Motorrad-Magazin über Benzinkultur, Motorrad-Touren und Custombikes

Uckermark statt Alpentour und warum es trotzdem top war

Die große Alpentour für dieses Jahr ist ausgefallen, aus Gründen, die hier keine Rolle spielen. Bevor daraus ein ganzes Jahr ohne Tour wird, bleiben eben die Tagestouren, und diese hier fiel auf meinen Geburtstag. Nur ein Fahrtag, klar. Aber mit der richtigen Person unterwegs reicht das locker, um für ein paar Stunden komplett rauszukommen – aus einem gerade ziemlich vollen Job, keine Mails, keine Themen von der Arbeit, nur die nächste Kurve und das nächste Schild. Nach über 14 Jahren auf dem Motorrad weiß ich mittlerweile: Dafür muss es kein Alpenpass sein. Eine Landstraße in der Uckermark tut’s auch.

Begleitet hat mich mein Kumpel Stephan, dem Mann hinter den schönen Bildern und Videos unserer Alpentouren. Der Stephan, der seinen Wohnsitz gerade von München nach Berlin verlegt hatte und daher aktuell ohne Bike auskommen muss. Aber hey, kein Problem, ich habe ja zwei. So klemmte ich ihm meine Dominator untern Poppes und ich schwang mich auf die F800 GS.

Den Mitlesern hier mag die Uckermark-Tour schon bekannt vorkommen, irgendwie ist sie zum Klassiker geworden und hat sich als meine „große Hausrunde“ etabliert. Wie schon im letzten Jahr.

Werbellinsee, Angermünde und der Wolletzsee

Kurzes Stück Autobahn bis Finowfurt, dann wird’s interessant: rund um den Werbellinsee, vorbei an Angermünde und dem Parsteiner See, weiter zum Wolletzsee. Dahinter kommt meine Lieblingsstrecke – eine schmale, frisch geteerte Straße, die sich über diverse Kurven durch den Wald zieht. Genau der Fahrspaß, wegen dem man überhaupt fährt. Kurz darauf ging es hinter Görlsdorf über eine Schotterpassage auf der Stepahn seine ersten Offroadversuche unternehmen konnte. Eine kleine Einweisung von mir gabs davor natürlich aber irgendwie erwies er sich als kleines Naturtalent.

Das Schöne an der Route für mich: Stephan kannte sie nicht. Ich konnte ihm zeigen, wie viel Abwechslung Berlin und Brandenburg auf so kurzer Distanz hergeben – Wald, Seen, Schotter, Dörfer, alles in einem Tag.

Never change a winning Motorradroute

Weiter Richtung Oberuckersee, vorbei am Boitzenburger Schloss, dann ein weiteres Highlight: die L152 nach Feldberg. Bei dieser schnuckeligen Berg- und Tal-Bahn geht mir immer wieder das Herz auf. Was ich besonders lustig fand war, mein eigenes Mopped mit Stephan drauf neben mir zu sehen. Und dem breiten Grinsen unterm Helm nach zu urteilen hatte er Spaß.

Auf dem Rückweg über Templin hab ich wieder ein paar neue Abzweigungen entdeckt. Zwischen Thomsdorf, Gandenitz und Templin fanden wir neue Schotter- und Feldwege die sich als ganz normalen Verbindungsstraßen zwischen zwei Dörfern getarnt hatten. Man muss nur mal abbiegen.

In der Zwischenzeit hatten wir die Moppeds getauscht und ich ballerte mit der Dominator durch den Wald. War die F800GS auf der Autobahnetappe noch das passendere Gefährt so war die Domi auf dem groben Geröll eine echte Wafffe. Halb so viel PS aber auch 50kg weniger Gewicht gepaart mit etwas fahrerischem Wagemut boten mächtig Fahrspaß. Einmal weiter die Bestätigung, dass zwei Motorräder zu besitzen besser ist als nur eines.

Über Friedrichswalde und Joachimsthal ging’s dann zurück ans Werbellinsee-Ufer, diesmal war dann die Ostseite dran. .

Auf der letzten halben Stunde über die Autobahn zurück nach Berlin hab ich dann aber doch den Komfort der F800GS vermisst. Und das Gleiche war bei Stefan zu beobachten, nur umgekehrt: Er fährt sonst eine Honda CB1100, ein satter, sanfter Vierzylinder mit rund 250 Kilo.

Auf der F800GS, gerade auf dem Autobahnstück, hat er offenbar gemerkt, wie angenehm sich so eine Enduro fahren lässt. Am Ende der Tour kam von ihm ein „hm, könnte mir schon taugen.“ Vielleicht hab ich ihn damit gerade zur nächsten Anschaffung angestiftet. Schuld bin ich an seinem Motorradfahren sowieso schon – die nehme ich gerne auch hier auf mich.

Fazit

209 Kilometer, gut fünf Stunden unterwegs. Die Zahl allein sagt nichts über den Tag aus. Was zählt: Stefan hat auf der GS gemerkt, dass ihm eine Enduro vielleicht doch taugen könnte, ich hab gemerkt, dass die Dominator auf Schotter mehr Spaß macht, als ihre 44 PS vermuten lassen, und wir haben beide für ein paar Stunden nicht an die Arbeit gedacht. Muss man nicht kaufempfehlen, sollte man aber öfter machen als einmal im Jahr.

Die Route mit GPX-Download findet ihr hier. Andere Routenempfehlung für Uckermark, Brandenburg oder auch die Alpen gibt es in meinem Routenarchiv.

Vorheriger

Behind the Grid: Die DTM zeigt sich zum ersten Mal ohne Helm

Nächster

Royal Enfield Goan Classic 350 im Test: Easy Rider zur Eisdiele

  1. Max

    Das mit der augefallenen Sommertour kann ich, wenn auch sicherlich aus anderen Gründen, nachvollziehen. Obendrein fiel damit generell Urlaub aus bei mir.
    Bisher war es mir aus gesundheitlichen Gründen auch noch untersagt jegliche sportliche oder zweirädrige Aktivität zu machen. Aber so langsam kehrt wieder etwas Normalität ein und die Bewegungsfreiheit steigert sich.

    Dennoch schaue ich etwas neidisch auf Deinen Fahrtag.

    • Hey Max, ich habe das schon bei Dir mitgelesen dass motorradtechnisch gerade nix geht. Das tut mir leid für Dich. Aber wenn Du Dich wieder in den Sattel schwingen kannst in absehbarer Zeit wirst Du es um so mehr geniessen!

  2. ruediger

    es muss nicht immer alpen sein. schöne runde 👍

  3. Das stimmt, man muss nicht immer in oder durch die Alpen. Ich habe dieses Jahr den Süd-Schwarzwald für mich entdeckt.
    Ich musste bei dem Artikel an unsere gemeinsame Ausfahrt 2016 denken, über die du hier geschrieben hast: https://kettenritzel.cc/2016/09/28/roadblog-2016-unterwegs-mit-dem-alten-griesgram/
    10 Jahre ist das schon her …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén