Seit letztem September nenne ich die Yamaha MT-07 mein Eigen. Und auch wenn zwischendrin Winter war und ich nicht so viel zum Fahren kam, sind zumindest 2.500 Kilometer mehr auf der Uhr. Zeit für ein kleines Resumée.

Wie ihr im Video seht, habe ich nach wie vor Spaß wie ein kleiner Junge mit der Yamaha. Die Handlichkeit (1.400 Millimetern Radstand) und der Druck von unten raus machen (ab 4.000 Umdrehungen liegen fast durchgehend 60 Nm Drehmoment an) die MT-07 zum Landstraßenräuber allererster Güte. Die Drehfreudigkeit bis in den fünfstelligen Bereich lässt auch die bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn den Spaß nicht vermissen. Das Sechsganggetriebe schaltet kurz und knackig, lediglich bei schnellem Runterschalten hakt es gelegentlich und manchmal ist die Suche nach dem Leerlauf etwas fummelig.
Lenkerposition passt mir perfekt, die Schalter und Armaturen geben keine Rätsel auf. Vor allem die Schalter finde ich für ein Serienbike erstaunlich gut und klar gestaltet, aber das nur am Rande. Von der Sitzposition her könnte es für mich ein paar Zentimeter höher sein, 805 Millimeter Sitzhöhe sind bei 182 cm Körperlänge etwas wenig. Bei kürzeren Trips fällt das nicht so ins Gewicht, aber bei längeren Autobahnetappen wir im letzten Herbst nach Hamburg zwickt es ob des etwas engen Kniewinkels doch etwas. Vielleicht bringt hier der geplante Umbau auf die JvB-Sitzbank noch etwas Komfortgewinn.

Bei den Verbräuchen hatte ich je nach Fahrweise eine Bandbreite von knapp unter vier Litern bei entspannter Landstrassenfahrt bis hin zu sechs Litern bei Autobahngeballer – wie bei der Überführung der Maschine aus Niedersachen nach Berlin. Hier habe ich dank freier Bahn längere Zeit Tempi zwischen 180 bis 200 km/h anliegen. Reichweiten über 300 km sind dank des 14 Liter-Tanks auf jeden Fall drin. Beim Tanken braucht es allerdings etwas Geduld, wenn man randvoll füllen möchte. Der letzte Liter ziert sich immer etwas.
Stichwort Autobahn: hier lag die Maschine immer bolzenstabil. Ohne Windschutz wird es aber 160 km/h aber etwas anstrengend. Als ich die Maschine kaufte, war ein Puig Windschild montiert. Sah häßlich aus, verrichtete aber ihre Dienste sehr effektiv. Das Ausreizen der Höchstgeschwindigkeit war mit Windschild kein Thema, ohne eher eine Qual.

Die Bremsen bremsen: vorne Doppelscheiben im hübsch anzuschauenden Wave-Design, hinten Einzelscheibe verrichten beide ihre Arbeit bissfest und kontrollierbar. Das ABS regelt, alles fein.
Mein einziger Kritikpunkt ist die Federung. Sobald sich der Asphalt vom Oberflächenzustand „glatt“ entfernt, fängt es im Gebälk an zu rumpeln. Bodenwellen könnten schneller weggedrückt werden, geht man kurveneingangs hart in die Bremse und kurvenausgangs ebenso forsch ans Gas, könnte die Maschine noch satter und präziser liegen.
Neben den noch anstehenden optischen Modifikationen habe ich beim Jahresservice dieses Jahr die Serienbereifung Michelin Pilot Road 3 (Reifendimensionen übrigens 120/70 ZR 17 vorne und 180/55 ZR 17 hinten) gegen die Avon Trailrider getauscht. Die Michelin haben ihren Job gut gemacht, sie waren mir optisch aber zu fad. Die Avon-Pellen bringen mehr die Trecker-Optik mit, die ich gerne auf dem Moped hätte. Bei der Ausfahrt am Wochenende waren sie soweit eingefahren, dass man damit auch mal härter ans Gas gehen konnte. Und ich war sehr positiv überrascht. Auch wenn bisher bei meist trockener Witterung unterwegs war, der Reifen fährt sich stabil und baut gut Grip auf. Das Abrollgeräusch ist auch nicht lauter als beim Michelin. Die Regenwertung steht noch aus, aber soweit gibt es von mir sehr gute Noten für den Gummi.