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Kategorie: Triumph Street Triple R

Einzelscheinwerferumbau für die Triumph Street Triple: LSL oder Motodemic?

Die Entscheidung für die Street Triple im letzten Jahr war nicht von langer Hand geplant, ich suchte damals nach Motorrädern, die in meinem Preisrahmen waren und idealerweise in Berlin standen. Ein freundlicher Hinweis des Blogkollegen Griesgram brachte mich zur Probefahrt und schliesslich zum Kauf meiner 2009er Street Triple 675 R. Und den Kauf habe ich nicht bereut. Was für ein Knaller-Mopped und leidenschaftlicher Landstrassenräuber.

Nur zwei Dinge stören mich. Zum einen, daß sie kein ABS hat. Das ist schlecht änderbar, da muss ich meine Fahrweise anpassen. Zum anderen störte mich – Puristen mögen jetzt aufschreien – der charakteristische Doppelscheinwerfer. Es war optisch einfach nicht meins. Also schaute ich mich um, welche Optionen zum Umbau auf einen Einzelscheinwerfer es gab und stieß auf zwei Optionen:

Rechnet man bei dem LSL-Kit nochmal 100€ für einen Halogenscheinwerfer drauf, so liegt man bei ca. 320€, umgerechnet in Euro liegt man bei dem Motodemic-Kit mit Halogenscheinwerfer bei 420€ (zzgl. Versand und Zoll). Ein nicht unerheblicher Preisunterschied also.

Ist der Motodemic-Kit den Aufpreis wert? Finden wir es heraus:

Die beiden Kits im Vergleich

LSL Lampenhalte-Kit für die Triumph Street Triple

LSL Lampenhalte-Kit für die Triumph Street Triple

Motodemic-Kit für die Triumph Street Triple

Beide Kits sind qualitativ sehr gut gearbeitet. Solide Materialstärken, schönes Oberflächenfinish. Dem LSL-Kit liegt eine kurze Anleitung bei, Motodemic hingegen verweist auf Installationsvideos auf der Website. Dem LSL-Kit liegt zusätzlich noch eine Abdeckung für die Rahmenöffnung bei, in der der serienmässige Lampen-/Instrumentenhalter montiert ist.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Kits sind die folgenden:

  • der zweiteilige Instrumentenhalter beim LSL-Kit wird an den Schrauben für das Zündschloss befestigt und besteht aus zwei Teilen,
  • zur Montage der Schellen für den Lampenhalter beim LSL-Kit muss die obere Gabelbrücke abgebaut werden, da diese geschlossene Ringe sind,
  • beim Motodemic-Kit wird der einteilige Instrumentenhalter an die Schrauben der Lenker-Klemmböcke unterhalb der Gabelbrücke angebracht,
  • die Schellen der Lampenhalter sind zweiteilig und daher ohne Ausbau der Gabelbrücke an die Standrohre angebracht werden.

Ich habe mich für den Motodemic-Kit entschieden aus folgenden Gründen:

  • die Montagepunkte des Instrumentenhalters sind die Befestigungsschrauben des Zündschlosses. Diese sind aber als Abreißschrauben konzipiert, d.h. ich hätte diese ausbohren und  längere Gewinde einschrauben müssen, um diese montieren zu können.
  • der Ausbau der Gabelbrücke wäre auch mit sehr viel höherem Aufwand einhergegangen als beim Motodemic-Kit.

Also habe ich den LSL-Kit an Louis zurückgeschickt, die mir auch umgehend den Kaufpreis zurück erstatteten. Vielen Dank für die problemlose Retourenabwicklung.

Montage des Motodemic-Kits an der Street Triple

Das Installationsvideo auf der Motodemic-Website zeigte die Montage anhand eines neueren Street Triple-Modells. Sieht doch ganz einfach aus, oder? Naja, ein paar Hindernisse gab es dann bei meiner 675 R dann doch. Aber der Reihe nach.

Ach ja, die nachfolgende Reihenfolge der Montageschritte entspricht nicht meinem ursprünglichen Vorgehen. Ist aber in der Nachbetrachtung der sinnvollste Weg es zu tun aus meiner Sicht.

Schritt 1: Demontage der Instrumente

Zunächst zieht ihr die rückseitige Instrumentenabdeckung ab. Diese ist nur gesteckt und kann durch vorsichtiges Ruckeln gelöst und entfernt werden.

Danach zeit ihr den Verbindungsstecker ab und löst die einzige Befestigungsschraube.

