Elektromotorräder kämpfen seit Jahren mit denselben Themen. Reichweite, Ladezeit, Vertrauen in die Technik. Viel wurde angekündigt, wenig wirklich geliefert. Genau deshalb ist die aktuelle Ankündigung von Verge Motorcycles spannend. Zusammen mit Donut Lab will Verge das weltweit erste Serienfahrzeug mit einer Feststoffbatterie ausliefern. Die ersten Kunden sollen ihre Motorräder bereits im ersten Quartal 2026 bekommen. Das ist nicht Zukunft, das ist ziemlich nah.


Die Verge TS Pro als technisches Fundament
Basis der neuen Technologie ist die Verge TS Pro. Das Modell wird seit 2023 gebaut und wurde auf der EICMA 2025 bereits in einer überarbeiteten Version gezeigt. Neu ist jetzt nicht das Motorrad an sich, sondern das, was im Inneren steckt. Statt einer klassischen Lithium-Ionen-Batterie kommt erstmals eine Solid-State-Batterie von Donut Lab zum Einsatz.
Motor, Leistungselektronik und das auffällige radnabenlose Hinterrad stammen ohnehin schon von Donut Lab. Beide Unternehmen wurden von denselben Gründern aufgebaut, was erklärt, warum die Integration der neuen Batterie eher wie ein evolutionärer Schritt wirkt und nicht wie ein riskantes Experiment.
Reichweite und Leistung auf Verbrenner-Niveau – oder darüber
Die technischen Daten lesen sich selbstbewusst. Das maximale Drehmoment liegt bei rund 1.000 Newtonmetern. Werte, die man früher eher aus dem Automobilbau kannte, sind bei Elektromotorrädern inzwischen Realität. Interessanter ist aber die Reichweite. Verge spricht bei der Long-Range-Version von bis zu 600 Kilometern nach Herstellerangabe. Die Standardversion soll rund 320 Kilometer schaffen.

Damit bewegt sich die TS Pro nicht mehr in einer elektrischen Nische, sondern auf Augenhöhe mit klassischen Mittelklasse- und Reisemotorrädern. Für viele wäre das bereits ausreichend, um ein Elektromotorrad auch auf längeren Strecken ernsthaft in Betracht zu ziehen.
Laden in Minuten statt Stunden
Der größte Hebel liegt beim Laden. An einem DC-Schnelllader mit bis zu 200 kW soll die Batterie in etwa zehn Minuten von 0 auf 80 Prozent geladen werden können. Donut Lab spricht intern sogar von noch kürzeren Zeiten, Verge bleibt hier bewusst konservativ.
Zehn Minuten Ladepause verändern das Reisen mit einem Elektromotorrad grundlegend. Kein stundenlanges Warten mehr, kein Zwang zur minutiösen Routenplanung. Kurzer Stopp, Kaffee, weiterfahren. Vorausgesetzt natürlich, die Ladeinfrastruktur spielt mit.
Warum Feststoffbatterien mehr sind als nur ein Buzzword
Donut Lab nennt mehrere Vorteile der neuen Batterietechnologie. Die Feststoffbatterien sollen für bis zu 100.000 Ladezyklen ausgelegt sein und damit ein komplettes Fahrzeugleben überstehen. Ein relevanter Kapazitätsverlust über die Jahre soll kaum auftreten. Auch extreme Temperaturen sollen kein Problem sein, von starkem Frost bis großer Hitze.

Hinzu kommt die Sicherheit. Feststoffbatterien gelten als deutlich weniger anfällig für thermisches Durchgehen als heutige Lithium-Ionen-Akkus. Außerdem sollen sie ohne seltene oder schwer verfügbare Rohstoffe auskommen, was die Produktion regionaler und unabhängiger machen könnte.
Mehr als nur ein Motorradprojekt
Verge ist nicht der einzige Anwendungsfall für Donut Lab. Das Unternehmen arbeitet auch an Plattformen für vierrädrige Fahrzeuge, an elektrischen Achssystemen für Nutzfahrzeuge und an Lösungen für Lkw-Auflieger, die Dieselverbrauch deutlich senken sollen. Die Technik ist also klar breiter gedacht als nur für ein einzelnes Motorradmodell.
Genau deshalb ist der Zeitpunkt der Ankündigung interessant. Verge und Donut Lab gehen erst an die Öffentlichkeit, wenn ein Serienfahrzeug kurz vor der Auslieferung steht. Kein Konzept, keine Studie, kein vages Versprechen.
Ob die TS Pro mit Feststoffbatterie im Alltag hält, was die Daten versprechen, wird sich schnell zeigen. Wenn die ersten Kunden 2026 tatsächlich Motorräder mit dieser Technik fahren, wäre das ein echter Wendepunkt für Elektromotorräder. Nicht emotionaler, nicht lauter, sondern schlicht alltagstauglicher. Und genau das fehlt der Elektromobilität auf zwei Rädern bisher am meisten.
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Jürgen
DAS ist nichts Weniger als ein Quantensprung in der Motorrad-Elektromobilität. Denn während wir uns bisher in Sachen Ladegeschwindigkeit auf Steinzeit-Niveau bewegt haben / bewegen, sind 100 bzw. 200 kW einfach eine andere Welt.
Ich mein, bei 200 kW schafft man es kaum, den Kopf zu lüften, schon ist der Akku wieder gut gefüllt.
Diese Ankündigung von Verge wird sämtliche E-Motorradhersteller im Mark eschüttern. Ich blicke frustriert auf meine maximal ausgebaute Zero SR/F, die sich maximal 11 kW zieht.
Der Preis der Verge ist natürlich ebenfalls nicht von dieser Welt. Allerdings sind die verbauten Komponenten auch auf einem anderen Level. Siehe Bremsanlage oder Fahrwerk.
Was mich noch ein wenig vom Spurt in die Bank abhält, um einen entsprechenden Kredit zu erbetteln: Mit Gepäck ist aktuell noch eher schlecht. Denn wenn das Ding 300 km mit einer Akku-Ladung schafft, dann will man die auch fahren. Für meine Foto-Ausrüstung und die Zahnbürste für eine Übernachtung wäre ein 15 cm längeres Heck durchaus idealer.
WAS für Zeiten. wow..