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Schlagwort: Motorradreisen

Stilfser Joch neu erzählt: „Abseits der Kehren“ zeigt, was man auf dem Motorrad nie sieht

Wenn man oft genug über den Stelvio gefahren ist, glaubt man irgendwann, man hätte den Pass verstanden. Ich dachte das auch. Bis ich den fertigen Film Stilfser Joch – Abseits der Kehren gesehen habe. Jürgen Theiner kennt den Berg wie kaum ein anderer, klar. Aber was der Film zeigt, geht weit über die typische Motorradperspektive hinaus. Plötzlich rückt nicht die Straße in den Mittelpunkt, sondern all das, was man im Vorbeifahren übersieht: die Geschichten, die Narben, die Spuren der Zeit. Und genau deshalb fühlt sich der Film an wie ein neuer Blick auf einen Ort, den man zu kennen glaubte.

Der Film lässt die gewohnten Stelvio-Bilder schnell hinter sich. Keine Selbstdarstellungs-Romantik, kein Serpentinen-Fetisch. Stattdessen öffnen Jürgen und Filmemacher Alex Milz Räume, die man fahrend nie betreten kann. Es wird klar, wie radikal die Geschichte dieser Straße eigentlich ist. Carlo Donegani und seine Arbeiter haben das Ding vor 200 Jahren in den Berg gezimmert – gegen Widerstände, mit Menschen, die unter Bedingungen gearbeitet haben, die heute eher nach „unmöglich“ klingen würden. Der Film erzählt das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch Stimmen und Orte, die mehr sagen als jede Dramamusik.

Richtig eindrücklich wird es, wenn die Erzählung in den Ersten Weltkrieg springt. Dass die Frontlinie direkt über die Passhöhe verlief, liest man immer wieder – aber im Film bekommt das Gewicht. Die Reste der Stellungen, die Schützengräben, die Fundstücke im Geröll: Plötzlich ist man gedanklich nicht mehr auf einer der bekanntesten Motorradstraßen Europas unterwegs, sondern an einem Ort, an dem Geschichte im Fels steckt. Arthur Gfrei erzählt davon mit einer Ruhe, die mehr unter die Haut geht als jede Pathos-Erzählung.

Was mich selbst am stärksten getroffen hat, ist der Blick auf die Veränderung des Berges. Der Ortler-Gletscher, der einst bis ins Tal reichte, ist heute nur noch ein Rest. Das sieht man fahrend nicht – der Film zeigt die Spuren, die Felsen, das kahle Gestein, das in den letzten Jahrzehnten freigelegt wurde. Und dann die Szene an den Drei Brunnen: Die Wallfahrtskirche, halb verschüttet, umgeben von Geröll, das der Berg heute ungebremster ins Tal drückt als früher. Keine Übertreibung, keine apokalyptische Rhetorik. Einfach Realität. Und sie wirkt.

Beim Schauen habe ich mich selbst gefragt, ob ein 45-Minuten-Film über einen Alpenpass nicht irgendwann hängen bleibt. Tut er aber nicht. Im Gegenteil. Es ist spannend zu sehen, dass der Motorradteil nicht versucht, im Vordergrund zu stehen. Er ist da, aber nie Mittelpunkt. Selbst das Elektromotorrad wirkt nicht wie ein „Schaut mal, wie modern wir sind“-Signal, sondern einfach wie ein natürlicher Teil der Szenerie. Fast schon folgerichtig für einen Ort, an dem das Motorengeräusch oft eh im Wind verschwindet.

Das historische Filmmaterial fügt sich harmonisch ein. Es ist kein Rückblick, sondern ein Baustein der Gegenwart – weil es erklärt, warum die Gebäude aussehen, wie sie aussehen, und warum der Trubel, der oben herrscht, eben kein Zufall ist. Was der Film gut hinbekommt: Er bewertet das nicht. Der Pass ist laut, er ist voll, er ist manchmal anstrengend. Aber er lebt davon. Und wer ihn früh morgens oder spät abends erlebt hat, weiß, dass die Ruhe genauso dazugehört wie der Rummel.

Schön ist auch, wie selbstverständlich der Film den Übergang nach Bormio einbindet. In wenigen Kilometern wechselt die Sprache, die Landschaft, die Architektur. Es fühlt sich an wie ein Sprung in eine andere Welt – und zeigt, wie sehr der Stelvio Verbindung und Grenze zugleich ist.

Am Ende bleibt ein Film, der den Pass nicht verklärt. Er zeigt die Schönheit, aber auch die Brüche. Er zeigt die Straße, aber auch das, was unter ihr liegt – im wörtlichen wie im historischen Sinn. Für mich ist „Abseits der Kehren“ deshalb kein Motorradfilm, sondern eine Dokumentation über einen Ort, der viel mehr ist als seine 48 Kehren.

