Honda bringt sein erstes Elektromotorrad in Stellung. Mit dem EV FUN Concept wurde 2024 auf der EICMA erstmals ein vollelektrisches Nakedbike gezeigt, jetzt läuft die Vorserienerprobung in Europa. Offizielle Testfahrten und Pressebilder machen klar: Es dauert nicht mehr lange bis zur Serie.



Das Honda Elektromotorrad bleibt nah an der Studie: ein mittelgroßes Nakedbike mit fest eingebautem Akku, CCS2-Schnellladefähigkeit und Typ-2-Anschluss. Honda spricht von über 100 Kilometern Reichweite – das reicht für Pendelstrecken und kürzere Touren, ist aber kein Wert, mit dem man sich am Wochenende in die Alpen verabschiedet. Spannend ist vor allem die Schnellladefähigkeit, denn die hat man bei japanischen Herstellern bisher vergeblich gesucht.
Design mit Seriennähe
Optisch ist das Motorrad inzwischen deutlich seriennäher. Statt des runden Displays der Studie gibt es ein rechteckiges TFT, die Front wirkt mit größerem LED-Scheinwerfer erwachsener, Kennzeichenhalter und Blinker sind an Bord. Vorn verzögern zwei kräftige Vierkolben-Bremsen, hinten bleibt die auffällige Einarmschwinge erhalten, ergänzt durch Abdeckungen für den Riemenantrieb. Damit positioniert sich Honda klar in der Tradition von CB500F oder Hornet – nur eben elektrisch.







Entwicklung unter erfahrener Leitung
Spannend ist, wer hinter dem Projekt steckt: Masatsugu Tanaka, ein alter Hase bei Honda, der schon an Fireblade, Gold Wing und Africa Twin gearbeitet hat. Er beschreibt das neue Elektromotorrad als ungewöhnlich angenehm und aufregend zugleich – entwickelt nach dem Leitgedanken „Be the Wind“. Das klingt erstmal nach Werbesprech, aber die Idee ist klar: Leise, geschmeidig, mit engem Gefühl für die Maschine.
Wo steht die Honda im Konkurrenzvergleich?
Im direkten Vergleich mit Zero, dem derzeitigen Marktführer im Bereich Elektromotorräder, wirkt Hondas Ansatz konservativ. Die Zero SR/F schafft bis zu 190 Kilometer Reichweite und über 80 kW Leistung – also deutlich mehr als die angekündigten „über 100 Kilometer“ der Honda. Dafür ist Honda traditionell stärker im Thema Zuverlässigkeit, Ersatzteilversorgung und Preisgestaltung. Während eine Zero SR/F schnell in Richtung 25.000 Euro geht, darf man erwarten, dass Honda das EV FUN Concept deutlich günstiger positioniert. Damit könnte es in Reichweite und Leistung zwar hinterherhinken, aber als bezahlbares Alltagsbike punkten.
Persönliche Einschätzung
Ich bin schon Zero, LiveWire und andere Elektromotorräder gefahren und kenne das typische E-Fahrgefühl: sofortiges Drehmoment, lautloses Dahingleiten, aber auch die ständige Frage, wie weit man noch kommt. Wenn Honda es schafft, dieses Erlebnis mit einem zuverlässigen Gesamtpaket und einem fairen Preis zu kombinieren, könnte das EV FUN Concept die Rolle spielen, die die CB500 seit Jahren bei den Verbrennern hat: ein unkompliziertes Motorrad für jeden Tag.
Klar, 100 Kilometer Reichweite sind schnell verfahren, wenn man sportlich unterwegs ist. Für die große Wochenendtour reicht das nicht. Aber vielleicht ist das gar nicht die Aufgabe dieses Motorrads. Es wirkt wie eine elektrische CB – gedacht für Stadt, Pendeln und Feierabendrunde. Und genau da könnte es seine Stärke haben.
Fazit
Mit dem EV FUN Concept steht Honda kurz vor dem Serienstart seines ersten Elektromotorrads. Schnellladefähigkeit, seriennahes Design und Hondas Qualitätsanspruch sprechen dafür, dass hier mehr als nur eine Pflichtübung entsteht. Ob die Mischung reicht, um Skeptiker zu überzeugen, wird sich zeigen – aber neugierig bin ich allemal, wie sich dieses Honda Elektromotorrad in der Praxis fährt.
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