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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Schlagwort: Wurzenpass

Alpenblitz 2018, Tag 1 – Katschberg, Nockalm bis Slowenien

Prolog

Wie jeder Alpenblitz fängt auch dieser mit der Anreise an, die nicht auf eigener Achse stattfindet. Ok, auf eigener Achse kam ich auf jeden Fall zum Flughafen Tegel, meine treue Vespa leistete wieder mal sehr gute Dienste als Lastesel.

Am Flughafen fragte mich der Security-Muckel, ob ich mit dem Piloten schon mal geflogen wäre. „Warum?“ „Weil Sie einen Helm dabei haben?“ Insofern beschloss ich, den Helm am besten gleich aufzuziehen, sehr zur Irritation der Businesskasper um mich herum.

Angekommen in München wurde ich von Sandra abgeholt und wir fuhren voller Vorfreude zum BMW Fuhrparkzentrum, um unsere Testbikes abzuholen. Und hier waren sie, tadaaa!

Es entsponn sich eine spontane Diskussion zwischen Sandra und mir, ob an der XR denn unbedingt die Koffer dran bleiben müssten. Sandra fand sie optisch eher herausfordernd. Nach einem kleinen verbalen Handgemenge einigten wir uns auf einen Kompromiss. Das Topcase kommt runter, die Seitenkoffer bleiben.

Wie immer bei der Übernahme fremder Bikes mach ich mir einen Kopf, was man wie wohin packen kann. In diesem Fall kam mein mitgebrachter Tankrucksack auf die GS, in dem die Drohne transportiert wurde. Die Klamotten blieben in meiner Rolltasche und in die Seitenkoffer der XR kam das Kameraequipment und die Wechselklamotten für tagsüber (Pulli an, Pulli aus, Regenklamotten). Sandras Rucksack verzurrten wir auf dem sehr breiten Heckträger der GS. So fuhren wir dann nach München rein, um bei Freunden zu übernachten und um etwas auf die bevorstehende Tour hinzuhibbeln.

Auf nach Österreich

Nachdem wir uns aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen durch den Münchner Berufsverkehr gequält hatten, trafen sich acht MotorradfahrerInnen an einer Tankstelle im Münchner Süden. Geplant hatte ich mit sieben Leuten, es wurden dann aber spontan noch einer mehr, denn Siggi hatte nach seiner vor kurzem beendeten vierwöchigen Italientour noch nicht genug vom Motorradfahren und schloss sich uns auf der Tour an.

Zu den Alpenblitz-Veteranen Thomas, Siggi und mir gesellten sie die „Neulinge“ Sandra, Amelie, Tim, Florian und Tom. Nach einer kurzen Routenbesprechung rollten dann eine S1000 XR, G310 GS, F800 GT, F800 GS, R1200 R, R1200 GS Adventure und eine 28 Jahre alte Honda VFR 750 auf die Autobahn Richtung Salzburg.

Unterwegs schaute ich des öfteren in den Rückspiegel und grinste in meinen Helm hinein, wenn ich die Perlenschnur der anderen sieben Motorräder sah – die gehörten alle zu mir. Die knapp zwei Stunden bis Radstadt gingen relativ ereignislos vorbei, die vor uns liegende Regenfront lichtete sich etwas. Autobahn fahren in Österreich ist auch etwas spannender als in Deutschland, die Blicke auf die Berge links und rechts der Asphaltbandes machen es ganz kurzweilig.

Dann aber Kurvenattacke. Über Obertauern und Tweng ging es Richtung Katschbergpass, trotz leichtem Regens war gepflegtes Angasen möglich und trotz sehr offensiver Fahrweise verlor ich meinen Mitfahrer Tim nicht im Rückspiegel. Ich mag es mit Leuten unterwegs zu sein, die ihr Fahrgerät beherrschen.

Mittagspause machten wir dann bei Guntram Peter Kassmannhuber in Kremsbrück, eine kleine Stärkung vor dem Kurventanz durch die Nockalmstrasse musste sein. Obwohl die Kasspatzn, die sich Siggi und Sandra teilten locker für vier Personen gereicht hätte. Kurze Zeit später drückten wir an der Mautstelle in Innerkrems 12 € pro Nase ab. Sehr gut investierte Euros, wie sich nur kurz später herausstellen sollte. Die 35 Kilometer Kurvenalarm bis Reichenau sind jeden Cent wert. Großartige Natur, gut ausgebaute Strasse und Kurven, Kurven, Kurven! Dies war mit Sicherheit der Höhepunkt unseres ersten Tourtages.

In Reichenau nahmen wir die acht Kilometer Anstieg bis zur Turracher Höhe noch schnell mit um nach einem kitschigen Erinnerungsfoto wieder den Abstieg und die weitere Route Richtung Villach unter die Räder zu nehmen.

