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Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

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Das Video der Riesengebirgstour 2013

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Directors Notes:
Puh, das war ein Stück Arbeit für den ungelernten Videocutter. Trotz allem Experimentieren vor der Tour mit der GoPro habe ich auch hier wieder ein paar Fehler gemacht. Vor allem habe ich die Kamera auf dem Helm zu oft zu tief eingestellt, so daß immer zu viel Strasse statt Panorama zu sehen war. Ärgerlich vor allem bei den schönen und sonnigen Passagen, die wir hatten. Im Vergleich zur GoPro3 hat meine GoPro2 leider nicht die Möglichkeit, über die Kopplung mit dem iPhone das Kamerabild zu kontrollieren.

Die beste Perspektive finde ich immer noch die am Motorrad seitlich angebrachte Kamera. Bei Thomas VFR konnte man die GoPro mittels Saugnapfhalterung schön tief auf der Aussenverkleidung anbringen. Auch nett: die Perspektive nach hinten durch die nach hinten angebrachte GoPro (im Video ab ca. 4:00 min).

Was man auch beachten muss: wenn man 6 1/2 Stunden durch den Regen gefahren ist, muss man das Kameragehäuse gut durchtrocknen, sonst nebelt einem das Bild am nächsten Tag bei steigenden Temperaturen ein (im Video ab ca. 5:00 min).

Selbst mit drei Kameraakkus kam ich bei durchgehendem Filmeinsatz nicht durch den Tag. Da muss ich wohl noch ein USB-Ladegerät investieren, damit ich den Akku unterwegs nachladen kann.

Riesengebirgstour, Tag 4: Dresden – Berlin

Schade, schon der letzte Tag der Tour. Nach den beiden tollen und intensiven Tagen durch Sächsische und Böhmische Schweiz sowie Riesen- und Isergebirge hieß es jetzt wieder Solofahrt, da sich hier wieder Thomas und meine Wege trennten.

Um noch zu einigermassen familienfreundlicher Zeit in Berlin zu sein klingelte der Wecker schon um 06:00 Uhr und kaum eine Stunde später brabbelte mein Einzylinder durch das sonntägliche Dresden, das gerade von der Morgensonne wachgeküsst wurde.

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Der Beginn der Route glich der Hinfahrt von Tag 1. Zunächst durch Dresden durch und dann auf der B97 grob Richtung Hoyerswerda rollen. In Schwepnitz führte mich die Route weiter nach Osten Richtung Spremberg, Gubin, Eisenhüttenstadt und Frankfurt / Oder.

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Die morgendliche Sonne und die leeren Strassen sorgten für ein stressfreies und zügiges Fortkommen und mit Klangkarussell hatte ich mir Gute-Laune-Mucke auf die Ohren gelegt.

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Hinter Hoyerswerda fuhr ich weiter Richtung Schwarze Pumpe durch renaturiertes Braunkohletagebaugebiet. Das sieht insofern etwas ungewohnt aus, daß es streckenweise ein „normales“, von der Natur geformtes Landschaftsbild vermissen lässt. Dies fiel mir aber erst nach einiger Zeit auf, zu vor war es nur eine unterbewusste Wahrnehmung à la „Irgendwas ist hier anders!“. Jedenfalls stand auf dem, was früher Tagebau war nun Windräder, die Landschaft diente also nach wie vor der Energiegewinnung, nur in anderem Kontext.

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Aus der Ferne bereits gut zu erkennen war das Braunkohle-Großkraftwerk „Schwarze Pumpe“. Das Kesselhaus ragt hoch über die umstehenden Wälder hinaus und der Schlot stiess massive Wolkengebilde in den stahlblauen Himmel.

Etwas absurd mutete streckenweise das Tempolimit von 30 an, fuhr ich doch auf sehr gut ausgebauten Landstrassen. Die Begründung lieferte das Zusatzschild unter der „30“, daß diese Massnahme mit Erdabsackungen begründete. Es könnte also durchaus der Fall sein, daß hinter der nächsten Biegung einfach mal statt Strasse ein einfamilienhausgroßes Loch ist.

Fahrerisch war die Strecke bislang eher kurvenarm, das sollte sich auch erst nach Cottbus ändern. Doch zu vor machte ich noch halt an der Talsperre Spremberg, die über das Örtchen Schäferberg zu erreichen ist. An Campingplätzen vorbei kam mir das schattige Plätzchen am Seeufer ganz recht für eine erste Pause für den Tag.

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Weiter ging es hinter Cottbus auf der B97 durch ziemlich ortschaftsloses Gebiet. Dafür passierte ich den einen oder anderen Tagebau sowie Bahngleise, die vornehmlich dem Koheltransport dienen. In seeeeeehr langen Zügen, wie ich an dem einen Bahnübergang feststellen musste, an dem ich gefühlt einen halben Tag stand.

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Eine Ortschaft, genauer gesagt eine Tankstelle wären langsam aber angebracht gewesen, wie mir mein Warnlämpchen im Cockpit anzeigte. Morgens in Dresden hatte ich nur zum Brötchenfassen angehalten, da der Tank noch halb voll war. Es sollte sich herausstellen, daß sich meine treue F650GS auf der Landstrasse um einiges sparsamer herausstellen sollte als im Normalbetrieb, der schwerpunktmässig im Stadtverkehr oder auf kleineren Touren stattfand. Hier musste nach spätestens 220km getankt werden, aber auf dieser Tour ging das Warnlämpchen erst nach 260km an.

