Fast 40 Prozent günstiger als zum Europa-Start. Das ist keine Preisanpassung. Das ist ein anderes Gespräch.

Im März 2025 hatte ich die Gelegenheit, die LiveWire ONE im Craftwerk Berlin zu fahren — eine Feierabendrunde durch die Stadt, mehr Eindruck als Test, aber ausreichend, um ein Gefühl zu bekommen. Den ausführlichen ersten Bericht habe ich damals aufgeschrieben. Das Kurzfazit: Die ONE ist optisch ein Volltreffer, die Kraftentfaltung ist enorm, das Fahrwerk gibt klare, vertrauensvolle Rückmeldungen. Zwei Dinge sind kurz gewöhnungsbedürftig: die getrennten Blinker links und rechts — ja, wie beim alten BMW — und das leichte Pulsieren der Sitzbank im Stand. LiveWire nennt das übrigens selbst den „Herzschlag der Maschine“. Kein Showstopper, aber man muss es wissen.

LiveWire ONE in Nimbus Gray – Seitenansicht

Der Einstiegspreis in Deutschland lag damals bei knapp 24.000 Euro.

Jetzt ist die gleiche Maschine ab 14.790 Euro zu haben — so steht es auf der deutschen LiveWire-Website. Mehr als neuntausend Euro runter. Das ist keine Sonderaktion, kein Lagerräumungsangebot. Das ist eine andere Positionierung.

Was passiert ist

Warum jetzt? Dazu schweigt die Pressemitteilung. Meine Vermutung: Verkaufszahlen in Europa unter den Erwartungen, wachsender Druck durch günstigere Konkurrenz aus Asien, und die simple Erkenntnis, dass 25.000 Euro eine Wand sind, gegen die kein Marketingtext ankommt. Bei 14.790 Euro verschiebt sich der Vergleich spürbar.

Was die Maschine kann — und was nicht

Ich schreibe das auf Basis meiner eigenen Fahrt, nicht vom Datenblatt. Die ONE zieht brutal los. Laut Hersteller sind es 100 PS (75 kW) und 114 Nm sofortiges Drehmoment, 0–100 km/h in drei Sekunden — das passt zu dem, was ich gespürt habe. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 177 km/h. Das Fahrwerk ist hochwertig: SHOWA-USD-Gabel, SHOWA-Monoshock, vollständig einstellbar, Brembo-Monoblock-Vierkolben vorn. Michelin Scorcher Sport auf 17-Zoll-Rädern. Das ist kein Budget-Setup.

Zum Laden: Per DC-Schnelllader — in Europa per CCS2-Standard — kommt die ONE in rund 40 Minuten auf 80 Prozent, in 60 Minuten auf voll. An der normalen 220V-Steckdose dauert es 11 Stunden für einen kompletten Zyklus. Die Akkukapazität beträgt 15,4 kWh, die angegebene Stadtreichweite 235 km. Im gemischten Fahrzyklus bis 88 km/h gibt LiveWire 153 km an — bei konstantem Autobahntempo (88 km/h) sogar 174 km. Wer damit auf Reisen geht, braucht Ladeplanung. Wer überwiegend in der Stadt oder auf Landstraßen fährt, hat deutlich mehr Spielraum.

Was sich tatsächlich ändert

Früher war die ONE ein teures Statement-Motorrad für Early Adopters. Jetzt landet sie in einem Preissegment, in dem echte Kaufentscheidungen stattfinden. 14.790 Euro ist Kawasaki Z900-Terrain. Das ist BMW F 900 R mit Extras. Das ist Ducati-Einstieg.

Nur eben elektrisch — mit Brembo-Bremsen, SHOWA-Fahrwerk und einem Antrieb, der sich anders anfühlt als alles mit Verbrenner.

Wer die ONE schon länger auf dem Radar hatte und am Preis gescheitert ist, sollte jetzt zumindest eine Probefahrt buchen.

Bock auf mehr Elektromobilität? Dann bitte hier lang!