Die BMW GS steht seit über 40 Jahren für das große Ganze. Koffer dran, Sozia drauf, 5.000 Kilometer quer durch Europa – fertig. Sie ist die eierlegende Wollmilchsau auf zwei Rädern, irgendwo zwischen Fernreisebus und Alpentour-Sportgerät. Doch was passiert, wenn man dieses Bild einmal komplett über den Haufen wirft? Genau das haben Riller & Schnauck Motorrad Berlin getan. Unter ihrem Label RS76 Customs individualisieren sie Motorräder nach Kundenwunsch oder eigenen Vorstellungen und sie haben die R 1300 GS in zwei interessante Richtungen entwickelt.
Die Basis: BMW R 1300 GS im Serienzustand
Die Ausgangslage könnte besser kaum sein. Ich durfte die neue GS schon beim internationalen Launch in Málaga fahren und war beeindruckt, wie leichtfüßig und modern sich das große Boxer-Flaggschiff anfühlt. Agiler, kräftiger, vielseitiger – von Enduro-Terrain bis Autobahn-Sofa macht sie fast alles richtig. Aber genau da liegt auch der Haken: sie macht eben alles. Und manchmal will man nicht alles können, sondern nur eins – aber richtig.
Idee und Design der Umbauten
Genau hier setzen die beiden Umbauten an. Zusammen mit Alexander Bloch von Stilbruchlack entstand die Idee, aus der GS keine Fernreise-Enduro, sondern zwei kompromisslose Performance-Bikes zu machen.



Einmal SM (Supermoto) – für die Straße, aggressiv, tief, mit goldenen Schmiederädern und Pirelli Supercorsa. Und einmal SX (Supercross) – hochbeinig, grobstollig, mit 21-Zoll-Speichenrad vorn und TKC 80. Zwei Maschinen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, und doch denselben Gedanken teilen: Schluss mit Koffer-Romantik, her mit Attitüde.
Entscheidend ist dabei die Gestaltung von Stilbruchlack. Alexander Bloch ist für seine auffälligen Projekte bekannt – mir fiel schon letztes Jahr auf der Essen Motor Show der Porsche 911 ins Auge, den er für Daniel Abt lackiert hatte. Ein absoluter Hingucker. Auch bei den beiden GSen schöpfte er aus dem Vollen: statt dezentem Touring-Grau oder edlem Option-719-Gold gibt es hier die Comic-Optik im sogenannten Cel-Shading-Stil. Schwarze Konturlinien, satte Flächenfarben und harte Kontraste lassen die Formen fast zweidimensional wirken, wie direkt aus einem Comic oder Videospiel herausgefallen. Dieser Look, der in der Custom-Szene gerade im Trend liegt, macht die GS bewusst flacher und sorgt auf der Straße sofort für Aufmerksamkeit. Beim ersten Ampelstopp nach der Abholung zückten Passanten direkt die Handys, einer erkannte sogar sofort, dass die Lackierung von Stilbruchlack stammen musste.
BMW R1300 GS SM – die Supermoto-Interpretation
Die SM ist die Asphalt-Version des BMW R1300 GS Custombike. Hier geht es um kompromisslose Fahrdynamik auf der Straße, umgesetzt mit edlen Teilen und klarer Optik.

Die Sitzbank wurde samt Tankblende neu besattelt, goldene 17-Zoll-OZ-Schmiederäder tragen Pirelli Diablo Supercorsa SP Reifen, und Motomaster Flame Bremsscheiben sorgen für standfeste Verzögerung. Dazu kommen ein goldener Lenker, schwarz lackierte Gabelbrücken und filigrane Motogadget-Spiegel. Hinten sitzt ein Rizoma-Kennzeichenträger mit integrierten Miniblinkern, während die gesamte Abgasanlage samt HP-Corse-4-Track-Endschalldämpfer in schwarzer Keramikbeschichtung gehalten ist. Raximo-Sportfußrasten runden das Paket ab. So verwandelt sich die GS in ein Motorrad, das nur noch eins will: aggressiv auf Asphalt bewegt werden.









