Es gibt Straßen, die sind mehr als Asphalt und Kehren. Das Stilfser Joch gehört für mich dazu. Für Jürgen Theiner, Autor von MotorProsa, ist es sogar sein Hausberg. Immer wenn ich ans Stilfser Joch denke, ist mir sein Satz „vor neun, nach vier“ sehr präsent. Eine einfache Regel, die viel über den Stelvio verrät: Früh morgens oder spät am Nachmittag zeigt er sich von seiner schönsten Seite – frei von Kolonnen, still, beinahe intim. Diese besondere Beziehung zum Pass hat Jürgen in zahllosen Geschichten aufgeschrieben, zuletzt auch in seinem Buch. Nun ist daraus ein Filmprojekt geworden: „Das Stilfser Joch – Abseits der Kehren“.

Die Idee dazu entstand wie so oft bei guten Projekten aus spontanen Gesprächen. Filmemacher und Motorradreisender Alex Milz schrieb Jürgen an, beide verstanden sich auf Anhieb. Sein Werk „Griechenlands vergessene Dörfer“ hatte Jürgen nachhaltig beeindruckt – und so war der Gedanke schnell geboren, den Stelvio aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Als Kulturraum, Naturdenkmal und Heimat.
Die Recherchen begannen im Frühjahr 2024. Weil der Pass noch gesperrt war, durchstreiften Alex und Jürgen eine Woche lang das Tal, suchten Orte, sammelten Geschichten, verwarfen Drehbücher und füllten Notizbücher. Sie trafen auf Arthur Gfrei, wohl den besten Kenner der Stilfserjochstraße, der nicht nur sein Buch, sondern auch ein riesiges Archiv öffnete. Mit ihm ging es sogar hinauf zu den Resten alter Soldaten-Baracken aus dem Ersten Weltkrieg. Diese historische Dimension fließt ebenso in den Film ein wie die Begegnungen mit Einheimischen, Gastronomen, Hoteliers und Fahrern, die alle ihre eigene Geschichte mit dem Joch haben.




Unterstützt wurde das Projekt von vielen lokalen Partnern, selbst das Filmmaterial vom Bau der Tibet-Hütte fand den Weg ins Projekt. Aus all dem entstand ein Mosaik, das die bekannte Straße in einem ganz neuen Licht zeigt. Der Film zeigt, was abseits der Kehren passiert, was trennt und verbindet, wie Natur und Geschichte bis heute wirken. Er ist Einladung, das Stilfser Joch anders zu sehen: nicht als sportliche Herausforderung oder Selfie-Hotspot, sondern als Verbindung zwischen Regionen und Kulturen, als Denkmal und Mahnmal zugleich.

Seine Premiere feiert der Film am 3. Oktober 2025 an symbolträchtigem Ort: in der Tibethütte, hoch oben mit Blick auf die legendären Serpentinen. Wer dort schon einmal übernachtet hat, weiß, wie besonders die Stimmung am frühen Morgen oder späten Abend ist. Ich erinnere mich gut an unsere Tour 2022, als wir Jürgen dort trafen. Er war abends noch hochgefahren, um mit uns zu essen. Am nächsten Morgen standen wir um 05:00 Uhr auf um den Sonnenaufgang über dem Ortler zu geniessen und das Gefühl war unbeschreiblich. Genau dieses Gefühl transportiert der Film.
Am 4. Oktober folgt die öffentliche Vorführung im Besucherzentrum aquaprad in Prad am Stilfser Joch, Beginn ist um 19:30 Uhr. Alle Interessierten sind eingeladen.
Der Trailer gibt schon einen guten Eindruck. Keine Hektik, keine lauten Effekte – stattdessen ruhige Bilder, die Atmosphäre atmen lassen. Hier anschauen:
Jürgen
Vielen lieben Dank, Alex, für diesen Beitrag! Die Arbeit an diesem Film beschäftigt uns nun schon 1,5 Jahre und ich habe für mich derartig viel Neues über den Stelvio gelernt, dass ich sicher bin:
Einfach mal so drüber zu fahren, wird ihm niemals gerecht. Ich bin gespannt, wieviele nach der Premiere ebenfalls „neu“ auf dieses Straßenmonument blicken werden ..
Wann sehen wir uns wieder, dort oben?
Alexander
Ich glaube ich plane mal eine Tour exklusiv zu Dir ins Vinschgau und dann fahren wir elektrisch alle verfügbaren Kurven ab!
Jürgen
Bester guter Plan! Umsetzung dringend möglich machen!! 😉