Motorrad-Magazin über Benzinkultur, Motorrad-Touren und Custombikes

Kurvenreich Quartett: Wenn Alpenpässe zur Spielkarte werden

Gefunden habe ich es nicht auf einer Messe oder in einem Shop, sondern unter einem LinkedIn-Posting. Jürgen hatte da kommentiert, unter einem Beitrag von Chris Kubiak, und ich bin durch seinen Kommentar überhaupt erst draufgestoßen. Zwei Minuten gescrollt, sofort bestellt. Als das Kurvenreich Alpenpässe Quartett dann auf meinem Tisch lag, ging es mir nicht wie bei einem gewöhnlichen Kartenspiel. Ich habe die erste Karte gezogen und sofort Kopfkino gehabt.

Viele der Pässe im Stapel bin ich selbst gefahren (könnt ihr hier nachlesen). Bei jeder Karte kommt was hoch: die Tour, mit wem ich unterwegs war, die Aussicht, die wir uns am Rand geteilt haben, bevor es weiterging. Das ist der Punkt, an dem das Quartett für mich kein Kartenspiel mehr ist, sondern ein Auslöser.

Was steckt hinter dem Kurvenreich Quartett

Christoph Kubiak, der unter Goodspeed Media firmiert, hat das Quartett entwickelt. 32 Alpenpässe aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz. Laut Hersteller sind neben bekannten Klassikern auch echte Geheimtipps dabei, also nicht nur Stilfser Joch und Grimsel, sondern auch Pässe, die man nicht sofort auf dem Zettel hat.

Jede Karte trägt Höhe, Länge, Steigung, Kurvenzahl, Eröffnungsjahr und eine Einstufung des Anspruchs. Dazu eine kurze Beschreibung und ein QR-Code, der zu kurviger.de führt und direkt auf den jeweiligen Pass verlinkt. Wer beim Blättern also schon plant, kann sich die Strecke gleich anschauen.

Christoph beschreibt seine Herangehensweise selbst fast schon pathetisch, aber mit einem Kern, der mir gefällt: Für ihn ist die Kurve kein bloßes Verbindungsstück im Straßenbau, sondern der Moment, in dem Radius, Neigung, Tragschicht und Drainage zusammenkommen, damit ein Motorradfahrer am Ende „wahre Glückshormon-Explosionen“ erlebt, wie er es nennt. Man merkt beim Spielen, dass diese Begeisterung nicht nur Marketingtext ist.

Wie sich das Quartett tatsächlich spielt

Die Spielregeln sind Standard-Quartett, nichts Revolutionäres, muss es auch nicht sein. Karten mischen, verteilen, jeder zeigt nur die oberste Karte. Wer dran ist, sucht sich einen Wert aus seiner Karte aus und fordert einen Mitspieler heraus. „Kurven: 44.“ Wer höher liegt, kassiert die Karte des anderen. Bei Gleichstand kommen beide Karten in die Mitte, ein kleiner Extra-Kniff, der das Spiel etwas länger am Laufen hält als die reine Trumpf-Version aus der Kindheit.

Interessant wird es bei der Kategorie Eröffnung, denn hier gewinnt das niedrigste Jahr, nicht das höchste. Das muss man vor der ersten Runde ansagen, sonst gibt es Diskussionen am Tisch. Bei uns gab es sie trotzdem, weil keiner mehr genau wusste, welche Regel jetzt für welche Kategorie galt. Kleiner Tipp: Regel einmal laut vorlesen, bevor die erste Karte fällt.

Was mich beim Spielen wirklich gepackt hat, war weniger das Gewinnen als das Fachsimpeln dazwischen. „Warte, den Reschenpass bin ich letztes Jahr gefahren.“ „Echt, wie war der?“ Und genau da wird mir klar, was das Quartett eigentlich ist. Was macht man abends beim Stiefelbier auf Tour? Man redet über die Momente, die einem auf zwei Rädern hängen geblieben sind, alleine oder in der Gruppe. Das Kurvenreich Quartett ist im Grunde nichts anderes als diese Runde am Tresen, nur mit Karten statt Bier in der Hand.

Kleine Unschärfen, die ehrlich gemacht haben

Was mir gefällt: Goodspeed Media versteckt die Unsicherheiten nicht. Auf dem Passschild vom Stilfser Joch steht 2.758 Meter, offiziell anerkannt sind 2.757, und genau dieser Wert steht auf der Karte. Beim Reschenpass liegt die Passhöhe selbst auf italienischer Seite, die Straße dorthin aber größtenteils auf österreichischer, deshalb wurde er Österreich zugeschlagen. Das sind die Momente, in denen ein Kartenspiel plötzlich zeigt, dass hinter den Zahlen echte Recherche steckt und keine Wikipedia-Kopie in fünf Minuten.

Was schwächer ist: Für Leute ohne jeden Alpenpass-Bezug bleibt das Quartett ein nettes, aber austauschbares Kartenspiel. Der Reiz entsteht aus dem Wiedererkennen, aus dem „da war ich doch mal“, nicht aus der Spielmechanik selbst, die bewusst simpel gehalten ist.

Für wen sich das Kurvenreich Quartett lohnt

Wer selbst schon über Grimsel, Stelvio oder Timmelsjoch gefahren ist, bekommt mit dem Kurvenreich Quartett einen Gesprächsanlass, der länger trägt als die eigentliche Spieldauer. Für Motorradgruppen, die im Winter Touren planen, ist es fast schon ein Werkzeug mit Unterhaltungswert, auch wegen der QR-Codes zu kurviger.de.

Wer mit Alpenpässen nichts anfangen kann, wird auch mit diesem Quartett nicht warm werden. Das ist kein Spiel, das man allgemein empfehlen kann, es ist eines, das seine Zielgruppe genau kennt und sich auch nicht verstellt, um für alle attraktiv zu sein. Genau das macht es sympathisch.

Vorheriger

DTM am Lausitzring: Erst Regenpoker, dann Hitzeschlacht

Nächster

DTM Norisring: Nicki „Norisking“ Thiim holt zwei Poles und zwei Siege

  1. Hoi Alex,
    vielen Dank fürs Erwähnen – und für den Test des Quartetts. Ich werde mir das Spiel bei nächster Gelegenheit holen und bestenfalls auf einem der spielbaren Pässe damit spielen 😉

    Gehört eigentlich ins Standard-Gepäck, nicht wahr?

    Liebe Grüsse vom Fuss des Umbrail,
    JvS

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén