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Behind the Grid: Die DTM zeigt sich zum ersten Mal ohne Helm

Ich fotografiere Nicki Thiim, kurz vor der Siegerehrung. Er sitzt einfach am Boden, Helm ab, komplett verausgabt – 0,413 Sekunden hat der Sieg gefehlt, zum zweiten Mal an diesem Wochenende. Keine 10 Meter entfernt bejubelt Finn Wiebelhaus mit seinem Team sein erstes DTM-Podest. Heute Abend erlebe ich diesen Moment noch einmal, als ich mir Episode 1 der neuen DTM-Dokumentation „Behind the Grid“ anschaue. In Minute 22:37 entdecke ich mich selbst, rechts außen am Bildrand, mit meinem rosa Fotografenleibchen.

Worum es geht

„Behind the Grid“ ist die neue Serie der DTM, produziert von der fahrwerkfilm GmbH, die seit Saisonbeginn mit Kamerateams im Fahrerlager, in den Boxen und im Umfeld der Fahrer unterwegs war. Die erste Folge ist seit heute Abend, 28. August online. Nach der heutigen Premiere geht es wöchentlich weiter, bis Episode 7 am 16. Oktober zum Saisonfinale in Hockenheim. Jede Folge ist rund 20 Minuten lang, sieben Folgen insgesamt.

Der Vergleich mit „Drive to Survive“ drängt sich auf, und die DTM selbst scheut ihn nicht: Laut Hersteller soll die Serie „für bestehende Motorsportfans einen echten Mehrwert“ schaffen und gleichzeitig ein Publikum erreichen, das den Sport bisher nur aus der Distanz kennt. Ob das gelingt, muss die Serie über sieben Folgen beweisen. Nach Folge kann ich schon mal sagen dass es für Sohn II und mich funktioniert.

Die erste Folge: Routinier gegen Newcomer

Episode 1 baut sich entlang einer klassischen Konstellation auf: Maro Engel, der Routinier mit Erfahrung aus praktisch jeder GT3-Meisterschaft, die es gibt, gegen Finn Wiebelhaus, den Newcomer, der in seiner ersten vollen DTM-Saison sofort für Aufsehen sorgt. Gezeigt werden die Stationen Red Bull Ring, Zandvoort und Lausitzring – drei völlig unterschiedliche Strecken, drei unterschiedliche Wochenenden.

Was mir positiv auffällt: Die Folge bleibt bei den Menschen, nicht bei der Rundenzeit. Gerade am Lausitzring war ich nah an den Fahrern und konnte sie in der Box, bei der Siegerehrung oder in der Mixed Zone im Media Center selber interviewen. Die Serie zeigt auch die Nähe, die ich selber erleben durfte.

Mich habt ihr schon mal, liebe DTM. Ich schau wieder rein.

DTM Oschersleben: Preining dominiert, Bortolotti krönt Comeback und Engel übernimmt die DTM-Führung

Ein Wochenende, zwei Gesichter: Am Samstag gehörte die Motorsport Arena Oschersleben komplett Thomas Preining. Am Sonntag drehte sich das Blatt – und ein Lamborghini feierte Geschichte. Dazwischen: eine Tabellenführung, die zweimal den Besitzer wechselte, und ein sichtlich frustrierter Nicki Thiim.

Freitag: Porsche schon im Training vorn

Der Ton war schnell gesetzt. Preining fuhr in beiden Freien Trainings die Bestzeit, mit 1:22,425 Minuten in Session zwei. Teamkollege Ricardo Feller lief im Windschatten mit, Platz zwei in beiden Einheiten. Dritter wurde Luca Engstler im neuen Lamborghini Temerario GT3 – für ihn ein Kurs mit Geschichte: Vor zwei Jahren holte er hier seinen ersten DTM-Sieg, sein Vater ist früher selbst in Oschersleben gefahren.

Samstag: Preinings Ansage nach der Norisring-Krise

Nach dem schwierigen Norisring-Wochenende, an dem er offen mit Rücktritt gedroht hatte, lieferte Preining die Antwort gleich mit der Pole: 1:21,862 Minuten, seine erste Saison-Pole – ausgerechnet auf seiner Lieblingsstrecke. Dahinter reihten sich Engstler (+0,070), Maro Engel (+0,113) und Lucas Auer (+0,137) dicht gestaffelt ein.

Ganz anders lief es für Nicki Thiim: Der bisherige DTM-Leader kam im Comtoyou-Aston-Martin nicht über Platz 18 hinaus und ließ seinem Frust im TV freien Lauf – mit deutlichem Seitenhieb auf Preinings Rücktrittsdrohung und die BoP-Diskussion nach dem Norisring.

Im Rennen zog Preining von der Pole souverän durch. Der entscheidende Moment kam beim Pflichtstopp: Während Manthey den Porsche zügig abfertigte, klemmte es bei Engel am linken Vorderrad. Die Folge: Engstler zog vorbei und sicherte sich seinen ersten Podiumsplatz der Saison, Engel fiel auf Rang drei zurück – übernahm damit aber wegen Thiims schwachem Wochenende (Platz zwölf im Rennen) die Tabellenführung.

Ergebnis, Samstagsrennen Oschersleben

  1. Thomas Preining (Manthey-Porsche)
  2. Luca Engstler (Red Bull Team Abt, Lamborghini), +1,601 Sek.
  3. Maro Engel (Mercedes-AMG Team Ravenol), +5,040 Sek.
  4. Lucas Auer (Mercedes-AMG Team Landgraf), +5,744 Sek.
  5. Mirko Bortolotti (TGI Team by GRT, Lamborghini), +6,180 Sek.

Frühes Aus gab es unter anderem für Ben Dörr nach einer Kollision mit Jules Gounon in Runde eins sowie für Marco Wittmann, der mit einem schleichenden Plattfuß aufgeben musste.

Sonntag: Wieder Pole für Preining – wieder Ärger bei Thiim

Auch im zweiten Qualifying war kein Vorbeikommen an Preining: 1:22,400 Minuten, erneut Pole, erneut vor Engstler (+0,105). Marco Wittmann, der zwar mit einer Magen-Darm-Erkrankung kämpfte, profitierte von frischeren Reifen nach seinem Ausfall am Samstag und wurde starker Dritter. Maro Engel qualifizierte sich als bester Mercedes-Pilot auf Platz fünf.

Lucas Auer rutschte in seiner schnellen Runde in Kurve zwei ins Kies und landete nur auf Platz 17 – mit Nachwirkungen für die nachfolgenden Fahrer, deren Runden durch aufgewirbelten Dreck beeinträchtigt wurden. Für Thiim setzte sich die Talfahrt fort: Nach Startplatz 18 am Samstag reichte es diesmal nur zu Platz 19.