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Die Tankreichweite erlaubte es mir jedenfalls noch, in Gubin auf die polnische Seite zu fahren und hier nochmals günstig vollzutanken, bevor ich weiter nach Eisenhüttenstadt fuhr.

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Dort kam ich erstmal an vornehmlich rosa getünchten DDR-Vorzeigewohnblocks vorbei, bevor ich stadtauswärts am Stahlwerk vorbeikam, das der Stadt ihren Namen gab. Auch hier im tiefen Osten hatte die Globalisierung nicht Halt gemacht, prangte doch von der Anlage in großen Lettern das Logo des indischen Stahlmultis ArcelorMittal.

Von Eisenhüttenstadt wäre es noch ein Katzensprung nach Frankfurt / Oder gewesen, aber da ich dermaßen gut in der Zeit lag, erlaubte ich mir eine spontane Routenmodifikation. Also erstmal den Abzweig nach Pohlitz genommen um beim Segelflugplatz eine Pullerpause zu machen.

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Müllroser See

Über Müllrose (ja, so heisst der Ort wirklich) und Beeskow sollte es Richtung Scharmützelsee gehen – oh, kuck mal ein Golfplatz – um dann bei Fürstenwalde auf die Autobahn zu fahren und die letzen Kilometer zur Familie nach Hause zu reiten. 320 Kilometer sollten es am Ende für den Finaltag gewesen sein. Und ich war kurz nach dem Mittagessen zu Hause. Toll!

Die Route der Tour könnt ihr bei Checkmytour einsehen!

Notiz an mich selber: wenn man seine Tour mittels GoPro-Kamera dokumentiert, sollte man neben Batterieladezustand und verbleibender Speicherkapazität auch ab und zu mal die Linse kontrollieren. Dann hat man auch feststellen ob irgendein Fluginsekt auf selbiger nicht spektakulär den Freitod gesucht hat und – nur ein klitzekleines bisschen – die Bildqualität beeinträchtigt.

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Fazit: Schon bereits nach dem Aufstehen an diesem Morgen fragten wir uns „Und wo fahren wir nächstes Jahr hin?“ Am Abend des Tages beantworteten wir uns diese Frage selber:

So viele Touren bin ich ja noch nicht gefahren und in den Alpen war ich auch noch nicht. Aber an dieser Region – Sächsische Schweiz, Osterzgebirge, Riesen- und Isergebirge – habe ich Blut geleckt. Zumal Dresden von Berlin aus relativ schnell erreichbar ist. Man könnte sicherlich eine Woche lang in Dresden das „Basislager“ beziehen und jeden Tag neue, tolle Touren fahren. Oder von Dresden aus das Erzgebirge runter bis in den Bayrischen Wald.

Auf jeden Fall waren diese vier Tage nur ein erster Vorgeschmack. Wie sagte schon Arnold Schwarzenegger? „I’ll be back!“

Riesengebirgstour, Tag 3: Žacléř – Dresden

Nach einer ruhigen Nacht in unserer Pension in Žacléř galt nach dem Aufwachen der erste Blick aus dem Fenster dem Wetter. Und siehe da: Petrus hatte ein einsehen und bescherte uns einen schäfchenbewölkten Himmel mit Sonne. Das hob die Laune spontan deutlich und frohen Mutes machten wir uns auf die nächste Etappe.

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Žacléř liegt bereits im Grenzgebiet zu Polen und so überquerten wir bereits nach wenigen Kilometern auf sonnigen Alleen den tschechisch-polnischen Grenzübergang. Vor Kamienna Góra bogen wir ab Richtung Kowary, der Weg führte uns über ein nett geschwungenes Sträßchen durch seeehr ländliches Gebiet. Von Ferne konnte man schon unser erstes Tagesziel sehen, die Schneekoppe. Das mit dem ländlichen Eindruck sollte sich schnell ändern als wir in Karpacz ankamen, dem Wintersportort am Fuße der Schneekoppe. Hier waren plötzlich alle Strassen neu geteert, die Häuser schmuck gestrichen und ein Hotel reihte sich an das nächste. Krasser Gegensatz.

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Ursprünglich hatten wir ja gehofft, irgend einen mit dem Motorrad befahrbaren Weg auf die Schneekoppe hinauf zu finden, aber es gabe lediglich mit dem Fahrrad oder zu Fuß ein weiterkommen. Dann ging es eben weiter auf der Route durch das Hirschberger Tal in Richtung Szklarska Poręba. Ab Piechowice begann die Strecke wieder schön kurvig zu werden und wir fuhren durch ein von einem Gebirgsbach durchzogenen Tal hinauf Richtung Harrachov. Anfangs musste man hier sehr aufpassen und konnte die Kurven allzu dynamisch durchfahren, weil alle Nase lang – auch blind hinter Kurven – Parkplätze waren, von denen aus allerlei wanderlustige Menschen die Wälder erkundeten. Kurz vor der tschechischen Grenze erreichten wir auf dem Neuweltpass den für den heutigen Tag mit 880m höchsten Punkt der Route, bevor es dann wieder gen Harrachov den Berg hinab ging. Von der Strasse aus konnte man am gegenüberliegenden Berg schon die Skisprungschanzen sehen, die wir uns auch von Nahem noch anschauten. Irre, wie hoch das ist! Auf den Bildern wird das nur annähernd deutlich.

alex-harrachov

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In der Stadt folgte ich dann rechts ab spontan dem Wegweiser Richtung Golfplatz Harrachov, schliesslich habe ich nebem dem Motorrad fahren auch noch ein zweites Hobby, das will nicht vernachlässigt werden. Und wenn es nur Golfplatz ankucken ist. Kurioserweise führte uns der Weg nicht nur zum Golfplatz sondern auch zum daneben befindlichen Bahnhof Harrachov, wo bis zum heutigen Tage noch eine Zahnradbahn fährt.

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Als nächstes galt es, den Weg zur Darretalsperre zu finden. Was nicht ganz einfach ist, da zum einen die Beschilderung nicht ganz so ausführlich ist und zum anderen die Strassen abseits der großen Hauptverkehrsrouten gleich immer so aussehen, was ob hinter der nächsten Kurve der geteerte Feldweg enden würde, auf dem man gerade unterwegs ist. Man darf sich also nicht irritieren lassen, auch wenn man das Gefühl hat, am Arsch der Welt unterwegs zu sein. Meistens ist man doch auf dem richtigen Weg. So auch diesmal. Ich war schon kurz davor nochmal anzuhalten und die Route zu überprüfen als wir nach einer Rechtskurve plötzlich den bereits 1915 fertig gestellten Staudamm und den gesuchten See fanden.

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Um den See herum führte ein schmales Sträßchen, welches wiederum sehr reizvoll zu fahren war. Statt auf Autos musste man eher auf Fahrradfahrer und Inlineskater achten, die sich ihren Weg durch den Tannenwald machten. Links und rechts wurde das ganze eingerahmt durch die Hügel des Isergebirges und ich fühlte mich hier sehr „Rübezahl“. Am Ende des Wäldchens erwartete uns eine alte Holzhütte, in der eine gefühlte Hundertschaft an Fahrradfahrern Mittagsrast machten. Wir gesellten uns dazu und genossen ein Hirschgulasch mit Laib Brot Knödel auf der Terasse.

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Frisch gestärkt nahmen wir die Talfahrt in Richtung des 600m tiefer gelegenen Frýdlandt in Angriff, die allerdings deutlich langsamer als gedacht in Angriff genommen werden musste. Fast in allen Kurven der Strecke lag Rollsplit, so daß wir da bestenfalls durchschnecken konnten. Schade, diese ganzen Kurven so ungenutzt liegen zu lassen. Hinter Frýdlandt mussten wir noch ein Stück Polen durchqueren, bevor es in Zittau wieder nach Deutschland ging. Bei der Routenplanung hatte ich mich hier schon gewundert, warum man um Bogatynia so einen komischen Bogen fahren musste. Auf der Karte waren da nur zwei große weisse Flecken zu sehen, in denen nicht das kleinste Sträßchen zu finden war. Diese weissen Flecken stellen sich als gigantisches Loch im Boden heraus in Form eines Braunkohletagebaus. Wir waren sichtlich beeindruckt, selbst dieses riesigen Schaufelbagger wirkten am Grund des Kraters wie Spielzeuge.

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Von Zittau aus wollten wir eigentlich über Neustadt den Weg nach Dresden zurückfinden. Uns kam da aber ein – auf jedem zweiten Straßenschild penetrant angebrachter – Hinweis namens „Zittauer Gebirge“ dazwischen. Trotz bereits über 200 gefahrener Tageskilometer waren wie beide so fahrgeil, daß wir an der dritten Ampel sagten „Scheiss drauf, dann nehmen wir das Zittauer Gebirge eben auch noch mit!“. Also links abgebogen und Kurs Richtung Olbersdorf und Oylen genommen. Kurz hinter Oylen einmal rechts abgebogen und – schwupps – waren wir wieder in der Tschechei. Wir waren ja lange schon nicht mehr da.

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Von hier aus führen wir erstmal frei Schnauze Richtung Westen, der tief stehenden Sonne entgegen. Kartenausdrucke für diesen Teil Tschechiens hatten wir nicht und das Navi haben wir nur stellenweise nach der aktuellen Position befragt. Aber auch das führte uns an nette Orte:

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Über Mařenice fuhren wir – oh, kuck mal, ein Golfplatz – weiter nach Kytlice und dann Richtung Chřibská, wo wir zurück auf die Strecke kamen, die wir an Tag 2 unserer Tour genommen hatten. War ja geil, so konnten wir die Strecke nach Hřensko nochmal in entgegengesetzter Richtung fahren. Irgendwo im böhmischen Wald „nullte“ auch Thomas‘ VFR:

Hinter Hřensko passierten wir wieder die Grenze nach Deutschland und fuhren wieder der Bastei im Abendlicht entgegen. Superschöner Anblick.

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Zum Abendessen luden wir uns spontan bei einem Freund und seiner Familie in Heidenau ein und ritten dann kurz vor Toreschluss ins Hotel nach Dresden zurück. Was für ein geiler Tag! Den Tourverlauf könnt ihr auf Checkmytour einsehen.

Riesengebirgstour – Tag 2: Dresden – Žacléř

Nun sollte es endlich gemeinsam losgehen auf den eigentlichen Part der Riesengebirgstour. Thomas hatte seine Anreise nach Dresden auf zwei Tage verteilt und hatte schon einiges an Strecke durch den Bayrischen Wald hinter sich. Gegen Thomas VFR (Baujahr 1990) war meine F650 GS (Baujahr 2002) voll das junge Küken.

