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Schlagwort: sachsen

Riesengebirgstour, Tag 4: Dresden – Berlin

Schade, schon der letzte Tag der Tour. Nach den beiden tollen und intensiven Tagen durch Sächsische und Böhmische Schweiz sowie Riesen- und Isergebirge hieß es jetzt wieder Solofahrt, da sich hier wieder Thomas und meine Wege trennten.

Um noch zu einigermassen familienfreundlicher Zeit in Berlin zu sein klingelte der Wecker schon um 06:00 Uhr und kaum eine Stunde später brabbelte mein Einzylinder durch das sonntägliche Dresden, das gerade von der Morgensonne wachgeküsst wurde.

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Der Beginn der Route glich der Hinfahrt von Tag 1. Zunächst durch Dresden durch und dann auf der B97 grob Richtung Hoyerswerda rollen. In Schwepnitz führte mich die Route weiter nach Osten Richtung Spremberg, Gubin, Eisenhüttenstadt und Frankfurt / Oder.

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Die morgendliche Sonne und die leeren Strassen sorgten für ein stressfreies und zügiges Fortkommen und mit Klangkarussell hatte ich mir Gute-Laune-Mucke auf die Ohren gelegt.

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Hinter Hoyerswerda fuhr ich weiter Richtung Schwarze Pumpe durch renaturiertes Braunkohletagebaugebiet. Das sieht insofern etwas ungewohnt aus, daß es streckenweise ein „normales“, von der Natur geformtes Landschaftsbild vermissen lässt. Dies fiel mir aber erst nach einiger Zeit auf, zu vor war es nur eine unterbewusste Wahrnehmung à la „Irgendwas ist hier anders!“. Jedenfalls stand auf dem, was früher Tagebau war nun Windräder, die Landschaft diente also nach wie vor der Energiegewinnung, nur in anderem Kontext.

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Aus der Ferne bereits gut zu erkennen war das Braunkohle-Großkraftwerk „Schwarze Pumpe“. Das Kesselhaus ragt hoch über die umstehenden Wälder hinaus und der Schlot stiess massive Wolkengebilde in den stahlblauen Himmel.

Etwas absurd mutete streckenweise das Tempolimit von 30 an, fuhr ich doch auf sehr gut ausgebauten Landstrassen. Die Begründung lieferte das Zusatzschild unter der „30“, daß diese Massnahme mit Erdabsackungen begründete. Es könnte also durchaus der Fall sein, daß hinter der nächsten Biegung einfach mal statt Strasse ein einfamilienhausgroßes Loch ist.

Fahrerisch war die Strecke bislang eher kurvenarm, das sollte sich auch erst nach Cottbus ändern. Doch zu vor machte ich noch halt an der Talsperre Spremberg, die über das Örtchen Schäferberg zu erreichen ist. An Campingplätzen vorbei kam mir das schattige Plätzchen am Seeufer ganz recht für eine erste Pause für den Tag.

5 talsperre-spremberg

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Weiter ging es hinter Cottbus auf der B97 durch ziemlich ortschaftsloses Gebiet. Dafür passierte ich den einen oder anderen Tagebau sowie Bahngleise, die vornehmlich dem Koheltransport dienen. In seeeeeehr langen Zügen, wie ich an dem einen Bahnübergang feststellen musste, an dem ich gefühlt einen halben Tag stand.

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Eine Ortschaft, genauer gesagt eine Tankstelle wären langsam aber angebracht gewesen, wie mir mein Warnlämpchen im Cockpit anzeigte. Morgens in Dresden hatte ich nur zum Brötchenfassen angehalten, da der Tank noch halb voll war. Es sollte sich herausstellen, daß sich meine treue F650GS auf der Landstrasse um einiges sparsamer herausstellen sollte als im Normalbetrieb, der schwerpunktmässig im Stadtverkehr oder auf kleineren Touren stattfand. Hier musste nach spätestens 220km getankt werden, aber auf dieser Tour ging das Warnlämpchen erst nach 260km an.

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Die Tankreichweite erlaubte es mir jedenfalls noch, in Gubin auf die polnische Seite zu fahren und hier nochmals günstig vollzutanken, bevor ich weiter nach Eisenhüttenstadt fuhr.

9 eisenhüttenstadt

Dort kam ich erstmal an vornehmlich rosa getünchten DDR-Vorzeigewohnblocks vorbei, bevor ich stadtauswärts am Stahlwerk vorbeikam, das der Stadt ihren Namen gab. Auch hier im tiefen Osten hatte die Globalisierung nicht Halt gemacht, prangte doch von der Anlage in großen Lettern das Logo des indischen Stahlmultis ArcelorMittal.

Von Eisenhüttenstadt wäre es noch ein Katzensprung nach Frankfurt / Oder gewesen, aber da ich dermaßen gut in der Zeit lag, erlaubte ich mir eine spontane Routenmodifikation. Also erstmal den Abzweig nach Pohlitz genommen um beim Segelflugplatz eine Pullerpause zu machen.

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Müllroser See

Über Müllrose (ja, so heisst der Ort wirklich) und Beeskow sollte es Richtung Scharmützelsee gehen – oh, kuck mal ein Golfplatz – um dann bei Fürstenwalde auf die Autobahn zu fahren und die letzen Kilometer zur Familie nach Hause zu reiten. 320 Kilometer sollten es am Ende für den Finaltag gewesen sein. Und ich war kurz nach dem Mittagessen zu Hause. Toll!