Im Rennen übernahm Preining zunächst wieder die Führung, musste in der ersten Kurve aber kurz Engstler vorbeiziehen lassen, ehe er auf der Innenseite konterte. Bis zum ersten Stopp baute er trotz 20 Kilogramm Erfolgsballast einen Vorsprung heraus – und verteidigte ihn auch gegen einen Undercut-Versuch der Verfolger.

Die Wende kam beim zweiten Boxenstopp: Bei Preining klemmte es hinten links, wertvolle Zeit ging verloren, Rang eins war futsch. Mirko Bortolotti, der mit einer cleveren Spätstopp-Strategie bereits zuvor Boden gutgemacht hatte, übernahm die Führung vor Engel und baute sie bis ins Ziel auf über drei Sekunden aus. Es war Bortolottis erster Sieg seit Oktober 2024 – und der weltweit erste Sieg des neuen Lamborghini Temerario GT3 überhaupt. „Diesen Erfolg widme ich meinem verletzten Teamkollegen Maximilian Paul“, sagte ein sichtlich bewegter Bortolotti.

Preining rettete sich in der Schlussphase gegen einen angreifenden Wittmann auf Platz drei. 55.100 Zuschauer verfolgten das Wochenende insgesamt vor Ort.

Ergebnis, Sonntagsrennen Oschersleben

  1. Mirko Bortolotti (TGI Team by GRT, Lamborghini)
  2. Maro Engel (Mercedes-AMG Team Ravenol), +3,027 Sek.
  3. Thomas Preining (Manthey-Porsche), +3,431 Sek.
  4. Marco Wittmann (Schubert Motorsport, BMW), +3,640 Sek.
  5. Luca Engstler (Red Bull Team Abt, Lamborghini), +5,467 Sek.

Tabellenbild vor dem Nürburgring

Mit dem zweiten Platz baute Maro Engel seine Führung weiter aus: 145 Punkte, vor Nicki Thiim (124) und Markenkollege Lucas Auer (123), der nach seinem Abflug im Quali nur Zwölfter wurde. Thomas Preining liegt trotz Pole, Sieg und Platz drei am Sonntag mit 117 Punkten auf Rang vier – der Rückstand zur Spitze bleibt beträchtlich.

Weiter geht es in drei Wochen (14. bis 16. August) auf dem Nürburgring.

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Fotos: ADAC

DTM Norisring: Nicki „Norisking“ Thiim holt zwei Poles und zwei Siege

Kurz nach Halbzeit steht das Feld beim DTM-Rennen am Norisring still. Kelvin van der Lindes BMW hat keine Fahrertür mehr, Maximilian Pauls Lamborghini keine Front. Fast eine Stunde lang passiert auf der Strecke nichts – und trotzdem ist das nicht die Geschichte, die am Ende zählt. Die Geschichte heißt Nicki Thiim.

Der Unfall, über den erstmal alle reden

In der Grundigkehre reicht ein Wimpernschlag. Paul bremst an, verliert die Kontrolle, kracht rechts in die Leitplanke, verliert dabei das Vorderrad und donnert ungebremst in van der Lindes BMW – exakt auf Höhe der Fahrertür. Das Bild erinnert an den Crash von Paffett und Rockenfeller 2017, an derselben Stelle.

Beide Fahrer bleiben ansprechbar, werden aber vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht. Van der Linde bekommt später Entwarnung, entscheidet sich laut ADAC aber selbst für eine zweite Kontrolluntersuchung. Bei Paul steht der Verdacht auf eine Unterschenkelfraktur im Raum, er bleibt über Nacht in der Klinik.

Die Ursache ist schnell ein offenes Geheimnis im Fahrerlager, auch wenn Teamchef Gottfried Grasser einen Fahrfehler ausdrücklich ausschließt: Öl auf der Strecke, mutmaßlich aus dem defekten Getriebe von Timo Glocks McLaren. Glock selbst bestätigt den Ölverlust, Teamkollege Ben Dörr fährt mit sichtbar verschmutzter Fahrzeugfront hinterher. Ob es tatsächlich die Ölspur war oder doch die Bremse, die beim Lamborghini schon im Freien Training überhitzte – darüber gehen die Aussagen im Fahrerlager auseinander. Laut Grasser zeigen die Daten jedenfalls kein Bremsproblem.

Am Sonntagmorgen dann die konkreten Zahlen: Van der Linde kommt mit Prellungen davon, ein verstauchter Fuß, sonst nichts – er verlässt das Krankenhaus noch am Samstagabend, verzichtet aber selbst auf den Start am Sonntag. „Autofahren ist heute für mich erst einmal nicht das Richtige“, sagt er, dabei schon wieder zum Scherzen aufgelegt. Bei Paul sieht es anders aus: Unterschenkelbruch, in der Nacht operiert, eine Schraube im linken Fuß – seinem Bremsfuß. Grasser macht deutlich, was das bedeutet: „Die Jungs müssen ja mit 130 Kilo drücken können. Daher muss die Genesung anständig sein.“ Ob und wann Paul in dieser Saison zurückkommt, steht offen.

Bevor es ernst wurde: 90er-Jahre-Feeling in der Boxengasse

An allen drei Tagen fahren zwischen den Meisterschaftsläufen historische DTM-Boliden über die Strecke – und wer wie ich in den Neunzigern mit der DTM großgeworden ist, bleibt an genau dieser Stelle hängen. Ein Mercedes-Benz 190E 2.3-16V, mehrere BMW M3 E30, dazu Ford Sierra Cosworth: die frühe, noch seriennahe DTM-Ära, live und mit Sound.

Einen der M3 E30 steuert Herbert Wittmann – der Vater von Marco Wittmann, der am Norisring sein Heimspiel hat. Und Jörg Schori bringt seinen Toyota Supra MK3 mit der Startnummer 50 an den Start, mit der er hier schon 1989 gefahren ist. Fast 40 Jahre später, gleiche Nummer, gleiche Strecke.

Aus den frühen Neunzigern rollen ein Mercedes-Benz 190E Evo II, ein Opel Omega Evo 500 und ein Audi V8 – Letzteren pilotiert Ex-DTM-Fahrer Gerhard Müller, der selbst schon auf dem Norisring gefahren ist. Sebastian Asch, Sohn von DTM-Legende Roland Asch, sitzt im 190E Evo I. Nachwuchsfahrer Thomas Rackl vertritt mit einem BMW 320 STW von 1994 die Ära des Super-Tourenwagen-Cups.

