Motorrad-Magazin über Benzinkultur, Motorrad-Touren und Custombikes

Wenig Kilometer, viele Fragen: Wo dieser Blog nach 14 Jahren steht

Mai 2014, Mittelgebirgstour, erster Tag. Ich fahre solo von Berlin runter, zwei Stunden Autobahn schrubben, dann endlich rein ins Müglitztal, Erzgebirge, später Vogtland. Die ersten 200 Kilometer sind Pflicht, dann kommt die Kür: enge Kurven, leere Straßen, genau das, wofür man sich so eine Tour ausdenkt. Aber irgendwo hinter Kilometer 350 kippt die Stimmung. Die Kurven sind immer noch da, ich merke sie nur nicht mehr. Ich will nicht mehr fahren, ich will ankommen. Genau so fühlt sich das Bloggen hier gerade an – nicht weil die Strecke schlecht ist, sondern weil ich seit Monaten im letzten Drittel der Etappe stecke.

Der neue Job hat den Kalender aufgefressen

Ich mache mir nichts vor: Die Artikelfrequenz hier ist eingebrochen, und das liegt nicht an fehlenden Ideen, sondern an fehlender Zeit. Seit ich den neuen Job habe, ist Motorradfahren zu „Luxus, den ich mir erkämpfen muss“ geworden. Das nervt mich, auch wenn ich weiß, dass es eine Phase ist.

Ein paar Dinge sind dieses Jahr einfach ausgefallen. Den Twinspark Podcast habe ich abgegeben – Carina macht ihn jetzt allein weiter, und das ist auch gut so, denn zwei halbe Mitarbeiter sind schlechter als eine, die richtig Lust hat. Zum RIDE Motofestival habe ich es wegen familiärer Umstände nicht geschafft. Und wenn ich in den Kategorien nachschaue, wie viele Touren-Artikel 2026 bisher erschienen sind, ist die Antwort: keiner. Null. Die einzige Tour, die ich überhaupt gefahren bin, war ein beruflicher Termin im Frühjahr Richtung Mecklenburgische Seenplatte – und selbst die hat nur deshalb einen Artikel abgeworfen, weil ich unterwegs die Westwind-Tasche getestet habe, die eh am Bike hing.

Das ist die nüchterne Bilanz. Kein Grund für Selbstmitleid, aber auch keiner, es schönzureden.

Die kleinen Highlights in diesem Jahr

Aber es war nicht alles schlecht bisher. Dafür gab es zwei Momente, die mehr wert waren als eine kleine Feierabendrunde.

Der erste: Ich habe die Dominator zusammengeschraubt. Nicht fertig – so ein Projekt ist nie fertig –, aber so weit, dass ich sie jetzt wieder fahren kann. Und: Sandra kauft sie jetzt doch nicht zurück. Sie bleibt also in meiner Garage.

Der zweite: Im Schweden-Urlaub habe ich Gorm Taube in Varberg besucht. Über seinen Dominator-Umbau haben wir vor ein paar Jahren im Podcast gesprochen, und ehrlich gesagt war genau dieser Umbau einer der Gründe, warum ich mir überhaupt eine Dominator gekauft habe. Ihn jetzt live zu treffen, in seiner Werkstatt, hat mir noch mal klargemacht, warum mich dieses Bike überhaupt interessiert: nicht wegen der PS-Zahl, sondern wegen der Bastelei. Ich habe mir vorgenommen, mehr Zeit in der Garage zu verbringen und hoffentlich auch mehr Zeit im Dreck mit ihr. Und ja, es könnten noch ein paar von Gorms Teilen an meine Domi passen.

14 Jahre, viele Phasen

Wenn ich sentimental auf die alten Artikel zurückschaue, sehe ich drei, vier verschiedene Versionen von mir als Motorradfahrer.

2012 fing das hier als reiner Tourenblog an – Berlin, Havel, Elbe, Mecklenburg, Brandenburg, die üblichen Wochenendrunden, dokumentiert mit Ridebooks und Gepäcktipps.