Wenn Du jetzt auch Lust bekommen hast, den Stelvio wieder mal zu befahren, in meinen Tourentipps findest Du viele spannende Routentipps für die Alpen und darüber hinaus.

Abenteuer pur: Adventure Country Tracks Montenegro & Albanien feiert heute Premiere auf YouTube

Es ist soweit: Heute Abend um 20:00 feiert der neueste Film der Adventure Country Tracks Serie auf YouTube Premiere. Diesmal nimmt uns das Team mit auf eine Reise durch die wilden Landschaften von Montenegro und Albanien. Der Film verspricht nicht weniger als epische Motorradabenteuer, extreme Trails und unvergessliche Landschaften.

Warum dieser Film ein Muss ist

Die achte ACT-Route stellt erneut alles in den Schatten. Über sechs Tage hinweg navigieren die Fahrer durch die teils gnadenlose Natur, erklimmen einsame Bergpässe und durchqueren abgelegene Dörfer. Dabei werden sie nicht nur von der unberechenbaren Witterung und anspruchsvollen Strecken gefordert, sondern wachsen auch über ihre eigenen Grenzen hinaus. Dieser Film zeigt nicht nur, wie die Fahrer den widrigsten Bedingungen trotzen, sondern auch, wie sie dabei die wahre Bedeutung von Ausdauer und Teamgeist entdecken.

Highlights der Route

Der Film beginnt in Montenegro im Durmitor Nationalpark – einem Ort, der mit seiner schieren Naturschönheit allein schon den Atem raubt. Von dort geht es weiter nach Albanien, wo die Fahrer unter anderem die berüchtigten Trails von „Hellbania“ bezwingen. Ob unwegsame Schotterpfade, tief eingeschnittene Canyons oder das majestätische Berat Castle – jede Etappe ist ein Highlight für sich.

Neben den Herausforderungen gibt es auch Momente der Besinnung: Die Fahrer begegnen den Menschen vor Ort, entdecken kulturelle Schätze und machen unerwartete Erfahrungen – vom improvisierten Reifenwechsel bis hin zum Ritt auf einem Esel. Kein Tag gleicht dem anderen, und genau das macht den Reiz dieser Tour aus.

Meine Begegnung mit Charley Boorman

Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit, die Vorpremiere des Films in Köln zu besuchen. Und als ob das nicht schon aufregend genug gewesen wäre, traf ich dort Charley Boorman. Ja, den Charley Boorman – bekannt aus Long Way Round und Long Way Down. Seine Begeisterung für das Projekt war ansteckend, und es war faszinierend, seine Gedanken zur Motorradabenteuerwelt zu hören.

Jetzt einschalten!

Also: Popcorn bereitstellen, die Abend frei machen und den Film geniessen. Falls ihr danach Lust bekommen habt, selbst die Koffer zu packen und euch auf ein Abenteuer zu begeben, könnt ihr weitere Informationen zu den ACT-Tracks auf www.adventurecountrytracks.com finden.

Was hält Dich zurück?

Über Rosie Gabrielle stolperte ich irgendwann mal bei Instagram, wo sie regelmässig Bilder von ihren Begegnungen und Erlebnissen ihrer Motorradreisen postet. Sie ist schon weit rumgekommen und hat mit dem Motorrad unter anderem Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Indien, Türkei, Oman, Pakistan, die USA und ihre Heimat Kanada bereist.

Aktuell stieß ich wieder auf sie, als sie im aktuellen BMW Motorrad Podcast zu Gast war. Und hier erfuhr ich erstmals mehr über ihren Hintergrund und ihre Motivation. Ursprünglich aus Vancouver bereist sie schon früh die Welt. Mit 19 macht sie ihren ersten Trip nach Südostasien und als ihr das Umherreisen mit dem Bus nicht die Zeit ließ, das Land richtig zu entdecken mietete sie sich kurzerhand ein Motorrad. Es folgten 12.000km in sechs Monaten auf einer 125cc Honda Dream. Im Oman arbeitet sie immer wieder zwischen ihren Reisen als professionelle Fotografin. Am liebsten aber bereist sie die Welt mit dem Motorrad. Alleine. Als Frau. Mit einer dauerhaften, schweren Erkrankung (Lyme-Borreliose). Im BMW Motorrad Podcast spricht sie sehr offen über ihre Geschichte:

Berichte über ihre Reisebegegnungen postet sie auch auf ihrer Facebook-Seite ihrem YouTube-Kanal.

Ähnlich wie Rolf Lange fokussiert sie sich auf die Begegnungen mit den Menschen, die für sie ein zentraler Antreiber sind. Schöne und berührende Geschichten. Und am Ende fragt man sich: was hält mich eigentlich zurück, es ihr gleich zu tun.

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