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Schlagwort: Vogtland

Erzgebirgstour 2020: Vogtland und tschechisches Erzgebirge

Das Vogtland zum Frühstück

Der Tag begann, wie der gestrige geendet hatte: mit dem Blick auf das Regenradar und auf diverse Wetter-Apps. Unser Urteil fiel unterschiedlich aus: Thomas fuhr erstmal so los, ich pellte mich schon in meine Regenklamotte.

Nach den ersten Landstrassenkilometern bogen wir in Mühltroff auf kleine und kleinste Sträßchen durchs Vogtland ab. Schönberg, Rodau, Tobertitz, Bösenbrunn und Triebel hiessen die Dörfer, die wir passierten. Zwischendrin schöne, hügelige Landschaften, regennasse Felder und leider grauer Himmel.

Meine Tankleuchte hatte bereits beim Losfahren geblinkt, aber wenn man so durchs Hinterland fährt wie wir, sind die Tankstellen spärlich gesät. Erst in Schöneck fanden wir eine, worüber ich sehr dankbar war, da ich nur noch für ca. 20km Sprit im Tank hatte. Thomas warf sich hier auch seine Latexpelle aka Regenklamotte an, da der Himmel nichts gutes verhieß.

Das tschechische Erzgebirge

Über Tannenbergsthal und Mühlleiten erreichten wir in Sachsenberg-Georgenthal die tschechische Grenze. Der Grenzübergang kam sehr überraschend, wir fuhren durch ein Wohngebiet, das Navi hieß uns links abbiegen und schwupps, waren wir in Tschechien.

Über schmale, kurvenreiche Sträßchen mäandrierten wir uns durch das Westerzgebirge bevor wir bei Rolava eine moorige Hochebene erreichten (Frühbußer Heide), die an die schottischen Highlands erinnerte. Und genau das mag ich so sehr an der Tschechei: während sich unweit auf der deutschen Seite Städtchen an Städtchen reiht, bist Du hier in einer komplett anderen Welt. Viel weniger Zivilisation, dafür viel mehr Natur.

Zu unserem Leidwesen wurde die Natur sehr fleißig von Petrus gegossen, je weiter wir fuhren desto mehr regnete es. Über Nové Hamry, Horní Blatná und Pernink näherten wir uns dem höchsten Punkt der Tour, dem Klínovec. Er ist mit 1.243m die höchste Erhebung des Erzgebirges und überragt damit seinen deutschen Nachbarn Fichtelberg um gut 30 Meter. An Fernblick war nicht zu denken, denn mit jedem erklommenen Höhenmeter regnete es stärker und der Wind nahm deutlich zu. Oben angekommen war das Thermometer auf 9 Grad gesunken und es regnete quer. Das scheint unser Schicksal mit tschechischen Bergen zu sein, bereits 2013 erging es uns auf dem Ještěd exakt gleich.

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Mittelgebirgstour – der Film

Tourimpressionen: Erzgebirge und Vogtland

Auf den 1.600 Kilometern der Mittelgebirgstour hatten wir sehr viel schöne Streckenabschnitte. Über 90% der Strecke fuhr ich das erste Mal, da musste man sich auf die „Papierform“ verlassen, sprich den Strassenverlauf auf der Karte. Glücklicherweise ist das bei dieser Planung hier in großen Teilen sehr gut gelungen. Die besten Abschnitte möchte ich Euch vorstellen.

Lost in Erzgebirge

Meine Runde ins Erzgebirge begann ich in Heidenau, von dort aus konnte ich bei wenig Verkehr die schöne Strecke durch das Müglitztal über Glashütte, Bärenstein bis Altenberg. Die ca. 35 Landstrassenkilometer bieten einem viele schöne Kurven, vor allem vor und hinter Glashütte reiht sich eine an die andere. Zum Teil sind die Radien etwas enger und die Strasse etwas schmaler gebaut, aber dann kommt man auch nicht in die Verlegenheit, das Tempolimit von 80 km/h zu überschreiten, das reicht bei der Strecke allemal.

Der zweite Streckenabschnitt führt durch die Tschechei, von Zinnwald nach Český Jiřetín. Wie die meisten Strecken abseits der großen Fernverkehrsrouten ist diese Strecke nichts zum „Fliegen lassen“, sehr schmale Strassen und schlechter Strassenbelag verhindern das. Wer sich aber darauf einläßt, eher entspanntes Enduro-wandern zu betreiben ist hier genau richtig. Tolle Ausblicke auf unberührte Natur, schlechte bis gar keine Beschilderung und streckenweise kein Handyempfang machen die Route etwas zum Abenteuer. Am Stausee von Přehrada Fláje traf ich einen deutschen Mountainbiker, der den Fernradweg 23 entlang des tschechischen Erzgebirgskamms fuhr und meinte, daß dieser auch für Motorräder gut geeignet sei. Ein Teil der von mir gefahrenen Strecke deckt sich mit diesem Fahrradweg.

Spannend war auch das Teilstück zwischen Marienberg über Jöhstädt nach Oberwiesenthal. Hier bog ich nach Marienberg nach Steinbach ab, die einsame Strasse durch den Wald führt entlang eines Truppenübungsplatzes, ist auch schmaler ausgebaut aber hat schöne nette Kurven.

Ob der schlechten Witterung änderte ich meine Routenplanung ab dem Fichtelberg. Anstatt auf tschechischer Seite weiterzufahren blieb ich auf deutschen Strassen. Bessere Beschilderung und bessere Strassenoberflächen gaben den Ausschlag dafür. Die Strecke war auch sehr nett, vor allem zwischen Johanngeorgenstadt und Klingenthal. Generell ist die B283 sicherlich bereits ab Aue eine schöne Motorradstrecke, gut ausgebaute Landstrasse mit zahlreichen Kurven. Da wird es weniger schnell brenzlig, wenn man mal mit drei km/h zu schnell in die Kurve einfährt.

Zur Entspannung diente dann der letzte Streckenabschnitt durch das Vogtland. Man baut so langsam die Höhenmeter des Erzgebirges ab und es bietet sich einem ein herrlicher Blick über die Rapsfelder des Vogtlands in der Abendsonne.

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