Dann kamen die Tests dazu, die Custombike-Szene, irgendwann Elektromobilität als eigene Kategorie, weil ich zu neugierig war, das Thema zu ignorieren. 2021 dann der Twinspark Podcast. Über die Jahre wurde aus einem Ein-Personen-Reiseblog etwas, das eher wie eine kleine Redaktion funktioniert – mit allem, was das an Grundrauschen mit sich bringt: Rennsport-Berichte, Messe-Rückblicke oder Produktnews.

Weil ich schon beim Zurückblättern war, habe ich mir auch die Zahlen dazu angeschaut.

1.615 Artikel seit „Moin!“ im August 2012 sind hier erschienen, macht im Schnitt 9,4 Posts pro Monat über den gesamten Zeitraum. Am produktivsten war der März 2014 mit 32 Artikeln in einem Monat – und in dieselbe Phase fällt auch die längste Serie: 35 Tage am Stück, an denen mindestens ein Artikel online ging. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich das damals neben allem anderen hinbekommen habe.

Die Kehrseite: Die längste Pause zwischen zwei Artikeln in der gesamten Blog-Geschichte liegt nicht 2014, nicht in der Pandemie, sondern jetzt gerade – 34 Tage zwischen Ende Januar und Ende Februar 2026. Der bisherige Rekord lag bei 26 Tagen, gleich zweimal, 2017 und 2020. Auch die Kategorie „Ohne Kategorie“ erzählt dieselbe Geschichte in Zahlen: Zwischen 2018 und 2024 lag der Anteil unsortierter Posts bei sauberen 0 Prozent. 2026 sind es 13 Prozent. Wenn niemand mehr hinterher aufräumt, sieht man das offenbar zuerst in den Metadaten, bevor man es im Kalender merkt.

BMW ist mit 83 Titelnennungen die klare Nummer eins vor Honda und Triumph, Moto Guzzi kommt in 14 Jahren auf genau eine einzige Erwähnung. Der kürzeste Artikel hat nur eine Headline und ein eingebettetes Video zur neuen Africa Twin von 2015. Der längste ist Siggis Sardinien-Korsika-Bericht von 2022 mit 8.868 Wörtern. Insgesamt kommen alle Artikel zusammen auf etwa 1,25 Millionen Wörter. Das ist mehr Text als „Krieg und Frieden“ – nur mit deutlich mehr Motorrädern und deutlich weniger Napoleon.

Ausblick: kleiner, aber ehrlicher

Ich weiß noch nicht genau, wie dieser Blog in den nächsten Monaten aussieht. Realistisch wird es nicht mehr um jede Tour und jeden Messebesuch gehen können – dafür fehlt mir gerade schlicht die Zeit. Was ich mir vorstellen kann: weniger, aber dafür mehr aus der Garage. Schrauberkram an der Domi, Baustellen, Rückschläge inklusive, ohne das Ganze schönzuschreiben. Vielleicht auch wieder mehr Kurzstrecken statt der großen Alpentouren, einfach weil die eher ins verbleibende Zeitfenster passen.

Was mich noch beschäftigt: 14 Jahre sind eine lange Zeit für ein Motorradblog, und das hier hat sich schon mehrfach neu erfunden – vom Tourentagebuch über die Testplattform bis zum Podcast-Hub. Vielleicht ist genau jetzt wieder so ein Punkt.

Deshalb die Frage an euch, die diesen Blog seit Jahren mitlest oder gerade erst gefunden habt: Was wollt ihr hier eigentlich noch lesen? Schreibt’s mir in die Kommentare – ich lese jeden davon, auch wenn die Antwort gerade mal länger dauert als früher.

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  1. Siggi

    Lieber Alex,
    es war mir eine Freude, dass ich zwischendurch mal von meinen Touren berichten durfte und vielleicht einen winzigen Baustein zum m.E. Erfolg Deines Blogs beitragen durfte (mit dem längsten Tourbericht 😎)
    Was Deinen Blog ausmacht ist der Mix und nicht das Gefühl, dass dahinter eine Maschinerie hängt und permanent Content produziert.
    Mach Dir keinen Kopp, das ist eine Phase im Leben und es wird sich bestimmt auch wieder die Zeit finden für eigene Touren und entsprechende Berichte, Tests, Tipps und manchmal einfach nur Alltagserlebnisse.
    Bleib dabei und weiterhin viel Erfolg
    DLzG aus München
    Siggi

