Walt Siegls L’Avventura – die ultimative Reiseenduro

Als ehemaliger Kunstschüler und gelernter Werkzeugmacher bringt Walt Siegl auf dem Papier schon mal sehr gute Voraussetzungen mit für den Bau von Motorrädern. Design und Funktion auf engstem Raum in Einklang zu bringen stellt hier eine besondere Herausforderung dar. Die Motorräder, die aus seiner Werkstatt in New Hampshire kommen, sehen aus wie Serienmotorräder aus einer alternativen Realität, in der Design und Konstruktion wichtiger sind als billige Massenproduktion.

Sein neuestes Bike namens L‘ Avventura stellt Walts Interpretation des perfekten Abenteuer-Motorrads dar. Wie schon bei anderen seiner Modelle wird auch dieses von einem komplett überarbeiteten, luftgekühlten 1100ccm Ducati L-Twin angetrieben. Eingebettet ist das Triebwerk in einen Trellis-Rahmen aus einer Ducati Hypermotard, gekoppelt mit einer neuen Leichtmetallschwinge und einem robusten Alu-Motorschutz.

Second stage of shaping the model for L’Avventura molds

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Die Karosserie ist komplett aus Kevlar, sie wurde bei Walt Siegl Motorcycles speziell für dieses Modell in Stile der der Abenteuer-Rallye-Motorräder der 80er und 90er Jahre entworfen und produziert. Vorne befinden sich zwei Hella-LED-Doppel-Licht-Scheinwerfer, darunter federt eine kräftige Showa-Upside-Gabel, hinten gleicht eine Doppelschwinge mit einstellbaren Öhlins-Monodämpfer die Schläge der Offroadpisten aus.

Zwei Treibstofftanks mit einer Gesamtkapazität von knapp 25 Litern bieten auch auf längeren, tankstellenlosen Etappen genügend Planungssicherheit. Der Sitz bietet ist breit ausgelegt und bietet mit einer modernen Schaumstoffmischung und mit einem griffigen, wasserdichten Vinylbezug genügend Haftung sowie Langstreckenkomfort. Das Cockpit wird dominiert von einem großen, abnehmbaren GPS-Gerät. Wenn es mal irgendwann mit der Maschine nicht weitergehen soll, kann man das GPS zumindest zu Fuß mitnehmen.

My clients’ L’Avventura on top of Mount Chumstick in Washington.

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Faszinierend finde ich zum einen, eine fernreisetaugliche Enduro in der Leistungsklasse einer 1200 GS oder Multistrada hinzustellen, die deutlich unter 200kg wiegt. Hier beginnt die wahre Offroadtauglichkeit, auch wenn sie in diesem Fall mit einem nicht unerheblichen Einsatz von Leichtbaumaterialien erkauft wird.

Zum anderen ist das performante Gesamtpaket in eine sehr schlanke und stilsichere Form gehüllt. Erkauft wird das ganze mit einem Preisschild, welches sich nur dem geneigten Kaufinteressenten offenbaren wird. Trotzdem dürfen sich Walt Siegls Kunden auf 24 Monate Wartezeit einstellen, bis sie ihr Motorrad in Empfang nehmen dürfen. Wert sein dürfte es die Investition von Geld und Zeit allemal sein.

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Bikes der Woche

Ein bisschen Russland, ein bischen Toky Motor Show und Dominator geht eh‘ immer!

Ural Wolf

(via Inazumacafé)

Honda Neo Sports Café Concept

(via Gasgriffsalat)

Monkey 125 Concept

(via Gasgriffsalat)

Honda Dominator von North East Custom

(via Bike Exif)

KRCC VLOG 7/2017: mit der BMW G310 GS um den Montserrat

Nach dem Testbericht zur neuen BWM G310 GS habe ich nun auch das Video fertig. Diesmal bestreite ich es nicht allein, mit mir unterwegs war der Tobi vom Klonblog, der mich schon vor dem Abflug nach Barcelona am Flughafen Tegel anquatschte. Nein, wir kannten uns vorher nicht und ja, wir hatten sehr viel Spaß zusammen in den eineinhalb Tagen in Spanien. Enjoy!

Tobis Testbericht findet ihr übrigens hier. Und wer nun Lust bekommen hat, sein Mopped ein bischen auf Schotter zu bewegen, dem gibt Chris Northover in diesem Video ein paar nützliche Einsteigertipps.

Premiere der neuen BMW G310 GS in Barcelona

Mit einer BMW F650 GS begann meine Motorradsozialisation, schon allein deshalb freute ich mich über die Einladung von BMW Motorrad, die neue G310 GS anlässlich des weltweiten Presse-Events in Barcelona kennen zu lernen und zu testen.

Mit einer Leistung von 25 kW (34 PS) sowie einem maximalen Drehmoment von 28 Nm fehlen dem Einzylinder der G310 GS 16 PS auf meine damalige F650 GS, beim Leergewicht liegt sie 15 Kilo drunter. Im Vorfeld war ich gespannt, wie viel mit der Maschine auf der Landstrasse, vor allem aber auch im leichten Gelände möglich ist.

Der Fahrspaß steigt ja nicht immer linear mit der Leistung. Als Besitzer einer 22 PS-Vespa und einer alten 27 PS-Honda habe ich da gute Erfahrungen. Auch meine aktuelle Yamaha MT-07 habe ich mir zugelegt, weil sie Fahrdynamik und Agilität in sehr kompakter Form zu kombinieren weiß.

Doch zurück zu G310 GS. Den Einstieg in das U500-Segment begann für BMW mit dem Schwestermodell G310 R und ist für BMW Motorrad nicht zuletzt mit Blick auf internationale Märkte ein wichtiger Schritt. Mag hierzulande ein R1200 GS-Fahrer die kleine G310 GS etwas mit Argwohn beäugen, so gilt die kleine GS in anderen Märkten schon als Big Bike.

Der erste Eindruck

Schon beim Betrachten der Pressebilder fiel die G310 GS mit charakteristischen Merkmalen auf. Der hohe Frontfender, die markanten Flyline und das kurze, hohe Heck lassen keinen Zweifel über die Familienzugehörigkeit aufkommen. Auch in natura wirkt sie durchaus erwachsen. Die kompakten Proportionen mit kurzem Radstand, dem 19 Zoll großen Vorderrad und den langen Federwegen versprechen agiles Fahrverhalten.

Die Technik

Fahrwerksseitig baut die neue G 310 GS analog zum Roadster G 310 R auf einen Stahlrohrrahmen in Gitterbauweise mit angeschraubtem Heckrahmen auf. Die Radführung vorne übernimmt eine solide Upside-down-Gabel, während hinten eine Aluminiumschwinge in Verbindung mit einem direkt angelenkten Federbein zum Einsatz kommt.

Die Federwege wurden im Vergleich zum Roadster um 40 Millimeter erhöht, um auch Ausflüge abseits asphaltierter Strassen sorgenfrei gestalten zu können. Die Fünfspeichen-Leichtmetalldruckguss-Räder messen vorne 19 Zoll, hinten 17 Zoll.

Das serienmässige 2-Kanal-ABS lässt sich bequem per Schalter an der linken Armatur für den Geländeeinsatz deaktivieren. Vorne beisst eine Einscheibenbremse in eine 300 Millimeter Bremsscheibe, hinten übernimmt diese Aufgabe ein Zweikolben-Schwimmsattel in Verbindung mit einer 240-Millimeter- Bremsscheibe.

Jetzt aber aufgesattelt und losgeritten.

In der Stadt

Der erste Teil unserer Testfahrt führt uns durch den wuseligen Stadtverkehr von Barcelona. Ähnlich wie in anderen südlichen Metropolen sind hier Roller ein sehr beliebtes Verkehrsmittel. Gepaart mit einer ordentlichen Portion Wahnsinn pfeilen die Barcelonesen über Bus- und Taxispuren oder zwischen anderen Autos hindurch. An der Ampel wird nicht bei Grün losgefahren, sondern bereits wenn die Fußgänger-Ampel von Grün auf Rot umschaltet. Wir nehmen es mit Humor und mischen uns in den Pulk, allerdings mit etwas gesitteterer Fahrweise. Die Wendigkeit der kleinen GS überzeugt bereits hier. Man muss sich nur daran gewöhnen, etwas mehr Anfahrdrehzahl zu geben als mit einem größeren Bike. Das kurz gestufte Getriebe schaltet gut, nur die Suche nach dem Leerlauf gestaltet sich gelegentlich zum Geduldsspiel. Ebenso könnte der Druckpunkt der Kupplung etwas präziser sein.

Bereits in der Stadt nehmen wir die ersten Serpentinen unter die Räder über den Tibidabo. Hier sind zwar nur 50 km/h erlaubt, aber bereits hier macht die quirlige Maschine sehr viel Spaß und deutet ihr Potential an für die Strecke, die wir später am Montserrat unter die mit Metzeler Tourance-Gummis bespannten Räder nehmen würden.

Auf der Autobahn

Um zum Montserrat zu kommen, nehmen wir ein kleines Stücke Autobahn. Es herrscht wenig Verkehr, so daß wir es etwas fliegen lassen können. Als Höchstgeschwindigkeit für die 310er GS werden 143 km/h angegeben. Um diese zu erreichen, muss man den Gasgriff schon bißchen auswringen, oben raus wird es bißchen dünn mit der Beschleunigung. Aber bei einem Autobahn-Richttempo von 120 km/h lässt sich mit der Maschine gut dahinreisen und auch längere Etappen erscheinen hier gut möglich. Die Maschine liegt stabil und der kleine Windschutz an der Cockpitkanzel leistet erstaunlich gute Arbeit.

Auf der Landstrasse

Die Sonne vertreibt die letzten Nebelschwaden und vor uns liegt der heilige Berg der Katalanen, der Montserrat. Die Silhouette erinnert mich stark an die Dolomiten, so daß ich die Tour am Abend spontan die „katalanische Sellarunde“ umtaufe. Ähnlich spektakulär ist das Landstrassengeläuf und es scheint wie für die G310 GS gemacht. Schöne Kurvenkombinationen werden hier von kurzen Geraden zusammengehalten und im Laufe des Nachmittages machen wir einige Höhenmeter in beide Richtungen. Unser Tourguide Robert macht einen exzellenten Job und gibt eine gute Pace vor, als Gruppe harmonieren wir perfekt und fahren in sehr kompakter Formation durch die Biegungen.

Anscheinend animierte dies zwei Einheimische auf Aprilia und Ducati, uns zu jagen. Ich glaube sie waren überrascht, wie schwer es ihnen fiel, uns zu passieren. Auf der Bremse und in der Kurve gab es auf den winkligen Strassen keine reelle Überholchance und längere Geraden waren spärlich gesät.

Bei dem Fahrspaß, den wir hatten war jeder Gedanke an die „nur“ 34 PS der Maschine vergessen. Sie macht es einem leicht, einen sauberen Strich zu fahren. Ein falsch gesetzter Bremspunkt oder eine suboptimal gewählte Kurvenlinie kannst Du mit der Maschine nicht einfach durch stärkeren Gashandeinsatz auf der folgenden Geraden kompensieren, das muss fliessen. Das gute Handling und das geringe Gewicht tun ihr übriges zur guten Fahrbarkeit der Maschine dazu.

Auf Schotter

Am Nachmittag zweigen wir von der Landstrasse ab und toben etwas über die Schotterpisten eines Olivenhains. Während die anderen noch beim Fotostop warten, wusel ich etwas durchs Gehölz. Auch im leichten Offroadeinsatz bietet die GS ein gutes Handling. Hier habe ich allerdings etwas mehr Drehmoment vermisst, wenn man mit leicht schleifender Kupplung über Hindernisse manövriert. Die Federung macht einen guten Job, Auswaschungen und Schlaglöcher steckt sie auch bei höheren Tempi gut weg. Beim Fahren im Stehen hat man einen guten Knieschluss am Tank, für mich und meine Armlänge war der im Vergleich zum R-Modell etwas breitere und weiter nach hinten gekröpfte Rohrlenker auch in aufrechter Fahrhaltung gut zu erreichen.

Gesamteindruck

Sehr ungern haben wir alle am Abend des Testtages die Motorradschlüssel wieder abgegeben. Denn mit der G310 GS hat BMW Motorrad ein erstaunlich komplettes und wertiges Bike hingestellt. Nicht nur in der Stadt und auf der Landstrasse weiss sie zu überzeugen, ich würde ihr auch eine gewisse Fernreisetauglichkeit unterstellen. Entsprechendes Zubehör wie Hauptständer, Topcase, Bordsteckdose und Navigationsgerät gibt es bereits jetzt im BMW Zubehörprogramm. Gebaut wurde die G310 GS auch mit Blick auf die sogenannten „Emerging Markets“ wie Asien und Brasilien. Bei den Qualitäten des Motorrades gepaart mit einem Einstiegspreis von 5.800 € glaube ich aber fest daran, daß die kleine GS hierzulande auch reichlich Anklang und Käufer finden wird.

Bilder: BMW Motorrad, Markus Jahn

KRCC VLOG 6/2017: die Honda MSX125 im Hauptstadt-Test

Bereits im Studium im oberschwäbischen Ravensburg wurde ich im Wintersemester des öfteren von den Kommilitonen belächelt. Es war ein beliebtes Ratespiel, herauszufinden, wie viele Lagen Klamotten der Hauser anhatte, nachdem er sich mit seiner Vespa V50N Spezial bei zapfigen Temperaturen und Schneetreiben bis zum Vorlesungsgebäude gekämpft hatte.