Ziemlich genau im Westen von Villach liegt die Villacher Alpenstrasse, die wir am Nachmittag in Angriff nehmen. Sie führt einmal den Villacher Hausberg Dobratsch rauf und wieder runter. Auch hier latzen wir 11€ an der Mautstelle ab, doch irgendwie fühlen die sich nicht so gut an wie bei der Nockalmstrasse. Kurven gibt es auch hier genug, aber man fährt fast komplett durch den Wald und es wirkt wie im Tunnel. Kurvig und kurzweilig war es zwar schon, aber nicht so spektakulär wie erwartet. Auf der Fahrt den Berg hinab halten wir noch am Aussichtspunkt „Rote Wand“ und luschern schon mal Richtung Slowenien, unserem heutigen Etappenziel.

Kurz hinter dem Mauthäuschen kam die Kaffeefahrt-Fraktion zu ihrem Recht und es wurde pausiert bei Topfenstrudel und Cappucino. Die Motorräder kamen kurze Zeit später zu ihrem Recht beim letzten Tankhalt des Tages kurz vor dem Wurzenpass. Der folgende Anstieg zu Passhöhe war einer der steilsten des Tages, über etwas mehr Leistung bei der pilotierten G310 GS hätte ich mich hier gefreut. Aber dann regeln wir das eben über die Drehzahl. Kurz vor der slowenischen Grenze erinnerte ein alter Panzer an die kriegerische Geschichte in der Gegend. Ein paar Kilometer erreichten wir in Podkoren unser Quartier.

Hier hatte ich im Apartments Belopeški Dvori für uns alle ein Nachtlager reserviert. Im 16. Jahrhundert unter den Habsburgern wurde das Gebäude als Residenz errichtet, nun beherbergte uns das kuschelige Haus für eine Nacht. Gegenüber im Hotel Vitranc nahmen wir nicht nur unser Stiefelbier, sondern aßen auch ein derart leckeres Abendessen, was wir in dieser Abgeschiedenheit nicht erwartet hätten. Der Küchenchef erläuterte uns höchstpersönlich die Spezialitäten des Tages und sowohl das Gemüserisotto als auch das Steak in Trüffelsoße waren unglaublich exzellent. Und das alles für einen derart fairen Preis. Irre. Ein paar Biere und Schnäpse später verkrümelten wir uns ins Bett und grunzten glücklich und zufrieden dem kommenden Tag entgegen.

Aufgrund des Autobahn-Anteils am Vormittag machten wir an diesem Tag 550 Kilometer Strecke. Die Route könnt ihr bei Rever einsehen oder hier als GPX downloaden.

Alpenblitz 2018: die Slowenien-Ausgabe

Es ist Januar und ich beschäftige mich mit der Planung der diesjährigen Motorradtour. Die Kollegen im Büro so: „Jetzt schon?“ Alle meine Motorradkumpels so: „Jetzt erst?“
Beim Alpenblitz 2018 schliesst sich der Kreis. In 2015 und 2016 haben wir Österreich, Schweiz und die Dolomiten bereist. In 2017 dann die französischen Seealpen. Was uns nun noch zum perfekten Glück fehlt, ist der östliche Teil der Alpen, namentlich Kärnten und Slowenien.
Einige Abende habe ich nun schon über diversen Karten gesessen und Optionen durchgespielt, wie wir die geplanten vier Tage im Juni mit möglichst viel Kurvenspaß füllen. Zum einen habe ich diverse Tourenbeschreibungen gelesen und spannende POIs notiert, zum anderen habe ich einfach auf die Karte gekuckt, wo es lustig aussieht. Von freytag & berndt Auto + Freizeitkarten habe ich mir die Slowenien-Karte im Maßstab 1:150.000 gekauft. Auf der ist ganz Slowenien und die angrenzenden Nachbarländer drauf, sie ist vom Maßstab her perfekt und hat ein schönes Kartenbild. Die ADAC Oldtimerkarten (online zum Download verfügbar) sind auch immer eine sehr gute Orientierung, die dort eingezeichneten Routen taugen für Motorradtouren immer sehr gut.
Schnell wurde klar, daß zwei Fahrtage für Slowenien bei weitem nicht ausreichen, die Vielfalt des Landes zu erfahren. Aber das ist bei den meisten Revieren so und irgendwo muss man halt anfangen. Die Route durch Slowenien stand relativ schnell fest. Länger habe ich gegrübelt, wie wir die An- und Abfahrt durch Österreich gestalten. Final ist noch nix, aber es hat sich schon eine Präferenz herausgebildet. Zumindest bei mir. Mal kucken, was die Mitfahrer sagen. Und die sind erfreulicherweise die gleichen wie im letzten Jahr, erweitert um zwei Neulinge. Darunter unsere erste weibliche Mitfahrerin, Blogkollegin Sandra von http://bike-addicted.de/, bei der wir im letzten Jahr am ersten Tourtag zum Socken trocknen halten durften. Der zweite Neuling ist ein Überraschungsgast aus München. Somit wären wir mit sieben Bikes die größte Alpenblitz-Truppe bislang. Und hier werden wir so grob lang fahren:

