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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Schlagwort: Roadster

Motorradmedienwandel

Die für mich persönlich schlechteste Nachricht der Woche aus Motorradsicht betraf das nahende Aus meiner Lieblings-Motorradzeitschrift CRAFTRAD. Die nächste Ausgabe wird die letzte sein. Gleiches gilt für die Roadster.

Motorradfahren ist eh schon eine Nische. Custombikes und Custombike-Kultur ist dann die Nische in der Nische. Spannende Stories und ein starkes visuelles Konzept alleine sind kein Garant für ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept, wenn sie nicht ausreichend zu monetarisieren sind. Doch dazu an anderer Stelle ausführlicher.

Sebastian Bauer und Clemens Gleich betreiben den sehr hörenswerten Podcast „Die Hupe“. In ihrer aktuellen Ausgabe beschäftigen sich die beiden sehr ausführlich und detailliert mit dem Motorradmedienwandel. Reinhören:

 

Die Lifestylisierung der Motorrad-Presse

Motorrad-Lifestyle-Magazine

Wes Siler reflektiert Anfang der Woche auf Lanesplitter die Pressevorstellung der neuen Ducati Scrambler, bei der nicht nur die klassische Motorjournaille anwesend war, sondern auch diverse Lifestylemagazine mit lumbersexuellen Redakteuren. Für Ducati reflektiert das die Positionierung der neuen Scrambler, aber es zeigt auch die notwendigen Schritte, die ein Hersteller gehen muss, um wieder jüngere Zielgruppen ans Motorrad heranzuführen. Nicht nur ein Motorrad bauen, welches dieser Zielgruppe entspricht, sondern auch jenseits der oft ingenieursgetriebenen Journaille neue Verbreitungswege zu suchen.

BikeExifs Chris Hunter kommentierte zu diesem Artikel und richtete seine Kritik gegen die Verlagshäuser:

It makes me wonder if we are approaching the endgame for the mainstream US moto press. I know that some advertisers are questioning why they should pay $15, $25 or $35 CPM for ads. Especially when they can get similar audience reach elsewhere, and for less money. Where there aren’t so many overheads or salaries or lunches or offices.

Die deutsche Motorrad-Presselandschaft ist bereits sehr vielfältig, von den Klassikern wie MO und Motorrad über die Custombike zu mehr oder weniger professionellen, reiseorientierten Motorradmagazinen. In den letzten Wochen kamen nun zwei Verlage mit neuen, lifestyleorientierten Titeln auf den Markt: die Motor Presse Stuttgart launchte diese Woche die“FUEL“, der Huber Verlag aus Mannheim brachte „Roadster“ bereits vor ein paar Wochen in den Handel.

In ihrer Themenauswahl gibt es einige Parallelen:

  • über das Wheels & Waves schreibt in der FUEL Sven Wedemayer, im Roadster Herrmann Köpf. Beide schätze ich sehr, jeder bringt seine persönlichen Eindrücke zu Papier, Herrmann fokussiert mehr auf das Event an sich, Sven bringt mehr den generellen Fokus auf die Motorradszene.
  • die Suzuki Fat Mile sowie die Ducati Scrambler wird in beiden Magazinen vorgestellt,
  • Custom-Schrauber werden vorgestellt (HB Custom in der Roadster, Urban Motor in der FUEL), sowie
  • Menschen und ihre Custombikes werden präsentiert.

Fehlt nur noch der Glemseck-Artikel und der übliche Themenmix wäre komplett. Ich würde mir ja wünschen, daß gerade in diesen etwas ambitionierter positionierten Titeln neue Themen gespielt würden. Gerade bei den Customschraubern gibt es noch so viele un- oder wenig bekannte wie Mokka Cycles aus Budapest, Red Hot Chili Customs aus Stettin oder ER Motorcycles aus Slowenien. Überm großen Teich gibt es auch noch Dustin Kott oder Max Hazan. Ebenso existieren neben dem Glemseck und dem W&W viele interessante Motorradtreffen, beispielsweise die im letzten Jahr sehr ambitioniert gestarteten BSMC-Events oder das Dirt Quake.

Von den sonstigen Artikeln ist die Roadster etwas mehr motorrad-fokussiert und bietet auch noch einige Tests im Heft, die FUEL bringt eher Roadtrips wie Svens Bericht über eine nächtliche Ausfahrt durch Berlin mit zwei alten Guzzi V7 Special oder ein Interview mit Motoraver-Helge über den Film „Königreich Klitmøller“ (der allerdings schon über ein Jahr alt ist).

Fazit: beide Titel haben Potential, die Profile der Titel sollten noch etwas geschärft werden und neue Themen aufgegriffen werden, anstatt bekanntes in neuem Anstrich zu präsentieren.

Um das Statement von Chris Hunter nochmals aufzugreifen, weiss ich nicht, ob beide Titel sich in dem gesättigten Special Interest-Markt durchsetzen können. Hierzu sind neben entsprechenden Aboeinnahmen auch Anzeigenerlöse notwendig. Und vielleicht ein ernst zu nehmendes, begleitendes Digitalangebot, was bei beiden noch deutlich ausbaufähig ist.

Intermot: Neues von BMW Motorrad

Schon komisch, wenn man als hauptberuflicher Online-Marketing-Mensch in den Hallen der Köln Messe steht und es ist nicht dmexco. Aber der Anlaß war ein sehr angenehmer, BMW Motorrad hatte eingeladen, sich auf der Messe ihre neuen Bikes sowie Fahrerausstattung anzuschauen. Nach der Pressekonferenz führte uns Ola Stenegard über den Stand und erklärte die drei erstmals der Öffentlichkeit vorgestellten S 1000 RR, R 1200 R sowie R 1200 RS.

BMW S1000 RR

Bei der neuen BMW S1000 RR wurde Weiterentwicklung auf sehr hohem Niveau betrieben. Mit einem optimierten Drehmomentverlauf mit einem maximalen Drehmoment von 113 Nm, einer um 4 kW (6 PS) gesteigerten Motorleistung von nun 146 kW (199 PS) sowie einer Gewichtsreduzierung von 4 kg auf 204 kg vollgetankt geht der 2009 erstmals vorgestellte Supersportler in seine nächste Generation.

Obwohl die komplette Karosserie neu gestaltet wurde schien es mir auf dem ersten Blick, als stünde die alte vor mir. Als erstes fiel mir der neue Auspuff auf, die anderen Änderungen erschliessen sich erst auf dem zweiten Blick. Die asymmetrischen Frontscheinwerfer haben ihre Position getauscht. Die Haifischkiemen auf der rechten Verkleidungsseite sind immer noch da, aber in neuer Form.

Fahrwerksseitig erhielt die neue RR eine neue, leichtere Rahmenstruktur, zusammen mit einer verfeinerten Fahrwerksgeometrie mit neu definierten Werten für Lenkkopfwinkel, Nachlauf und Radstand und Schwingendrehpunkt sorgt sie für noch besseres Handling.

Liest man sich die ganzen Verbesserungen an der neuen RR durch, merkt man auf welchem hohen Niveau hier gearbeitet werden muss, um die Maschine noch besser zu machen. Da die alte RR schon ein voll austrainierter Supersportler war, sind Spielräume für Verbesserungen eng. BMW wäre aber nicht BMW, wenn sie nicht noch welche gefunden hätte.

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BMW R1200 R

BMW Motorrad und der Roadster mit Zweizylinder-Boxer-Motor. Diese Kombination zieht die Fans seit der R 32 vor nunmehr 91 Jahren in ihren Bann, steht der Roadster doch für die pure Freude am Motorradfahren. Der Boxermotor der neuen R 1200 R entspricht dem DOHC-Triebwerk, wie es bereits in der R 1200 GS, R 1200 GS Adventure sowie in der R 1200 RT und der neuen R 1200 RS zum Einsatz kommt. Die Abgasführung erfolgt über eine 2-in-1-Abgasanlage mit dynamisch steil angestelltem Endschalldämpfer. Eine angepasste Airbox, neu geformte Luftansaugschnorchel sowie ein zentral platzierter Wasserkühler ermöglichen eine für Roadster-Belange erwünscht schmale Frontsilhouette. Ein neuer Stahlrohr-Brückenrahmen integriert den Zweizylinder-Boxer als mittragendes Element. Vorne wurde auf den Telelever verzichtet, um die klassische Roadster-Optik zu halten wurde eine Upside-down-Telegabel verbaut, am Heck tut ein EVO Paralever seinen Dienst.

Die Sitzhöhe ist identisch zu meiner F650 GS und auch der breite Lenker kommt der mir gewohnten und geschätzten Fahrposition sehr nahe. Der Knieschluss am Tank ist sehr gut und lädt dazu ein, den Roadster zwischen die Beine zu klemmen und in die nächste Kurve zu zirkeln.

Vom Design her steht hier ein selbstbewusster Power Roadster, der die BMW Modellpalette in diesem Segment nach oben abrundet. Die Sicke im Tank ist ein vielleicht ungewolltes Zitat der alten K100, jedenfalls typisch BMW. Am Frontscheinwerfer schieden sich für mich zunächst die Geister, zu sehr erinnerte er mich an den einen oder anderen Japaner. Aber bei angeschaltetem Tagfahrlicht erkennt man gleich das an der BMW Concept Roadster umgesetzte „Knochendesign“.