Damals war das eher aus der Not geboren. Für ein Auto hatte ich noch keine Kohle, für den oberschwäbischen Busverkehr hatte ich nicht die Geduld. Heute lebe ich in Berlin mit einer deutlich höheren ÖPNV-Dichte, aber die Vorliebe für den einspurigen, benzingetriebenen Individualverkehr ist geblieben. Bei gutem Wetter tummeln sich viele andere mit mir auf Berlins Strassen, vor allem die Elektro-Mietroller haben gut Konjunktur. Im Herbst und im Winter dünnt sich das Feld dann deutlich aus.

Nur bei den widerlichsten Wetterumständen findet ihr mich an Bord einer überfüllten und überhitzten Tram M4 wieder. Lieber ziehe ich mir nach wie vor 10 Klamottenschichten an und fahren mit meiner Vespa 300 GTS Super ins Büro. Auch bei Minus 10 Grad. So sind in den letzten vier Jahren 20.000 Kilometer Laufleistung auf der Maschine zusammengekommen.

Aber im letzten Monat hatte die Vespa zwei Wochen Pause. Denn Honda Deutschland hatte mir in der Zeit eine MSX 125 zur Verfügung gestellt, die als daily Driver zum Einsatz kam. Nach der ersten, Begeisterung auslösenden Bekanntschaft mit der MSX auf dem Honda Pressetag im Mai war es an der Zeit, unsere Beziehung zu vertiefen.

Auf meine 300er Vespa fehlen ihr 12 PS Leistung, aber sie trägt auch 50 kg weniger mit sich herum. In Radstand und Fahrzeuglänge ist sie ihr fast ebenbürtig, allerdings ist sie niedriger und deutlich schlanker. Auch wenn es optisch eher nach „Affe auf dem Schleifstein“ aussieht, wenn ich auf der kleinen Maschine sitze ist es durchaus kommod. Nicht nur auf der Fahrt ins Büro, sondern auf bei der kleinen Feierabendtour ins Umland. Von der Ergonomie passt alles, der Knieschluss am Tank sowie die Position der Fussrasten und die Lenkerarmaturen. Letztere geben einem keine Rätsel auf, denn so viel Funktionen gilt es ja nicht zu bedienen. Bremse, Kupplung, Blinker, Fernlicht, Starter, Aus-Schalter, fertig.

Einmal angeworfen klingt es fröhlich grummelnd aus dem Endtopf, die MSX meldet Einsatzbereitschaft. Schnell steppt man sich durch das Vierganggetriebe. Auch wenn die MSX gut von unten raus antritt, will man zügig unterwegs sein, bleibt einem etwas Schaltarbeit nicht erspart. Das Vierganggetriebe macht es einem aber sehr einfach, schaltet präzise und direkt. Alleine das Auffinden des Leerlaufs ist manchmal nicht ganz eindeutig, aber das ist bei anderen Motorrädern gerne auch mal so.

Die 10 PS und 11 Nm Drehmoment reissen keine Bäume aus, aber das Maschinchen tritt von der Ampel aus gut an und man schwimmt sehr kommod im Stadtverkehr mit. Kleine Überholmanöver schüttelt sie locker aus dem Ärmel. Zu übermütig sollte man auf der Stadtautobahn aber nicht werden, denn über 75 km/h wird die Luft etwas dünn. Bei 92 km/h kommt die MSX an ihre Grenzen, knapp über 100 km/h zeigt dann der Tacho an. Eine kleine Landstrassenpartie ist auf der MSX aber immer drin, wenn man nicht zu den schnellsten gehören muss oder will.

Das überraschendste an der MSX ist, wie das Umfeld auf sie reagiert. Auf kein anderes Zweirad wurde ich so oft angesprochen wie auf die Honda. Menschen lächeln dich aus dem Auto an, kucken oder winken an der Ampel. Bewusst habe ich auch die Begegnung mit anderen Motorradfahrergruppen gesucht, von der Brandenburger Streetfighter-Gang bis hin zu meinen Alteisentreibern der Berlin Café Racers. Statt mit meiner 77er Honda CJ 250 T tauchte ich mit der MSX auf einer unserer Ausfahrten an und selbst der hartgesottenste Guzzi- oder BSA-Fahrer war einen interessierten Blick auf das kleine Maschinchen. Eine ähnliche, interessengruppenübergreifende Zuneigung erfahre ich sonst nur, wenn ich mit meinem Hundewelpen Gassi gehe.