Die jüngere Geschichte kommt mit einem Opel Astra V8 Coupé DTM von 2003, einst gefahren von Joachim Winkelhock, sowie einer AMG-Mercedes C-Klasse DTM von 2006. Zwischen Ölspur und Krankenwagen ist das die Erinnerung daran, warum man sich diesen Sport überhaupt einmal angeschaut hat: keine Balance-of-Performance-Diskussionen, nur Blech, Reifen und Fahrer.

Passend dazu: Einer der Namen aus genau dieser Ära taucht am Ende des Wochenendes wieder ganz oben auf – nur nicht auf der Demo-Runde. Kurt Thiim stand zuletzt 1992 an der Spitze der DTM-Tabelle, nachdem er 1986 bereits Meister geworden war. Über drei Jahrzehnte später schafft es sein Sohn Nicki nach diesem Wochenende erstmals selbst dorthin. „Es war immer mein großes Ziel, nach meinem Vater im Jahr 1992 den Namen Thiim eines Tages wieder an die Tabellenspitze der DTM zu bringen“, sagt Thiim junior danach – ausgerechnet an der Strecke, an der die Fahrzeuge seiner Kindheit gerade noch über den Asphalt gerollt sind.

Samstag: ein Qualifying mit Ansage

Dass Thiim am Ende ganz vorne steht, deutet sich schon im Qualifying an. Mit 48,449 Sekunden holt er die Pole, knapp vor Maro Engel im Mercedes-AMG. Für Porsche und BMW setzt sich dagegen fort, was schon am Freitag im Training zu sehen war: abgeschlagene Startplätze. Van der Linde findet dafür klare Worte – er spricht offen von einem Balance-of-Performance-Problem, will sich aber „nicht auf das Politische konzentrieren“. Nach dem Wochenende, das ihm bevorsteht, wirkt dieser Satz im Rückblick fast bitter.

Kurios wird es noch vor dem Start: Ben Dörr, im Training schnellster Mann, wird nach dem Qualifying disqualifiziert – sein McLaren unterschreitet das Mindestgewicht um 8,5 Kilogramm. Startplatz vier wird damit zur Fußnote, er muss von hinten losfahren.

DTM am Lausitzring: Erst Regenpoker, dann Hitzeschlacht

Zwei Renntage am Lausitzring, und kein einziger davon lief nach Plan. Am Samstag kippt ein Gewitterguss kurz vor dem Start die gesamte Reifenstrategie, am Sonntag ist es die Hitze, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Dazwischen ein Sieger, der erst vier Stunden nach der Zielflagge feststeht, ein erstes Podium für Aston Martin und eines für Ford nach siebenunddreißig Jahren. Es war mein erstes Wochenende als akkreditierter Fotograf/Journalist an dieser Strecke – und es hätte kaum besser zeigen können, warum diese Serie so schwer berechenbar bleibt. Hier die beiden Tage, wie ich sie an der Strecke erlebt habe.

Tag 1: Slicks im Regen und ein Sieger, der vier Stunden auf sich warten ließ

Es schüttet. Nicht der feine Niesel, mit dem man noch verhandeln kann, sondern ein richtiger Gewitterguss, und er kommt genau in dem Moment, in dem zwanzig GT3-Autos in der Startaufstellung stehen und nichts mehr ändern können – außer die Reifen. Auf der Boxenmauer wird hektisch gerechnet, an den Autos wird geschraubt, und ich denke: Das wird gleich interessant. Was es dann auch wurde.

Zum ersten Mal mit Akkreditierung

Vorweg eine Sache in eigener Sache. Ich war dieses Wochenende zum ersten Mal nicht als zahlender Besucher am Lausitzring, sondern akkreditiert – mit Fotoweste, Zugang zur Boxengasse und zur Mixzone. Das verändert den Blick. Man steht nicht mehr hinter dem Zaun, sondern an der Mauer. Man hört nicht nur die Autos, man hört auch, was die Mechaniker sich zurufen. Und man merkt schnell, dass die DTM eine erstaunlich nahbare Serie ist – dazu am Ende mehr.

Klettwitz, Saisonläufe fünf und sechs von sechzehn. Aus Berlin ist die Anreise überschaubar, was nach Zandvoort eine kleine Erholung ist.

Der Vormittag gehört dem Nachwuchs und dem Lärm

Los geht der Tag mit den Qualifyings der Rahmenserien, und hier feiert der BMW M2 Cup seine Premiere. Neuer Markenpokal, Einsteigerserie im DTM-Programm, gedacht für junge Fahrer ab fünfzehn. Laut BMW soll der M2 Racing das Einstiegssegment neu definieren und das Renngeschehen selbst macht tatsächlich Spaß beim Zugucken. Fahrer, die noch nichts zu verlieren haben, und entsprechend mutige Manöver. Als Premiere ein guter Einstand.

Danach der Porsche 911 Carrera Cup Deutschland, den wir schon in Zandvoort hatten. Und es bleibt dabei: Wenn über zwanzig nahezu baugleiche Elfer mit demselben Sechszylinder-Boxer gleichzeitig hochdrehen, ist das kein Sound mehr, das ist eine körperliche Erfahrung. Laut. Beeindruckend. Man spürt es im Brustkorb.

In den Trainings und Rahmenrennen probiere ich verschiedene Fotopositionen durch, lande aber doch wieder da, wo ich auch sonst stehen würde: an der Schikanenkombination am Ende der Geraden. Hier wird gebremst, hier wird verzögert, hier entstehen die Rad-an-Rad-Kämpfe – in jeder Klasse. Meine Lieblingsecke.

Qualifying: Aston-Martin-Pole, BMW-Pleite

Um neun Uhr morgens, bei schon 28 Grad, fährt Nicki Thiim die DTM-Pole heraus – 1:19,463, laut Zeitnahme ein neuer Streckenrekord, und das ausgerechnet bei Bedingungen, die er selbst nicht als seine bezeichnet. Zweite Pole seiner DTM-Karriere, die erste mit Aston Martin. Dahinter, nur sechs Hundertstel zurück, Arjun Maini im Ford Mustang, der seine Einrundenpace eindrucksvoll bestätigt. Das Mercedes-AMG-Trio Auer, Gounon, Engel folgt auf den Plätzen drei bis fünf.