Tag 1: Von München nach Kärnten

Den ersten Entwurf dieser Route habe ich in der Zeit, in der ich diesen Artikel schreibe bereits schon wieder modifiziert.
Der erste Entwurf ging so:
Wir starten in München und machen erstmal etwas Strecke über die Autobahn. Die A8 und die A 93 bringen uns bis Oberaudorf (ca. 93 km, 1h Fahrzeit) wo wir dann auf die Landstrasse abbiegen. Der Walchseestrasse (B172) folgen wir bis Hochmoos, wo wir uns dann anschließend südöstlich nach Saalfelden am Steinernen Meer orientieren. Wir wechseln auf die Hochkönigstrasse (B164) bis Bischofshofen, die uns über den Filzensattel (1.290 Meter) und den Dientner Sattel (1.357 Meter) führen. Über Flachau und Wagrein orientieren wir uns in Richtung B99 zum Radstädter Tauernpass (1.738 Meter) und Twenger Talpass (1.381 Meter). Weiter geht es über den Katschberg (1.641 Meter) bis Kremsbrücke, wo wir dann nach Ostern abbiegen in den Nationalpark Nockberge, eines der Highlights des ersten Tages. Die Nockalmstrasse führt uns kurvenreich bis nach Reichenau.

Hier haben wir dann die Wahl, ob wir uns gleich nach Süden orientieren oder kurz nach Norden auf die Turracher Höhe fahren. Den Gedanken an eine große Schleife über Stadl an der Mur und Flattnitz bis Himmelberg in Kärnten habe ich dann verworfen, das wäre für einen Tag zu lang. Also geht es dann etwas südwestlich über Radenthein in Richtung unseres Tagesziels Villach. Wenn wir nach über 400 Kilometern noch Bock haben zu fahren, nehmen wir die Villacher Alpenstrasse unter die Räder, die uns zum Tagesabschluss nochmal über 2.000 Meter hoch bringt und bei hoffentlich gutem Abendlicht einen tollen Rundumblick über den Dobratsch, die Nockberge und die Karawanken beschert. Länge je nach Variante 420 bis 470 Kilometer mit einer Fahrdauer von 7,5 bis 8,5 Stunden
Dann regte Thomas an, am Abend noch den Wurzenpass (1.073 Meter) nach Slowenien zu fahren, weil es dann slowenischer ist und die Übernachtung wahrscheinlich günstiger ist, als in Villach. Wer kann ihm da schon widersprechen? Dieser Plan hätte aber eine Fahrleistung von über 500 Kilometern bedeutet, was bei einer so großen Truppe nicht ganz ohne ist. Daher überlegte ich, wie wir vielleicht am Vormittag die Strecke straffen könnten. beim ersten Alpenblitz 2015 habe ich in meiner Euphorie auch zu viel Routenornamente im Voralpenland eingeplant, was ich im Nachhinein etwas bereut habe, hätte man doch alternativ mehr Zeit in den „richtigen“ Bergen verbringen können.
Das führte dann zu Plan B: anstatt auf die A93 Richtung Kufstein abzubiegen bleiben wir auf der A8, fahren an Salzburg vorbei und folgen der Tauernautobahn bis Bischofshofen. Das sind zwei Stunden Autobahnschrubben, die uns aber etwas Zeit sparen für die wahren Kurvengenüsse am Nachmittag. Über Radstadt kommen wir dann auf die ursprünglich geplante Route über den Radstädter Tauernpass (s.o.) zurück. Über diese Route sind es bis zum Tagesziel Krajnska Gora dann immer noch stramme 430 Kilometer, aber das ist um einiges entspannter als die ursprüngliche Planung. Zur Erinnerung: beim Alpenblitz 2016 bolzten wir an zwei Tagen jeweils Etappen von 450 Kilometern.

Tag 2: Slowenien – Triglav Nationalpark

Und wenn wir schon in Krajnska Gora übernachten, hat das den Vorteil, dass wir direkt nach dem Frühstück gleich in den Triglav Nationalpark einbiegen können und uns den Weg über kleine, teilweise kopfsteingepflasterte Strassen über den Vrsic-Sattel (1.611 Meter) bahnen können.