Abgesehen von der geringeren Leistung hat die MSX 125 eigentlich nur zwei Nachteile: die Transportkapazitäten – sei es Gepäck oder Sozius – sind deutlich eingeschränkter. Und mangels Beinschild ist der Wetterschutz natürlich nicht so prall. Aber das ist bei jedem anderen Motorrad auch so.

Mit einem Preis von 3.300 € ab Werk ist die Honda fast um 2.000 € günstiger als eine leistungsmässig vergleichbare Vespa GTS Super 125. Wer also auf Zuladunsgmöglichkeiten und trockenes Schuhwerk verzichten kann, aber garantierten Fahrspaß und positive Vibes haben will, der kann eigentlich nur eine MSX 125 kaufen. Und die gesparten 2.000 € lassen sich bestens in phantasievolle Umbauten stecken, ein paar lustige Anregungen finden sich dazu überall im Internetz.

Technische Daten
Max. Leistung 7,2 kW (9,8 PS) bei 7.000 U/min.
Max. Drehmoment 11 Nm bei 5.250 U/min.
Vierganggetriebe
Höchstgeschwindigkeit 92 km/h
Gewicht vollgetankt 105 kg
UVP ab Werk: 3.300 €

Die Honda MSX 125 wurde mir freundlicherweise von Honda Deutschland zur Verfügung gestellt.

Mit der Yamaha 900 Tracer auf der Tour des Grandes Alpes

Im Jahre 2005 führte Yamaha das erste MT-Modell ein. Die MT-01 prägte mit ihrem maximalen Drehmoment von 150 Nm den Begriff der „Masters of Tourque“. Mittlerweile hat sich die MT-Familie gut erweitert und erfreut sich in den verschiedensten Varianten großer Beliebtheit. Allen voran die MT-07, die sich schon seit längerem in den Zulassungsstatistiken nur der BMW R1200 GS geschlagen geben muss.

Ein kurzer Blick auf die Zulassungszahlen Juni 2017 zeigt, daß auch der Rest der Top 50 sehr gut von MT-Modellen durchsetzt ist:

  • Platz 02: Yamaha MT-07, 2.021 Einheiten,
  • Platz 16: Yamaha MT-09, 913 Einheiten,
  • Platz 21: Yamaha MT-09 Tracer,  724 Einheiten,
  • Platz 26: Yamaha MT-07 Tracer,  676 Einheiten,
  • Platz 31: Yamaha MT-10, 652 Einheiten.

Auf meiner bisher längsten Motorradtour begleitete mich die Yamaha 900 Tracer, wie die MT-09 Tracer neuerdings firmiert. Der Sporttourer teilt sich mit dem Schwestermodell MT-09 einen Großteil der Komponenten, ergänzt um ein paar fernreisetaugliche Zutaten wie eine rahmenfeste Verkleidung mit Windschild und Handguards. Eine sehr gute Ausgangsbasis für das 3.000 Kilometer lange Gemisch aus Autobahn, Landstrassen und vor allem großen und kleinen Alpenpässen welches uns erwartete.

Gepäck
Vor dem Tourstart stand erstmal das Beladen des Motorrads an. Fährt man mit dem eigenen Motorrad von zu Hause aus los, ist man sehr gut mit den Verstaumöglichkeiten vertraut. Da ich erstmal mit Gepäck durch die halbe Republik fuhr, um das Testmotorrad zu übernehmen, musste ich erst vor Ort sehen, wie ich das Motorrad am besten bepacke. Ausgerüstet war die Tracer mit den Soft-ABS-Seitenkoffern aus dem Yamaha-Zubehörprogramm. Jeder Seitenkoffer hat ein Fassungsvolumen von 25 Litern. Die Seitenkoffer öffnen in der Mitte via Reissverschluss und haben innen auf jeder Seite elastische Gurte, die das Gepäck an Ort und Stelle halten sollen. Zwei Nachteile des Koffersystems: sie waren aufgrund ihrer Form nicht so optimal bepackbar wie klassische, rechteckige Koffer und sie waren nicht wasserdicht. Also zurück zu den Plastiktüten.

Ergänzend hatte ich noch Moto-Detail Trekkingrolle mit Rokstraps auf den Soziussitz geschnallt. Es gibt an der Tracer zehn Spanngurt-Halterungen, acht unter dem Beifahrersitz und jeweils eine auf den Beifahrer-Fußrasten. Genug also, um auch mehr als eine Tasche zu verstauen. Nach zwei Tourtagen mit hin- und herpacken hatte ich dann auch die optimale Verteilung des Gepäcks ausgeklügelt.

