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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Schlagwort: Vespa 300 GTS Super

Bordstrom für die Vespa

Nach all der Schrauberei an der MT-07 war es mal an der Zeit, der Vespa 300GTS mal wieder etwas Zuneigung zukommen zu lassen. Naja, ich bin bei eBay über einen Doppel-USB-Port gestolpert für schmales Geld und hatte Bock, den einzubauen. Also bestellt und ein paar Tage später über das hier gefreut.

Die Qualität ist top und der Einbau ist quasi Plug & Play. Der weiße, rechteckige Stecker passt direkt an den Kabelbaum der meisten Vespa GTS 125, 250 und 300 mit Baujahr vor 2013. Er befindet sich bei Modellen ohne ABS direkt hinter der linken Serviceklappe am Beinschild. Und schwupps, da war er auch bei mir:

Also mussten nur in die Serviceklappe zwei Löcher rein zur Aufnahme des Schalters (20mm Durchmesser) und der USB-Buchse (30mm Durchmesser).

Wenn man etwas mehr Aufwand betreiben möchte, kann man den Schalter auch versteckt in das Handschuhfach einbauen. Dazu muss dann aber die komplette Innenverkleidung abgebaut werden (Anleitung siehe hier). Durch den Schalter kann man entscheiden, ob die USB-Ladebuchse nur bei eingeschalteter Zündung Strom führt oder über Batterieplus auch bei abgesperrtem Roller versorgt wird. In mittlerer Schalterposition ist die USB-Buchse ausgeschaltet und frisst somit auch keinen Strom.

Löcher vorgebohrt, ausgefräst, entgratet, Schalter und Buchse einbauen dauerte keine 10 Minuten. Der Anschluß ging dann noch schneller. Stecker anschliessen, Blende wieder anschrauben. Fertig.

Strom fließt, Handy und Fahrer sind glücklich.

Das war jetzt sicherlich nicht das lebensnotwendigste Upgrade für die Vespa, aber falls ich vor der nächsten Zombieapokalypse fliehen muss, hat das Handy/Navi dauerhaft Strom. Und dafür hat es sich dann doch gelohnt, oder?

KRCC VLOG 6/2017: die Honda MSX125 im Hauptstadt-Test

Bereits im Studium im oberschwäbischen Ravensburg wurde ich im Wintersemester des öfteren von den Kommilitonen belächelt. Es war ein beliebtes Ratespiel, herauszufinden, wie viele Lagen Klamotten der Hauser anhatte, nachdem er sich mit seiner Vespa V50N Spezial bei zapfigen Temperaturen und Schneetreiben bis zum Vorlesungsgebäude gekämpft hatte.
Damals war das eher aus der Not geboren. Für ein Auto hatte ich noch keine Kohle, für den oberschwäbischen Busverkehr hatte ich nicht die Geduld. Heute lebe ich in Berlin mit einer deutlich höheren ÖPNV-Dichte, aber die Vorliebe für den einspurigen, benzingetriebenen Individualverkehr ist geblieben. Bei gutem Wetter tummeln sich viele andere mit mir auf Berlins Strassen, vor allem die Elektro-Mietroller haben gut Konjunktur. Im Herbst und im Winter dünnt sich das Feld dann deutlich aus.
Nur bei den widerlichsten Wetterumständen findet ihr mich an Bord einer überfüllten und überhitzten Tram M4 wieder. Lieber ziehe ich mir nach wie vor 10 Klamottenschichten an und fahren mit meiner Vespa 300 GTS Super ins Büro. Auch bei Minus 10 Grad. So sind in den letzten vier Jahren 20.000 Kilometer Laufleistung auf der Maschine zusammengekommen.
Aber im letzten Monat hatte die Vespa zwei Wochen Pause. Denn Honda Deutschland hatte mir in der Zeit eine MSX 125 zur Verfügung gestellt, die als daily Driver zum Einsatz kam. Nach der ersten, Begeisterung auslösenden Bekanntschaft mit der MSX auf dem Honda Pressetag im Mai war es an der Zeit, unsere Beziehung zu vertiefen.


Auf meine 300er Vespa fehlen ihr 12 PS Leistung, aber sie trägt auch 50 kg weniger mit sich herum. In Radstand und Fahrzeuglänge ist sie ihr fast ebenbürtig, allerdings ist sie niedriger und deutlich schlanker. Auch wenn es optisch eher nach „Affe auf dem Schleifstein“ aussieht, wenn ich auf der kleinen Maschine sitze ist es durchaus kommod. Nicht nur auf der Fahrt ins Büro, sondern auf bei der kleinen Feierabendtour ins Umland. Von der Ergonomie passt alles, der Knieschluss am Tank sowie die Position der Fussrasten und die Lenkerarmaturen. Letztere geben einem keine Rätsel auf, denn so viel Funktionen gilt es ja nicht zu bedienen. Bremse, Kupplung, Blinker, Fernlicht, Starter, Aus-Schalter, fertig.


