Die erste Aufgabe bei einer in München startenden Motorradtour ist es, erstmal aus der Stadt rauszukommen. Nach unserem Treffpunkt am Siegestor und einem kleinen Tourstart-Foto ging es für uns daher erstmal auf die Autobahn A96 für eine halbe Stunde bis wir in Weyarn abfahren. Von hier aus schwingen wir uns erstmal über kleine Landsträsschen vorbei an Kuhweiden in Richtung Tegernsee und gewöhnen uns erstmal an unsere R NineT’s.

Nico pilotiert die klassische R nineT, Stephan sitzt auf der Pure und ich darf eine Scrambler für die nächsten sieben Tage meinen fahrbaren Untersatz nennen.
Von St. Quirin bis Rottach-Egern zuckeln wir am Tegernsee entlang und geniessen den Ausblick. Über die Dörfer führt uns die Route über den unspektakulär zu fahrenden Achenpass. Ein paar Kilometer folgt die Strasse hier fast exakt dem Grenzverlauf zwischen Deutschland und Österreich. Doch wir bleiben erstmal noch auf der deutschen Seite und an der Walchenklamm vorbei erreichen wir den Sylvenstein-Stausee, den wir auf der Faller-Klamm-Brücke überqueren. Ich war schon des öfteren hier, aber der tiefblaue See in den Bergen beeindruckt mich immer wieder. Hier kam dann auch zum ersten Mal die Drohne zum Einsatz.

Anschliessend folgen wir der Isar flussaufwärts, hier könnte man auch an jeer zweiten Kurve anhalten, um das Panorama zu geniessen. Ab Vorderriß ist die Strasse mautpflichtig, die 5€ pro Motorrad sind aber sehr gut investiertes Geld.

Bei der Kaffeepause in Mittenwald ertönte aus der Ferne Blasmusik und wir dachten schon, die machen das unseretwegen. Stellte sich aber heraus, dass die Kapelle eine Hochzeitsgesellschaft mit Kutsche und 100-köpfigem Gefolge begleitete. Eine ganz normale bayrische Hochzeit halt.

Über das schöne Leutaschtal und Seefeld erreichen wir Innsbruck, welches wir allerdings westlich umfahren um die alte Brennerstrasse unter die Räder zu nehmen bis Sterzing.

So war es auf jeden Fall der Plan. Die österreichische Mautpolitik machte uns da einen Strich durch die Rechnung. Auf der Landstrasse war ein Mörderstau, auf dem wir uns vorbeischmuggelten bis zur Polizeikontrolle, die alle auswärtigen Fahrzeuge zurück auf die Autobahn nötigte. Einen kurzen, freundlichen Plausch später durften wir dennoch weiterfahren und quälten uns einen komplett verstopften Brenner hoch. Nach ein paar Kilometern freier Fahrt staute es sich dann wieder nach Sterzing hinunter.

Zumindest fanden wir einen Umweg um Sterzing herum, der uns weiteren Stau ersparte und uns zum Penser Joch führte. Bei der Routenplanung hatte ich hin und her überlegt ob wir eher das Penser Joch oder lieber den Jaufenpass Richtung Bozen nehmen sollten. Luxusprobleme, ich weiss. Letztendlich ist es das Perser Joch geworden, den Jaufenpass muss ich mir dann bei anderer Gelegenheit mal zu Gemüte führen.

Auf jeden Fall war es so eine Wohltat, nach dem ganzen Gestaue eine freie Passtrasse vor sich zu haben und noch eine so schöne. Sehr schön und flüssig zu fahren, kleinere Spitzkehren wechselten sich mit längeren, geschwungenen Passagen ab. Oben zur Passhöhe hin über der Baumgrenze konnte man die Ausblicke in die umliegende Bergwelt geniessen. Die späte Nachmittagssonne warf schon längere Schatten und machte den Anblick umso malerischer.

Die Abfahrt von der Passhöhe nach Bozen war auch gleichbedeutend mit der Ankunft in einer anderen Klimazone. Waren es auf dem Berg noch frische 18 Grad waren es in der Bozener Altstadt bei unserer Ankunft immer noch hochsommerliche 32 Grad. Und das alles in unter einer Stunde. Verrückt.

Nach über 350 Tageskilometern erreichten wir glücklich und müde unsere Unterkunft in der Bozener Altstadt. Einen Rundgang durch die Fußgängerzone, eine Brettljause im Hopfen & Co. sowie einem Gelato zum Abschluss später fielen wir zufrieden in unsere Betten.

Unsere Route findet ihr unter https://kurv.gr/vsyrz zur Ansicht sowie unter https://kurv.gr/F6erF zum Download.

Gesamtübersicht der Tour