  2. Felix

    Moin Alex,

    Hatten vor Jahren mal zusammen ein Motorradtraining – und danach ist dein Blog einfach bei mir im RSS-Reader gelandet.
    Und seit dem Lese ich einfach so mit was der aufgedrehte und fröhliche Mit-Teilnehmer so schreibt.
    Mal gespannt von schönen Touren, mal einen Werbeartikel überfliegend – gab’s hier zwar schon viele Neuausrichtungen – aber gerade durch die geringe Anzahl an Artikeln bleibt es einfach mit dabei zu bleiben und immer mal wieder bei dir reinzuschauen 😊

    Lange Rede kurzer Sinn: schreib worauf du Lust hast, bisher wurde es noch nicht langweilig 😉

    Gruß,
    Felix

  3. Ahoi Alex, schreib was du willst und wenn du nicht willst oder kannst, machst du einfach Pause.
    Das ist wie beim Mopped fahren, es muss Spaß machen. Wenn du nach 35 km keine Lust mehr auf Kurven hast, bleib stehen, nimm dir ein Hotel oder schlag dein Zelt auf und fahr später weiter oder fahr über die Autobahn, wenn du schon gebucht hast 😉

  4. Mein liebster Alex,

    wie es die Jubgs oben schon geschrieben haben, es ist einfach schön zu lesen, wenn du was schreibst. Und wenn es gerade nicht passt ist das auch ok. Du bist keine Maschine und das schöne ist, das hier ist deine Leidenschaft. Das kann es nur bleiben, wenn du es nicht erzwingen musst. Gerade wenn man länger nichts liest macht doch der nächste Beitrag umso neugieriger. Kein gezwungenes Grundrauschen, sondern echte Texte.

    Und ich verstehe dich so gut, wir alle haben unsere Struggeljahre. Wenn wir sie als Chance betrachten können, helfen sie uns oft bei wertvoller Neuausrichtung.

    Bleib wie du bist. ❤️

  5. Liebe Sandra, lieber Siggi, Griesi und Felix, vielen Dank für Eure Kommentare und Euer Feedback. Und da war es wieder, das Gefühl des Austauschs mit der Community, was das hier alles so wertvoll für mich macht. Danke dafür!

  6. Max

    Ich bin ganz ehrlich, das Pressegerümpel interessiert mich hier gar nicht, weil ich Kettenritzel.cc eben als persönlichen Blog sehe und mochte bisher die Erfahrungen und Tips zu lesen.

    Daher ist mir die Frequenz auch egal, schreib wenn Du Zeit und Lust hast. Das ist allemal besser als sich zu zwingen.
    Bei mir gibt es dieses Jahr aus $Gründen auch keine weiteren Motorradtourberichte, ich gehe auch nicht davon aus, dass ich in den nächsten Monaten wieder fit genug bin, vielleicht doch noch zu fahren. Aber wer weiß.

    P.S. wenn ich mir aber was wünchen dürfte, dann einen vollständigen Feed. ich lese vieles unterwegs im Feedreader und immer wenn ich irgendwo kommentieren möchte, mache ich das später direkt auf der Seite, packe mir aber unterwegs diese Beiträge auf die ‚Muss-kommentiert-werden‘-Liste.

    • Danke Max! Wünsche Dir auf jeden Fall einen schnellen Weg zurück zur Motorradfitness. Und das mit dem RSS-Feed kann ich gerne anpassen.

  7. Es gibt so viele plumpe Sprüche .. wie zum Beispiel „alles hat seine Zeit“. Und wenn wir ein bisschen mit Worten spielen, dann sind wir sofort bei „alles braucht seine Zeit“.

    Kettenritzel.cc ist ein Fixpunkt in der Szene, und Deine Beiträge immer gern gelesen. Die Frequenz ist (mir) dabei vollkommen egal, für täglichen Overflow sorgen genügend andere.

    Setz Dich in Gedanken zu mir auf die Terrasse der Tibethütte und lass uns bei einem dampfenden Cappuccino ins Tal blicken. Ohne etwas darüber zu schreiben, ja? 😉

    Ride save, lieber Alex!

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