Eine Tasche, zwei Zugänge, kein Träger nötig. Die Heavy Cavalry Duffle 50 von Westwind Moto will Hauptgepäck und Handgepäck gleichzeitig sein. Und kostet deutlich weniger als die etablierte Konkurrenz.
Irgendwo auf halber Strecke, Tankstelle, Regen zieht auf. Ich will an die Regenjacke, die ganz unten liegt. Bei vielen Taschen bedeutet das: alles aufschnallen, durchwühlen, neu packen. Bei der Heavy Cavalry 50 öffne ich einfach die andere Seite. Rolltop auf, Jacke raus, fertig. Das ist der Moment, in dem ich verstehe, warum Westwind Moto dieses Dual-Roll-Top-Konzept so in den Vordergrund stellt.
Auf die Marke aufmerksam geworden bin ich über einen Bericht auf 1000PS. Die Geschichte dahinter – Freunde in China, die sich einfach leistbares Adventure-Gepäck gebaut haben, bis Nachfrage daraus eine Marke machte – klang glaubwürdig genug, um genauer hinzuschauen.
So klickt ich mich durch deren Website und wurde hier und da das Gefühl nicht los, dass sie sich von Mosko Moto haben inspirieren lassen. Aber Design und Funktionalität gefielen mir als auch die Preisgestaltung. Beim Heavy Cavalry 50 Duffle hielt ich inne, weil es mehrere meiner Anforderungen abzudecken schien:
- Ich war auf der Suche nach einer Lösung, die mein Gepäck für 3-4 Tages-Trips auf dem Motorrad fassen konnte.
- Es sollte bequem zu tragen sein. Gerade für den Fall dass ich irgendwo in Deutschland ein Testbike übernehme reise ich mit der Bahn an und meine bisherigen MotoDetail Rolltaschen waren dafür nicht optimal.
- Es sollte auf jeden Typ Motorrad passen.
- Die Inhalte sollten gut zugänglich sein wenn man auch unter Tage mal schnell an die Regenkombi muss oder einen zusätzlichen Layer braucht wenn es frisch wird.
So wanderte die Tasche letzten Dezember im Year-end Sale für knapp 170€ in meinen Warenkorb, ein paar Tage später durfte ich sie auspacken.










Material und erster Eindruck
Schon das erste Anfassen fühlte sich gut an: 1680D Ballistic Nylon, Hypalon-Verstärkungen an den Lastpunkten, UTX-Schnallen. Laut Hersteller ist das Innere ein IPX6-zertifizierter Liner – der liegt als separater Sack bei und kommt raus, wenn man ihn nicht will. Das äußere Material fasst sich robust an, ohne die steife Kunststoffhaftigkeit billigerer Taschen. Die Nähte sitzen ordentlich, keine überstehenden Fäden, keine schiefen Nähbilder.
Wer Mosko Moto Systeme kennt, wird sich beim Anfassen der Heavy Cavalry in bekanntem Territorium bewegen. Gleiches Material, ähnliche Konstruktionslogik, vergleichbares Gewicht. Ob Westwind da bewusst hingeschaut hat oder ob 1680D Ballistic Nylon im Adventure-Gepäckmarkt schlicht der Industriestandard ist – schwer zu sagen.
Das Dual Roll-Top im Alltag
Auf meinen ersten Frühjahrstouren durfte sich die Heavy Cavalry dann bewähren. Die Tasche hat auf beiden Längsseiten je einen Roll-Top-Zugang. Obendrauf kommt ein wasserdichter Reißverschluss für schnellen Zugriff auf kleinere Sachen. In der Praxis packe ich eine Seite mit Zeug, das ich unterwegs brauche, die andere mit dem Rest. Das klingt trivial, ist im Reisealltag aber spürbar angenehmer als ein einzelner großer Öffnungsmechanismus.
Fertig gepackt wird die Tasche zum Rucksack wenn man die versteckten Schulterträger rausholt und an den enstsprechenden Ösen einklickt. Und es trägt sich erstaunlich komfortabel, damit kann man auch weitere Wege als nur vom Parkplatz ins Hotel zurücklegen. Man kann die Tasche aber auch sehr gut an den Tragegriffen an beiden Seiten von A nach B bringen.