Bitter wird es weiter hinten. Porsche enttäuscht – Preining kommt im „Grello“ nicht über Platz zwölf hinaus. Und BMW erlebt einen rabenschwarzen Morgen: Wittmann und van der Linde auf den Plätzen 18 und 19, am Ende des Feldes. Pikant, weil van der Linde vor zwei Wochen in Zandvoort noch gewonnen hat – und weil er an diesem Tag dreißig wird. Sein Kommentar dazu fällt entsprechend trocken aus, sinngemäß: Man wird wohl langsamer mit dreißig. Wenn auch Teamkollege Wittmann so weit hinten steht, liegt das Problem eher nicht am Fahrer.

Das Rennen: Wetter schreibt das Drehbuch

Und dann der Guss. Kurz vor dem Start setzt der Niederschlag ein, hört zu Rennbeginn aber wieder auf – der klassische Moment, in dem niemand weiß, was richtig ist. Die meisten Teams ziehen Regenreifen auf. Ein paar Mutige riskieren Slicks, darunter Polesetter Thiim, dazu Dörr, Mapelli, Feller und Wittmann. In den ersten Runden geht das nach hinten los, die Slick-Fahrer hängen hinten, es geht ums nackte Überleben. Thiim wird mir das später in der Mixzone bestätigen: erst mal ein, zwei Runden durchkommen.

Dann trocknet der Asphalt ab, und das Bild kippt. Thiim arbeitet sich nach vorne, übernimmt vor dem Boxenstoppfenster wieder die Führung, baut auf Slicks sogar einen Vorsprung auf. Strategie aufgegangen, könnte man meinen. Aber die DTM wäre nicht die DTM, wenn jetzt nicht das Timing zuschlagen würde.

Glock rollt mit technischem Defekt im McLaren aus. Thiim biegt in Runde 13 an die Box ab. Eine Runde später kommt das Trio Mapelli, Dörr, Feller – wenige Sekunden, bevor eine Full-Course-Yellow das Feld einbremst. Wer unter Gelb stoppt, spart Zeit. Das Trio liegt anschließend über zwanzig Sekunden vor Thiim. Genau das nimmt dem Polesetter den Sieg, und er weiß es. Das habe ihn den Sieg gekostet, sagt er mir hinterher, zuckt aber mit den Schultern: Mit Slicks könne man bei dem Wetter auch gleich in Kurve eins einschlagen. Am Ende Platz vier – mehr Hadern lohnt nicht.

Der Sieger steht erst am Abend fest

Über die Ziellinie fährt Mapelli im Lamborghini Temerario als Erster, Dörr Zweiter, Feller Dritter. Drei Mutige, die mit den Slicks recht behalten haben. So weit das Bild auf der Strecke.

Dann beginnt das zweite Rennen, das im Rechnerraum. Die Sportkommissare untersuchen mehrere Fahrer wegen zu hoher Geschwindigkeit unter Full-Course-Yellow – das Tempolimit liegt bei 80 km/h. GPS-Daten, Fahrzeugdaten, Anhörungen der Teams, das Ganze zieht sich. Über vier Stunden nach Zielflagge steht das korrigierte Ergebnis: Mapelli kassiert fünfzehn Sekunden Strafe und verliert den Sieg. Feller kassiert ebenfalls fünfzehn Sekunden, behält aber Rang drei, weil Thiims Rückstand groß genug war.

Sieger ist damit Ben Dörr – der erste DTM-Erfolg für McLaren überhaupt, und der fünfte verschiedene Sieger im fünften Saisonlauf. Für Dörr, der in Zandvoort sein erstes reguläres Podium geholt hatte, ist das die nächste Stufe. Schnellste Rennrunde übrigens Maro Engel; die Tabellenführung holt sich Lucas Auer als Sechster zurück.

Bitter trifft es den Lokalmatador: Maximilian Paul aus Dresden, vermeintlich Sechster, wird wegen desselben Vergehens auf Platz vierzehn zurückgereiht. Ein starkes Heimergebnis, das im Nachgang zerbröselt.

Fazit Tag 1

Der Samstag war ein Lehrstück darüber, wie viel ein Reifenpoker wert sein kann – und wie wenig, wenn ein Tempolimit dazwischenfunkt. Für Mutige wie Dörr hat sich das Risiko ausgezahlt. Für Thiim, der dasselbe Risiko ging und an einer Gelbphase scheiterte, eben nicht. So nah liegt das beieinander.

Ergebnis Rennen 1 – Dekra Lausitzring (5. Saisonlauf)

Pos.FahrerTeamRückstand
1Ben DörrDörr Motorsport (McLaren)
2Marco MapelliRed Bull Team Abt (Lamborghini)+13,136 s
3Ricardo FellerManthey (Porsche)+17,732 s
4Nicki ThiimComtoyou Racing (Aston Martin)+23,435 s
5Marco WittmannSchubert Motorsport (BMW)+24,749 s

Tag 2: Cairoli hält den Kopf kühl, Thiim gibt alles

Nicki Thiim steigt aus dem Aston Martin, und man muss ihm nichts fragen, um zu wissen, wie das Rennen für ihn gelaufen ist. Der Overall komplett durchgeschwitzt, die Bewegungen die eines Mannes, der dehydriert ist und gerade zweiundvierzig Runden bei zweiunddreißig Grad alles gegeben hat. Im Gesicht zuerst der Frust – er hatte am Ende das schnellere Auto und kam trotzdem nicht an Cairoli vorbei. Dann, langsam, die Freude. Genau das Podium, das ihm am Samstag verwehrt geblieben war.

DTM Zandvoort 2026: Dünen, Dramen und ein verdienter Sieg

Eine Woche vor dem DTM-Rennen in Zandvoort hat das 24h-Rennen am Nürburgring Maßstäbe gesetzt. Der Start des viermaligen Formel 1-Weltmeisters Max Verstappen war sicherlich Haupttreiber des Interesses, man könnte glauben als aktiver Formel 1-Fahrer sollte er genug ausgelastet sein. Und wenn man schon der „höchsten aller Motorsportklassen“ erfolgreich unterwegs ist, was könnte es sonst noch reizvolles geben? GT-Rennsport ist die Antwort. Beseelt von den Nürburgring-Eindrücken reisten wir nach Zandvoort an. Es war unser erster Besuch an der holländischen Dünenrennstrecke und neben dem Live-Eindruck der Strecke waren wir gespannt drauf, wie „fired up“ Maro Engel nach seinem Gewinn am Nürburgring in das zweite DTM Rennwochenende der Saison gehen würde.

