Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Herbsttour durch die Schorfheide, Uckermark und den Müritz Nationalpark

Ein paar Wochen haben wir noch, bevor es Winter wird. Ich sag es ja ungern, aber einer muss es ja tun. Nach der Tour durch den Bayrischen Wald hatte ich das Motorrad nicht mehr bewegt, am Sonntag war trockene Witterung und Sonne vorhergesagt, die perfekte Gelegenheit also für eine Herbstausfahrt. Als Ziel hatte ich mir den Müritz Nationalpark gesetzt, zu lange war ich nicht mehr dort gewesen. Der Weg dahin sollte mich zunächst um den Werbellinsee und durch die Schorheide Chorin als auch die Uckermark führen. Die Route, dich ich mir zurecht gelegt hatte, verband eines meiner bisherigen Lieblingsstrecken, kombiniert mit ein paar neuen Abschnitten, die ich noch nicht gefahren war. Insgesamt standen fast 400km an, also galt es, das Tageslicht bestmöglich auszunutzen. So klingelte der Wecker um 7:00 Uhr und kaum eine Stunde später rollte ich vom Hof.

Indian Summer am Werbellinsee

Die Sonne lugte langsam über die noch nebelbedeckten Felder und kaum hatte ich die Stadtgrenze hinter mir, fiel auch das Thermometer. Zwischenzeitlich hatte ich auf dem kleinen Autobahnstück bis zur Abfahrt Finowfurt 1,5° auf der Anzeige. Gut, dass ich mich eingepackt hatte wie ein Michelin-Männchen.

Die Runde um den Werbellinsee war traumhaft, das bunte Herbstlaub wurde von der Morgensonne schön in Szene gesetzt. Am Tauchplatz Dornbusch hielt ich an, um ein paar Drohnenaufnahmen zu machen. Das Surren meiner Drohne sollte aber nicht das einzige Geräusch sein, welches die morgendliche Stille durchdrang. Im See vor mir blubberte es an verschiedenen Stellen immer wieder und ich konnte es erstmal gar nicht zuordnen. Bis ich merkte, dass am Parkplatz gegenüber bereits ein Auto stand, es war also bereits ein Taucher im Wasser.

Grumsiner Forst und Dovinsee

Ich liess den See hinter mir und am Ende von Joachimsthal auf die L239 ab, die mich um den Grimnitzsee nach Nordosten durch den Grumsiner Forst führte. Der nächste Fotostop liess nicht lange auf sich warten, zu schön lag der Dovinsee in der Morgensonne.

In Glambeck stand ich vor diesem lustigen Turm inmitten des ehemaligen Gutshofes. Stellt sich heraus, dass das das Wahrzeichen von Glambeck ist, ein ehemaliger Taubenturm. Die Ausstellung im kleinen Museum erzählt von Friedrich Wilhelm Graf von Redern, der im Jahr 1862 das Gut Glambeck erwarb. 

Nach der Überquerung der A11 kam ich hinter Görlsdorf auf eine sehr schöne Schotterstrecke, die mich zur B198 hinter Angermünde führte. Solche Passagen freuen mich immer sehr, zum einen mag ich die Abwechslung, zum anderen bestätigt mich das immer wieder in der Wahl meines Motorrades. Egal, wo ich mit der F800 GS unterwegs bin, ich habe immer das richtige Motorrad dabei.

Norduckermärkische Seenlandschaft

Nach erneuter Querung der A11 eröffnete sich vor mir langsam und fliessend die Uckermark, ich liebe diesen Landstrich. Auch hier hatte ich mir eine neue Teilstrecke ausgesucht. Bin ich früher immer direkt über Gerswalde Richtung Boitzenburg gefahren, hatte ich dieses mal einen kleinen Schlenker am Oberuckersee vorbei eingebaut. In Suckow bog ich direkt nach dem 90° Knick der L24 in eine kleine Strasse Richtung Fergitz ab. Nach ein paar Kilometern erreichte ich den Aussichtspunkt Potzlower Seenblick. Und vor mir eröffnete sich ein wunderschönes Panorama über den Krummen See, Potzlower See und den Oberuckersee.

Pinnow, Sternhagen, Schmachtenhagen, Nordwestuckermark lauteten die Ortsnamen auf meinem weiteren Weg bis Boitzenburg. Nach einem kurzen Blick auf das Schloss ging es weiter auf einen meiner Lieblings-Streckenabschnitte in der Uckermark, von Boitzenburg über Conow nach Feldberg. Schöne Kurven, null Verkehr, sonniges Wetter machten derbe gute Laune. In Feldberg machte ich noch einen kleinen Abstecher rund um den Schmalen Luzin bis Carwitz und Hullerbusch, um beim dortigen Hofladen der Schäferei Filzeinlagen zu kaufen, der Winter kommt ja bekanntlicherweise bald. Man kann dort aber auch gut Kaffee trinken und selbstgebackenen Kuchen geniessen.