Am Mopped angekommen sind die Träger schnell wieder verstaut und die Tasche kommt auf den Soziussitz. Mit den vier Montagegurten ist sie schnell verzurrt. Bei meiner F800GS habe ich die Gurte vorne an den Soziusfussraten angeschlagen, hinten an den Ösen meines Touratech-Heckträgers. Das überschüssige Band lässt sich schnell aufwickeln und mit den angenähten Klettverschlüssen befestigen. Ein System welches ich schon bei meinen diversen SW Motech-Taschen sehr zu schätzen weiss.
Nach ein paar Kilometern habe ich die Gurte kurz kontrolliert, alles saß fest. Auch später bei diversen Offroadpassagen wackelte da nix.
Als es später am Tag wärmer wurde und ich meinen Midlayer auszog, konnte ich den schnell unter dem breiten Deckel der Heavy Cavalry verstauen ohne die Tasche aufmachen zu können. Unter dem Deckel kann man auch wahlweise eine passende Trinkblase anbringen, entsprechende Klettstreifen sorgen auch hier für bombenfesten Halt. Die Trinkblase war bei mir auch im Lieferumfang enthalten, ich habe sie aber noch nicht im Einsatz gehabt. Das werde ich aber noch nachholen.
Auf dem Deckel der Tasche ist ein Molle-System angebracht, an dem sich kleinere Taschen oder Accessoires gut befestigen lassen. Endlich ein Platz für meine Machete.
Dakar-getestete Qualität
Fun Fact: Westwind Moto war bei der Dakar 2026 in zwei unterschiedlichen Kontexten präsent. Das KOVE Dakar Team fuhr erneut mit Westwind-Gepäck – im Rallye-Biwak heißt das tägliches Auf- und Abbauen, Staub, Vibrationen, Stürze. Kein Schonbetrieb.
Fahrer Tiziano Interno startete in der Originals by Motul Klasse – das Format, in dem man ohne Team, ohne Mechaniker, ohne externe Hilfe fährt. Statt einer klassischen Werkzeugkiste am Anhänger transportierte er laut Westwind das komplette Werkzeug- und Ersatzteil-Setup direkt am Motorrad, in einem rackless Westwind-System auf einer KTM 450 Rally.
Die Anreise startete in Paris und führte über die Pyrenäen bis zum Dakar-Start – das Gepäck hatte also auch vor dem ersten Sand schon ein paar tausend Kilometer auf dem Buckel. Dass das System dabei nicht gebrochen ist, sagt mehr als jede Produktbeschreibung.
Für wen, für wen nicht
Die Heavy Cavalry 50 macht Sinn für jemanden, der ein großes, universelles Gepäckstück will, das ohne Träger auskommt, nicht viel kostet und trotzdem solide verarbeitet ist. Der Dual-Zugang ist wirklich praktisch. Für die kleinere Tour bringt man alles unter.
Wer längere Touren plant oder auch Camping-Ausrüstung dabei hat, der braucht wahrscheinlich mehr Platz und ist bei einem modularen Rackless-System besser aufgehoben.
Wie ihr auf den Bildern gesehen habt, ist das Heavy Cavalry Duffle für mich die Ergänzung meines bisherigen Setups mit meinen BMW Variokoffern. Und es ist genau die Ergänzung, die ich gesucht habe wenn ihr an meine Checkliste am Anfang des Artikels denkt.
Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid: der aktuelle Preis liegt bei €223,95, ich habe im Year-End-Sale €169,95 ausgegeben und die Trinkblase on top dazubekommen. In beiden Fällen ein sehr fairer Preis für tolle Funktionalität und sehr gute Qualität.
Wenn Du weitere Testberichte zu Motorrad-Equipment lesen willst, hier ist die Gesamtübersicht aller Testartikel.
Griesi
Ich bin auch gerade auf der Suche und immer wieder sehe ich Taschen, die eigene Befestigungspunkte für die Gurte haben. Warum? Ich erkenne den Sinn nicht. Ich spanne zwei Gurte _über_ die Tasche, befestige sie so am Mopped und komprimiere sie gleichzeitig. Wenn ich jetzt also zwei D-Ringe oder Plastik-Verschlüsse unten an der Tasche habe und dort die Gurte befestige, welchen Vorteil hat das, vor allem, wenn die Tasche nicht prall gefüllt ist? Die Westwind hat das ja auch, du hast also die Erfahrung um meine Wissenslücke zu füllen.
Alexander
Ich finds nicht verkehrt, wenn bei den Taschen auch eigene Befestigungsgurte dabei sind. Alternativ habe ich aber auch immer meine Rokstraps dabei.