Eine Woche vor dem DTM-Rennen in Zandvoort hat das 24h-Rennen am Nürburgring Maßstäbe gesetzt. Der Start des viermaligen Formel 1-Weltmeisters Max Verstappen war sicherlich Haupttreiber des Interesses, man könnte glauben als aktiver Formel 1-Fahrer sollte er genug ausgelastet sein. Und wenn man schon der „höchsten aller Motorsportklassen“ erfolgreich unterwegs ist, was könnte es sonst noch reizvolles geben? GT-Rennsport ist die Antwort. Beseelt von den Nürburgring-Eindrücken reisten wir nach Zandvoort an. Es war unser erster Besuch an der holländischen Dünenrennstrecke und neben dem Live-Eindruck der Strecke waren wir gespannt drauf, wie „fired up“ Maro Engel nach seinem Gewinn am Nürburgring in das zweite DTM Rennwochenende der Saison gehen würde.
Zandvoort: wie die Nordschleife, nur mit Dünen
Samstag morgen waren wir früh an der Strecke um die Quali für das Samstagrennen zu sehen. Von unseren Plätzen auf der Haupttribüne konnten wir hier nicht nur die Start- / Ziel-Gerade überblicken sondern auch die Hogenholzbocht-Steilkurve (Daniel Ricciardos Handgelenk hat schlechte Erinnerungen hieran), sondern auch die Hunzerug-Gerade bis zur Kuppe, die Hans Ernst Bocht und den Ausgang der Arie Lyendijk Bocht. Ähnlich wie auf dem Lausitzring und in Oschersleben bekommt man auch ohne die Live-Monitore sehr viel von der Rennaction mit. Und die Lage in den Dünen ist wirklich einzigartig. Zandvoort ist kein modernes Rennstreckenkonstrukt. Das ist ein Kurs, der schon existiert hat, bevor irgendwer anfing, Strecken am Reißbrett zu optimieren. Das hat Zandvoort schon mal mit der Nordschleife gemeinsam.
Rennen 1 – Samstag: Cairolis Wochenende
Matteo Cairoli hat den Samstag von Freitagmorgen an in der Hand. Bestzeit im Training, Pole am Samstagvormittag. Im Rennen macht er das, was man von einem Spitzenreiter erwartet: er fährt vorne, baut den Vorsprung aus und lässt nichts anbrennen. Nach dem Pflichtstopp in Runde 16 kommt er als Erster wieder raus – und das war’s eigentlich. Kein Drama, kein Zittern, 36 Runden später Zielflagge.



Hinter ihm: Lucas Auer auf Zwei, Lokalmatador Thierry Vermeulen auf Drei, vor seinen eigenen Fans in den Dünen. Für Auer ist es das dritte Podium in drei Rennen – ein Muster, das sich in der Gesamtwertung niederschlägt. Er übernimmt die Führung von Maro Engel, der sich mit Platz sieben und einem späten Reifenwechsel durchwurschelt, aber gegen die Pace der Spitze nichts ausrichten kann.
Das zeigt, wie eng dieses Feld ist. Und wie teuer ein einziger Fehler werden kann.
Kelvin van der Linde verliert im Training Öl, löst die Red Flag aus, bekommt seine schnellste Quali-Runde gestrichen und startet vom letzten Platz. Was dann passiert, ist eigentlich das Interessanteste am Samstag: Er kämpft sich nicht einfach ins Mittelfeld – er übernimmt zwischendrin die Führung. Letzter Startplatz, Rennführung. Die Grundspeed ist da, das sieht jeder. Dann muss er trotzdem aufgeben. Sehr unglücklich, aber der Hinweis auf den Sonntag ist gesetzt.
Bastian Buus übrigens: kämpft Platz vier bis zur Zielflagge, verteidigt erfolgreich gegen Gounon – und wird danach disqualifiziert, weil sein Porsche das Mindestgewicht nicht erreicht. Für ihn das schlechteste mögliche Ende eines guten Rennens.
Ergebnis Rennen 1 – Zandvoort
| Pos. | Fahrer | Team | Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Matteo Cairoli | Emil Frey Racing (Ferrari) | – |
| 2 | Lucas Auer | Mercedes-AMG Team Landgraf | +3,622 s |
| 3 | Thierry Vermeulen | Emil Frey Racing (Ferrari) | +4,786 s |
| 4 | Jules Gounon* | Mercedes-AMG Team Mann-Filter | +7,187 s |
| 5 | Ben Dörr | Dörr Motorsport (McLaren) | – |
Bastian Buus ursprünglich P4, nach dem Rennen disqualifiziert.
Rennen 2 – Sonntag: Van der Linde macht Ernst
Am Samstagabend dreht die Rennleitung noch einmal an der BoP – Gewicht und Ladedruck, zugunsten des BMW. Das ist das ausgleichende Prinzip der DTM, manchmal unbefriedigend anzuschauen, aber es sorgt dafür, dass das nächste Rennen anders aussieht. Und van der Linde hat noch etwas in der Hinterhand: seinen Reifensatz vom Samstag, den er sich durch den Ausfall gespart hat.
Wer Samstag so ein Wochenende erlebt, startet Sonntag mit etwas zu beweisen.



