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Honda Pressetag 2018 Teil 1: Honda Goldwing und Africa Twin Adventure Sports

Bereits zum zweiten Mal hatte ich das Vergnügen, beim Honda Motorrad Pressetag dabei sein zu dürfen. Dieses Jahr fand das Event nicht im beschaulichen Weibersbrunn statt sondern an der Honda Akademie in Erlensee.

Dort konnten wir uns nach Herzenlust durch fast die ganze Palette der 2018er Honda Neuheiten testen, lediglich die Cub und die neue Monkey konnten noch nicht erfahren werden.

Im Laufe des Tages konnte ich die folgenden Motorräder bewegen:

  • Honda GL1800 Gold Wing
  • HondaAfrica Twin und Africa Twin Adventure Sports
  • Honda CB1000+
  • Honda CB1000 R
  • Honda CB125 R
  • Honda CB300 R

Im ersten Teil möchte ich Euch gerne die Gold Wing und die Africa Twin Adventure Sports vorstellen.

Honda GL 1800 Gold Wing

Auf die Gold Wing habe ich mich im Vorfeld wirklich gefreut, was einige Leute etwas überraschte. Auch die Kommentare beim ersten Instagram-Posting waren eher so „Warum machst Du das?“.

Gold Wing Ahnenreihe in der Honda Akademie

Gold Wing Ahnenreihe in der Honda Akademie

Wer mich etwas kennt, weiß, daß ich eher der Freund von leichteren, agilen Motorrädern bin. Die Gold Wing ist in ihrem Konzept dem eher diametral entgegengesetzt. Und genau deshalb wollte ich sie mal erfahren. Um herauszufinden, welche Basis die weltweit riesige Fangemeinde der Gold Wing hat. Meinen Kindern sage ich ja auch immer, daß man erst alles mal ausprobieren muss, bevor man sich ein Urteil drüber bildet.

So rollte ich als erster noch vor offiziellem Beginn des Pressetages mit der mattgrauen „Basisvariante“ der GW vom Hof und machte mich zaghaft mit all den Knöpfen und Schalterchen vertraut. Den Rückwärtsgang brauchte ich früher als gedacht. Gedankenlos hatte ich an der Tankstelle vorwärts eingeparkt an einer leicht abschüssigen Stelle. Vielleicht hätte ich sie mit Gewalt da rausschieben können, es war dann aber deutlich bequemer, die 365 kg motorisiert rückwärts zu bewegen. Wer hat, der hat.

Nach dem ersten Einrollen fühlte ich dann bei freier Landstraße dem 1800cc Sechszylinder auf den Zahn. Mit einer  max. Leistung von 93 kW (126PS) bei 5500/min sowie der Kraft eines max. Drehmoment von 170 Nm bei 4500/min schob es mich derart vehement nach vorne, daß mir fast die Perücke verrutscht wäre. Analogien zu großen, aufgebrachten Säugetieren taten dem, was ich da erlebte, keine Gerechtigkeit. Diverse beeindruckende Beschleunigungsvorgänge später fiel mit der richtige Vergleich ein. Seid ihr schon mal auf einer großen Motoryacht mitgefahren und konntet erleben, was passiert, wenn man den „Hebel auf den Tisch legt“? Genau das passiert bei der Gold Wing. Akustisches Aufbrausen des Aggregats untermalt den massiven Aufbau von Bewegungsenergie und vehementer Vorwärtsdrang setzt ein.

Wenn man sich mal an die Dimensionen dieses Motorrades gewöhnt hat und auch Vertrauen gefasst in die Ankerfähigkeit der Bremsen und die Schräglagenstabilität in Kreisverkehren stellt sich ein schönes Gefühl von Souveränität und Gelassenheit ein. Man genießt den Komfort und die Potenz der Maschine, während die Landschaft an einem vorbei gleitet, während man der Doppel-Querlenker-Aufhängung vorne bei der Arbeit zuschauen kann. Man gewinnt nach und nach die Übersicht über die Schalter und Knöpfe, verstellt die Scheibe elektrisch in der Höhe und dreht bei höheren Geschwindigkeiten das Radio etwas lauter und ruht dabei in sich selbst auf sehr komfortablen Gestühl.