Müritz Nationalpark

Hinter Feldberg kam ich langsam ins Gebiet des Müritz Nationalparks, Richtung Carpin ging es zunächst auf einer langen Kopfsteinpflaster durch den Wald nach Goldenbaum. Neustrelitz durchfuhr ich zielstrebig um dann über Lindenberg, Userin und Useriner Mühle ein weiteres Highlight der Tour unter die Räder zu nehmen. Die Landstrasse ist relativ schmal, lädt aber mit vielen, tollen Kurven ein zum beschwingten cruisen. Vor Roggentin fahre ich von der Landstrasse ab und rein in den Müritz Nationalpark. Der Bogen über Blankenförde, Babke, Zietlitz und Schillersdorf bietet einem auch schöne Abschnitte über legal zu befahrende Forstwege und Sandpisten.

Zwischen dem Großen Labussee und dem Woblitzsee schloss ich die Routenschlaufe und kam wieder nach Neustrelitz. Nach einem kleinen Tankstopp orientierte ich mich Richtung Südosten zurück zum Werbellinsee grob über Lychen und Zehdenick.

Vom Stolpsee zum Großdöllner See

Auch hier zeigte: es lohnt sich bei der Routenplanung abseits der großen Landstrassen auch mal ins Gemüse links und rechts in die Karte reinzu-zoomen. Es findet sich hier auf der Ecke fast immer eine spannende Alternativroute. So auch hier. Am Grossen Kastavensee vorbei verliess ich Mecklenburg-Vorpommern wieder und war zurück in Brandenburg. Durch die Wälder bei Neu- und Altthymen, Retzow und Sähle finden sich sicherlich noch andere, spannende Routen.

Kurz die L15 gekreuzt ging es nun weiter südlich über Himmelpfort, am Gut Boltenhof und der Mühle Tornow vorbei. Bei beiden könnte man gut Pause machen und speisen, aber heute blieb es beim kurzen Blick im Vorbeifahren.

Für das Schlussstück hatte ich mir eine Route durch den Wald südlich des Großdöllner Sees ausgekuckt. Ausser dem einen oder anderen versprengten Wanderer traf ich in der Einsamkeit des Waldes niemanden. Umso überraschter war ich, als plötzlich zwei Forsthäuser sowie große Tortürme links und rechts des Weges auftauchten. Wenige Meter weiter klärte eine Hinweistafel darüber auf, dass früher hier der Landsitz Hermann Görings stand mit dem Namen Carinhall. Von der eigentlichen Anlage ist nichts mehr erhalten.

Den Werbellinsee umfuhr ich abschliessend auf der Ostseite bis Altenhof, bevor ich dann wieder für den Heimweg die Autobahn nahm.

Auch wenn es ein langer und teilweise kalter Tag war, es war eine perfekte und abwechslungsreiche Tour und ich habe wieder tolle Strecken entdeckt, die ich nächstes Jahr sicherlich wieder ansteuern werde.

Übersichtskarte der Tour

Bereits in 2012 und 2013 machte ich meine ersten Touren auf der Ecke mit unterschiedlichen Routen, könnt ihr hier und hier gerne nachlesen.

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TWNSPRK #17 – Ola Stenegard

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  1. Max

    An dem Taubenturm stand ich auch schon einige Male. Am Wolletzsee entlang, am Wolletzsee entlang geht ein Kollonenweg, der auch schön zu fahren ist.

  2. LutzK

    Tolle Tour!
    Das schöne Wetter Ende Oktober werde ich auch nochmal ordentlich nutzen und den Twin auf Rädern ausgiebig bewegen.
    btw.: Wo hat die Desierto F ihre Scheibe gelassen?

    • Mach das, kann ich nur empfehlen. Das Windschild der Desierto Verkleidung hatte ich probehalber abmontiert, macht mir so weniger Verwirbelungen am Helm.

      • LutzK

        Ah, deshalb. Für größere Leute scheint der Windschutz hinter der Scheibe weniger gut zu funktionieren bzw. es lässt sich keine optimale Einstellung finden. In verschiedenen Foren liest man davon.
        Ich habe mehrere (Hochgeschwindigkeits-) Ausfahrten gebraucht, bis ich die richtige Einstellung gefunden habe. Jetzt passt es ganz gut.

        • So ging es mir auch mit meinen 1.82 m Größe. Ein Freund von mir fährt auch ohne Windscheibe genau aus dem Grund und ich habe es mir von ihm abgeschaut. Der Winddruck ist zwar höher, aber gleichmässiger. Mit Windschild wurde immer nur die obere Hälte des Helms angeströmt, das fand ich sehr lästig.

  3. LutzK

    Vielleicht schafft hier ein zusätzlicher Spoiler auf der Scheibe für Abhilfe? Klar, sooo schnittig sieht die Moppedfront dann nicht mehr aus, aber wenn’s was bringt…

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