Der Anlasser orgelt. Einmal, zweimal, dreimal. Nichts. Ich greife zum Startspray, gebe einen Sprühstoß in den Ansaugtrakt und drücke wieder auf den Knopf. Sie hustet, stottert, und dann bellt sie los. Dieser Sound aus dem Auspuff, nach Monaten Stille in der Garage – ich grinse wie ein Idiot.

Der Plan vom letzten Mai

Eigentlich sollte das alles schon im letzten Mai erledigt sein. Ich wollte den Heckumbau an der Dominator endlich in Angriff nehmen und nebenbei eine Delle im Tank ausbeulen, die von einem Offroadsturz übrig geblieben war. Also Tank runter, Heck zerlegt, Teile sortiert – der übliche Ablauf, wenn man ein Motorrad in Einzelteile zerlegt, bevor man sich eigentlich noch nicht so richtig sicher ist, wie man es wieder zusammensetzt.

Dann kam das Leben dazwischen. Wie das eben so ist. Die Domi stand teilzerlegt in der Ecke der Garage, unter einer Plane, und wartete. Und wartete. Erst jetzt im Juli hatte ich endlich wieder Zeit und vor allem Kopf frei, mich um sie zu kümmern.

Lackieren kann ich immer noch nicht

Der Tank sollte noch lackiert werden, bevor er wieder ans Motorrad kommen. Und hier musste ich mir mal wieder eingestehen: Ich bin nach wie vor zu blöd, auch nur die kleinsten Blechteile sauber zu lackieren. Läufer, Nasen, ungleichmäßiger Auftrag – die übliche Ausbeute. Es gibt Leute, die das nach dem dritten Versuch können. Ich scheine zu den Leuten zu gehören, die es auch nach dem zehnten Versuch nicht können. Vielleicht ist das einfach nicht mein Handwerk. Vielleicht übe ich einfach zu selten. Aber egal, ich bezeichne das jetzt einfach als Kunst und lass es so.

Wo war ich stehengeblieben?

Beim Zusammenbau musste ich kurz überlegen, ich welcher Reihenfolge welches Verkleidungsteil ans Mopped kam. Viele waren es ja nicht, aber trotzdem habe ich manche teile mehrfach an- und abgeschraubt.

Dazu kam die Suche nach Schrauben, die ich mir selbst irgendwo „sicher“ hingelegt hatte – was in der Praxis heißt: nirgends auffindbar. Wer schonmal ein Fahrzeug über Monate zerlegt liegen hatte, kennt das Spiel. Kleinteile haben ein Eigenleben und verschwinden gerne in den unwahrscheinlichsten Ecken der Werkstatt.

Nach Monaten Standzeit war klar: Die Batterie hängt jetzt erstmal ans Ladegerät, bevor überhaupt an Starten zu denken ist. Als dann alles wieder dran war, kam der Moment der Wahrheit. Erstes Orgeln, kein Zünden. Zweites Orgeln, ein müdes Stottern. Etwas Startspray in den Vergaser, ein drittes Mal – und dann bollerte sie los, erst unrund, dann zunehmend zufrieden mit sich selbst.

Verkaufe ich sie wirklich?

Diese Schraubermomente zeigten mir aber wieder einmal, wie toll es ist ein jetzt über 30 Jahre altes Motorrad zu besitzen. Einfache Technik, zugänglich, mit Charakter. Und ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob ich sie Sandra wirklich wieder zurückverkaufen soll oder nicht doch selber behalte, falls Sohn I doch mal den Motorradführerschein machen sollte. Oder einfach für mich.