Einmal angeworfen klingt es fröhlich grummelnd aus dem Endtopf, die MSX meldet Einsatzbereitschaft. Schnell steppt man sich durch das Vierganggetriebe. Auch wenn die MSX gut von unten raus antritt, will man zügig unterwegs sein, bleibt einem etwas Schaltarbeit nicht erspart. Das Vierganggetriebe macht es einem aber sehr einfach, schaltet präzise und direkt. Alleine das Auffinden des Leerlaufs ist manchmal nicht ganz eindeutig, aber das ist bei anderen Motorrädern gerne auch mal so.
Die 10 PS und 11 Nm Drehmoment reissen keine Bäume aus, aber das Maschinchen tritt von der Ampel aus gut an und man schwimmt sehr kommod im Stadtverkehr mit. Kleine Überholmanöver schüttelt sie locker aus dem Ärmel. Zu übermütig sollte man auf der Stadtautobahn aber nicht werden, denn über 75 km/h wird die Luft etwas dünn. Bei 92 km/h kommt die MSX an ihre Grenzen, knapp über 100 km/h zeigt dann der Tacho an. Eine kleine Landstrassenpartie ist auf der MSX aber immer drin, wenn man nicht zu den schnellsten gehören muss oder will.

Das überraschendste an der MSX ist, wie das Umfeld auf sie reagiert. Auf kein anderes Zweirad wurde ich so oft angesprochen wie auf die Honda. Menschen lächeln dich aus dem Auto an, kucken oder winken an der Ampel. Bewusst habe ich auch die Begegnung mit anderen Motorradfahrergruppen gesucht, von der Brandenburger Streetfighter-Gang bis hin zu meinen Alteisentreibern der Berlin Café Racers. Statt mit meiner 77er Honda CJ 250 T tauchte ich mit der MSX auf einer unserer Ausfahrten an und selbst der hartgesottenste Guzzi- oder BSA-Fahrer war einen interessierten Blick auf das kleine Maschinchen. Eine ähnliche, interessengruppenübergreifende Zuneigung erfahre ich sonst nur, wenn ich mit meinem Hundewelpen Gassi gehe.

Abgesehen von der geringeren Leistung hat die MSX 125 eigentlich nur zwei Nachteile: die Transportkapazitäten – sei es Gepäck oder Sozius – sind deutlich eingeschränkter. Und mangels Beinschild ist der Wetterschutz natürlich nicht so prall. Aber das ist bei jedem anderen Motorrad auch so.

Mit einem Preis von 3.300 € ab Werk ist die Honda fast um 2.000 € günstiger als eine leistungsmässig vergleichbare Vespa GTS Super 125. Wer also auf Zuladunsgmöglichkeiten und trockenes Schuhwerk verzichten kann, aber garantierten Fahrspaß und positive Vibes haben will, der kann eigentlich nur eine MSX 125 kaufen. Und die gesparten 2.000 € lassen sich bestens in phantasievolle Umbauten stecken, ein paar lustige Anregungen finden sich dazu überall im Internetz.

Technische Daten
Max. Leistung 7,2 kW (9,8 PS) bei 7.000 U/min.
Max. Drehmoment 11 Nm bei 5.250 U/min.
Vierganggetriebe
Höchstgeschwindigkeit 92 km/h
Gewicht vollgetankt 105 kg
UVP ab Werk: 3.300 €
Die Honda MSX 125 wurde mir freundlicherweise von Honda Deutschland zur Verfügung gestellt.

Gib Schub, Rakete: Malossi Multivar für die Vespa 300 GTS

Es ist ja nicht so, daß meine Vespa 300 GTS Super mit ihren 16 kW (22 PS) untermotorisiert wäre. Aber seit geraumer Zeit juckt es mich in den Fingern, ein bischen mehr aus meinem treuen Alltagsmobil herauszukitzeln. Seit ich die Vespa im letzten Jahr gekauft habe, fuhr ich über 4.000 Kilometer mit ihr. Schwerpunktmäßig in der Stadt auf dem täglichen Arbeitsweg, hier begeistert mich ihre Spritzigkeit und Agilität immer wieder.

Meine Zweiradkarriere begann vor über 20 Jahren mit diversen Smallframe-Vespas aus den 70ern, an denen ich auch immer wieder bastelte und diverse Tuningmaßnahmen vornahm. Auch meine letzte ET2 hatte leichtere Variomatikrollen und einen Sportauspuff und ging für ne Fuffie sensationell gut. Für die 300er musste da doch auch was gehen.

