Benzingespräche: Arthur Paul Heisler

Für mein zweites Benzingespräch habe ich mir weder eine Customschmiede noch einen Privatschrauber ausgesucht, sondern jemanden, der noch nicht mal einen Motorradführerschein hat. Dafür kann dieser jemand Motorräder und die Emotionen, die sie bei ihren Fahrern auslösen ziemlich gut in Bewegtbild festhalten: Arthur Paul Heisler.

Arthur Heisler beim Wheels & Waves; Foto: Jo Fischer
Arthur Heisler beim Wheels & Waves Foto: Jo Fischer

Im Vorfeld zu unserem Treffen heute habe ich mich natürlich versucht, mich etwas schlau zu machen über Dich. Wenn ich aber nach Dir google, finde ich aktuell nur Ergebnisse rund um Deinen Wheels & Waves-Film aber kaum was zu Deiner Person. Also, wo kommst Du her, wie tickst Du und wie kamst Du zum Film?

Ich wollte schon immer zum Film. Als Kind war Film für mich das größste, das wollte ich schon immer machen. Nach dem Abitur wollte ich mich dann an diversen Unis bewerben und die Voraussetzung dafür war, daß man ein halbjähriges Praktikum bei einer Filmproduktion gemacht hat. Ich hatte dann das Glück, daß ich bei Markenfilm in Hamburg ein Praktikum bekommen habe, habe da angefangen und bin dann vier Jahre hängengeblieben. Habe da als Aufnahmeleiter und Regieassistent gearbeitet, so ging das dann los. Und letzten Endes habe ich garnicht studiert, es ging eher „learning by doing“! Danach habe ich begonnen als Freiberufler zu arbeiten, zuerst im Schnitt und jetzt seit zwei Jahren mache ich auch Regie. Hauptsächlich für Internetfilme, so langsam wird es aber auch mehr Imagefilm und Werbung.

Ein Musikvideo hattest Du auch gemacht…

Ja, Musikvideo ist ganz schön, um sich etwas auszutoben, aber es gibt es kein Geld. Musiker sind ja Künstler und mit Künstlern ist es manchmal schwierig zu arbeiten. Das eine Musikvideo, was ich gemacht habe, war eher was für mich.

Musik spielt immer eine große Rolle, auch beim Film. Es ist wichtig, etwas zu haben was auch die Geschichte trägt, die Emotionen unterstreicht und rausarbeitet. Aber Musikvideo speziell ist nicht mein Ziel.

Den ersten Film, den ich von Dir gesehen habe, war KØNIGREICH KLITMØLLER – HEMI RIDE. War das Dein erster Film im Motorradkontext? Wie kams dazu?

Helge hatte ja die Geschichte, die wir in dem Film erzählen. Ich kannte diese Geschichte, ich hatte die mit meinem damaligen Partner Tobias Faust zusammen verfilmt, Tobi hat ihn produziert, ich habe Regie gemacht. Wir wussten von Ralf Becker von Chromjuwelen, daß es diese Geschichte gibt, wir wußten nur nicht, wie Helge dazu steht.

Also wollte er die Fahrt machen, aber ob daraus ein Film werden sollte war unklar?

Ja, genau. Aber irgendwann war dann klar, daß wir an diesem einen Wochenende mit diesen Leuten losfahren. Schaun wir mal, was dabei rauskommt. Also habe ich mir kurz Gedanken dazu gemacht wie man das erzählt. Wir waren uns mit Helge einig, daß die Geschichte erst am Ende aufgelöst wird. Es sollte nicht von Anfang an klar sein, daß es um diese Katze geht. Es geht erstmal um fünf Jungs, die eine Fahrt machen wollen, warum auch immer. Für ein Motorrad ist die Strecke Hamburg-Dänemark ja auch nicht spannend. Flachland, nur geradeaus, eigentlich totaler Schwachsinn. Es musste also einen höheren Grund geben für diese Fahrt, aber das wollten wir erst am Schluss auflösen!

Ich habe mich das den ganzen Film lang auch gefragt, wo die Geschichte hinwill. Ein paar Jungs haben geile Moppeds gebaut, werden ein bischen portraitiert, gurken irgendwo durch die Gegend, aber warum fahren die bloß in dieses Kaff nach Dänemark? Beim Titel Hemi dachte ich erstmal an den Motor, bis dann irgendwann im Film die Erklärung mit der Katze kam. Wie jetzt, ne Katze? Man sieht ja nur die kurze Szene am Anfang des Films, als Helge die Urne in die Jacke steckt. Na gut, es hätte ja auch was zum rauchen sein können.

Genau das war der einzige Hinweis. Das und das Logo zum Film, was Max entworfen hat. Wenn man da genau hinschaut, sieht man die Katze, die über die Buchstaben springt. Das waren die zwei einzigen Hinweise.

Wie zufrieden warst Du mit dem Film?

Ich war sehr zufrieden. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Der Film war mein Einstieg in die Motorradszene, mit den Jungs waren das drei tolle Tage, die einem viel länger vorkamen. Die Gespräche mit den Jungs, auch die Landschaft war toll und das alles kommt auch in dem Film rüber. Deshalb bin ich wirklich sehr glücklich! Wir haben die Premiere in Hamburg in einem Kino gefeiert, Helge hatte das alles super organisert. Das war einfach ein ganz tolles Erlebnis, den Streifen über die Leinwand flimmern zu sehen. Eines meiner schönsten Erlebnisse bis jetzt.

