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Stark Varg Supermoto – Kurztest auf der Reload.Land

Auf der Reload.Land hatte ich am Wochenende kurz die Gelegenheit, auf die Stark Varg Supermoto zu steigen. Nicht lang genug für ein abschließendes Urteil – aber lang genug, um beeindruckt zu sein. Von dem Effekt, wenn 125kg auf 80 PS und über 900 Newtonmeter am Hinterrad treffen.

Was die Stark Varg SM überhaupt ist

Über Stark, ihre Bikes und die Technologie hatte ich hier schon mehrfach geschrieben. Die Neugier, eine zu fahren war dementsprechend groß, aber die Gelegenheit ergab sich noch nicht. Bis zur Reload.Land und einer Probefahrt auf der Varg SuperMoto: 17-Zoll-Räder statt Geländebereifung, straßenoptimierte Geometrie, volle Straßenzulassung. Und formal eine A1-Maschine – was möglich ist, weil das EU-Zulassungsrecht zwischen Dauer- und Spitzenleistung unterscheidet. Die Dauerleistung liegt unter 11 kW. Die Spitzenleistung liegt laut Hersteller bei bis zu 80 PS. Beides ist gleichzeitig wahr.

Eckdaten, wie Stark sie angibt: 124,5 kg fahrfertig, 914 Nm Drehmoment am Hinterrad, 7,2-kWh-Akku, Laden mit 3,3 kW an der Haushaltssteckdose in unter zwei Stunden. Reichweite laut WMTC-Zyklus 81 km, laut Hersteller im Stadtverkehr bis zu 120 km. Fahrwerk von KYB, Bremsen von Brembo. Preis: ab 12.990 Euro für die 60-PS-Version, 1.000 Euro mehr für die Alpha mit 80 PS.

Wie sie aussieht

Gut. Wirklich gut. Die Stark Varg Supermoto hat dieses cleane, fast industrielle Design, was mich persönlich sehr anspricht. Kein Auspuff, keine Schläuche, kein Tankdeckel. Dafür ein Akkublock, der strukturell ins Chassis integriert ist, und Anbauteile, die so wirken, als hätte jemand die Teileanzahl konsequent auf das Minimum reduziert.

Die Schaltereinheit links am Lenker ist ein schönes Teil: gefrästes Alu, gute Haptik, sieht aus wie etwas aus einem besseren Jahrzehnt. Der Blinkerschalter ist allerdings winzig und sitzt ungewohnt. Wer von einem konventionellen Motorrad kommt, greift in den ersten Minuten garantiert daneben – und das bleibt ein Problem auch nach etwas Eingewöhnung.

Das Arkenstone-Display – ein wasserdichtes Android-Smartphone, das als Cockpit fungiert und sich abnehmen lässt – hat beeindruckend viele Funktionen. Fahrmodi konfigurieren, Rekuperation einstellen, GPS, Telemetrie. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist es allerdings schwer abzulesen.

Die Sitzbank ist hoch – über 90 Zentimeter – und hart. Im Stand kommt man trotzdem gut an den Boden, weil die Maschine so schmal ist. Der Schwerpunkt liegt tief. Rangieren ist kein Problem. Komfort auf längeren Strecken wird hier aber zur Herausforderung, einige Kunden hätten sich schon ein Gel-Insert für die Sitzbank verbauen lassen, ließ mich der Stark Ansprechpartner wissen. Wäer für mich auch ein Muss.

Auf der Straße

Fünf Leistungsstufen stehen zur Verfügung, frei konfigurierbar. Ich merke schon in den niedrigen Stufen, dass der Antrieb anders anliegt als bei allem, was ich kenne. Kein Leistungsband, kein Hochdrehen, kein Nachdenken über Gänge. Gas auf, Schub. Der Übergang vom Stillstand zur Bewegung ist so direkt, dass man die erste halbe Stunde damit verbringt, den eigenen Gasgriff neu zu kalibrieren.

In den höheren Stufen wird das zur ernsthaften Aufgabe. Wer unvermittelt aufs Gas greift – aus dem Reflex heraus, wie man das von schwereren Maschinen gewohnt ist –, erlebt das, was mir auf der Autobahnauffahrt passiert ist. Das Vorderrad steigt. Schnell, und ohne viel Vorwarnung. Das ist die direkte Konsequenz aus dem Konzept: 124 Kilo, kein Drehmomentverlauf, der Zeit zum Reagieren lässt. Präzision am Gasgriff ist hier keine Tugend, die man irgendwann entwickeln kann. Die braucht man sofort.

Was das Handling betrifft: Die Stark Varg SM ist leichtfüßig auf eine Art, die man nach wenigen Kurven nicht mehr wegdenken will. Das Motorrad wechselt die Richtung schnell und ohne Diskussion. Einlenken, Scheitelpunkt, raus – der ganze Vorgang fühlt sich kompakter an als bei vergleichbaren Verbrennern dieser Klasse. Auf der Stadtautobahn wieselt man durch den Verkehr, sticht schnell in sich auftuende Lücken rein und es ist schlichtweg ein derber Spaß, dieses Präzisionsgerät über den Asphalt zu zirkeln. Das geringe Gewicht und der niedrig liegende Schwerpunkt spielen dabei zusammen.

