Mit der Ultraviolette F77 hatte das indische Start-up im Sommer 2025 auf der Reload.Land seine Deutschlandpremiere gefeiert – ich konnte damals das sportliche Modell hierzulande ansehen und meine ersten Eindrücke festhalten (mein Artikel dazu). Jetzt schiebt Ultraviolette mit der X-47 Crossover das nächste Modell nach, das deutlich mehr Vielseitigkeit verspricht.
Schon bei der Präsentation war klar: Die Ultraviolette X-47 ist nicht nur für den heimischen Markt gedacht, sondern bewusst als globales Produkt positioniert. Auf der EICMA 2025 in Mailand will Ultraviolette die Maschine zum ersten Mal international zeigen – und damit Indien auf die Landkarte der Elektromobilität setzen.




Technik der Ultraviolette X-47
Die Ultraviolette X-47 ist das erste Serienmotorrad weltweit mit einem integrierten Radar. Ein 77-GHz-Sensor überwacht bis zu 200 Meter nach hinten, kompensiert Schräglagen bis 20 Grad und macht so Funktionen wie Blind-Spot-Warnung, Lane-Change-Assist, Overtake-Alerts und Heckkollisionswarnung möglich. Im Falle einer drohenden Kollision schaltet das System sogar automatisch die Warnblinker ein.
Ergänzt wird das Ganze durch ein duales Dashcam-System mit HDR-Kameras vorne und hinten, IP67-Schutz, Loop Recording und Notfallsicherung. Über ein eigenes 5-Zoll-Display im Cockpit lassen sich Aufnahmen abrufen, speichern oder per WLAN/Bluetooth übertragen.
Besonders stark ist aber, wie Ultraviolette diese Technik als Paket denkt: Radar, Dashcam, Rekuperation, Traktionskontrolle, Stability Control und Hill Hold wirken zusammen als „intelligentes Kontrollsystem“. Damit will die Marke nicht nur Komfort, sondern vor allem Sicherheit schaffen – ein Alleinstellungsmerkmal im Markt.
Auch beim Laden beschreitet Ultraviolette eigene Wege. Der inhouse entwickelte Onboard-Lader mit 1,6 kW ist laut Hersteller der leistungsdichteste luftgekühlte Charger weltweit. Er ist für Temperaturen bis 50 Grad ausgelegt und soll auch unter extremen Bedingungen zuverlässig arbeiten.
VIOLETTE A.I. – die smarte Begleitung
Neben den sichtbaren Features bringt die X-47 auch digitale Dienste mit. Über VIOLETTE A.I. bietet das Motorrad Funktionen wie Bewegungs- und Sturzalarme, Diebstahlwarnungen, Remote-Lockdown, Crash-Alerts und sogar eine Delta-Watch-Funktion, die im Hintergrund auf mögliche Gefahren hinweist. Damit versteht sich die X-47 nicht nur als Fahrzeug, sondern als vernetzter Begleiter – eine Art Co-Pilot auf zwei Rädern.
Unterschied zum F77
Während die F77 mit sportlicher Sitzposition und Straßen-Performance auftritt, setzt die Ultraviolette X-47 auf Alltagsnutzen. Aufrechte Ergonomie, mehr Bodenfreiheit und zusätzliche Assistenzsysteme machen sie zum Crossover zwischen Stadt, Landstraße und leichtem Touring. Die Batterien sind mit 7,1 und 10,3 kWh gleich dimensioniert wie beim F77. Die Reichweite reicht nach IDC-Norm von 211 bis 323 Kilometer.
Die Werte beziehen sich auf den Indian Driving Cycle (IDC). Dieser Zyklus ist weniger streng als europäische WLTP- oder US-EPA-Standards und liefert eher optimistische Ergebnisse. In der Praxis liegt die tatsächliche Reichweite also niedriger – je nach Fahrstil, Tempo und Gelände. Positiv ist, dass Ultraviolette im Launch-Bereich vergleichsweise realistische Angaben gemacht hat.
Wo steht sie im Vergleich mit der Zero DSR
Als Referenz habe ich die Zero DSR herangezogen, das Dual-Sport-E-Motorrad ist ähnlich wie die Ultraviolette X-47 zwischen Straße und leichtem Adventure angesiedelt ist. Mit einem 14,4-kWh-Akku, rund 52 kW Leistung und 166 Nm Drehmoment liefert sie deutlich mehr Power, bleibt dabei aber in einem vergleichbaren Nutzungsszenario. Die Reichweite liegt laut Zero bei bis zu 250 Kilometern im Stadtprofil. Preislich startet die DSR in Europa bei rund 18.000 Euro.
Im Vergleich punktet die Ultraviolette X-47 mit innovativen Assistenzsystemen wie Radar, Dashcam und einem leistungsfähigen Onboard-Lader – Features, die Zero bislang nicht anbietet. Die DSR dagegen überzeugt durch ein etabliertes Händlernetz in Europa und eine lange Erfahrung im Elektro-Segment.
Preis der Ultraviolette X-47 – eine Schätzung
In Indien wurde die X-47 mit einem Einführungspreis von 2,49 Lakh Rupien angekündigt, später soll er auf 2,74 Lakh steigen. Zum Vergleich: Die Ultraviolette F77 Mach 2 Recon kostet in Indien ab 3,99 Lakh Rupien und wird in Deutschland ab 9.990 Euro angeboten. Rechnet man diesen Faktor herunter, ergibt sich für die X-47 in der kleinen Batterieversion ein geschätzter Einstiegspreis von etwa 6.000 bis 7.000 Euro auf dem deutschen Markt. Die größere Batterievariante dürfte etwas darüber liegen, vermutlich im Bereich von 8.000 bis 9.000 Euro. Damit würde Ultraviolette die Honda WN7 um die Hälfte unterbieten und läge auch unter dem stark gesenkten Einstiegspreis einer Livewire S2 (aktuell ab 9.999€ im Angebot).
Einschätzung
Die Ultraviolette X-47 zeigt eindrucksvoll, dass Indien im Bereich Elektromobilität eigene Maßstäbe setzen kann. Radar, Dashcam, Assistenzsysteme und VIOLETTE A.I. bringen Technik ins Motorrad, die man bislang nur aus Autos kennt. Im Zusammenspiel ergibt das ein Sicherheits- und Komfortpaket, das in dieser Form weltweit einzigartig ist.
Mit der X-47 positioniert sich Ultraviolette klar international: ein Crossover zwischen Naked-Bike, Touring und Adventure, der nicht auf maximale Leistung setzt, sondern auf smarte Technik. Sollte der geschätzte Preis in Europa bestätigt werden, könnte die X-47 neben Marken wie Zero und Energica zur spannenden Alternative werden – und Ultraviolette endgültig als globalen Player etablieren.
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