Wir folgen der Flusslandschaft des Soča-Tals bis kurz vor Bovec und drehen nach Norden ab Richtung Predelpass (1.156 Meter). Kurz vor der Passhöhe biegen wir rechts ab auf die Mangartstrasse. Die 11,5 km lange mautpflichtige Stichstraße und führt zu dem höchsten anfahrbaren Punkt in Slowenien. Von der Lahnscharte (2.055 Meter) aus hat man auch einen schönen Blick auf die in Italien liegenden Weißenfelser Seen.

Danach wird umgedreht und über Bovec weiter nach Tolmin gefahren. Dort können wir zwei Sehenswürdigkeiten mit einbauen. Der Besuch der Tolmin-Schlucht und die Heiligengeistkirche Javorca kosten einen Umweg von 40 Kilometern, bietet aber spektakuläre Bilder.
Von Tolmin aus drehen wir wieder nordwärts und machen uns auf den Weg zum zweitgrößten See Sloweniens, dem Bohinjsko jezero. Über den Pokljuka Pass (1.345 Meter) und die Pokljuka Schlucht kommen wir anschliessend zum See mit der einzigen Insel in Slowenien, dem Bled-See.
Wenn wir hier keinen Bock mehr auf Kurven haben (als ob), können wir die Autobahn Richtung unseres Etappenziels Ljubljana nehmen. Aber wir wollen doch sicher noch die schöne, kurvenreiche Route über Kropa und Škofja Loka nach Ljubljana.
Mit 305 km wird dieser Fahrtag auch ca. 8 Stunden dauern, umso besser wird uns das Bier oder der Wein in der Hauptstadt Sloweniens schmecken. Und mit Jasmina haben wir eine lokale Motorradfahrerin als Gastgeberin. Über die Facebook-Gruppe Motorcycle Tours kamen wir in Kontakt und sie war sofort Feuer und Flamme, uns ihre Heimat von der besten Seite zu zeigen.

Tag 3: Slowenien – Velika Planina und Karawanken

Wir brechen von Ljubljana auf Richtung Norden und halten direkt auf die Hochebene Velika Planina zu. Hier befindet sich eine der wenigen erhalten gebliebenen hochalpinen Hirtensiedlungen Europas. Noch ist unklar, wie weit wir auf die Hochebene fahren können, es sollen auf jeden Fall ein paar schöne Schotterstrassen dabei sein.
Ein Stück weiter nordwärts biegen wir in Luče auf die B428 ab und folgen dem Tal bis Solčava. Hier ist einer der Eingangspunkte zu Solčava-Panoramastraße, die uns auf zahlreichen Kurven über die Bergrücken bis zur Grenze zu Österreich führt.

Diese passieren wir auf dem Paulitschsattel (1.338 Meter). Auf österreichischer Seite bleiben wir aber nur kurz, denn der benachbarte Seebergsattel (1.218 Meter) führt uns wieder zurück nach Slowenien.
Von hier aus geht es einmal komplett runter ins Tal und dann über Tržič wieder rauf in die Karawanken, wo uns der Loiblpass (1.386 Meter) wieder nach Österreich führt. Das werden dann auch die letzten Kilometer auf slowenischem Boden gewesen sein. Für den Rest des Fahrtages heisst es dann Strecke machen durch Kärnten, damit wir uns so nahe wie möglich an den Großglockner heranrobben. Für die geplanten 355 Kilometer werden wir eine Fahrzeit von 7,5 Stunden benötigen

Tag 4: Über den Großglockner nach München

Beim ersten Alpenblitz 2015 nahmen wir schon mal die Großglockner Hochalpenstrasse unter die Räder, die damals hinter uns anrollende Gewitterfront mahnte aber zur Eile. In diesem Jahr haben wir hoffentlich mehr Zeit, die Panoramen von der Franz-Josefs-Höhe und der Edelweißspitze zu genießen.


Unten im Tal wieder angekommen orientieren wir uns nordwärts an Zell am See vorbei und kommen in Saalfelden am Steinernen Meer wieder auf ein Stück der Route von Tag 1, die uns über Walchsee wieder zu Autobahnanschluss-Stelle in Oberaudorf führt.

Je nach Fahrlust und Witterung haben wir hier dann die Option, über die Autobahn nach München zurück zu fahren oder noch etwas Landstrasse über Bayrischzell und Fischbachau zu geniessen, bevor wir am Irschenberg auf die A8 fahren Richtung München. Dies wird der kürzeste Fahrtag mit ca. 300 Kilometern und einer Fahrdauer von 5,5 Stunden. Aber je nachdem wie ich nach München komme, muss ich dann ja auch wieder Zug oder Flug zurück nach Berlin bekommen.
Ich hab jetzt schon so Bock zu fahren. Wie lange dauert es noch bis Juni?

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