Ergonomie
Alles verstaut? Also aufsitzen uns losfahren. Die Tracer bietet eine komfortable Sitzposition mit sehr breitem Lenker. Für das Durchmogeln im Stadtverkehr zwar ungeeignet, aber auf langes Tagesetappen sehr kommod. Die Sitzbank ist in zwei Positionen höhenverstellbar. Die Polsterung taugt gut für Tagestouren, auf längeren Touren wie der unseren würde ich mir etwas Komfort wünschen, sonst zwickt es doch sehr am Gesäß. Der Tank baut nach vorne hin sehr breit, das empfand ich aber nicht als unangenehm. Im Gegenteil, beim stehend fahren auf Schotter hatte man auch einen guten Knieschluss und konnte das Motorrad gut dirigieren. Doch dazu später mehr.

Die Armaturen und Schalter sind gut bedienbar und geben keine Rätsel auf. Die Windschutzscheibe ist in drei Positionen höhenverstellbar, das Lösen zweier Einstellschrauben und das verschieben einer Gleitplatte fand ich zwar etwas fummelig, aber in der Regel macht man das ja nur einmal, bis es passt. Den Windschutz fand ich sehr gut, gerade bei den paar längeren Autobahnetappen war das sehr komfortabel. Ich hatte auch keine störenden Verwirbelungen am Helm wie z.B. beim Test der Honda Africa Twin.

Das LCD-Display schön zu nennen wäre geprahlt, andere Hersteller sind da im Jahre 2017 deutlich weiter vorne. Vom Design her und von den dargebotenen Informationen ist es funktional, mehr aber auch nicht. Drehzahl, Geschwindigkeit, Fahrmodi, Temperaturen, zwei Kilometerzähler und Tankanzeige hat man im Blick, alles andere brauchte ich nicht.

Die Tankanzeige hat eine asymmetrische Balkenanzeige:

Das erste Balkensegment steht gefühlt für Ewigkeiten, da passiert über 200km lang nix. Ist das mal weg, gehen danach die kleineren drei Segmente auch viel schneller aus. Das letze Segment fängt irgendwann an zu blinken und im rechten Display fängt ein Reservekilometerzähler an zu laufen. Einmal tankte ich nach 40 Reservekilometern, da hatte ich noch einen Liter Rest im 18l-Spritfass.

Aber zurück zum Display und zur Ergonomie. Wenn man die Sonne im Rücken hat, reflektiert das Display teilweise sehr stark und man wird geblendet. Wenn man nur geradeaus fährt, kann man sich in der Fahrtposition etwas drauf anpassen. Aber wenn das beim Kurventurnen passiert und man im Kurvenscheitel die Sonne wieder im Rücken hat und man dann geblendet wird, ist das ärgerlich.

Serienmässig ist die Tracer mit einer 12V Steckdose ausgerüstet. Günstig positioniert links neben dem Tachodisplay konnte ich das mittels Quadlock lenkermittig montierte Smartphone gut mit Strom versorgen.

Motor und Getriebe
Der Dreizylinder-Motor der Tracer ist definitiv das Highlight des ganzen Motorrades. Er liefert 84,6 kW (115PS) bei 10.000 /min ab, viel wichtiger sind aber die 87,5 Newtonmeter Drehmoment, die bei 8.500 /min erreicht werden. Bereits ab Leerlaufdrehzahl liegen aber bereits 75 Newtonmeter an und hier zeigt sich die Stärke des Crossplane-Drilling. Der Dampf von unten raus begeistert wirklich und sorgt für eine tolle und flexible Fahrbarkeit. Angas-Modus auf weit geschwungenen Kurven des Col de la Bonette kann die Maschine ebenso gut wie das Kurvenwedeln auf den engen Spitzkehren in der unteren Sektion des Colle delle Finestre. Und als auf eben diesem Pass der Strassenbelag im oberen Sektor auf groben Schotter wechselte, stellte ich mich entspannt in die Fußrasten, suchte den Knieschluss am Tank und ließ mich im zweiten Gang den Berg hinaufziehen (zum Erstaunen der anwesenden GS-Fahrer).

Auch wenn der Motor sehr drehfreudig ist, kann ich mich nicht erinnern, auf der Tour das Drehzahlspektrum jenseits der 8.000 u/min ausführlich genutzt zu haben. Weil einfach keine Notwendigkeit dafür da war. Auf der Autobahn ist man auch bei schnellen Überholvorgängen im 5. und 6. Gang gut aufgehoben und auf den Alpenpässen ist man eh so schnell an der nächsten Kurve, dass man gar nicht in die oberen Drehzahlbereiche kommt.