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BMW R1200 RS

Als erstes Großserienmotorrad der Welt verfügte die R 100 RS im Jahre 1976 über eine im Windkanal entwickelte, rahmenfeste Vollverkleidung und begründete als perfekter Allrounder für Reise und Sport das Marktsegment der Sporttourer, wie wir es seitdem kennen. Mit der neuen R 1200 RS setzt BMW Motorrad diese lange Tradition fort und präsentiert einen Sporttourer mit dem bewährten Zweizylinder-Boxermotor.

Auch das Schwestermodell R 1200 R bietet mit Koffersystem Reisequalitäten, mit Vollverkleidung bietet die RS auf der Langstrecke sicherlich die etwas ermüdungsfreiere Alternative. Antriebs- und fahrwerksseitig bieten beide Motorräder das gleiche, qualitative Setup.

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Soviel vom kucken. Wann können wir diese Bikes jetzt fahren, BMW?

Edit:

Gerade bekam ich die Info zu den Verkaufsstarts:

  • S 1000 RR und R 1200 R: Anfang der nächsten Motorrad Saison, Anfang März 2015
  • R 1200 RS: Anfang Mai 2015

Boxer brennen: Test BMW R nineT

Nachdem ich auf den BMW Motorrad Days mit Ola Stenegärd angeregt über Motorraddesign, den Concept Roadster und die nineT geplauscht hatte, wurde es Zeit, mal zu erfahren ob die Ninette nur gut aussieht oder ob sie auch performt. Irgendein leichtsinniger BMW Pressemensch händigte mir die Schlüssel aus und ein bisschen aufgeregt stieg ich auf die nineT. Soweit war ich beim Händler auch schon gekommen. Die Sitzhöhe ist mit 785 mm fast identisch mit meiner 2002er F650 GS, jedoch fühlt es sich deutlich tiefer an, weil das Motorrad sehr kompakt wirkt. Man sitzt durch den langen Tank relativ weit hinten. Der Lenker hat eine angenehme Breite, wodurch sich die nineT sehr gut in die Kurven zirkeln läßt.

BMW Motorrad Days 2014: Testfahrt mit der R nineT, Foto: http://petermusch.com/

BMW Motorrad Days 2014: Testfahrt mit der R nineT, Foto: http://petermusch.com/

Zündschlüssel, Anlasser, aus den Akrapovic-Tüten bellt tiefer, basslastiger Boxersound. Hätte ich die Qual der Wahl, würde ein geänderter Auspuff nicht auf meiner unmittelbaren Umbauliste stehen. Die Serienanlage macht da schon einen sehr guten Job.

Zuerst gilt es die nineT durch die Menschenmenge auf den BMW Motorrad Days bis zur Ausfahrt zu zirkeln. Mit Standgas und Kupplung bewege ich das Motorrad ruhig durch die Menge, sie fühlt sich gut ausbalanciert an. Aus der Ortschaft raus darf das erste Mal richtig beschleunigt werden. Und der Boxer beisst bereits aus niedrigen Drehzahlbereichen ordentlich zu, das Gesäß wandert schlagartig Richtung Aluminium-Höckerabdeckung und bleibt da auch erstmal, während ich den luftgekühlten Boxer durch die präzise zu schaltenden Gänge orgel.

BMW Motorrad Days 2014: Testfahrt mit der R nineT, Foto: http://petermusch.com/

BMW Motorrad Days 2014: Testfahrt mit der R nineT, Foto: http://petermusch.com/

Weiter den Berg hinauf auf kurviger Landstrasse macht die Ninette eine sehr gute Figur. Das straffe Fahrwerk sorgt für gute und stabile Strassenlage, was mich ermutigt, in den Kurven auch etwas mehr Leistung beim rausbeschleunigen abzurufen. Obwohl ich nur ein paar Kilometer Landstraße fahren konnte, passte das Motorrad von Anfang an perfekt, ich fühlte mich auf dem Hocker sofort wohl und vertraut.

Als mir auf der Rückfahrt mein BMW-Begleiter seine C600 Sport zum Wechseln anbietet, lehne ich dankend ab. Netter Versuch! Gerne wäre ich die nineT länger gefahren. Der Spaß, den man mit ihr auf der Landstrasse haben kann, deutete sich vehement an. Das ist eine wirklich schöne Fahrmaschine geworden. Vielleicht nicht das Fahrzeug für die große Tour oder die Ausfahrt mit Sozius, dazu ist sie zu kompakt geraten. Aber für die Nummer „1 Mann, 10 Alpenpässe“ wäre sie der perfekte Begleiter. Selten fiel es mir bei einem Testmotorrad so schwer, den Schlüssel wieder abzugeben!

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