Unterwegs traf ich einen der anderen Motorradjournalisten und er stellte mir die Frage, ob ich die Maschine mit nach Hause nehmen würde. Meine Antwort? „Wenn ich mir aus den zur Verfügung stehenden Modellen eines aussuchen müsste, um heute Abend von Hanau nach Berlin zurückzufahren, dann wäre es die Gold Wing!“

Als ich am Nachmittag noch etwas Zeit hatte, griff ich mir die GL1800 Gold Wing in der höherwertigen „Tour“-Ausstattung in der schönen Farbe „Pearl Glare White“ und drehte mit ihr noch ein paar Runden auf dem Fahrdynamikbereich der Honda Akademie. Runde für Runde zog ich den Kurvenradius enger und genoß es, wie kontrolliert man dieses Riesenschiff auf die Fußrasten stellen konnte.

Und hier erschloß sich mir auch die Faszination des schweren Luxustourers. Kontrollierbare Souveränität und Komfort. Meine Art Motorrad zu fahren ist das immer noch nicht. Aber lass uns in 25 Jahren nochmal drüber reden!

Mehr Informationen zur Honda Gold Wing findet ihr auf der Honda-Website.

Honda Africa Twin Adventure Sports

Nach all dem Komfort war es Zeit für etwas gröberes. Dieses Jahr jährt sich die Markteinführung der Honda Africa Twin zum 30. Mal, die Geschichte dieses Kultmotorrades konnte man schön anhand der Ahnengalerie nachvollziehen, die im Foyer der Honda Akademie stand.

Africa Twin Ahnenreihe in der Honda Akademie

Africa Twin Ahnenreihe in der Honda Akademie

Der Erfolg der aktuellen Africa Twin ist wirklich beeindruckend, sie hat sich einen festen Platz in den Toplisten der Zulassungstatistiken gesichert. Gerade ihre Vielseitigkeit auf und neben der Strasse macht sie zum perfekten Werkzeug für den Reiseenduristen, der gerne auch mal die kleinsten Linien auf der Strassenkarte nachfährt. Für die anspruchsvolleren Fahrer, der zum Brötchenholen vielleicht eher die Atacama-Wüste durchquert, dem bietet Honda nun die Africa Twin Adventure Sports an. Ein größerer Tank, längere Federwege und eine robustere Ausstattung mit großem Motorschutz und Sturzbügeln bieten die besten Voraussetzungen für die ganz große Tour.

Der Höhenunterschied zur regulären Africa Twin ist schon beträchtlich, die neue Adventure Sports will erstmal erklommen werden. Bei 1,82 m Körpergröße komme ich mit den Fußspitzen auf beiden Seiten auf den Boden, die Motorradstiefel flach aufstellen fällt aber aus. Die Sitzhöhe liegt 30 mm höher als bei der Standard CRF1000L und lässt sich über einen Bereich von 20 mm auf eine Höhe von 900 oder 920 mm einstellen. Kleinere Menschen sollten also dringend schon mal den Gaston Rahier-Start üben, wenn sie sich die große AT holen wollen.

Doch jetzt los: beim drücken des Anlassers überrascht mich ein sonores, bassiges Ballern aus dem neuen Auspuff. Das, was der neue Auspuff an Volumen im Vergleich zum Vorgänger weniger hat gewann er an Klang hinzu. Für einen Serienauspuff richtig gut.

Von der Ergonomie her passt mir die AT sehr gut. Der größere Kraftstofftank baut optisch deutlich breiter, stört aber die Sitzposition nicht. Das Koffersystem bietet viel Platz für die große Tour, eine zusätzliche Gepäckbrücke sorgt für großzügige Verzurrmöglichkeiten für das große Gepäck.

Die 45-mm-Upside-Down-Vorderradgabel von Showa mit Cartridge-Dämpfung bietet einen langen Federweg von 252 mm – 22 mm länger gegenüber der Standard Africa Twin – und ist mit Zug- und Druckstufendämpfung voll einstellbar.

Eine Verbesserung stellt auf jeden Fall das neue Display dar, auch wenn man die Vielzahl der dargestellten Infos erstmal zuordnen muss. Neben den voreingestellten Modi Tour, Urban und Gravel gibt der vierte Modus User dem Fahrer die Möglichkeit, die Motorleistung (P), Motorbremse (EB) und Traktionskontrolle (T) separat zu regeln.