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Wir verliessen Dresden Richtung Pirna, unser erstes Ziel war die Bastei, eines der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz. Die Felsformationen überhalb der Elbe boten trotz trüben Wetters einen tollen Ausblick rüber in die Tschechei, wo schon dunkle Wolken für den späteren Tagesverlauf nichts gutes verhiessen.

Bastei

Von der Bastei aus ging es weiter Richtung Bad Schandau, aber nicht auf der direkten Route sondern über Hohnstein und Porschdorf. Warum zeigt euch das folgende Video von Kamerakind Thomas:

Riesengebirgstour 2013, Tag 2: Bastei bis Bad Schandau from Alexander Hauser on Vimeo.

Na, grinst ihr auch so wie wir? Aber es wurde noch besser.

Hinter Bad Schandau fuhren wir an der Elbe entlang und kreuzten in Hřensko die deutsch-tschechische Grenze. Der Ort ist an sich eher unscheinbar, bis plötzlich zwischen zwei Felsen eine Strasse abzweigt. Hier windet sich der Fluss Kamenice ins Tal bis er in die Elbe mündet. Entlang des Flusses schmiegen sich nette alte Häuschen an die Felswände. Aber vor allem führt einen die Strasse in die Böhmische Schweiz. Schon von der Papierform her versprach dieser Streckenabschnitt zwischen Hřensko und Chřibská interessant zu werden, aber was wir hier erlebten toppte alle Erwartungen. Eine schmale Strasse wand sich bergauf und bergab durch alte Tannenwälder, zwischendrin durchquerten wir Ortschaften, wo gefühlt seit 100 Jahren die Zeit stehen geblieben war.

Riesengebirgstour 2013, Tag 2: Hrensko bis Chribska from Alexander Hauser on Vimeo.

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Diese 23 Kilometer sollten mit die tollsten sein, die wir auf der gesamten Tour fuhren.

Weiter ging es über die gut ausgebaute aber auch etwas langweilige Europastrasse 142 Richtung Rynoltice, wo wir dann rechts abbogen, um über Knzany die Anfahrt auf den Hausberg von Liberec, den Ještěd zu gelangen. Mit 1.012 m ist er die höchste Erhebung im Jeschkengebirge in Nordböhmen. Leider hatte es schon auf der Strecke angefangen zu regnen und je näher wir dem Ještěd kamen, desto intensiver wurde der Regen und mit jedem Höhenmeter kam noch mehr Nebel dazu. Eigentlich eine Schande, denn die Auf- und Abfahrt zum Ještěd ist sehr gut ausgebaut (im Gegensatz zu anderen Landstrassen, die wir auf dem Weg dahin nahmen). Aber ohne Sicht und mit nasser Strasse war das Kurvenvergnügen nicht existent. Vor der Anfahrt zum Gipfel diskutierten Thomas und ich kurz, ob wir überhaupt ganz auf den Berg hochfahren sollten. Aber nun da wir eh da waren wollten wir auch rauf. Starke Winde, kaum Sicht, mehr als den zweiten Gang und 40 km/h waren für den Aufstieg nicht drin. Kaum waren wir auf dem Gipfelparkplatz befanden wir die Idee als Scheisse und kehrten gleich wieder um. Zumal es wirklich quer regnete und windete.

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Der Regen sollte uns den Rest des Tages begleiten, so daß das hier als Symbolbild für den Nachmittag durchgehen könnte:

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Nach einer stärkenden Pizza in Liberec nahmen wir die weitere Strecke in Angriff, es ging Richtung Tanvald und Harrachov, kurz vor Harrachov rechts abgebogen weiter in Richtung Spindlermühle. Thomas hatte die Uschi angeschmissen und wir fuhren über anfangs sehr starke befahrene Landstrassen, später wurden wir auf einer sehr schönen kurvenreichen Waldstrecke immer wieder von Baustellen ausgebremst. Leider waren hier auf den Strassen immer wieder Rollsplit oder Teerfugen, mit denen Risse in der Strasse ausgebesser wurden, anzutreffen. Gerade auf diesen vom Regen nassen Fugen versetzte das Hinterrad in Kurven immer wieder, was das Fahren nicht angenehmer machte.

Die Routenplanung (also mein Kartenausdruck von Google Maps sowie beide Navis) sagen vor, das Tal Richtung Vitkovice hoch zu fahren, dort über den Bergkamm weiter und dann nach Spindlermühle zu kommen. Wir folgten artig der Route und liessen uns auch nicht irritieren, als die Strassen immer enger und ungeteerter wurden. Was uns dann doch skeptisch machte war das Schild, welches sowohl Autos als auch Motorrädern die Weiterfahrt verbot. Bei den schlechten Witterungsverhältnissen wollten wir keine Experimente wagen. Zudem war ich auch ziemlich durch, so daß wir uns entschlossen, Spindlermühle Spindlermühle sein zu lassen und den direkten Weg zu unserer Pension nach Žacléř zu fahren, wo uns eine warme Dusche, Heizung zur Trocknen der Klamotten sowie diverse Biere erwarteten:

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Den Tourverlauf könnt ihr auf Checkmytour einsehen.

Riesengebirgstour – Tag 1: Berlin – Dresden

Meine Fresse war die Tour geil! Vorletzte Woche stellte ich Euch die Route zur Riesengebirgstour 2013 vor, letzte Woche waren wir unterwegs und ich muss noch bis heute dämlich grinsen, wenn ich an diese geilen vier Tage danke. Doch eins nach dem anderen. Hier erstmal Tag 1.