Wie groß war denn der Produktionsaufwand, Begleitfahrzeug, Kameras, etc.?

Eine Kamera, wir waren mit einen Van unterwegs. Eine Sache wurde uns online oft vorgeworfen: „Diese Möchtegernrocker, die haben ja gar kein Gepäck dabei. da war bestimmt ein Begleitfahrzeug dabei.“ Natürlich war es das. Wir haben meistens aus dem Van herausgefilmt oder in Pausen mit der Handkamera. Beim Film ist es immer wichtig, daß das Begleitfahrzeug zwei Schiebetüren hat, daß man zu beiden Seiten rausfilmen kann. Van ist auch besser als Cabrio oder Pickup, weil man in der Höhe besser variieren kann und mehrere Blickwinkel hat. Für den Zuschauer ist es einfach schöner, wenn da mehrere Einstellungen sind, das sieht besser aus.

Der nächste Film entstand dann, als ihr – Jo Fischer, Max Funk und Du – zum Wheels & Waves gefahren seid. War das eher eine spontane Idee oder habt ihr das länger geplant?

Ich habe Max ja bei KØNIGREICH KLITMØLLER kennengelernt und daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Er hat die ganze Zeit vom Wheels & Waves geschwärmt, da müssen wir hin, da müssen wir hin!

Es war dieses Jahr ja erst die zweite Ausgabe, das gibt es ja noch nicht so lang.

Genau, ich habe mir die Eindrücke vom ersten W&W auch im Netz angeschaut, coole Bikes, colle Leute, wunderschöne Gegend. Irgendwann haben wir uns dann zusammen entschlossen, da hin zu fahren. Wir haben uns da relativ rüh auch festgelegt, alles gebucht, die Bikes waren fertig, also haben wir alles aufgeladen und sind losgefahren.

Kam Dir die Idee zu Deinem Kurzfilm „What drives you?“ im Vorfeld oder ist das vor Ort spontan entstanden?

Ich habe mir vorher schon ein paar Gedanken gemacht. Ich war bereits auf mehreren Treffen und habe Filme von solchen Treffen gesehen. Die meisten Dinger war aber langweilig. Ich wollte irgendwas simples machen, was wenig aufwendig ist aber dennoch Emotionen transportiert.

Hat ja auch funktioniert!

Ja, finde ich auch!

Was fährst Du selber?

Im Moment garnix, da mit mein Auto geklaut worden ist. Was würde ich gerne fahren? Ich glaube, die Liste ist viel zu lang! Es ist unmöglich, nur ein Fahrzeug zu nennen. Ich bin eher ein Autotyp, in das Motorradthema arbeite ich mich so langsam rein. Aber Autos? Ok, eines meiner Lieblingsautos ist ein Mitsubishi Lancer Evo IX. Um die Leser mal bischen zu schocken.

Von der Optik her schwierig, von der Fahrdynamik her kann ich dich absolut verstehen!

Und am liebsten in gelb mit einem großen Spoiler.

Also, wenn ich wirklich reich wäre, würde der größte Teil des Geldes für Autos draufgehen. Eines meiner großen Träume – wobei mir einmal fahren schon reichen würde – wäre der Bentley Brooklands. Die werden jetzt nicht mehr produziert, kosteten ne halbe Million Euro, aber für mich eines der schönsten Coupés die es überhaupt gibt. Ich bin auch nicht marken- oder epochenfixiert, ich kann mich sehr gut für neue Autos begeistern wie für alte. Wenn ich mich dennoch auf eine Eposche einschränken müßte, dann wären es die 70er und 80er Jahre. Das waren die Autos, durch die ich in meiner Jugend geprägt wurde. Wobei mich Europäer mehr interessieren als Amis. Die amerikanischen Wagen hat man ja mehr über Filme mitbekommen, da wären es aber eher die Baujahre Ende der sechziger Jahre. In meiner fiktiven Autosammlung wäre sicherlich auch Platz für den einen oder anderen Ami. Ein Chevy Nova zum Beispiel, geiles Auto. Das war auch eines der wenigen Autos, die es mit Schaltgetriebe gab, war von Chevy eher als „drivers car“ ausgelegt.

Schöne Europäer sind zum Beispiel auch der BMW E21. Oder das C-Kadett Coupé. Da gibts echt eine Menge Autos, die viele Leute als Proletenkarren abwinken. Das ist mir aber egal, ich finde solche Autos cool.

Als abschliessende Frage würde ich Dir gerne die Frage Deines letzten Filmes stellen: „What drives you“ – was bewegt Dich?

Diese Frage wurde im Film von den Leute auch schon beantwortet. So pathetisch das jetzt klingt: ich habe Bock auf das Leben. Ich finde jeden Tag geil! Es mag sich furchtbar anhören, aber es ist einfach so. Leute zu treffen, zu quatschen, untwerwegs zu sein, das sind für mich die Dinge. Deshlab bin ich auch so zufrieden mit dem Film! Ich kann jede Antwort unterschreiben. Vielleicht ist das auch der Grund für den Erfolg des Filmes: daß sich jeder darin wiederfindet!

Arthur, vielen Dank für das Gespräch!

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Ein Gedanke zu “Benzingespräche: Arthur Paul Heisler

  1. Pingback: Benzingespräch: Ralf Becker, Chromjuwelen | kettenritzel.cc

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