Durch die kleineren Raddurchmesser sitzt man tiefer und kompakter, was der Wendigkeit spürbar guttut. Im Stadtverkehr wirkt die SM deutlich handlicher, auf engen Landstraßenradien fast schon spielerisch. Und ich nehme es vorweg: Sie ist die überzeugendere der beiden Umbauten, fast wie eine Wiedergeburt der BMW HP2 Megamoto. Die Leistung der 1300 GS lässt sich hier auf der Straße richtig dynamisch umsetzen. Der Schwerpunkt liegt tiefer als beim Serienmodell, die Pirelli-Slicks liefern reichlich Grip – und das Ergebnis ist ein Hooligan-Bike für große Jungs.
BMW R1300 GS SX – die Supercross-Variante
Die SX ist die Offroad-Version des BMW R1300 GS Custombike. Mit großem Vorderrad, Stollenreifen und Rallye-Komponenten wirkt sie wie eine GS auf Steroiden für den Dreck.

Auch hier stammt die auffällige Artwork-Lackierung von Stilbruchlack, hier aber in einer matten Optik. Sitzbank mitsamt Tankblende sind auch hier neu besattelt. Vorn rollt die GS jetzt auf einem 21-Zoll-Excel-Speichenrad, hinten auf 17 Zoll, bestückt mit grobstolligen Continental TKC 80 Reifen. Motomaster Flame Bremsscheiben liefern die passende Bremskraft, während eine Rizoma-Lenkerstrebe Stabilität gibt und Motogadget-Spiegel das Cockpit abrunden. Vorne wie hinten sind kleine LED-Blinker montiert, am Heck trägt ein Rizoma-Kennzeichenträger die Leuchten gleich mit. Für kernigen Sound sorgt der Titan Rally-X Endschalldämpfer von SC Project, dazu kommen eine BMW-Gepäckplatte und das Sportfahrwerk.






Die matte Lackierung wirkt hier noch konsequenter, weil der verflachende Comic-Effekt besonders gut zur Geltung kommt. Rein optisch passt das perfekt. In der Cross-Ausrichtung sehe ich allerdings Lücken. Das 21-Zoll-Vorderrad und die groben Fußrasten schreien zwar nach Gelände, der Rest des Motorrads tut es weniger. Ein Bike mit Lenkerendenspiegeln und kunstvoller Lackierung möchte man einfach nicht in den Dreck werfen – dafür ist es zu edel.
Vergleich: VTR Customs und andere Interpretationen
Die Parallele zu VTR Customs und ihrer R 1301 liegt auf der Hand – auch dort wird die GS bewusst aus ihrem Komfort-Kokon geholt und in eine sportlichere Rolle gedrängt. Mit kurzem Heck, reduziertem Gewicht, geschmiedeten Alurädern und supersportlichen Metzeler M9RR-Reifen wirkt die 1301 deutlich kompakter. Das Dekor in „M-Grey“ mit abgewandelten BMW M-Farben, eine angepasste Sitzbank und schwarze Auspuffdetails unterstreichen den konsequent sportlichen Auftritt.
Ein ähnlicher Ansatz kommt von der britischen Insel Jersey: Die Mansell Collection stellte beim National Hill Climb eine R 1300 GS im M-Trimm an den Start. Mit 17-Zoll-Schmiedefelge vorn, breitem 200er-Hinterreifen, neuen Federbeinen und spezieller Rennabstimmung entstand so eine Art „Boxer-XR“, die wie ein Vorgriff auf eine mögliche M 1300 GS wirkt.
Fazit: Die GS kann auch anders
Braucht die GS das? Wahrscheinlich nicht. Aber genau das ist der Reiz: sie kann es. Und Riller & Schnauck haben hier gezeigt, dass auch eine BMW R1300 GS Custombike polarisieren, provozieren und einfach nur Spaß machen kann. Ganz ohne Koffer, ganz ohne Europa-Tour. Dafür mit Haltung.
Vielen Dank an Riller & Schnauck, die mir die Bikes zur Verfügung gestellt haben. Ebenso Dank und Kudos an Sven Wedemeyer für die sensationellen Fotos.
James Nick
Wer hat das tolle Bike designt?
Alexander
Der Lack ist von Stilbruchlack, der Umbau von Riller & Schnauck.
James Nick
Wer macht so etwas kreatives bei Riller & Schnauck? Wen kann ich da ansprechen? Ist schon ein geniales Einzelstück!
Alexander
William Schreiter bei R&S in der Rhinstrasse ist der richtige Ansprechpartner für Dich.