Die Bremsen beißen gut, Brembo-typisch direkt. Ohne ABS muss man dosieren – vor allem hinten, wo es schnell zur Angelegenheit wird. Bei einem Motorrad, das so leicht und so direkt ist, kann ein unvorsichtiger Bremsimpuls am Hinterrad die Situation schnell neu sortieren. Wer aus der Supermoto-Welt kommt, kennt das. Wer es nicht kennt, lernt es hier. Jetzt heisse ich nicht Bernd Hiemer oder habe eine Supermoto-Vergangenheit wie Jürgen Theiner, aber ich erahne die Faszination des querstehenden Vortriebs.

Ein Detail, das mich kurz erwischt hat: Die Stark Varg SM schaltet im Stand – an der Ampel, beim Warten – in eine Art Neutral. Wer das nicht weiß und danach reflexartig Gas gibt, beschleunigt erstmal gar nicht. Kein Drama, aber eine andere Logik, an die man sich gewöhnen muss.

Was das Konzept kostet – im wörtlichen Sinne

Die Reichweite ist das konstruktive Limit dieser elektrischen Supermoto – und das sollte man wissen, bevor man kauft. Laut Hersteller rund 120 km im Stadtverkehr, nach WMTC-Zyklus 81 km. In der Praxis berichten andere Tester von deutlich weniger bei sportlicher Fahrweise. Wer die Varg SM so fährt, wie sie gebaut wurde, kommt nicht allzu weit.

Der Akku lässt sich nicht schnellladen. AC, 3,3 kW, Haushaltssteckdose. Rund zwei Stunden. Es empfiehtl sich also, einen festen Stellplatz mit Stromanschluss zu besitzen.

Kein ABS. Kein Traktionssystem. Für eine Maschine, die formal als A1-Fahrzeug eingestuft ist und damit auch von 16-Jährigen gefahren werden darf, ist das eine bemerkenswerte Kombination. Eine gewisse Erfahrung gepaart mit moralischer Reife wäre zur Fortbewegung dieser Maschine nicht abträglich.

Für wen die Stark Varg Supermoto passt – und für wen nicht

Wer Supermoto als Kurzstreckenwerkzeug versteht – Kartbahn, kurvige Landstraße auf 30 Kilometern, städtische Spontanrunden – bekommt hier etwas, das es so nicht gibt. Kein Verbrenner in dieser Gewichtsklasse liefert diesen Antritt, dieses Handling, diese Direktheit. Die Stark Varg SM ist ein konsequentes Sportgerät, das zufällig eine Straßenzulassung hat.

Wer pendelt, wer Kilometer sammelt, wer mal eben 150 Kilometer Landstraße fahren will: falsches Motorrad. Wer keine sichere Lademöglichkeit hat: ebenfalls. Wer gerade den Motorradführerschein gemacht hat und nach einem unkomplizierten Einstieg sucht: Ich würde das in Ruhe durchdenken.

Ich merke nach der kurzen Session auf der Reload.Land, dass die Stark Varg Supermoto das Motorrad ist, das man fahren will – wenn man genau weiß, wofür. Der unfreiwillige Wheelie auf der Auffahrtsrampe war übrigens gar nicht so unschön. Nur halt unfreiwillig.

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  1. Es ist ein verdammtes Kreuz, wenn die Motorradwünsche nicht mit dem Kontostand zusammen passen. Die Varg ist ein derartig abartig geniales Gerät, ich MUSS einfach mal eine haben.

    Dafür würde ich sogar die unbestritten etwas negativen Punkte, wie das lahme Laden und die kleine Akku-Grösse übersehen. Klar, im Gelände, als Enduro, reicht die Power bzw. Reichweite der Maschine sicher für 90% aller „normalen“ Enduristen bei weitem aus.

    Aber eine lustige Fahrt aufs Joch? Die Ostrampe sollte drin sein, aber ich bezweifle, dass der Akku eine Fahrt Richtung Bormio und zurück ohne final abschliessende Schiebephase übersteht. Immerhin kann man dazwischen an der Tibethütte einen Schuko-Stecker nutzen ..

    Auf der Kartbahn definitiv das Killer-Gerät. Meine seelige 625er hat damals um die 60 PS gedrückt und war damit selbst original aus dem Shop immer weit vorne mit dabei. Nun denken wir uns ein Dutzend kg weg, 20 PS dazu, feinste Fahrwerkskomponenten und 1:1 Elektro-Ansprechen samt gewaltigem Drehmoment – das Ding wird nicht zu biegen sein.

    Die Varg in ihren Varianten ist einfach ein wunderschönes Stück Technik, vom Feinsten verarbeitet, von vorne bis hinten durchdacht. Muss man einfach haben!

    Danke übrigens für die Erwähnung meines Namens in einem Atemzug mit Bernd Hiemer 😉

    Liebe Grüsse aus den Bergen!

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