Dann könnt ihr das Instrumentenpanel abnehmen. Anschliessend puhlt ihr die Gummibuchsen aus der Trägerplatte, die brauchen wir nachher noch für die neue Trägerplatte.

Schritt 2: Demontage des serienmässigen Lampenhalters

Als allererstes folgt ihr den beiden Strängen des Kabelbaums von den Lampen bis hin zum Wasserkühler. Hier findet ihr die Verbindungsstecker, die ihr abstöpselt. Die Kabel werden an der Seite von einem kleinen Blech in Position gehalten, hier müsst ihr die Sicherungsschraube lösen, um die beiden Kabelstränge nach vorne zu ziehen.

Anschliessend muss der Lampenhalter demontiert werden. Hierzu müsst ihr erstmal das Abdeckungsgitter an der vorderen Rahmenöffnung abnehmen. Dieses ist nur von unten zu erreichen und ist mit einer Schraube gesichert (oben im leider unscharfen Bild markiert).

Wenn das Gitter ab ist, kommt ihr an die vier Muttern innen im Rahmen an, von aussen könnt ihr dann mit der Ratsche die Schrauben lösen.

Wenn alle vier Schrauben raus sind, könnt ihr den Lampenhalter vorsichtig nach vorne abnehmen. Am beten deckt ihr vorher das vordere Schutzblech mit einem Tuch ab, falls was runterfällt.

Schritt 3: Montage des neuen Instrumentenhalters

Im Gegensatz zum obigen Motodemic-Installationsvideo sind bei der 675er Street Triple die Lenker-Klemmböcke von unten nicht mit zwei, sondern nur mit einer Mutter gesichert. Statt also nur die untere Mutter abzudrehen, muss hier erstmal der Lenker abgenommen werden, um an die Inbusschrauben für die Klemmböcke ranzukommen. Aufgemacht, neue Instrumentenhalterung angeschraubt (auf die Kabelführung der Gaszüge achten), wieder festgeschraubt.  

Ich weiss ja nicht wie ihr die Klemmböcke beim Zuschrauben in Position haltet, damit sie sich nicht verdrehen. Zwei Schraubzwingen waren hier eine gute Hilfe.

Bei der Lenkermontage auf die richtige Position des Lenkers achten, versteht sich ja von selbst.

Schritt 4: Montage des neuen Lampenhalters

Wie gesagt sind die Motodemic Lampenschellen zweiteilig, daher kann man die einfach um das Standrohr herum zusammenstecken. Die schmaleren Schellen kommen nach oben, die breiteren unten. Die Schrauben nur leicht anziehen, damit man Position und abstände noch korrigieren kann. Dann die Lampenhalter anbringen und den Scheinwerfer probehalber einsetzen, um den korrekten Sitz aller Halter und Schellen zu überprüfen.

Wenn alles passt werden die Schrauben ringsrum fest angezogen, hierbei Schraubensicherungskleber nicht vergessen. Anzugsdrehmomente gibt der Hersteller nicht vor, aber knallt die Schrauben nicht zu dolle fest, sonst biegen sich die Verbindungsstellen hinten an den Schellen etwas auf. Das sollte nicht im Sinne des Erfinder sein.

Schritt 5: Anschluss des neuen Scheinwerfers

Wenn der Scheinwerfer drin ist, müsst ihr nur noch den Scheinwerfer an den Kabelbaum anstecken und das Führungsblech für die Kabel wieder anschrauben, fertig.

So einfach war das dann bei mir aber nicht. Denn der Stecker passte nicht. Was sollte das denn? Wozu bestelle ich denn den Kit genau für mein Modell und Baujahr, wenn das dann nicht passt? Also raus aus der Garage und ran an den Laptop, um den Motodemic-Support anzuschreiben. Nach einer kurzen Beschreibung des Problems und der Übersendung eines Bildes kamen wir auf des Rätsels Lösung. In meiner 2009er Street Triple steckte der Kabelbaum eines 2012er Modells (warum auch immer) und dieser hat andere Verbindungsstecker.