Berlin – Dresden, ca. 220 km

Der erste Tag der Riesengebirgstour stellte – wenn man es in Rallyesprech ausdrücken möchte – eine Verbindungsetappe nach Dresden dar. Aus Berlin heraus fuhr ich auf der A113 aus der Stadt raus, um nach einem kurzen Stück auf dem Berliner Ring in Königs Wusterhausen die Autobahn zu verlassen und mich auf den Weg in den Spreewald zu machen.

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Schnell sollte sich herausstellen, daß ich die Kleiderordnung hinsichtlich der herrschenden Temperaturen plus Fahrtwind etwas zu leger eingeschätzt hatte. So hielt ich also mitten im Spreewald an, um mich wärmer anzuplünnen. Rein streckentechnisch kam leider auch keine größere Aufregung auf, die Landschaft war zwar nett anzuschauen, aber es ging meistens schnurgeradeaus mit gelegentlichen Biegungen. Der Puls blieb also unten.

Über Lübben, Lübbenau und Großräschen erreichte ich Senftenberg, wo ich einen kleinen Abstecher zum Eurospeedway machte, aber mit meiner Enduro NICHT auf die Strecke durfte 😉 Skandal!

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Von dort aus ging es nach einer kleinen Mittagspause beim goldenen Schotten rings um den Senftenberger See über die B97 nach Dresden, wo ich am Nachmittag ankam. Da Thomas noch auf der Strecke von München nach Dresden war nutzte ich die verbleibende Zeit für eine Stadtrundfahrt und einen kleinen Abstecher zum Motorradladen, um mir noch lange Unterwäsche zu kaufen. Ob ich diese brauchen würde, kann ich Euch im nächsten Teil des Tour-Logbuches erzählen.

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Den Tourverlauf könnt ihr auf Checkmytour einsehen.

Riesengebirgstour 2013 – Vorschau

Ich muss ja gestehen ich bin ein bischen uffjerecht. Wie ein Vierjähriger am Weihnachtsabend. Nächste Woche fahre ich auf meine erste richtige  – weil mehrtägige – Motorradtour. Vor ungefähr einem halben Jahr las ich in einer Motorradzeitschrift über eine Tour durchs Riesengebirge. Da von Berlin aus die „echten“ Alpen etwas weit weg sind, ein Trip nach Dresden als Anreise aber nur etwas über zwei Stunden dauert, war ich gleich Feuer und Flamme.

Alleine fahren wollte ich nicht, also fragte ich mal im Freundes- und Bekanntenkreis rum, letztendlich fahre ich nun mit meinem Schulfreund Thomas in Rübezahls Reich.

Riesengebirgstour 2013

Donnerstag geht es los mit der Anfahrt nach Dresden, wo ich mit dem aus München kommenden Thomas treffen werde. Statt wie diese Woche stumpf über die Autobahn zu hobeln, habe ich mir eine Landstraßenroute durch den Spreewald und über Senftenberg nach Dresden ausgesucht (ca. 218 km, 4 Stunden 30 Minuten).

Am Freitag geht es von Dresden aus zunächst zu einem der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, der Bastei. Danach die Elbe entlang und bei Hřensko links ab in die Tschechei und ins die Böhmische Schweiz. Danach weiter Richtung Liberec, wo wir den Hausberg Ještěd erklimmen werden – das ist der Berg mit dem lustigen Spitzhütchen oben drauf. Über Tanvald geht es weiter über kurvige Bergstraßen Richtung Špindlerův Mlýn (Spindlermühle), einer der bekanntesten Wintersportorte Tschechiens, hier entspringt übrigens auch die Elbe. Die letzte Etappe des zweiten Tages führt und nach Zaclér, kurz vor der polnischen Grenze, wo wir übernachten werden. Hier der Routenverlauf (ca. 277 km, 6 Stunden), den ihr übrigens bei Google Maps auch in einer 3D-Ansicht animiert anschauen könnt, wenn ihr auf den 3D-Button drückt:

Google Maps 3D Funktion

Ein sehr lustiges Feature.

An Tag 3 (270 km, 6 Stunden) geht es auf die polnische Seite des Riesengebirges, wo als erstes Highlight gleich die höchste Erhebung des Riesengebirges auf uns wartet: die Schneekoppe mit über 1.600 Metern. Ich konnte im Vorfeld nicht herausfinden, ob der Weg zum Gipfel komplett befahrbar ist, aber das werden wir schon sehen. Anschliessend geht es durch das Hirschberger Tal, bevor wir über Szklarska Poręba wieder den Weg nach Tschechien zurück finden um kurz hinter der Grenze nach Harrachov zu kommen. Mal schauen wie die Skisprungschanzen im Frühling aussehen. Danach führt uns die Route Richtung Isergebirge an der Darretalsperre vorbei. Über Hejnice und Frydlant geht es kurz nach Bogatynia, Polen, bevor wir in Zittau wieder nach Deutschland kommen. Über Neustadt fahren wir dann wieder zurück nach Dresden.

An Tag 4 trennen sich wieder Thomas und meine Wege. Die Heimfahrt nach Berlin (292 km, 5 Stunden) werde ich über Spremberg, Guben, Eisenhüttenstadt und Frankfurt / Oder antreten. Entweder fahr ich von dort aus denn den Restweg über die Autobahn oder fahre über die B5 und B1 nach Hause.

