Januar 2014, Tor 1 in Spandau. Handy weg, auf dem Werksgelände herrscht Fotografierverbot. Unser Werksführer Roland erzählt uns, dass eine der älteren Fertigungsstraßen 200 Meter lang ist. Die neueste schafft dasselbe auf 20 Metern. Ich stehe dazwischen und frage mich, was die Leute früher auf den restlichen 180 Metern gemacht haben. Zwölf Jahre später feiert das BMW Motorradwerk Berlin ein rundes Jubiläum: 60 Jahre Motorradmontage an der Havel.
60 Jahre BMW Motorradwerk Berlin
BMW begann im September 1966 in Spandau die ersten R 60/2 zu montieren – parallel zu München. Erst 1969 war der Umzug der kompletten Motorradproduktion abgeschlossen, das ist laut BMW das eigentliche Geburtsjahr des Motorradwerks.









Von 30 auf 900 Motorräder am Tag
1969 bauten laut BMW rund 400 Leute etwa 30 Motorräder am Tag. Heute sind es über 2.600 Beschäftigte und rund 900 Fahrzeuge täglich, e-Scooter mitgerechnet. Pro Kopf ist das ungefähr die viereinhalbfache Stückzahl.
Zum Vergleich mit meinem eigenen Besuch: 2014 hieß es noch „bis zu 570 Motorräder am Tag“. In gut zehn Jahren kamen also noch mal über 300 Einheiten pro Tag dazu. Insgesamt sollen bis 2026 rund vier Millionen BMW Motorräder und e-Scooter aus Berlin gekommen sein. Eins davon steht seit längerem in meiner Garage – meine F800 GS, Baujahr 2014, auch ein Spandauer Kind.
R 90 S, G/S und ein ABS: Motorräder aus Spandau
Die Liste der Motorräder, die hier entstanden sind, liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines BMW-Bildbands. Die R 90 S kam aus Berlin, ebenso 1980 die R 80 G/S, mit der BMW nebenbei ein ganzes Segment erfunden hat. Laut BMW wurde in Spandau außerdem das weltweit erste serienmäßige Motorrad-ABS verbaut.
Nicht jede BMW ist ein Berliner
Was in der Jubiläumsstimmung gern untergeht: „Made in Berlin“ gilt längst nicht für alle Modelle. Schon 2014 war Spandau die „Geburtsstätte fast aller BMW Motorräder“, der Sechszylinder der K 1600 kam damals zum Beispiel aus München. Heute gibt es eigene Werke in Thailand (seit 2014) und Brasilien (seit 2016), dazu Produktionspartner in China (Loncin) und Indien (TVS).
Die Fertigungstiefe in Berlin ist trotzdem beachtlich. Zylinderköpfe, Kurbelwellen, Kurbelgehäuse, Pleuel und Gelenkwellen werden laut BMW vor Ort gefertigt, dazu Rahmen und Tanks in der eigenen Schweißerei, Galvanik, Pulver- und Nasslack. Und nebenbei über drei Millionen Pkw-Bremsscheiben im Jahr. Die tauchen in keiner Motorradbroschüre auf, bezahlen aber vermutlich ein paar Lichtmaschinen.
BMW Motorrad Welt: das Wohnzimmer am Juliusturm
Mein häufigster Grund, nach Spandau zu fahren, ist inzwischen nicht mehr das Werk, sondern die BMW Motorrad Welt. Seit 2023 steht sie in einem der alten Backsteinbauten direkt am Werksgelände. Die Geschichte dazu hat uns Martin „Lemmi“ Lemcke damals in einer Fuel Story in unserem Podcast erzählt.
Danach wurde die Motorrad Welt für Carina und mich zu einer Art zweitem Aufnahmestudio. Mehrere TwinSpark-Live-Podcasts haben wir dort aufgezeichnet, unter anderem mit Lina van de Mars mit Andreas Keßler und zuletzt mit Kuhlewu. Vor Publikum aufzunehmen, während ein paar Meter weiter Motorräder gebaut werden, hat eine eigene Qualität.
Jubiläumsausstellung und Werksführung
Zum Jubiläum gibt es auf dem Werksgelände eine Ausstellung zu sechs Jahrzehnten Motorradbau in Spandau noch bis Mitte November. Werksführungen lassen sich über die hier buchen.
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