Der Motor verfügt darüber hinaus über drei Fahrmodi, Standard, Modus A (schärfere Gasannahme) und Modus B (sanftere Gasannahme). Die Dosierbarkeit der Leistung ist aber so gut, dass es für mich des A/B-Modus gar nicht bedarf. Egal ob vier Grad und Dauerregen oder 30 Grad und frisch-asphaltierte Strassen, die richtige Menge Gas fand sich immer intuitiv ohne Modi-Steuerung.

So begeisternd der Motor, so ernüchternd das sequentielle 6-Gang-Getriebe. Das letzte Mal so derbe in den Schalthebel treten musste ich bei meiner alten 650er Rotax-GS. Gerade wenn man etwas sportlicher unterwegs war und mehrere Gänge vor der Kurve runter schalten musste, ging das oft nur sehr widerwillig. Oder man hatte einen höheren Gang drin, als man eigentlich wollte. Das trübte den ansonsten sehr guten Fahreindruck etwas.

Fahrwerk
Die Teleskopgabel vorne und das über einen Hebel angelenkte, einstellbare hintere Federbein haben auf den unterschiedlichsten Oberflächen überzeugt. Von der frisch geteerten Passstrasse bis zum ausgewaschenen Schotterweg hatten wir alles unter den Rädern und immer fiel die Tracer durch satte Strassenlage positiv auf. Tadelloses Handling und sauberes Einlenkverhalten machten das Kurvenzirkeln zum Spaß, lediglich das etwas hohe Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage wäre negativ zu vermerken. Auf der Autobahn neigte die Maschine auch ab ca. 160 – 170 km/h zum Pendeln. Durch optimalere Gewichtsverteilung des Gepäcks ließ sich das etwas mindern.

Fazit
An der einen oder anderen Stelle klang es schon durch: ich fühlte mich auf der Tracer 900 auf der Tour sehr wohl. Sie ist ein sehr vielseitiges Motorrad, welches für die lange Tour ebenso gut taugt wie für die schnelle Ausfahrt am Wochenende. Es muss also nicht immer Reiseenduro sein, wenn man mehrere Tage unterwegs sein will. Zumal die Tracer auch in Endurogefilden wie dem Colle delle Finestre eine sehr gute Figur gemacht hat. Die Optik mag nicht jedermanns Sache sein, aber der Fahrspaß ist jedem garantiert. Definitiv zwei Daumen hoch!

Technische Daten
84,6 kW (115PS) bei 10.000 /min
87,5 Nm (8,9 mkp) bei 8.500 /min
sequentielles 6-Gang-Getriebe
Gewicht, fahrfertig, vollgetankt 210 kg
Tankinhalt 18 L
Kaufpreis: ab 10.295,00 €

Mehr Angaben auf der Yamaha-Website

Vielen Dank an die Yamaha Motor Deutschland GmbH für die Teststellung der Tracer 900.

Ducati Scrambler Mach 2.0

Vor Jahren stand meine Frau mal mit Ihrer Vespa an einer Ampel hier in Berlin, als ein anderer Motorradfahrer in bester Berliner Schnauze zu ihr meinte: „Na? den Helm ooch in Wagenfarbe jekooft?“

Genau andersrum hat es jetzt Ducati mit der Scrambler Mach 2.0 gemacht. Hier kannste dit Mopped in Helmfarbe koofen. Angelehnt an das Farbschema des Bell-Helms “Cross Idol” hat Roland Sands die Scrambler umlackiert. Präsentiert wird das Motorrad diese Woche auf dem Wheels & Waves in Biarritz. Immer mehr Hersteller nutzen den Rahmen des Festivals, um Sondermodelle oder Custombikes zu präsentieren.

Neben dem neuen Lack zieren die Ducati ein flacher, konifizierter Aluminiumlenker, eine spezielle Sitzbank, der schwarze Auspuff sowie überfräste Kühlrippen und schwarze Zylinderkopfdeckel. Die Inspiration für den Namen der neuen Scrambler kommt einmal mehr aus der Ducati Geschichte der Sechziger-Jahre. Die erste Ducati Mach 1 250 kam 1965 auf den Markt – ein sportliches Straßenmotorrad mit dem Motor der Scrambler 250.

Ganz putzig ist auch das Ankündigungsvideo von Ducati:

Touratech R9X

Anlässlich des diesjährigen Touratech Travel Events am letzte Wochenende präsentierte Touratech Racing seinen neuesten Coup: der Start bei den Red Bull Romaniacs vom 25. bis 29. Juli mit einer modifizierten R nineT. Einem Bike, das eher für Lifestyle und entspanntes Cruisen als für Endurosport in seiner extremsten Form steht. Gerhard Forster, der für Touratech Racing schon zahlreiche Platzierungen unter den Top Ten der weltbesten Extrem-Enduristen eingefahren hat, wird die Touratech R9X durch die Karpaten pilotieren.

Nur so zur Erinnerung: die Red Bull Romaniacs gehören zu den härtesten Hardenduro-Rennen des Planeten. Angetreten wird da üblicherweise mit dem besten und leichtesten Enduromaterial. Nicht wissend, was Touratech genau an Modifikationen in die R nineT gesteckt hat, kann man aber davon ausgehen, daß sie in einer deutlich höheren Gewichtsklasse als die Konkurrenzmaschinen spielt. Optisch bringt sie zwar deutlich härtere Endurozüge mit als beispielsweise eine Benders Echte Benduro, aber ob das für dieses Rennen ausreichen wird?

Eine herrlich bekloppte Idee ist es auf jeden Fall und Gerhard Forster gehört schon jetzt mein größter Respekt.

Bilder: Touratech

Edit:
Und so sah das dann live aus:

JvB-moto R nine T Scrambler

Als ich Jens letztes Jahr im September in seiner Werkstatt besuchte, stand da eine zerpflückte BMW R nineT Scrambler. Wir sprachen neben all seinen bereits fertiggestellten Umbauten auch über dieses aktuelle Projekt. Und nun ist sie fertig und wird dieses Wochenende in Monza beim Cafe Racer Festival „The Reunion“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vorher:

Nachher:

Für BMW Motorrad ist es die erste Zusammenarbeit mit Jens vom Brauck. Zum ersten Mal wurde ein Scrambler nicht nur neu lackiert und um ein paar Anbauteile erweitert, sondern völlig verändert. Insgesamt macht das Bike nun einen schmaleren Eindruck, dafür kommt der große Motor besonders gut zur Geltung. Um den Scrambler genau seinen Vorstellungen entsprechend zu customizen, hat Jens volle acht Monate lang überlegt, gezeichnet und geschraubt. „Die größte Herausforderung war der Tank“, erklärt er, „er ist viel schmaler und sechs Zentimeter kürzer, als das Original. Das verändert das Fahrgefühl völlig, weil der Fahrer viel weiter vorne sitzt.“

Auch Ola Stenegard, Head of Vehicle Design bei BMW Motorrad, fällt ein durchweg positives Urteil: „Jens hat unseren R nineT Scrambler nach seinen ganz eigenen Design-Vorstellungen umgebaut und ihm damit einen völlig neuen Ausdruck verliehen. Ich bin froh, dass wir Jens für uns gewinnen konnten und denke, dass es bestimmt nicht die letzte Zusammenarbeit war.“

Nach der „Reunion“ wird das Bike auf weiteren Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Bike Shed (27./ 28.5.), Wheels & Waves (14.-18.6.), BMW Motorrad Days (7.- 9.7.), Pure & Crafted (26.- 27.8.) und Glemseck (1.- 3.9.) zu sehen sein.

Revival Cycles Ducati Odioso

Die Umbauten von Revival Cycles sind eigentlich immer geprägt von klassisch-eleganten Linien. Der Henne Revival Landspeeder ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Oder die hier bereits erwähnte Moto Guzzi V50.

Der aktuelle Umbau – genannt Ducati Odioso – bricht in so erfrischender Form mit allem, was man von den Jungs aus Austin gewohnt ist. Ein Seitenwagen-Crossbike in 90er-Jahre-Neonfarben, basierend auf einer 1999er Ducati ST4. In ihrer Urform hat der Sporttourer so garnicht mit Offroad gemeinsam, geschweige denn mit einem Seitenwagen. Aber genau das war die Absicht:

Like many of our ideas, this idea percolated years ago around the team. This time Andy James, our head fabricator and Stefan Hertel had been out for a night of drinking and realized that we should some day build a sidecar-cross bike out of something totally inappropriate to show our friends in the us just what it’s all about. So….we figured building one that wasn’t just your standard euro sidecarcross machine was a good idea. We knew it needed to be crazy powerful and certainly based on a unique platform.

Ich finde, das ist den Jungs ausserordentlich gut gelungen. Auch wenn ich den Aufwand, den sie in den Umbau reingesteckt haben nur ganz schwer nachvollziehen kann.

Alle Bilder: Revival Cycles

Alle Details zum Umbau findet ihr auf der Website von Revival Cycles.