Die Route der Tour könnt ihr bei Checkmytour einsehen!

Notiz an mich selber: wenn man seine Tour mittels GoPro-Kamera dokumentiert, sollte man neben Batterieladezustand und verbleibender Speicherkapazität auch ab und zu mal die Linse kontrollieren. Dann hat man auch feststellen ob irgendein Fluginsekt auf selbiger nicht spektakulär den Freitod gesucht hat und – nur ein klitzekleines bisschen – die Bildqualität beeinträchtigt.

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Fazit: Schon bereits nach dem Aufstehen an diesem Morgen fragten wir uns „Und wo fahren wir nächstes Jahr hin?“ Am Abend des Tages beantworteten wir uns diese Frage selber:

So viele Touren bin ich ja noch nicht gefahren und in den Alpen war ich auch noch nicht. Aber an dieser Region – Sächsische Schweiz, Osterzgebirge, Riesen- und Isergebirge – habe ich Blut geleckt. Zumal Dresden von Berlin aus relativ schnell erreichbar ist. Man könnte sicherlich eine Woche lang in Dresden das „Basislager“ beziehen und jeden Tag neue, tolle Touren fahren. Oder von Dresden aus das Erzgebirge runter bis in den Bayrischen Wald.

Auf jeden Fall waren diese vier Tage nur ein erster Vorgeschmack. Wie sagte schon Arnold Schwarzenegger? „I’ll be back!“

Riesengebirgstour 2013 – Vorschau

Ich muss ja gestehen ich bin ein bischen uffjerecht. Wie ein Vierjähriger am Weihnachtsabend. Nächste Woche fahre ich auf meine erste richtige  – weil mehrtägige – Motorradtour. Vor ungefähr einem halben Jahr las ich in einer Motorradzeitschrift über eine Tour durchs Riesengebirge. Da von Berlin aus die „echten“ Alpen etwas weit weg sind, ein Trip nach Dresden als Anreise aber nur etwas über zwei Stunden dauert, war ich gleich Feuer und Flamme.

Alleine fahren wollte ich nicht, also fragte ich mal im Freundes- und Bekanntenkreis rum, letztendlich fahre ich nun mit meinem Schulfreund Thomas in Rübezahls Reich.

Riesengebirgstour 2013

Donnerstag geht es los mit der Anfahrt nach Dresden, wo ich mit dem aus München kommenden Thomas treffen werde. Statt wie diese Woche stumpf über die Autobahn zu hobeln, habe ich mir eine Landstraßenroute durch den Spreewald und über Senftenberg nach Dresden ausgesucht (ca. 218 km, 4 Stunden 30 Minuten).

Am Freitag geht es von Dresden aus zunächst zu einem der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, der Bastei. Danach die Elbe entlang und bei Hřensko links ab in die Tschechei und ins die Böhmische Schweiz. Danach weiter Richtung Liberec, wo wir den Hausberg Ještěd erklimmen werden – das ist der Berg mit dem lustigen Spitzhütchen oben drauf. Über Tanvald geht es weiter über kurvige Bergstraßen Richtung Špindlerův Mlýn (Spindlermühle), einer der bekanntesten Wintersportorte Tschechiens, hier entspringt übrigens auch die Elbe. Die letzte Etappe des zweiten Tages führt und nach Zaclér, kurz vor der polnischen Grenze, wo wir übernachten werden. Hier der Routenverlauf (ca. 277 km, 6 Stunden), den ihr übrigens bei Google Maps auch in einer 3D-Ansicht animiert anschauen könnt, wenn ihr auf den 3D-Button drückt:

Google Maps 3D Funktion

Ein sehr lustiges Feature.

An Tag 3 (270 km, 6 Stunden) geht es auf die polnische Seite des Riesengebirges, wo als erstes Highlight gleich die höchste Erhebung des Riesengebirges auf uns wartet: die Schneekoppe mit über 1.600 Metern. Ich konnte im Vorfeld nicht herausfinden, ob der Weg zum Gipfel komplett befahrbar ist, aber das werden wir schon sehen. Anschliessend geht es durch das Hirschberger Tal, bevor wir über Szklarska Poręba wieder den Weg nach Tschechien zurück finden um kurz hinter der Grenze nach Harrachov zu kommen. Mal schauen wie die Skisprungschanzen im Frühling aussehen. Danach führt uns die Route Richtung Isergebirge an der Darretalsperre vorbei. Über Hejnice und Frydlant geht es kurz nach Bogatynia, Polen, bevor wir in Zittau wieder nach Deutschland kommen. Über Neustadt fahren wir dann wieder zurück nach Dresden.

An Tag 4 trennen sich wieder Thomas und meine Wege. Die Heimfahrt nach Berlin (292 km, 5 Stunden) werde ich über Spremberg, Guben, Eisenhüttenstadt und Frankfurt / Oder antreten. Entweder fahr ich von dort aus denn den Restweg über die Autobahn oder fahre über die B5 und B1 nach Hause.

Ob mir nach 4 Tagen und 1.100 Kilometern der Ar*** weh tun wird? Sicherlich! Ob es das Wert sein wird? Auf jeden!

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