Honda macht ernst: Aus dem EV FUN Concept wird nun die Honda WN7, das erste Serien-Elektromotorrad des weltgrößten Motorradherstellers. Vorgestellt als Studie auf der EICMA 2024, startet die Serienproduktion Ende 2025. Ab sofort kann das Modell zum Einstiegspreis von 15.379 Euro (inkl. Überführung) vorbestellt werden.



Reichweite und Ladezeiten
Die Honda WN7 soll über 130 Kilometer Reichweite bieten – das ist mehr, als die ursprüngliche Studie versprach, aber immer noch weit entfernt von klassischer Langstreckentauglichkeit.

Geladen wird entweder an der Wallbox zu Hause (0–100 % in unter drei Stunden) oder unterwegs per CCS2-Schnellladung: von 20 auf 80 Prozent in 30 Minuten. Im Segment der Elektromotorräder ist das immerhin ein Differentiator, viele andere Modelle bieten nur Typ 2.
Leistungsklassen für verschiedene Fahrer
Honda bringt die WN7 in zwei Versionen: mit 18 kW Dauerleistung für A2-Fahrer sowie mit 11 kW für A1-Führerscheininhaber. Die Spitzenleistung liegt laut internen Tests bei bis zu 50 kW, das Drehmoment bei satten 100 Nm – Werte, die einem 600-ccm-Bike in der Beschleunigung ebenbürtig sein sollen. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Honda mit über 110 km/h an, das finde ich allerdings ausbaufähig.
Design und Ausstattung


Optisch bleibt die WN7 nah an der EV FUN-Studie: ein schlankes Nakedbike mit futuristischen Akzenten. Die Serienversion bringt aber alltagstaugliche Features mit: LED-Licht vorne und hinten, ein 5-Zoll-TFT-Display mit RoadSync-Konnektivität und speziellen EV-Menüs. Das Gewicht liegt bei 217 Kilogramm – für ein Elektro-Nakedbike ein durchaus respektabler Wert.
Vorsichtiger Schritt statt mutiger Sprung?
Hier liegt der Knackpunkt: Mit der WN7 liefert Honda ein solides, praxisnahes E-Motorrad. Aber sie wirkt eher wie ein vorsichtiger erster Schritt ins Elektrozeitalter – nicht wie der große Wurf, den sich viele erhofft hatten. 130 km Reichweite, begrenzte Höchstgeschwindigkeit, kleiner Akku und ein Preis von über 15.000 Euro – das wird es schwer machen, sowohl Verbrenner-Fahrer als auch neue urbane Pendler wirklich zu begeistern.
Im Vergleich: eine Zero SR/F bietet deutlich mehr Leistung und Reichweite, kostet aber auch mehr und kommt ohne Hondas Servicenetz. Die WN7 setzt also auf Zugänglichkeit und Markenvertrauen – nicht auf radikale Innovation.
Persönliche Einschätzung
Ich freue mich, dass einer der „Big Four“ endlich ein Elektromotorrad für Europa bringt. Genau diese Hersteller braucht es, damit E-Bikes nicht nur ein Nischenphänomen bleiben. Gleichzeitig hinterlässt die WN7 gemischte Gefühle: Sie ist mehr Symbol als Revolution. Honda kann nun sagen: „Wir sind dabei.“ Aber für den echten Umstieg braucht es Modelle, die Herzen gewinnen und den Vergleich mit Verbrennern nicht scheuen müssen.
Vielleicht ist die WN7 nur der Anfang – ein Türöffner für mutigere Projekte. Als tägliches Alltagsbike könnte sie funktionieren, aber als Gamechanger wohl kaum.
Fazit
Die Honda WN7 ist ein wichtiges Signal, aber kein Befreiungsschlag. Sie bringt Schnellladen, solide Ausstattung und Hondas Qualitätsversprechen – aber auch klare Limitierungen bei Reichweite und Performance. Wer einen unkomplizierten Einstieg ins elektrische Fahren sucht, findet hier eine spannende Option. Wer auf ein echtes E-Motorrad für die Langstrecke gehofft hat, muss weiter warten.
Jürgen
Cool – Du bist der Erste, bei dem ich von der WN7 lese. Klasse!
Gut, dass Honda nun auch einsteigt, aber Moment mal ..
130 km Reichweite, CCS und dennoch 30 min. von 20 auf 80 %? Das scheint mir eine sehr gemütliche Auslegung von CCS zu sein. Das sind auf jeden Fall keine +20 kW wie sie Energicas ziehen, sondern wohl eher um die 10 ..
Alexander
Mehr Angaben habe ich momentan noch nicht, aber auf der EICMA werde ich dem mal nachgehen!
Cenco
Sehr cool, ich bin schon gespannt auf mehr Details und mehr Eindrücke!
Wird auch interessant werden das Bike mit der Can-Am Pulse zu Vergleichen!