Zandvoort: wie die Nordschleife, nur mit Dünen

Samstag morgen waren wir früh an der Strecke um die Quali für das Samstagrennen zu sehen. Von unseren Plätzen auf der Haupttribüne konnten wir hier nicht nur die Start- / Ziel-Gerade überblicken sondern auch die Hogenholzbocht-Steilkurve (Daniel Ricciardos Handgelenk hat schlechte Erinnerungen hieran), sondern auch die Hunzerug-Gerade bis zur Kuppe, die Hans Ernst Bocht und den Ausgang der Arie Lyendijk Bocht. Ähnlich wie auf dem Lausitzring und in Oschersleben bekommt man auch ohne die Live-Monitore sehr viel von der Rennaction mit. Und die Lage in den Dünen ist wirklich einzigartig. Zandvoort ist kein modernes Rennstreckenkonstrukt. Das ist ein Kurs, der schon existiert hat, bevor irgendwer anfing, Strecken am Reißbrett zu optimieren. Das hat Zandvoort schon mal mit der Nordschleife gemeinsam.

Rennen 1 – Samstag: Cairolis Wochenende

Matteo Cairoli hat den Samstag von Freitagmorgen an in der Hand. Bestzeit im Training, Pole am Samstagvormittag. Im Rennen macht er das, was man von einem Spitzenreiter erwartet: er fährt vorne, baut den Vorsprung aus und lässt nichts anbrennen. Nach dem Pflichtstopp in Runde 16 kommt er als Erster wieder raus – und das war’s eigentlich. Kein Drama, kein Zittern, 36 Runden später Zielflagge.

Hinter ihm: Lucas Auer auf Zwei, Lokalmatador Thierry Vermeulen auf Drei, vor seinen eigenen Fans in den Dünen. Für Auer ist es das dritte Podium in drei Rennen – ein Muster, das sich in der Gesamtwertung niederschlägt. Er übernimmt die Führung von Maro Engel, der sich mit Platz sieben und einem späten Reifenwechsel durchwurschelt, aber gegen die Pace der Spitze nichts ausrichten kann.

Das zeigt, wie eng dieses Feld ist. Und wie teuer ein einziger Fehler werden kann.

Kelvin van der Linde verliert im Training Öl, löst die Red Flag aus, bekommt seine schnellste Quali-Runde gestrichen und startet vom letzten Platz. Was dann passiert, ist eigentlich das Interessanteste am Samstag: Er kämpft sich nicht einfach ins Mittelfeld – er übernimmt zwischendrin die Führung. Letzter Startplatz, Rennführung. Die Grundspeed ist da, das sieht jeder. Dann muss er trotzdem aufgeben. Sehr unglücklich, aber der Hinweis auf den Sonntag ist gesetzt.

Bastian Buus übrigens: kämpft Platz vier bis zur Zielflagge, verteidigt erfolgreich gegen Gounon – und wird danach disqualifiziert, weil sein Porsche das Mindestgewicht nicht erreicht. Für ihn das schlechteste mögliche Ende eines guten Rennens.

Ergebnis Rennen 1 – Zandvoort

Pos.FahrerTeamRückstand
1Matteo CairoliEmil Frey Racing (Ferrari)
2Lucas AuerMercedes-AMG Team Landgraf+3,622 s
3Thierry VermeulenEmil Frey Racing (Ferrari)+4,786 s
4Jules Gounon*Mercedes-AMG Team Mann-Filter+7,187 s
5Ben DörrDörr Motorsport (McLaren)

Bastian Buus ursprünglich P4, nach dem Rennen disqualifiziert.

Rennen 2 – Sonntag: Van der Linde macht Ernst

Am Samstagabend dreht die Rennleitung noch einmal an der BoP – Gewicht und Ladedruck, zugunsten des BMW. Das ist das ausgleichende Prinzip der DTM, manchmal unbefriedigend anzuschauen, aber es sorgt dafür, dass das nächste Rennen anders aussieht. Und van der Linde hat noch etwas in der Hinterhand: seinen Reifensatz vom Samstag, den er sich durch den Ausfall gespart hat.

Wer Samstag so ein Wochenende erlebt, startet Sonntag mit etwas zu beweisen.

DTM 2026: Acht Teams, ein Titelkandidat – und ein Wikinger mit der Startnummer 007

Ende April geht es los. Vom 24. bis 26. April steigt das erste DTM-Wochenende der Saison 2026 auf dem Red Bull Ring in Österreich – zum ersten Mal überhaupt in der über 40-jährigen Geschichte der Serie. Was das für die Rennaction bedeutet, wird sich zeigen. Was das Fahrerfeld angeht, ist der Stand der Dinge jedenfalls klar: Manthey muss geschlagen werden, und das ist leichter gesagt als getan.

Das Maß aller Dinge: Manthey mit Porsche

2025 hat Manthey drei von vier möglichen Titeln geholt – Fahrer, Team, Rookie. Thomas Preining gewann acht Rennen. Für 2026 ist Ricardo Feller neu dabei, der Schweizer kommt von ABT und bringt drei eigene DTM-Siege mit. Gefahren wird ein neuer Porsche 911 GT3 R Evo mit bis zu 565 PS.

Preining arbeitet seit vier Jahren mit demselben Team. Die Abläufe sitzen. Das ist kein romantisches Detail, das ist ein echter Vorteil. Feller hat im Januar bereits in Daytona für Manthey debütiert. Die Eingewöhnung hat also schon stattgefunden. Wer Manthey 2026 schlagen will, braucht mehr als ein gutes Auto.

BMW will Revanche

Das dramatischste Stück der DTM-Geschichte 2025 hat Schubert Motorsport geschrieben – sie kämpften bis zum letzten Lauf in Hockenheim um den Titel und verloren ihn knapp. Für 2026 ist Kelvin van der Linde zurück, nach einem Jahr Pause. Der Südafrikaner hat in der DTM acht Rennen gewonnen und wurde 2024 Vizechampion.

Sein Teamkollege Marco Wittmann bestreitet seine 14. DTM-Saison – alle 210 bisherigen Rennen auf BMW. Der Mann aus Fürth kennt die Meisterschaft so gut wie kaum jemand. Der dritte Titel ist sein erklärtes Ziel. BMW-Motorsportchef Andreas Roos formuliert es nüchterner: Man habe „noch eine Rechnung offen“. Ob das reicht, hängt davon ab, ob der BMW M4 GT3 Evo 2026 endlich die konstante Pace hat, die Preining mit dem Porsche schon lange abrufen kann.

Mercedes-AMG: Vier Fahrer, eine Rechnung

Zwei Teams, vier Piloten – und den letzten Fahrertitel von 2021. Lucas Auer war 2025 lange Tabellenführer, beendete die Saison als Vizemeister. 2026 fährt er im Adidas-Design – was dem Mercedes-AMG GT3 optisch gut steht, ändert nichts an der sportlichen Ausgangslage. Maro Engel landet seit zwei Jahren auf dem dritten Gesamtrang. Jules Gounon bestreitet sein zweites DTM-Jahr. Tom Kalender, 17 Jahre alt, sein zweites ebenfalls.

