Der Darién Gap ist eine der letzten echten Lücken auf der Landkarte. Rund 100 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer tief zieht sich dieses Gebiet zwischen Panama und Kolumbien – ein Mix aus Regenwald, Sumpf, Bergen und Flüssen. Es ist das einzige fehlende Teilstück der Panamericana, der berühmten Fernstraße von Alaska bis nach Feuerland. Eine durchgehende Straße gibt es hier bis heute nicht.

Warum? Zum einen ist das Gelände extrem schwierig: dichte Vegetation, ständiger Regen, kaum Infrastruktur. Zum anderen ist die Region politisch und ökologisch sensibel. Seit Jahrzehnten warnen Umweltschützer vor einem Straßenbau durch den Regenwald. Gleichzeitig ist das Gebiet Rückzugsort für indigene Gemeinschaften wie die Emberá und Wounaan – und war lange Zeit auch eine Hochburg für Schmuggler, Guerillagruppen und paramilitärische Einheiten. Eine Durchfahrt ist deshalb nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch politisch und persönlich riskant.

Ich bin auf das Thema gestoßen, weil Norman & Ellie – besser bekannt als the8hundreds – bald genau hier stehen. Mit beiden war ich letztes Jahr auf Tour. Mittlerweile fahren sie ihre Weltreise weiter. Den Darién Gap werden sie nicht durchqueren, sondern überfliegen. Motorräder ins Flugzeug, selbst mit – dann geht’s weiter in Südamerika. Eine pragmatische, aber nicht ganz günstige Lösung. Die sicherste sowieso.

Der pragmatische Weg: Mit dem Flieger nach Kolumbien

Norman & Ellie machen das, was viele Overlander tun: Sie umgehen den Dschungel aus der Luft. Die Motorräder werden in einer Frachtmaschine verladen, sie selbst fliegen separat hinterher. In ein paar Tagen ist das erledigt – wenn man den Papierkram, die Logistik und die Kosten im Griff hat. Und man spart sich Tropenkrankheiten, Schmugglerpfade und kaputtes Fahrwerk.

Der harte Weg: Vier Veteranen, ein Ziel, kein Rückweg

Ganz anders die US-Veteranen, die sich im Film „Where the Road Ends“ mit ihren Motorrädern durch den Dschungel kämpfen. Keine Straße? Dann eben tragen, schieben, paddeln. Sie fahren vom Polarkreis bis nach Feuerland, und sie wollen nicht auslassen, was alle anderen auslassen: den Darién Gap. Was folgt, ist ein Kampf gegen Natur, Erschöpfung, Technik und Nerven. Absolut sehenswert – nicht wegen der Maschinen, sondern wegen der Menschen.

Der kreative Weg: Ein Floß, ein Motorrad und der Ozean

Und dann gibt es da noch Dylan Wickrama. Der Mann mit der BMW auf dem Floß. Statt durch den Dschungel fährt er über’s Meer. Er baut ein Ponton aus alten Ölfässern, befestigt seine GS, und hängt einen Schiffsschrauben-Antrieb an das Hinterrad. Dann tuckert er entlang der Küste nach Kolumbien – allein, mit Benzinkanistern und Abenteuerlust. Seine Dokumentation „When the Road Ends“ erzählt davon mit viel Humor, Verzweiflung und ziemlich viel Salzwasser.

Drei Wege, eine Lücke. Oder: drei Arten, damit umzugehen, wenn die Straße aufhört. Wer selbst von einer Panamericana-Tour träumt, kommt an diesem Thema nicht vorbei. Und wer nur träumen will, dem sei der Filmabend empfohlen.

Foto Blogheader: Dylan Wickrama