Nachdem mir der Support die Kabelbelegung der Lampe mitgeteilt hatte, konnte ich das auf den 2009er Stecker auf den 2012er Stecker umlöten. Nur für den Fall der Fälle, daß ihr ein ähnliches Problem haben solltet, hier die Belegung:

Masse: Lampe Schwarz auf Kabelbaum Schwarz
Abblendlicht: Lampe Gelb auf Kabelbaum Blau-Rot
Fernlicht: Lampe Weiss auf Kabelbaum Blau-Schwarz
Standlicht: Lampe Rot auf Kabelbaum Gelb

Das Einstecken der Lampe in den Kabelbaum war etwas fummelig, weil die Stecker so spack am Kühler anlagen, so daß man das nur mit filigranen Chirurgenhänden hätte meistern können. Mit meinen Wurstfingern blieb mir nur übrig, die Befestigungsschrauben des Kühlers zu lösen, um ihn etwas nach vorne zu klappen. Dann gings.

Jetzt aber, fertig! Tadaaaa!

Fazit

Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Der neue Scheinwerfer gibt der Street Triple eine in meinen Augen gefälligere Optik. Der Motodemic Umbaukit ist qualitativ sehr gut, eine modellspezifische Einbauanleitung hätte es noch besser gemacht. Mein einziger Kritikpunkt betrifft den Instrumentenhalter. Da dieser gerade ist, kann das Display schlechter abgelesen werden. Bim LSL-Kit (und beim Motodemic-Kit für die 765er Street Triple) ist dieser angewinkelt und sorgt dadurch für mehr Draufsicht. Vielleicht baue ich den Instrumentenhalter nochmal ab und bearbeite ihn nach. Naja, nächsten Winter vielleicht.

Die erste Ausfahrt mit dem neuen Motorrad

In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli diesen Jahres wurde meine Yamaha MT-07 aus unserer Garage geklaut. Fast auf den Tag genau acht Wochen später parkte ich am Freitagabend dieser Woche ihre Nachfolgerin. Der Kaufentscheidung voraus gingen einige Wochen des Grübelns und Rumsurfens auf Internetbörsen. Den Zwischenstand meiner Überlegungen hatte ich vor ein paar Wochen in diesem Post zusammengefasst und es entsponn sich eine lustige Diskussion in den Kommentaren. Und der Kollege Griesgram erwähnte in seinem Kommentar das Motorrad, welches in meinen ursprünglichen Überlegungen gar keine Rolle spielte, das es aber nun geworden ist. Begrüßt mein neues Pferd im Stall, eine 2009er Triumph Street Triple 675 R:

Bei den Street und Speed Triple-Modelle von Triumph stört mich seit jeher der Doppelscheinwerfer. Als ich eine Street Triple bei mir hier um die Ecke entdeckte, ließ ich meine optischen Bedenken mal beiseite und war bereit, mich den inneren Werten der Triumph zu öffnen. Vor zwei Jahren hatte ich bereits mal das Vergnügen, die von Hanse Qustom umgebaute Street Triple meines Kumpels Tobias Probe fahren zu dürfen. Großartiger Fahrspaß war das damals. Und den gleichen Fahrspaß hatte ich auch bei dieser Probefahrt. Zunächst musste ich mich durch den Feierabendverkehr quälen, aber der seidenweiche Triple-Motor machte klaglos alles mit, präzise Schaltvorgänge, leichtgängige Kupplung, traumhafte Fahrbarkeit. Jenseits der Stadtgrenze konnte ich dann die 106 PS von der Leine lassen und erlebte herrlichen Druck aus allen Lebenslagen. Vom Drehmoment her produziert der Triple die gleichen 68 Nm wie meine MT-07, allerdings bei höheren Drehzahlen. Was allerdings bei der Drehfreude des Motors überhaupt kein Nachteil ist. Das voll einstellbare Kayaba-Fahrwerk filterte alle Unebenheiten der Landstrasse weg und die Arrow Auspuffanlage trötete fröhlich durch ihre beiden Endtöpfe in die Brandenburger Natur.

Zurück beim Händler fiel mir die Entscheidung leicht. Haben will! Nach kleineren Preisverhandlungen war der Deal fix. Die Zulassung ließ ich gleich durch den Händler machen, da das schneller ging. Und ein paar Tage später konnte ich sie dann abholen und habe sie heute dann gleich eine Runde über die Hausstrecke gejagt.

So verärgert ich nach dem Diebstahl der MT-07 war, so versöhnt bin ich jetzt mit der Motorradsituation. Ich habe wieder eine agile, aktive Fahrmaschine, die in die Fußstapfen der Yamaha tritt und dabei noch größere Fußabdrücke hinterlässt. Als erstes werde ich aber – Puristen werden mich verfluchen – die Doppelscheinwerfer auf einen einzelnen umrüsten. Hinten kommt noch ein kurzer Kennzeichenhalter ran und über die Farbe denken wir auch nochmal nach. Wird super!

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