Wenn Mercedes eine Schwäche hat, dann ist es die Konstanz über ein ganzes Jahr. Auer hat die Pace, aber 2025 hat das nicht gereicht. Die Frage für 2026 ist, ob vier Fahrer mit unterschiedlichen Ambitionen und zwei separaten Teams koordiniert genug arbeiten, um Manthey ernsthaft Druck zu machen.

Lamborghini kommt gleich doppelt – und neu

Das interessanteste Fragezeichen des Feldes trägt eigentlich zwei Gesichter. Sowohl das TGI Team by GRT als auch Abt Sportsline starten 2026 mit dem neuen Lamborghini Temerario GT3 – Nachfolger des Huracán GT3, mit dem beide Teams jahrelang unterwegs waren.

Bei GRT sitzt Mirko Bortolotti, DTM-Champion 2024, der die Marke kennt wie kaum ein zweiter. Teamkollege Maximilian Paul gewann 2023 auf dem Nürburgring bei seinem allerersten DTM-Wochenende. Teamchef Gottfried Grasser nennt 2026 ausdrücklich ein „Lehrjahr“ – das ist ehrlich. Aber Bortolotti und Paul sind keine Lernenden mehr.

Abt Sportsline ist das dienstälteste und erfolgreichste Team im Feld – fünf Fahrertitel, 78 Rennsiege, 92 Pole-Positions seit dem DTM-Einstieg im Jahr 2000. Luca Engstler, 26, aus Kempten, ist in seiner Kindheit täglich an der Abt-Werkstatt vorbeigefahren und fährt jetzt für das Team. Marco Mapelli, 38, war als Lamborghini-Werksfahrer in die Entwicklung des Temerario GT3 eingebunden – er weiß also im Zweifelsfall mehr über das Auto als mancher Ingenieur. Beide haben klare Erwartungen. CEO Thomas Biermaier auch.

Wenn der Temerario von Anfang an konkurrenzfähig ist, können beide Lamborghini-Teams schnell unangenehm werden. Vier Fahrzeuge derselben Marke mit zwei unterschiedlichen Teams – das wird auch intern interessant.

Ferrari, Ford und McLaren

Emil Frey Racing aus der Schweiz schickt zwei Ferrari 296 GT3 Evo ins Rennen – einer davon brandneu. Thierry Vermeulen hat 2025 drei Podestplätze und zwei Pole-Positions geholt, Neuzugang Matteo Cairoli kommt aus der WEC und hat das 24h-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. Das Team ist seit vier DTM-Saisons dabei und weiß, was es tut.

HRT Ford Racing tritt mit einem aufgerüsteten Ford Mustang GT3 Evo an. Arjun Maini bestreitet seine sechste DTM-Saison, Finn Wiebelhaus steigt als 19-jähriger Road-to-DTM-Gewinner auf. Wiebelhaus ist der interessante Name: Als ADAC-GT-Masters-Champion kommt er nicht als blinder Debütant, aber die DTM ist eine andere Liga.

Dörr Motorsport aus Frankfurt schickt Timo Glock und Ben Dörr in zwei McLaren 720S GT3 Evo. Glock ist 91-maliger Grand-Prix-Starter und bestreitet seine zweite DTM-Saison für das Team. Ben Dörr holte 2025 die erste McLaren-Pole in der DTM-Geschichte.

Der sympathischste Auftritt: Nicki Thiim, Aston Martin, Nummer 007

Comtoyou Racing aus Belgien startet mit zwei Aston Martin Vantage GT3. Thiim, Sohn von DTM-Champion Kurt Thiim (1986), zweimaliger WEC-Langstreckenweltmeister, fährt seit über zehn Jahren für Aston Martin und trägt die Startnummer 007. Das ist entweder Kitsch oder konsequente Markenpflege – wahrscheinlich beides.

Thiim ist in der DTM ein echter Publikumsliebling, und sein einziger bisheriger Sieg fiel auf dem Norisring. Den nennt er als persönliches Saison-Highlight 2026. Das zweite Cockpit hat Nicolas Baert inne, Sohn des Teameigners, im zweiten DTM-Jahr. Nicht das Favoriten-Gespann, aber das spannendste Charakter-Duo des Feldes.

Ebenfalls neu dabei: Bastian Buus (DK) fährt für Land-Motorsport einen Porsche 911 GT3 R Evo. Über ihn ist bislang wenig bekannt – das kann sich in einem DTM-Jahr schnell ändern.

Was zu erwarten ist

21 Fahrer aus elf Nationen, acht Marken, acht Rennwochenenden. Alle Läufe laufen live auf ProSieben, kostenlos beim Streamingdienst Joyn. Der Saisonkalender:

  • 24.–26. April – Red Bull Ring (A)
  • 22.–24. Mai – Circuit Zandvoort (NL)
  • 19.–21. Juni – Dekra Lausitzring
  • 3.–5. Juli – Norisring
  • 24.–26. Juli – Motorsport Arena Oschersleben
  • 14.–16. August – Nürburgring
  • 11.–13. September – Sachsenring
  • 9.–11. Oktober – Hockenheimring Baden-Württemberg

Manthey ist der Favorit, weil kein anderes Team in ähnlicher Konstanz alle Faktoren zusammengebracht hat. Aber BMW war 2025 nah dran. Mercedes hat statistisch die meisten DTM-Titel aller Zeiten. Bortolotti ist ein amtierender Champion. Und Abt ist Abt.

In vier Wochen geht es Spielberg los. Besonders freue ich mich auf das zweite Rennen in Zandvoort, dann da werden Sohn II und ich live dabei sein! Let’s gooooo!

Stark weiter auf dem Vormarsch: Höhenrekorde und Rennsport-Erfolge mit der Varg EX

Stark Future ist aktuell weiter auf dem Vormarsch. Mit einem neuen Höhenrekord am Ojos del Salado und einem historischen Rennsport-Erfolg in der SuperEnduro-Weltmeisterschaft sammelt der Hersteller mit der Stark Varg EX gleich doppelt Belege dafür, dass elektrische Enduros längst mehr sind als ein Nischenthema. Der Blick auf Stark Future, Höhenrekord und Rennsport zeigt, dass sich hier gerade etwas verschiebt.

Stark Future Höhenrekord am Ojos del Salado

Der Ojos del Salado in der Atacama-Wüste ist längst mehr als nur Kulisse für spektakuläre Expeditionen. Bereits Ende 2023 hatte ich über die Serie von Höhenrekorden berichtet, die dort innerhalb weniger Wochen aufgestellt wurden – mit Motorrädern, Elektro-Trucks und sogar einem Porsche 911. Der Berg ist so etwas wie ein Härtetest für Mensch und Maschine, weil hier nicht nur fahrerisches Können gefragt ist, sondern Technik unter Extrembedingungen funktionieren muss.

Genau an diesem Punkt knüpft Stark jetzt an. Der Schweizer Alpinist Jiri Zak erreichte Ende November 2025 mit einer Stark Varg EX eine Höhe von 6.721 Metern und setzte damit einen neuen Motorrad-Höhenrekord. Die Fahrt fand am Ojos del Salado selbst statt, die Daten werden aktuell von Guinness World Records geprüft.

Warum dieser Rekord mehr ist als eine Zahl

Der bisherige Referenzwert stammt ebenfalls von Jiri Zak. Im Februar 2020 erreichte er auf einer Yamaha WR 450 F am Ojos del Salado eine Höhe von 6.546 Metern. Weiter nach oben ging es damals vor allem wegen massiver Schneefelder oberhalb von rund 6.355 Metern nicht mehr, die den Hang zunehmend unpassierbar machten.

Bemerkenswert ist auch der Blick zurück auf November 2023. Damals erreichte Zak mit einer KTM 500 EXC-F bereits den Westgipfel des Ojos del Salado. Die Bedingungen waren ideal, allerdings war er beim entscheidenden Abschnitt allein unterwegs. Da sein Begleiter erschöpft umkehren musste, fehlten unabhängige Zeugen für die erreichte Höhe. Trotz GPS-Daten und Videomaterial wurde die Fahrt von Guinness World Records nicht offiziell anerkannt.

Während Verbrennungsmotoren in dieser Höhe zunehmend mit Sauerstoffmangel und Leistungsverlust kämpfen, arbeitet der Elektromotor der Varg EX davon unbeeinflusst. Das macht den Rekord weniger zu einer spektakulären Grenzerfahrung und mehr zu einer logischen Konsequenz der Technik. Gerade im Kontext der bisherigen Rekorde am Ojos del Salado, bei denen oft erheblicher technischer Aufwand nötig war, ist das ein bemerkenswerter Punkt.

Stark Future im Rennsport: Podium bei der SuperEnduro-WM

Fast zeitgleich folgt der zweite Beleg, diesmal im sportlichen Umfeld. Beim Auftakt der SuperEnduro-Weltmeisterschaft in Gliwice sichert sich Eddie Karlsson mit der Stark Varg EX den dritten Platz in der Gesamtwertung. Es ist das erste Podium eines vollelektrischen Motorrads in einer FIM-Weltmeisterschaft.

Auch hier lohnt sich der genaue Blick. Karlsson überzeugt nicht mit einem einzelnen Ausreißerlauf, sondern über den gesamten Abend hinweg mit Konstanz und Kontrolle. Besonders in den engen, technisch anspruchsvollen Passagen spielt die direkte Kraftentfaltung des Elektromotors ihre Stärken aus. Gleichzeitig bleibt das Motorrad über alle Läufe hinweg stabil und zuverlässig, ein Punkt, der in der Diskussion um elektrische Rennmaschinen lange kritisch gesehen wurde.

Ein Muster statt einzelner Ausreißer

Nimmt man beide Ereignisse zusammen, ergibt sich ein klares Bild. Der Höhenrekord zeigt, dass der elektrische Antrieb dort funktioniert, wo klassische Konzepte physikalisch an ihre Grenzen kommen. Das Podium in der SuperEnduro-WM beweist, dass diese Vorteile nicht auf extreme Sonderfälle beschränkt sind, sondern auch im regulären Rennbetrieb greifen.

Ob daraus langfristig eine Verschiebung im Offroad-Sport entsteht, bleibt offen. Aber nach diesen Tagen lässt sich kaum noch behaupten, elektrische Enduros seien nur ein interessantes Randthema.

BMW WorldSBK 2025 Estoril: Toprak Razgatlioglu vor dem großen Triumph

Marc Márquez hat in der MotoGP alles klargemacht – Ducati ist mit ihm zum vierten Mal in Folge Fahrerweltmeister. Während in der Königsklasse also schon gefeiert wird, steht in der Superbike-WM noch alles auf Messers Schneide.

Zwei Siege und ein zweiter Platz: BMW dominiert in Estoril

Toprak Razgatlioglu hat in Estoril mit zwei Siegen und einem zweiten Platz seine WM-Führung ausgebaut. Mit nun 39 Punkten Vorsprung reist der Türke als klarer Favorit zum Saisonfinale in Jerez. Er zeigte einmal mehr, warum BMW ihn geholt hat: blitzsaubere Rennen, kontrollierte Aggressivität und ein unerschütterlicher Fokus aufs große Ziel. Sein Sieg im ersten Lauf, der Triumph im Superpole Race und der zweite Platz im Sonntagsrennen brachten nicht nur neue Rundenrekorde, sondern auch die Gewissheit, dass BMW im Titelrennen voll dabei ist.

Toprak Razgatlioglu gewinnt mit der BMW M 1000 RR das WorldSBK-Rennen in Estoril 2025

Van der Mark kämpft sich zurück

Teamkollege Michael van der Mark erlebte ein Wochenende mit Höhen und Tiefen. Nach einem unverschuldeten Sturz im ersten Rennen kämpfte er sich mit Platz neun und zehn am Sonntag zurück in die Top Ten – solide Ergebnisse, die in der Herstellerwertung zählen. Denn dort liegt BMW nur drei Punkte hinter Ducati. Teamchef Sven Blusch sprach von einem „nahezu perfekten Wochenende“ und lobte Topraks Reife: kein unnötiges Risiko, volle Punkteausbeute, Fokus auf den Titel. Technischer Direktor Christian Gonschor hob die Balance zwischen Leistung und Disziplin hervor – Toprak wisse genau, wann es sich lohnt zu kämpfen und wann Punkte wichtiger sind als Pokale.

Entscheidung fällt in Jerez

In Zahlen liest sich das Wochenende beeindruckend: Poleposition, zwei Siege, neue Streckenrekorde und über 580 WM-Punkte für BMW. Doch entscheidend ist, was jetzt kommt. Beim Finale in Jerez werden noch 62 Punkte vergeben. Ducati lauert mit Nicolò Bulega in Schlagdistanz, BMW hat die große Chance, erstmals den Superbike-Titel zu holen – und das nur zwei Wochen nachdem Marc Márquez auf der Desmosedici die MotoGP dominierte.

Spektakuläres DTM-Finale 2025: Güven schreibt Geschichte, Manthey EMA dominiert

Was für ein Finale: Die DTM-Saison 2025 endete in Hockenheim mit einem Wochenende, das alle Erwartungen übertraf. Neun Fahrer hatten vor den letzten beiden Rennen noch Titelchancen, zwei Läufe entschieden über Ruhm oder Enttäuschung – und am Ende triumphierte Ayhancan Güven. Der 27-jährige Türke krönte sich mit einem waghalsigen Überholmanöver in der letzten Runde zum ersten türkischen DTM-Champion der Geschichte.

Die Saison 2025 war von Anfang bis Ende unberechenbar, eng und voller Wendungen. Fünf verschiedene Hersteller, zahlreiche Rennsieger und ein Titelkampf, der bis zum letzten Meter offen blieb – die DTM zeigte sich in Bestform.

Samstag im Regen: Preining schlägt zurück

Das vorletzte Rennen der Saison begann mit einem Wetterdrama. Starker Regen sorgte auf dem Hockenheimring für rutschige Bedingungen, und schon in der ersten Runde drehte sich das Blatt. Pole-Setter Ben Green im Ferrari verlor nach einem Verbremser die Führung an Jack Aitken, wenig später übernahm Thomas Preining das Kommando. Der Österreicher nutzte die Stärken seines Porsche 911 GT3 R im Nassen perfekt aus, zog nach acht Runden an die Spitze und fuhr anschließend ein fast fehlerfreies Rennen.

Mit konstant schnellen Rundenzeiten setzte sich Preining deutlich ab und holte nach 32 Umläufen einen souveränen Sieg – seinen dritten der Saison. Damit kletterte er in der Gesamtwertung vom achten auf den zweiten Platz und brachte sich in eine ideale Ausgangsposition für das Finale.

Thomas Preining siegt im Regen von Hockenheim im Porsche 911 GT3 R

„Ein super Tag für uns“, sagte Preining nach dem Rennen. „Wir haben darauf hingearbeitet, im Titelkampf wieder dabei zu sein. Jetzt wollen wir das Ding morgen holen.“

DTM am Red Bull Ring: Rast übernimmt kurz die Spitze, Feller feiert Premierensieg

Das vorletzte Rennwochenende der DTM 2025 in Spielberg hatte alles: ein dominantes Rennen von René Rast, Drama in der letzten Runde und einen Premierensieg für Ricardo Feller. Vor den Augen von über 42.000 Fans auf dem Red Bull Ring spitzte sich der Titelkampf weiter zu – mit gleich neun Fahrern, die vor dem Finale in Hockenheim noch Chancen auf den Titel haben.

Samstag: Rast siegt, Aitken verzockt sich in der letzten Runde

René Rast nutzte den Heimvorteil in Österreich perfekt. Bereits in Runde zwei übernahm er die Spitze von Teamkollege Marco Wittmann und kontrollierte danach das Feld. Der dreifache Champion brachte den dritten Saisonsieg sicher ins Ziel und übernahm damit erstmals die Tabellenführung.

Für Schubert Motorsport wurde es sogar noch besser: Wittmann kam als Zweiter ins Ziel und machte den Doppelsieg für BMW perfekt. Dahinter lag lange Zeit Jack Aitken auf Podiumskurs. Doch ausgerechnet in der letzten Runde rutschte er mit seinem Ferrari von der Strecke – und verpasste so nicht nur das Podium, sondern auch die Tabellenführung. Nutznießer war Thierry Vermeulen, der sich über seinen zweiten Podestplatz der Saison freuen durfte.

Das Rennen zeigte einmal mehr, wie schnell sich in der DTM alles drehen kann. Die ersten acht Fahrer liegen innerhalb von nur 15 Punkten – Spannung bis zum Schluss ist garantiert.

Top 5 – Rennen 13, Red Bull Ring

  1. René Rast (Schubert Motorsport, BMW)
  2. Marco Wittmann (Schubert Motorsport, BMW)
  3. Thierry Vermeulen (Emil Frey Racing, Ferrari)
  4. Ben Green (Emil Frey Racing, Ferrari)
  5. Maro Engel (Mercedes-AMG Team Winward Racing)

Sonntag: Feller schenkt Land-Motorsport den Premierensieg

Am Sonntag schrieb Ricardo Feller Geschichte. Der Schweizer setzte sich nach einem packenden Duell mit Thierry Vermeulen durch und holte seinen ersten DTM-Sieg – zugleich der erste für Land-Motorsport. „Ich bin unglaublich stolz, Land-Motorsport den ersten DTM-Sieg zu schenken“, sagte Feller im Ziel.

Vermeulen war erneut stark unterwegs und sicherte sich den zweiten Podiumsplatz in Folge. Für Lokalmatador Lucas Auer ging ein kleiner Traum in Erfüllung: Mit Platz drei feierte er sein erstes Heim-Podium auf dem Red Bull Ring. Noch wichtiger: Der Österreicher holte sich die Tabellenführung zurück, die er am Samstag an Rast verloren hatte.

Hinter den Top-Drei komplettierten Maro Engel im Mercedes und Arjun Maini im Ford die Top 5. Rast dagegen fiel nach zwei Penalty-Laps weit zurück – ein Rückschlag im Titelkampf, den er aber beim Finale in Hockenheim noch ausgleichen könnte.

Top 5 – Rennen 14, Red Bull Ring

  1. Ricardo Feller (Land-Motorsport, Audi)
  2. Thierry Vermeulen (Emil Frey Racing, Ferrari)
  3. Lucas Auer (Mercedes-AMG Team Landgraf)
  4. Maro Engel (Mercedes-AMG Team Winward Racing)
  5. Arjun Maini (HRT Ford Performance)

Spannung pur vor dem Finale

Die Tabellenkonstellation vor Hockenheim verspricht ein Saisonfinale wie aus dem Bilderbuch. Auer führt die Meisterschaft mit 171 Punkten an, dahinter lauern Jordan Pepper (164) und René Rast (160). Thierry Vermeulen, Maro Engel und weitere Fahrer haben ebenfalls noch Chancen. Insgesamt neun Piloten dürfen sich Hoffnungen machen – so offen war ein Titelkampf in der DTM selten.

Vom 3. bis 5. Oktober entscheidet sich auf dem Hockenheimring, wer sich die Krone 2025 aufsetzen darf. Klar ist schon jetzt: Nach diesem Wochenende in Spielberg ist die DTM so spannend wie lange nicht mehr.

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