So, das war also der Harzer Roller:

Wo fahr ich am besten lang?
Wie so immer kommt das Anstrengendste am Anfang. In diesem Fall war es die Anreise von Berlin in den Südharz nach Aschersleben. Autobahnschrubben bei Nieselregen, später kam vor Magdeburg die Sonne raus. Nach knapp drei Stunden konnte ich Autobahn und Bundesstrasse hinter mich lassen um bei Falkenstein in den Harz einzufahren. Schon die ersten Kilometer machten Spaß auf schmalen, kurvigen Landstrassen den Berg hinauf zu rollern. Die erste Routenänderung war leider relativ schnell fällig, da die Ortsdurchfahrt von Schwielow gesperrt war. Die Umfahrung über die B242 war unspektakulär, hinter Harzgerode bog ich in Alexisbad rechts ab und fuhr auf neben der Strecke der Selketalbahn Richtung Gernrode, danach über Bad Suderode wieder nach Süden nach Allrode.

Hier sollte dann eine der tollsten Streckenabschnitte des Tages folgen, über Treseburg wollte ich zur Rappbodetalsperre, hatte aber in Treseburg den Abzweig verpasst und fuhr etwas weiter nördlich bis nach Wienrode. Hat aber überhaupt nichts ausgemacht, denn die schmale Landstrasse kurvte sich sehr launig rauf und runter, Gerade waren eher Mangelware. Vor mir fahrende Autos konnten sich nicht überholen, da die Strasse hierfür zu schmal war. Aber mit dem Roller passte ich auf den kurzen Verbindungsstücken zwischen zwei Kurven fast immer durch!

Nach Wienrode ging es ein kurzes Stück die B81 zurück zur Rappbodetalsperre, eine sehr beeindruckende Talsperre und anscheinend auch der lokale Bikertreff. Unter anderem wegen des Tunnel der Landesstraße 96, direkt nordwestlich der Staumauer in der Ostflanke des Nickelsbergs, den viele Moppedfahrer zum Soundcheck nutzen!

Leider war hier die L96 zur Weiterfahrt nach Rübeland gesperrt, so daß ich wieder ein Stück zurück fahren und einen kleinen Umweg über Hüttenrode nehmen musste. Was nicht weiter schlimm war, denn auch hier ging es auf einer gut ausgebauten Landstrasse kurvig ins Tal. Von hier hatte man auch einen sehr schönen Blick auf den Brocken.

Hinter Elbingerode verlief die Strecke etwas gerader und führte mich über die ehemalige Zonengrenze durch Elend (ohne Scheiss, der Ort heisst so) nach Braunlage. Hinter Braunlage sollte dann noch ein schönes Schmankerl warten, die Auffahrt zum Andreasberg. Auch hier freie Fahrt und tolle Kurven bis über 800 Höhenmetern. Die Vegetation veränderte sich hier auch merklich und ähnelte etwas dem Riesengebirge bei Harrachov (siehe Riesengebirgstour im letzten Jahr).

Über Torhaus, Altenau und den Okerstausee drehte ich noch eine Schleife durch den Oberharz, bevor ich in Clausthal-Zellerfeld mein Nachtlager aufschlug.

Auch wenn ich nur einen Bruchteil der Harzer Strassen gefahren bin kann ich jedem das Revier hier nur empfehlen. Man kann nicht wirklich viel falsch machen, der Strassenzustand ist größtenteils sehr gut, egal wo man unterwegs ist findet man Kurven ohne Ende und obwohl Ferienzeit war, hielt sich der Verkehr in Grenzen, was die Laune am Fahren deutlich steigerte. Und ich glaube Kutze ist da auch meiner Meinung!

Taugt der Roller auf der Tour?
Mit 22 PS ist die Vespa 300 GTS Super kein Kraftmax. Auf der Autobahn war ein Reisetempo von 115-120 km/h drin, was für forsch gefahrene Busse auf der rechten Spur auf jeden Fall reichte. Im Harz angekommen fühlte ich mich auf jeden Fall ausreichend motorisiert. Natürlich muss man auf den Punch am Kurvenausgang verzichten, den man mit einem besser bestückten Motorrad hat. Aber wenn man seine Fahrweise anpasst und flüssig fährt, saubere Linien in den Kurven hält und so wenig wie möglich kinetische Energie abbaut kann man durchaus an größeren Moppeds dranbleiben. Vor allem auf den engeren Landstrassen würde man größere PS-Zahlen eh‘ nicht gewinnbringend einsetzen können. Ich bin heute über 400 Kilometer gefahren und mein Durchschnittstempo war nur unwesentlich langsamer als mit der BMW. Auf schlechteren Fahrbahnbelägen fehlen die Fahrwerksreserven einer großen Maschine, auch die kleineren Räder sind in Kurven weniger stabil.

Der Roller bietet mit dem – zugegebendermassen nicht wirklich hübschen – Topcase und dem Stauraum unter der Sitzbank genug Platz für das Gepäck einer Ein- bis Zweitagestour.

Das wirklich große Manko ist der geringe Tankinhalt von 9,2 Litern, vor allem wenn man in ländlichen Gebieten unterwegs ist, wo es nicht an jedem Kniefall eine Tankstelle gibt. Vor allem auf der Autobahn konnte man dem Zeiger der Tankanzeige beim Fallen zusehen.

Wie ist das mit der Navigation?
Ein Navi habe ich nicht am Roller. Bei der BMW leistet mir das Touratech iBracket gute Dienste. Sinnvolle Navi- oder iPhone-Halterungen für den Roller gehen mir ab. Ohne Tankrucksack kann man auch keine Karten unterbringen. Als alternative hatte ich mir die Screenshots meiner Routenplanung ausgedruckt, laminiert und zusammengebunden. Befestigt wurde das am Gepäckhaken innen am Frontschild, was sich aber als Scheißidee herausstellen sollte. Die Luftverwirbelungen vor allem auf der Autobahn hatten das Kartenwerk permanent so vertüttelt, daß sie nicht mehr zu benutzen waren. Letztendlich habe ich die Karten abgenommen und mich draufgesetzt, um die bei Bedarf rauszuholen. Nicht sehr elegant, hat aber funktioniert.

Was zieh‘ ich bloß an?
Für eine Tour Ende Oktober kann man nie genug Klamotten anhaben. Als ich heute morgen die Wettervorhersagen für die Orte auf der Route durchschaute, überraschte mich Braunlage mit leichtem Schneefall und 5° Celsius. So schlimm sollte es nicht kommen, aber ich war trotzdem froh, daß ich nicht wie ursprünglich meine Maple Motorcycle Jeans angezogen hatte, sondern meine normalen Motorradhosen mit Innenfutter und Thermounterwäsche. Obenrum hatte ich zwei Fleeecepullis an sowie einen Fleecekragen. Die letzten Freitag noch schnell gekauften Thermoboy Alaska Handschuhe haben sich ebenfalls bestens bewährt.