Also wand ich mich an die Jungs von Rollerdealer Prenzl’berg. Jan und Jörg warten seit Jahren die Roller von meiner Gattin und mir. Als aktive und erfolgreiche Roller-Rennfahrer kennen sie sich auch mit den verschiedensten Tuningmassnahmen aus. Beim entspannten Werkstattplausch ventilierten wir die verschiedensten Ideen.

Für die 300er Vespa gibt es umfassendes Tuningzubehör der verschiedensten Hersteller. Wir schossen uns relativ schnell auf Malossi-Teile ein, einem der führendsten Anbieten im Rollersegment. Über Zündung, Zylinderkit, Zylinderkopf, Variomatik bis hin zum Auspuff gibt es hier Optimierungsmöglichkeiten entlang des gesamten Antriebsstranges. Unter Kostenaspekten entschlossen wir uns zunächst, uns der Variomatik zu widmen. Für ca. 120 € bekommt man bei Malossi mit der Multivar einen Variomatik-Kit, der laut Hersteller besseren Durchzug, mehr Endgeschwindigkeit, ruckfreies Anfahren und verbesserten Schaltkomfort bietet. Da bei meiner Vespa sowieso der 20.000er Service anstand, war es der geeignete Zeitpunkt diese zu verbauen.

Natürlich war ich sehr gespannt, als ich den Roller nach ein paar Stunden wieder aus der Werkstatt abholte. Die Rollerdealer-Jungs grinsten schon, als sie mir von ihrer Probefahrt berichteten. Und tatsächlich, der Antritt der Vespa hat sich deutlich verbessert. Gefühlt hat man ein paar PS mehr unterm Hintern. Die Malossi Multivar holt sich tatsächlich Mehrleistung – und zwar aus einem höheren Drehzahlniveau in den meisten Fahrsituationen. Bereits die mit härteren Federn umgerüstete Kupplung greift später, also mit höherer Drehzahl, und ermöglicht damit den dynamischeren Start. Durch die erhöhte Drehzahl ergibt sich auch das bei jedem Tempo gefühlte unmittelbare Ansprechverhalten des Motors. Durch das höhere Drehzahlniveau hat sich der Auspuffsound auch verändert, eine leicht aggressivere Note schwingt hier mit. Ob sich die Endgeschwindigkeit verändert hat, muss ich noch austesten habe ich heute ausgetestet: sie sinkt leider von vormals 126 km/h auf 115 km/h (GPS-Messung). Aber das ist aus meiner Sicht nebensächlich, der stark verbesserte Biss des Motors war das Hauptziel des Tunings. Und das wurde voll erreicht!

Für die Multivar gibt es von Malossi noch einen Kevlar-Riemen, auf den ich aber verzichtet habe. Er soll eine höhere Lebensdauer und in manchen Fällen eine minimal höhere Endgeschwindigkeit bringen, weil der Riemen auf den Variomatikscheiben etwas weiter außen läuft.

Mit der Tuning-Maßnahme bin ich voll zufrieden, vor allem in Anbetracht der Kosten. Natürlich kann man noch einiges mehr machen, wie z.B.:

  • Austausch des CDI-Zündmoduls: Das Malossi-Einspritzmodul setzt den Drehzahlbegrenzer auf 10.000 U/min, es verfügt auch über 4 verschiedene Zündkurven, die je nach den Ansprüchen des Fahrers abgestimmt werden können. Wir haben erstmal der Standard-CDI ein Firmware-Update verpasst um die werksseitig vorhandenen Möglichkeiten auszunutzen.
  • Optimierung des Steuergerätes: hierzu gibt es einen ausführlichen Artikel auf 1000PS.
  • Zylinderkit bzw. Zylinderkopf tauschen: von Malossi gibt es auch einen kompletten Zylinderkit, der mit fast 800 € aber schon ein deutliches Loch in den Geldbeutel reisst. Für die Hälfte des Geldes bekommt man einen Malossi Zylinderkopf, der mit größeren Ventilquerschnitten eine stark verbesserte Beatmung des Zylinders erreicht. Diese Maßnahme könnte mehr Sinn machen, da die 300er Vespa werksseitig sich den Zylinderkopf mit der 125er teilt, daher sind die Ventilquerschnitte eher etwas klein geraten.
  • Auspufftuning: hier gibt es auch eine reichliche Auswahl von diversen Herstellern, was mich aber an den meisten stört ist die Optik, die in den wenigsten Fällen mit den klassischen Linien der Vespa harmoniert. Daher bleibe ich hier erstmal beim Stahltopf.

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