Zusätzlich ist das ABS per separater Taste abschaltbar. Ebenso gibt es eine G-Taste, die in jedem Fahrmodus verwendet werden kann „um die Kupplungssteuerung einzustellen und somit einen direkteren Antrieb durch das optionale Doppelkupplungsgetriebe zu ermöglichen“. Was das genau macht, habe ich aber weder verstanden noch ausprobiert! 😉

Auf der Strasse bietet das Aggregat guten Vortrieb, allerdings habe den letzten Punch etwas vermisst. Die Africa Twin ist mit ihren 95PS sicherlich nicht untermotorisiert, aber auch 245kg lassen sich nicht wegdiskutieren.

Daß das auf der großen Reise oder im groben Geläuf nebensächlich ist, ist mir auch klar. Da braucht man nicht den letzten Kick sondern Fahrbarkeit, Zuverlässigkeit und Beherrschbarkeit. Und so ließ sich die AT auch erstaunlich gut über einen ausgewaschenen Schotterweg manövrieren und sich sehr präzise durch schmale Waldwege zirkeln.

Hier habe ich auch meinen Frieden mit dem DCT-Getriebe gemacht. Im letzten Jahr fand ich es noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber als ich im Stehen durchs Gelände fuhr, fand ich es extrem hilfreich, nicht kuppeln zu müssen und den linken Fuß einfach auf der Fußraste zu belassen und das Fahrzeug auszubalancieren. Gerade für so einen mäßig talentierten Offroadfahrer wie mich ist das sehr angenehm.

Die Africa Twin Adventure Sports ist wie ein Schweizer Taschenmesser für die große Motorradreise, gerne auch abseits asphaltierter Strassen. Kann alles, macht alles mit und hat keine unangenehmen Überraschungen auf Lager.

Am späten Nachmittag nahm ich mir dann die normale Africa Twin mit auf einen kleinen Ausritt, auch um den direkten Vergleich zur Adventure Sports zu haben. Für mich persönlich wäre die Basisversion die erste Wahl. Gut, jetzt plane ich auch keine Weltumrundung und fahre meistens auf der Straße statt daneben in Gegenden mit ausreichender Tankstellenversorgung.

Grundsätzlich freut mich aber der Markterfolg der Africa Twin insgesamt, weil es ein die optisch gelungenste Reiseenduro ist, die ihr gutes Aussehen aber auch mit sehr guten Fähigkeiten komplettieren kann. Der Motorradmarkt braucht mehr dieser Kombinationen.

Mehr Informationen zur Honda Africa Twin Adventure Sports findet ihr auf der Honda Website.

Lest auch drüben bei Mike Frison ihm seinem Blog seinen Bericht zu den Honda Neuheiten. Inklusive konspirativer Stickertauschbilder auf dem Parkplatz.

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  1. Die Goldwing in den aktuellen Baujahren ist wirklich sehr chic geworden. Die Frontpartie erinnert mich doch stark an die aktuelle Fireblade, die mir auch gut gefällt. Beim Bild oben von frontal vorne möchte man nicht glauben, was hinter dem an sich schlanken Gesicht noch für ein dickes Schiff kommt. Sie hätten zumindest bei der weißen Maschine versuchen können ein kleineres Nummernschild für die schönere Rückansicht zu kriegen, sieht wegen der langen Kombination nicht besonders schön aus von hinten.
    Ob ich mit den vielen Knöpfen zurecht käme weiß ich nicht, sieht aufn ersten Blick mindestens genauso schlimm aus wie in jedem Auto von BMW. Da muss ich schon hinschauen, damit ich die richtigen erwische wenn ich nicht jeden Tag drin sitze. Ansonsten fühle ich mich ermutigt bei der nächsten größeren Reparatur unserer kleinen NC750X mal sachte anzufragen, ob man als Leihmoped nicht eine aktuelle Goldwing bekommen könnte 🙂

  2. Mach das auf jeden Fall. Das ist ne tolle Erfahrung, gerade wenn man so ein Typ Motorrad nicht gewohnt ist oder kennt!

    • Ich hoffe man merkt vom Gewicht des Motorrads im Stand weniger als ich befürchte. Hab nicht zwingend die kräftigste Statur und bei dem schweren Moped schon etwas Bedenken, dass sie mir auf den Boden geht, wenn ich sie im Stand mal nur etwas aus dem Gleichgewicht kommen lasse.
      Die 365kg sind im Vergleich zu den federleichten 220 der Honda NC750X halt schon mächtig. Und wenn ich eins nicht möchte, dann ein Moped bei der Probefahrt schon auf den Boden segeln lassen 😀

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