Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Immer der Ärger mit den Influencern

Heute vor zwei Wochen erregte dieser Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Walter Wille und Jochen Vorfelder die Gemüter der Motorradszene. An dieser Stelle sei mal nur der Titel zitiert:

Klicks um jeden Preis
Die Szene der Motorrad-Influencer ist außer Rand und Band. Mit asozialem Verhalten wird auf Youtube viel Geld verdient. Und die Industrie beteiligt sich an dem Irrsinn.

Disclaimer: ich kenne Jochen Vorfelder persönlich, lese auch gerne seine Testartikel für SpOn. Aber an dieser Stelle muss ich ihm herzlich widersprechen. Aber bevor ich das tue, habe ich hier einige Reaktionen aus der Netzgemeinde gesammelt.

Stephan Maderner

Meine Anmerkungen zum viel beachteten und heiß diskutierten "Motorrad"-Artikel des Wochenendes: "Klicks um jeden Preis -…

Gepostet von Stephan Maderner am Sonntag, 11. April 2021

Clemens Gleich

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung trollt Motorrad-Youtuber

Gasgeflüster Podcast mit Gast Lucas Lit

Nasty Nils von 1000PS

Reaction Video von Blackout

tl;dr

Wenn ihr Euch die Mühe gemacht habt, jeden der obigen Beiträge zu lesen, werdet ihr einen gemeinsamen Nenner erkannt haben. Sei es Journalist, freier Redakteur, Podcaster, oder eben betroffener YouTuber: alle bekritteln eine sehr einseitige Berichterstattung. Der Podcast von Gasgeflüster mit Lucas Lit bringt es meiner Ansicht nach sehr gut auf den Punkt. Es wird nicht differenziert. Der Bericht ist einseitig geschrieben und lässt die „Gegenseite“ nicht zu Wort kommen. Blackout hat es sehr transparent gemacht. Er wurde nicht mal angefragt oder um Stellungnahme gebeten. Es werden in dem Artikel einseitige Kausalitäten hergestellt und es wird nicht neutral berichtet. Querly mag ein sehr exponiertes und krasses Exemplar der motorradfahrenden Social Media-Spezies mit einer sehr flexiblen STVO-Auslegung sein, aber er steht nicht pars pro toto. Das hätte der Artikel herausstellen müssen, umso mehr, da er nicht im Pinneberger Revolverblatt erschien sondern in der Frankfurter Allgemeinen.

Nasty Nils war in seinem Statement sehr Influencer-wohlwollend. Aber auch er hat einen Punkt. Die alte Generation reibt sich an der jungen Generation und kritisiert ihre Methoden. Letztendlich sorgen sie aber für ein Interesse beim Motorrad-Nachwuchs. Etwas, was auch die Industrie dringend braucht und nicht immer geht sie damit souverän um. Auch ich war bei manchen Hersteller-Presse-Events, wo einige, junge, gutgebaute Damen in enganliegenden Renneinteilern anreisten, zwei Stunden Fotos mit den neuen Modellen machten und wieder abreisten, ohne die Motorräder ernsthaft getestet zu haben. Aber die Insta-Postings brauchten tausende von Likes in potentiellen Zielgruppendemografien. Da war egal, ob das Mopped sich gut fährt. Es ging erstmal um die Reichweite. Ich verurteile das nicht, ich verstehe das Dilemma. Manch ergrauter, alteingesessener Printredakteur mag sich da an der Ehre gepackt fühlen und muss sein Revier verteidigen. Ich möchte das weder Walter Wille noch Jochen Vorfelder bei Ihrem Artikel unterstellen. Aber es hat ein G’schmäckle, wie der Schwabe zu sagen pflegt. Die Medienwelt hat sich gewandelt und die Regeln nach denen sie spielt ebenso. Anstatt einen einseitigen Artikel zu schreiben hätte sich ein Diskurs mit einem „Vertreter aus der Szene“ angeboten. Der heutige Gasgeflüster-Podcast trägt hier viel mehr zur Diskussion bei als ein von zwei Redakteuren in angeblich wochenlanger Recherche zusammengetragener Artikel in einem Printmedium.

Update:

Honda Motorrad hat sich im Nachhinein zum Artikel geäußert. Leider mit Paywall. Aber der Vollständigkeit halber erwähnt.

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Heute: Motorrad-Abend auf ARD alpha

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TWNSPRK #1: Pamela Beckmann

  1. Stefan P.

    Es ist schon erstaunlich, dass dieses Thema solche Wellen schlägt. Manchmal hat man das Gefühl, dass man uns Medienkonsumenten, nicht mehr zutraut differenzieren zu können, was reine Unterhaltung ist und was tatsächlich einen relevanten Informationsgehalt hat. Alles muss irgendwie erklärt und mit Beipackzettel versehen werden.
    Aber ja klar, man merkt in allen Bereichen, dass sich junge Menschen von anderen Dingen bei Kaufentscheidungen beeinflussen lassen. Hier die 1000 Punkte Tabelle, dort der YouTuber der in knappen 10 Minuten ein Motorrad „checkt“.
    Ich mit meinen 45 Lenzen, sitze irgendwie zwischen Baum und Borke. Punkte generieren keine Emotionen, aufgeregtes Geschrei in Halbsätzen unter dem Helm, bringen mich Inhaltlich auch nicht voran.
    Aber und das ist doch das Gute, nie war die Bandbreite an vorhanden Formaten größer als heute. Nicht unbedingt im Bereich Print, aber eben gerade auch auf YouTube und Instagram. Da heißt es, den eigenen Filter zu schärfen. Und mehr fahren als Medien zu konsumieren war sowieso schon immer der beste Ratschlag.

  2. Sehr gut verfasster Artikel. Ich hatte von dem Artikel keine Kenntnis, finde es aber natürlich immer befremdlich, wenn im Journalismus nicht alle beteiligten Seiten zu Wort kommen. Neutrale Berichterstattung ist für mich immer noch der beste, aber leider auch der seltenste Journalismus.
    Was ich an diesem Blogpost auch sehr gut finde, dass die verschiedenen Formate mal vorgestellt werden. Einige kannte ich und einige werde ich mir diese Tage gerne mal ansehen oder anhören.
    In diesem Sinne: fährt Motorrad, nehmt Rücksicht und geniesst das Leben!

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