Mit dem BMW Motorrad Vision CE hat BMW auf der IAA Mobility 2025 ein Konzeptfahrzeug präsentiert, das die urbane Elektromobilität neu definieren soll. Die Idee ist radikal: ein elektrisches Einspurfahrzeug für die Stadt, das ohne Helm und klassische Schutzkleidung gefahren werden kann. Möglich machen soll das ein Sicherheitskonzept mit Metallrahmen und Gurt – eine Idee, die sofort Erinnerungen an den BMW C1 weckt.

Vom C1 zum Vision CE

Der BMW C1, Anfang der 2000er Jahre vorgestellt, war ein Roller mit Dach, Überrollbügel, Windschutzscheibe und Sicherheitsgurt. Er sollte ermöglichen, ohne Helm unterwegs zu sein – was rechtlich allerdings nicht in allen Ländern akzeptiert wurde. Trotz seiner cleveren Sicherheitskonstruktion blieb der C1 ein Nischenprodukt: zu schwer, zu teuer und optisch gewöhnungsbedürftig. Aber mittlerweile kann man dem C! einen gewissen Kultstatus nicht absprechen.

Der BMW Motorrad Vision CE knüpft nun an diese Philosophie an, übersetzt sie aber in eine leichtere und modernere Form. Statt Dach und Karosserie setzt BMW auf einen offenen Käfig („Cage“), kombiniert mit Sitz und Gurt. Das Ganze wirkt dynamischer, sportlicher und näher am Motorrad als am klassischen Roller.

Sicherheit durch Käfig und Balancefunktion

Herzstück des Konzepts ist der Cage, ein Metallrohrrahmen, der den Fahrer schützen soll. In Verbindung mit Gurt und Sitzposition soll so der Verzicht auf Helm und Schutzkleidung möglich sein. Ergänzt wird das Ganze durch eine Balancierfunktion, mit der der Vision CE im Stand selbstständig das Gleichgewicht hält. Umfaller an der Ampel sollen damit ausgeschlossen werden.

Doch Kritiker stellen Fragen: Wie sieht es mit Armen, Beinen und Füßen aus, die beim Fahren ungeschützt bleiben? Gerade bei Stürzen im niedrigen Tempo oder auf rutschigem Untergrund sind Beine die am häufigsten verletzten Körperteile. Reflexe wie das Abstützen mit dem Bein lassen sich kaum abtrainieren.

Design zwischen Studie und Realität

Optisch setzt der BMW Motorrad Vision CE auf klare Kontraste: mattweiß als Basis, Schwarzflächen zur Struktur und neonrote Details für Highlights. Der lange Radstand und die offene Aluminiumstruktur geben ihm einen leichten, futuristischen Auftritt. Die Bilder, die BMW zeigt, sind größtenteils KI-bearbeitet – echte Fotos von Fahrern am Lenker fehlen bislang. Das verstärkt den Eindruck, dass es sich eher um ein visuelles Statement als um eine seriennahe Studie handelt.

Die Renderings zeigen verschiedenste Ausstattungs- und Einsatzvarianten. Ein bischen erinnerte mich das an die Cake Ösa, an deren Zentralrahmen auch diverse Ausstattungsteile an- und abgeschraubt werden konnten.

Einordnung in die BMW-Elektrostrategie

BMW Motorrad hat sich in den letzten Jahren mit dem CE 04 und dem CE 02 stark im Elektromarkt etabliert. Der CE 04 gilt als Benchmark für Premium-E-Scooter, der CE 02 als jugendlicher Einstieg. Der BMW Motorrad Vision CE geht darüber hinaus: Er stellt nicht nur Technik, sondern auch Kultur infrage – die Frage nach Helmpflicht, Kleidung und dem Stellenwert von Sicherheit im Alltag. Damit bewegt er sich zwischen Scooter, Motorrad und urbanem Lifestyle-Objekt.

Ausblick

Ob der BMW Motorrad Vision CE jemals in Serie geht, ist fraglich. BMW spricht selbst von einer Design- und Technologiestudie, nicht von einem seriennahen Modell. Trotzdem ist die Botschaft klar: BMW will urbane Elektromobilität nicht nur technisch weiterentwickeln, sondern auch emotional und kulturell neu denken.

Der Vergleich zum C1 zeigt: Mutige Konzepte haben bei BMW Tradition, auch wenn sie am Markt nicht immer erfolgreich waren. Vielleicht ist die Zeit 2025 reifer für ein helmfreies, elektrisches Stadtfahrzeug als im Jahr 2000. Wenn nicht wieder ein prohibitiver Preis dazwischen steht.