbarkeit der Leistung ist aber so gut, dass es für mich des A/B-Modus gar nicht bedarf. Egal ob vier Grad und Dauerregen oder 30 Grad und frisch-asphaltierte Strassen, die richtige Menge Gas fand sich immer intuitiv ohne Modi-Steuerung.

So begeisternd der Motor, so ernüchternd das sequentielle 6-Gang-Getriebe. Das letzte Mal so derbe in den Schalthebel treten musste ich bei meiner alten 650er Rotax-GS. Gerade wenn man etwas sportlicher unterwegs war und mehrere Gänge vor der Kurve runter schalten musste, ging das oft nur sehr widerwillig. Oder man hatte einen höheren Gang drin, als man eigentlich wollte. Das trübte den ansonsten sehr guten Fahreindruck etwas.

Fahrwerk
Die Teleskopgabel vorne und das über einen Hebel angelenkte, einstellbare hintere Federbein haben auf den unterschiedlichsten Oberflächen überzeugt. Von der frisch geteerten Passstrasse bis zum ausgewaschenen Schotterweg hatten wir alles unter den Rädern und immer fiel die Tracer durch satte Strassenlage positiv auf. Tadelloses Handling und sauberes Einlenkverhalten machten das Kurvenzirkeln zum Spaß, lediglich das etwas hohe Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage wäre negativ zu vermerken. Auf der Autobahn neigte die Maschine auch ab ca. 160 – 170 km/h zum Pendeln. Durch optimalere Gewichtsverteilung des Gepäcks ließ sich das etwas mindern.

Fazit
An der einen oder anderen Stelle klang es schon durch: ich fühlte mich auf der Tracer 900 auf der Tour sehr wohl. Sie ist ein sehr vielseitiges Motorrad, welches für die lange Tour ebenso gut taugt wie für die schnelle Ausfahrt am Wochenende. Es muss also nicht immer Reiseenduro sein, wenn man mehrere Tage unterwegs sein will. Zumal die Tracer auch in Endurogefilden wie dem Colle delle Finestre eine sehr gute Figur gemacht hat. Die Optik mag nicht jedermanns Sache sein, aber der Fahrspaß ist jedem garantiert. Definitiv zwei Daumen hoch!

Technische Daten
84,6 kW (115PS) bei 10.000 /min
87,5 Nm (8,9 mkp) bei 8.500 /min
sequentielles 6-Gang-Getriebe
Gewicht, fahrfertig, vollgetankt 210 kg
Tankinhalt 18 L
Kaufpreis: ab 10.295,00 €

Mehr Angaben auf der Yamaha-Website

Vielen Dank an die Yamaha Motor Deutschland GmbH für die Teststellung der Tracer 900.