Van der Linde holt die Pole, geht von vorne weg, kontrolliert das Rennen in der ersten Hälfte. Dann baut der Reifen stärker ab als erwartet – ein kurzer Fehler, Vermeulen geht vorbei. Van der Linde kommt als Erster zum zweiten Stopp, kehrt mit warmen Reifen zurück – und lässt keinen Zweifel daran, wofür er hier ist. Seine Divebomb in der Hogenholzbocht-Steilkurve, wo er in einem einzigen Move drei Fahrzeuge überholt, ist das Bild des Wochenendes. Wer das live von der Haupttribüne aus sieht, versteht, warum Fahrer sagen, dieser Kurs macht Spaß. Am Ende des Rennens bring van der Linde sieben Sekunden Vorsprung ins Ziel.
Zwischendrin sorgt Jules Gounon für das Safety Car: Nach dem Schließen des ersten Boxenstoppfensters verliert er im Duell mit Arjun Maini die Kontrolle, fährt durch ein Styropor-Werbeschild am Streckenrand – das muss erst mal von der Strecke geräumt werden.
Beim Restart trifft Nicki Thiim Lucas Auer – der Däne kassiert dafür drei Penalty-Laps und fällt ans Ende des Feldes. Für Auer trotzdem ein verlorener Tag. Aus der Gesamtführung wird Platz zwei, 61 Punkte statt mehr. So schnell dreht sich das.
Maro Engel nimmt derweil einen anderen Umweg. Beim ersten Stopp verliert sein Team fast 15 Sekunden durch einen klemmenden Schlagschrauber – aus einer guten Position wird Aufholjagd. Engel fährt trotzdem auf Platz vier und übernimmt damit wieder die Gesamtführung. 67 Punkte, Auer auf zwei, Wittmann auf drei. Effizientere Schadensbegrenzung lässt sich kaum betreiben.
Hinter van der Linde holt Ben Dörr sein erstes DTM-Podium – offiziell. Auf dem Sachsenring hatte er schon einmal auf Platz zwei gestanden, bis das Team mehr als drei Stunden nach dem Rennen wegen eines Reifenverstoßes disqualifiziert wurde. Das Podium weg, bevor der Abend vorbei war. In Zandvoort nimmt ihm das niemand mehr.
Marco Wittmann und das Qualifying – das ist 2026 die gleiche Geschichte wie 2025. In Oschersleben zu weit hinten, am Sachsenring von P19 auf P5, 14 Plätze gutgemacht. Zum Saisonauftakt 2026 in Spielberg: Samstag von P15 auf P5, Sonntag von P9 auf P2, Driver of the Day. In Zandvoort qualifiziert er sich auf P12, fährt als Dritter aufs Podium. Da stellt sich die Frage, was passiert, wenn Marco Wittmann mal die Quali meistert. Auf jeden Fall rundet er den Rennsонntag für Schubert Motorsport perfekt ab.
Das ist Zandvoort. Oldschool-Kurs, kein Millimeter geschenkt, kein Rennen wie das andere. Das hat schon mal was mit der Nordschleife gemeinsam.
Ergebnis Rennen 2 – Zandvoort
| Pos. | Fahrer | Team | Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Kelvin van der Linde | Schubert Motorsport (BMW) | – |
| 2 | Ben Dörr | Dörr Motorsport (McLaren) | +6,377 s |
| 3 | Marco Wittmann | Schubert Motorsport (BMW) | +7,046 s |
| 4 | Maro Engel | Mercedes-AMG Team Ravenol | +7,510 s |
| 5 | Thierry Vermeulen | Emil Frey Racing (Ferrari) | +11,053 s |
Rahmenprogramm: Lärm, Leitern und eine Formel, die niemanden aufweckt
Bevor die DTM auf die Strecke geht, liefern die Begleitserien das passende Rahmenprogramm. Der Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland und der ADAC GT Masters belegen beide, dass GT-Rennsport auch abseits der großen Bühnen funktioniert – und dass beide Serien seit Jahren Talente in die DTM spülen. Thomas Preining, 2023 DTM-Champion, kam über den Porsche Carrera Cup. Ayhancan Güven, DTM-Champion 2025, über den Porsche Carrera Cup und das ADAC GT Masters. Finn Wiebelhaus gewann 2025 die Road-to-DTM-Wertung im GT Masters – und startet 2026 in der DTM. Die Pipeline funktioniert.




Was vor dem Start des Carrera Cup passiert, wenn 30 nahezu baugleiche Porsche 911 gleichzeitig in den Begrenzer drehen, ist kein Motorsporterlebnis mehr – das ist eine Lärmdemo mit Rennlizenz. Beeindruckend.
Weniger beeindruckend: die FIA Formula Regional European Championship. Schnelle Autos, ordentliche Fahrer, aber irgendwie passiert das alles einfach so. Immerhin hatte die Serie das kleinste und niedlichste Pace Car des Wochenendes – einen Toyota GR Yaris, was insofern Sinn ergibt, als der Tatuus T-326 der Serie einen Motor aus eben diesem Fahrzeug unter der Haube trägt. Konsequentes Branding, das muss man anerkennen.
Was gefehlt hat: der Tourenwagen Junior Cup auf dem VW up! GTI. Wer das letzte Jahr in Oschersleben gesehen hat, weiß warum. Das war purer, unkomplizierter Rennsport – und hat mehr Spaß gemacht als so manches, was auf größeren Bühnen passiert.
Wir freuen uns auf das nächste Rennen, die DTM mach am Lausitzring Halt. Da hält sich die Anreise aus Berlin im Vergleich zu Zandvoort in Grenzen.
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