Ob mir nach 4 Tagen und 1.100 Kilometern der Ar*** weh tun wird? Sicherlich! Ob es das Wert sein wird? Auf jeden!

Erzgebirgstour 2020: Vogtland und tschechisches Erzgebirge

Das Vogtland zum Frühstück

Der Tag begann, wie der gestrige geendet hatte: mit dem Blick auf das Regenradar und auf diverse Wetter-Apps. Unser Urteil fiel unterschiedlich aus: Thomas fuhr erstmal so los, ich pellte mich schon in meine Regenklamotte.

Nach den ersten Landstrassenkilometern bogen wir in Mühltroff auf kleine und kleinste Sträßchen durchs Vogtland ab. Schönberg, Rodau, Tobertitz, Bösenbrunn und Triebel hiessen die Dörfer, die wir passierten. Zwischendrin schöne, hügelige Landschaften, regennasse Felder und leider grauer Himmel.

Meine Tankleuchte hatte bereits beim Losfahren geblinkt, aber wenn man so durchs Hinterland fährt wie wir, sind die Tankstellen spärlich gesät. Erst in Schöneck fanden wir eine, worüber ich sehr dankbar war, da ich nur noch für ca. 20km Sprit im Tank hatte. Thomas warf sich hier auch seine Latexpelle aka Regenklamotte an, da der Himmel nichts gutes verhieß.

Das tschechische Erzgebirge

Über Tannenbergsthal und Mühlleiten erreichten wir in Sachsenberg-Georgenthal die tschechische Grenze. Der Grenzübergang kam sehr überraschend, wir fuhren durch ein Wohngebiet, das Navi hieß uns links abbiegen und schwupps, waren wir in Tschechien.

Über schmale, kurvenreiche Sträßchen mäandrierten wir uns durch das Westerzgebirge bevor wir bei Rolava eine moorige Hochebene erreichten (Frühbußer Heide), die an die schottischen Highlands erinnerte. Und genau das mag ich so sehr an der Tschechei: während sich unweit auf der deutschen Seite Städtchen an Städtchen reiht, bist Du hier in einer komplett anderen Welt. Viel weniger Zivilisation, dafür viel mehr Natur.

Zu unserem Leidwesen wurde die Natur sehr fleißig von Petrus gegossen, je weiter wir fuhren desto mehr regnete es. Über Nové Hamry, Horní Blatná und Pernink näherten wir uns dem höchsten Punkt der Tour, dem Klínovec. Er ist mit 1.243m die höchste Erhebung des Erzgebirges und überragt damit seinen deutschen Nachbarn Fichtelberg um gut 30 Meter. An Fernblick war nicht zu denken, denn mit jedem erklommenen Höhenmeter regnete es stärker und der Wind nahm deutlich zu. Oben angekommen war das Thermometer auf 9 Grad gesunken und es regnete quer. Das scheint unser Schicksal mit tschechischen Bergen zu sein, bereits 2013 erging es uns auf dem Ještěd exakt gleich.

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Vom Schleizer Dreieck zum Deutschlandring: eine Rundtour durchs Erzgebirge

Wenn ich eines mag, dann ist es etwas Kontext zu den Touren. Zum Beispiel die zehn höchsten Alpengipfel zu erfahren oder verlorene Orte in Brandenburg zu erkunden.

Ich gebe allerdings zu: der Plan, ein Wochenende ins Erzgebirge zu fahren stand vor der Erkenntnis, daß man damit zwei geschichtsträchtige Rennstrecken in Ostdeutschland damit verbinden könnte. Das Erzgebirge war mir dabei nicht neu. Bereits bei der Mittelgebirgstour 2014 lernte ich die Vorzüge von Erzgebirge und Vogtland kennen. Die Sächsische Schweiz hingegen erkundeten wir bereits auf der Riesengebirgstour 2013.

Den westlichen Punkt der diesjährigen Route markiert das Schleizer Dreieck, den östlichen der unbekanntere Deutschlandring.

Start: das Schleizer Dreieck

Am 10. Juni 1923 fand das erste Rennen auf dem Schleizer Dreieck statt, das macht die Strecke zum ältesten Straßenrundkurs Deutschlands. Im Laufe der Jahre wurde die Strecke mehrmals umgebaut. So reduzierte sich die Streckenlänge von 7,6 auf 3,8km. Große Teile der Strecke sind Landstrassen, die unterjährig befahrbar sind wie der Streckenteil Buchhübel mit dem alten Start- und Zielgebäude.

Heute wird das Schleizer Dreieck vor allem für Motorrad-, Gespann- und Veteranen-Rennen sowie für das ADAC-Bergrennen genutzt. Als Saisonhöhepunkt gilt der Lauf der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft.

Ziel: der Deutschlandring

Der Deutschlandring in der Nähe von Hohnstein bei Dresden war eine der ersten Rennstrecken Deutschlands. Von 1919 bis 1922 wurde die Wartenbergstraße vom Polenztal bei Hohnstein bis zur Hocksteinschänke erbaut. Bis 1939 wurde die Rennstrecke zum exakt 10 km langen „Deutschlandring“ ausgebaut und sollte zu einem Gegenstück in Sachsen zum Nürburgring in der Eifel werden. Am 26. April 1939 wurde der Deutschlandring feierlich eingeweiht. Doch Kriegsausbruch und Nachkriegszeit verhinderten einen beachtenswerten Rennbetrieb. Nach dem Krieg fand ein allerletztes Rennen am 14. Oktober 1951 statt.

Im Gegensatz zum Schleizer Dreieck ist die komplette Streckenführung des Deutschlandrings befahrbar. Ausser, man ist auf dem Motorrad unterwegs. Dann kann man die Wartenbergstrasse zwischen Polenztal und Hockstein nicht befahren weil wegen Fahrverbot.

Das Zwischendrin: unsere Route durchs Erzgebirge

Zwischen den beiden historischen Eckpunkten bastelte ich für Thomas und mich eine wochenendtaugliche Route, Samstags auf der tschechischen Seite rein, Sonntags auf der deutschen Seite wieder raus.

Und was wir unterwegs so erlebt haben, das erfahrt ihr im nächsten Post.

Riesengebirge revisited

Meine erste Motorradtour führte mich 2013 nach Tschechien und Polen. Gemeinsam mit Thomas erfuhr ich das Riesen- und Isergebirge. Unter anderem führte uns unser Weg durch das polnische Karpacz am Fuße der Schneekoppe. Ein bisschen irritiert war ich damals schon, als wir beim Tankstopp an der innerorts gelegenen Orlen-Tanke auf einen Vierer-Sessellift blickten.  Gut, die Schneekoppe als höchster Gipfel des Riesengebirges ragt immerhin 1.600m in den Himmel. Mit Schnee war da schon zu rechnen. Irgendwie blieb mir das im Gedächtnis.

Als wir dann vor ein paar Monaten nach einem Ferienziel für die Winterferien suchten und der Wunsch der Söhne auf jeden Fall etwas skitaugliches vorsah, schaute ich mal nach, wie weit man denn mit dem Auto nach Karpacz fahren müsste. Mit knapp vier Stunden war es nur ungleich weiter entfernt als der Harz, lag aber höher als derselber und erschien mir daher schneesicherer. Also buchte ich uns kurzerhand dort ein Apartment für die Ferienwoche.

Bei der Anreise führen wir noch durch grüne Landschaften und auch die ersten beiden Tage war das Skifahren nur sehr begrenzt möglich. Ein schmales, weißes Pistenband zog sich durch ansonst grüne Wälder.

Dies änderte sich schlagartig an den Folgetagen. Zwei Nächte Schneefall in Folge bescherten uns das folgende Bild:

Sohn I im tief verschneiten Wald des Karkonoski Park Narodowy des

Sohn I im tief verschneiten Wald des Karkonoski Park Narodowy

Ausblick von der Stabkirche Wang

Ausblick von der Stabkirche Wang

Trotz des ausgiebigen Schneefalls wurden in der Karpacz Ski Arena keine weiteren Pisten geöffnet. Hierfür hätte es noch etwas mehr der Flockenpracht gebraucht. Aber für die Skibedürfnisse der Söhne war es mehr als ausreichend und günstig war der Skipass uns die Skiausleihe zudem auch. Die Erreichbarkeit aus Berlin ist auch deutlich entspannter als die Gebiete in Bayern, der Schweiz oder Österreich.

Und? Welche Reviere kennt ihr von Euren Motorradtouren, die ihr auch im Winter wieder besucht habt?

Mittelgebirgstour 2019: von der Saale bis zur Wartburg (fast)

Guten Morgen, Bad Lobenstein. Schön, wenn man beim ersten Blick aus dem Hotelzimmer sowohl sonnigen, blauen Himmel sieht und die beiden Motorräder auf dem Platz vor dem Hotel. Vorfreude galore.

Frühstücken, Espresso in den Thomas kippen, umziehen, aufsatteln, los. Heute sollten uns über 350 Landstrassenkilometer durch den Thüringer Wald erwarten. Zunächst aber orientierten wir uns nordwärts Richtung Ziegenrück. Aus dem Süden kommend hätten wir bereits in Liebschütz Richtung Drognitz fahren können um bis zur Hohenwarte Talsperre zu kommen. Aber in Erinnerung an die erste Mittelgebirgstour vor fünf Jahren wollten wir unbedingt die Fähre über den Stausee nehmen, also fuhren wir erstmal zum Anleger nach Linkenmühle. Nach der kurzen Überfahrt jagten wir um den Stausee, trotz teilweise etwas holprigen Strassenbelag war die Strecke wieder ein großer Spaß.

In Kaulsdorf orientierten wir uns erstmal südlich, um uns dann in Leutenberg über Gräfenthal westwärts Richtung Masserberg zu kurven. Gut ausgebaute und wenig befahrene Strecken machten es zum Spaß. Kurz inter Oelze sollte es eigentlich die L1138 den Berg hoch gehen, aber eine großangelegte ICE Rettungsübung sollte uns zur ersten Routenänderung der Tour führen. Es sollte nicht die letzte bleiben. Das schöne am Thüringer Wald ist, daß einen solcher Umleitungen eigentlich nicht stören müssen, denn es führt einen nur über andere, tolle und kurvige Strecken. Einen kleinen Pausenstopp später (Espresso in den Thomas kippen) erreichten wir wieder unsere ursprüngliche Strecke, den Rennsteig. Diesen mussten wir uns für lange Teile mit den Teilnehmern des Rennsteig Staffellaufs teilen. Es war also eher entspanntes cruisen statt forschem Angasen angesagt. So hatten wir genug Zeit, die schöne Strecke zu genießen. Der obligatorische Fotostop am höchsten Punkt Thüringens, dem Schneekopf, durften natürlich auch nicht fehlen.

Daß Oberhof irgendwas mit Wintersport zu tun hat, blieb uns nicht verborgen. Unsere Route führte uns an der Indoor-Skihalle vorbei, an der ganzjährig Langlauf und Biathlon trainiert werden kann. Kurz darauf hielten wir an der Skisprungschanze Kanzlersgrund an, die sehr gut in die natürliche Topographie des Tals eingebettet war.

Skisprungschanzen finde ich immer wieder beeindruckend. Schon damals in Harrachov auf der Riesengebirgstour stand ich vor den Schanzen und konnte es mir nicht vorstellen, daß Menschen da freiwillig runterspringen. Hier in Oberhof standen wir quasi mitten drin in der Anlage, der Auslauf endete nur ein paar Meter vor der Strasse und hinter der Strasse den Hügel rauf waren weitere Naturtribünen. Hammer.

Im Tal erwartete uns eine weitere Streckensperrung, die Durchfahrt nach Oberschönau war gesperrt, also fuhren wir südwärts Richtung Zella-Mehlis und wollten dann bei Rotterode auf die ursprüngliche Strecke zurück. Es kam aber anders als gedacht, da ich nicht drauf achtete, wohin mich uns mein Navi führt. Keine Ahnung ob es beim Import der Route einen Fehler gab oder es durch die Umleitung durcheinander kam, wir fanden uns irgendwann auf der Umgehungsstraße hinter Schmalkalden. Ich war schon etwas stutzig geworden, hätte ich das früher gemerkt, hätten wir noch die schöne Strecke auf der L2608 zwischen Schmalkalden und Trusetal fahren können, die wir bei der letzten Mittelgebirgstour genommen hatten.

Ab Brotterode ging es wieder den Rennsteig entlang durch den Wald über die L1127, bis wir auf die Kreuzung mit der L1207 stiessen. Hier passierten wir den neu gebauten „Imbiss zur Wallfahrt am Rennsteig“, den wir aber erstmal links liegen liessen. Von hier aus fuhren wir eine große Schleife über Ruhla, Etterwinden, Möhra bis nach Bad Liebenstein. Von Etterwinden wären es zwar nur noch 10 km bis zur Wartburg gewesen, aber wir waren ja zum Kurven jagen und nicht zum Gemäuer kucken in den Thüringer Wald gekommen.

Und zum Kurven jagen hatten wir in Bad Liebenstein genug Gelegenheit. Noch im Ort selber beginnt hier die Glasbach-Rennstrecke. Neu asphaltiert, Leitplanken links und rechts und alle möglichen Kurvenradien von eng bis langgezogen. Ein großer Spaß. Mit 5.500 Metern ist die Strecke die längste Bergrennstrecke Deutschlands.

Oben am Ziel angekommen stießen wir wieder auf den Imbiss zur Wallfahrt am Rennsteig, wo wir diesmal anhielten. Maschinen und Fahrer brauchten mal eine Pause, denn es war schon Nachmittags und wir waren ohne größere Pausen seit dem Frühstück unterwegs. Der Stop hier lohnt sich wirklich, mitten im Wald gelegen kann man sich hier gut stärken und ausruhen. Hier hatten wir auch Zeit, mal wieder auf die Karte mit unserer Tagesroute zu schauen, denn die nächste Sperrung stand an.

So liessen wir die geplante Schleife über Fischbach und Bad Trabarz aus und fuhren wieder über den Rennsteig nach Brotterode zurück. War nicht so schlimm, denn die Strecke ist echt ein Sahnestückchen. Gut ausgebaut, schöne Kurven und kaum Verkehr.

Ab Brotterode fuhren wir dann die Strecke zurück über Kleinschmalkaden und Floh-Seligenthal, die wir am Mittag verpasst hatten. Der Himmel hatte sich langsam zugezogen und irgendwo auf der Höhe Rotterode sollte uns der einzige Regenschauer der Tour erwischen. Wir hatten aber nur den Rand des Regengebietes abbekommen, wie sich auf der Schlußetappe über Zella-Mehlis bis Oberhof zeigen sollte. Hier war deutlich mehr Wasser vom Himmel gefallen, aber zum Zeitpunkt als wir da waren zeugten nur nasse Straßen davon. Trotzdem sollten wir es tempomässig auf der L3247 bergauf nach Oberhof nicht übertreiben. Die breiten Kurven luden zwar dazu ein, am Gashahn zu ziehen, aber der auf den Bitumenstreifen wegzuckende Hinterreifen mahnte zur Umsicht. Wäre ja blöd, nach 370 Tageskilometern kurz vor dem Ziel das Mopped noch in den Graben zu schmeissen.

In Oberhof holte ich an der Tanke noch schnell zwei Stiefelbiere, während Thomas schon unser Quartier in der Pension Danzer klarmachte. Unsere Gastgeberin war sehr nett und gab uns statt des gebuchten Doppelzimmers freundlicherweise gleich das Ferienappartement, die Motorräder fanden ihren Platz in der Garage des Hauses. Bei eher rustikalem thüringischen Essen fand dieser tolle Tag seinen Abschluss. Zufrieden checkten wir die Wettervorhersage für Sonntag, die nur Sonne für uns vorsah. So wollten wir das haben!

Die komplette, gefahrene Route findet ihr hier bei REVER.

Die geplante Route war ursprünglich diese:

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