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Erzgebirgstour 2020: die deutsche Erzgebirgsseite

Früh zu Bett, früh wieder auf den Beinen: nachdem am Vorabend in Hohnstein die Bordsteine unter unseren Füßen hochgeklappt wurden und nirgendwo mehr ein Bier aufzutreiben war, lagen wir früh in den Betten in unserem Burgzimmer. Irgendwann nachts stand ich auf um das Fenster zuzumachen, nachdem es draussen schon wieder regnete. Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen offenbarte auch grau in grau. Wird’s halt wieder nass, dachten wir. Ein Jugendherbergs-Frühstück später sattelten wir die im Burghof geparkten Stahlrösser und ritten durchs Burgtor hinaus in den letzten Tourtag.

Als erstes erwartete uns eine Runde um den Deutschlandring. Leider nicht in seiner kompletten Länge, denn der Aufstieg zwischen Polenztal und Hockstein ist am Wochenende für Motorradfahrer gesperrt. Also bogen wir rechts ab Richtung Heeselicht und fuhren wir uns etwas warm auf den langgezogenen Landstrassenkurven. Hinter Heeselicht orientierten wir uns entlang der Streckenführung der alten Rennstrecke südwarts und das aufklarende Wetter bot uns einen tollen Blick  aus der Sächsischen Schweiz Richtung Erzgebirge. Warum hatten wir nochmals in vorauseilendem Gehorsam gleich zur Abfahrt die Regenklamotten angelegt? Kurz hinter Pirna hielten wir nochmal an und pellten uns wieder aus.

Nach Überquerung der A17 fuhren wir ins Seidewitztal ein und folgten dem mäandrierendem Flusslauf bergauf. Ein kleines Stück durchs Müglitztal weiter führte uns dann nach Glashütte. Die Wirtschaftskraft der örtlichen Uhrenfabrik spiegelt sich deutlich im Ortsbild wieder. Natürlich befindet sich hier im Ort auch das deutsche Uhrenmuseum, wo sonst sollte es beheimatet sein.

Die weitere Route führte uns an Altenberg vorbei Richtung tschechische Grenze. Am Grenzübergang in Moldava hatten wir am Vortag schon pausiert, auch hier nutzten wir die Gelegenheit, die Motorräder zu betanken.

Zur Talsperre Fláje folgte das einzige Stück Strecke, das wir auf der Tour doppelt fahren würden. Macht nix, war ja schön und heute hatten wir besseres Wetter und bessere Sicht.  Eine gute Gelegenheit, den Mitfahrer in Szene zu setzen:

Ein paar Kilometer später hatten wir in Deutschgeorgenthal wieder die deutsche Seite erreicht, querten die Talsperre Rauschenbach und umkurvten den See. Bei einer sehr nassforsch angebremsten Kurve musste ich aufmachen und den Notausgang im Wald nehmen. Hier merkte ich dann doch den Unterschied einer GS auf Heidenau K60 zu einer Street Triple auf Pirelli Diablo Rosso Corsa.

Kurze Zeit später in Olbernhau machten wir Pause an der örtlichen Tankstelle. Es erwarteten uns nämlich zwei Mitfahrer, denn wir hatten uns hier mit Antje und Ronny verabredet. Die beiden kommen aus der Gegend und sind leidenschaftliche GS-Fahrer, die schon viele gemeinsame Touren quer durch Europa unternommen haben. Gefunden hatten wir uns vor Ewigkeiten in diesem Internetz, beide hatten auch mal ein Motorradblog. Persönlich hatten wir uns noch nie getroffen, deshalb freute ich mich umso mehr auf eine gemeinsame Ausfahrt.

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Heute mal Ausfahrt mit dem großen Fahrrad……

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Von Olbernhau aus folgten wir dem Grenzverlauf nach Tschechien durch das malerische Natzschungtal. Die Strecke war schmal, wunderbar kurvig und die Natur um uns rum entzückend. Der einzige Wermutstropfen: durchgehend Tempolimit 50. Ich sage mal so: wir haben nach besten Willen versucht, uns daran zu halten.

Hinter Rübenau wechseln wir nochmals nach Tschechien. Teilweise verlief die Strasse genau an der Grenze, nur ein Flusslauf trennte uns von der deutschen Seite.

Weiter ging es über Annaberg-Buchholz, Elterlein und Schwarzenberg. Kurz vor der Talsperre Eibenstock kehrten wir bei der Wolfsgrüner Gulaschkanone ein für ein leckeres Mittagessen. Auch Zeit für ein Gruppenbild mit Motorrädern, ohne Fahrer:in. Ja, die RS darf auch mitspielen.

Von hier aus gings hoch zur Talsperre Eibenstock. Oben hielten wir nur kurz zum Fotostop. Zu viel Wochenend-Bambule mit Motorrädern, Autos und anderen Gefährten.

Von hier aus übernahm Ronny die Führung und wir wichen von unserer ursprünglichen Tourplanung ab. Da Thomas und ich am selben Tag noch nach München bzw. Berlin zurück mussten, entschieden wir uns, die Strecke etwas abzukürzen und direkter zur A72 zu fahren. Praktischerweise liegt das Zuhause von Antje und Ronny auf der Strecke zur Autobahn, so kommen wir noch auf einen Kaffee mit zu den beiden. Nach einem sehr netten Plausch machen wir uns auf die Heimreise und winken uns an der Autobahnauffahrt nochmal zu. Der eine nach Süden, der andere nach Osten.

Richtig, Osten. Für mich war von hier aus der Weg nach Berlin über Dresden kürzer als nach Leipzig. So machte ich mich bei bestem Sommerwetter ans Kilometerfressen. Die Ausfahrten erinnerten an die Orte, die wir am Vormittag noch auf der Landstrasse durchfahren hatten.

Da die Tour mit Rennstrecken begann, liegt es nur Nahe, auf dem Heimweg noch eine weitere mitzunehmen. Bei Senftenberg schwenke ich kurz von der Autobahn ab, um den Eurospeedway Lausitz zu besuchen.

Ein weiterer Vorteil der Heimreise über Dresden ist der, sich nicht über die A100 und die Seestraße nach Hause zu wurschteln. Die 500 Tageskilometer mache ich heute nicht ganz voll, aber passenderweise komme ich zu Hause zur gleichen Zeit an, wie Thomas in München. Männliche Empathie, ich sags doch!

Fazit: obwohl ich schon einige Mal mit dem Motorrad im Erzgebirge unterwegs war, hat mich vor allem die tschechische Seite sehr positiv überrascht. Wunderschöne Landschaften und malerische Kurven, und das alles nur drei Autobahnstunden von Berlin entfernt.

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Erzgebirgstour 2020: Vogtland und tschechisches Erzgebirge

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  1. HZ

    Hach. Wunderbar.

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