Meine bislang sonderbarste Probefahrt mit einem Motorrad hatte ich im letzten Sommer. Bei meinem lokalen Indian-Händler wollte ich die FTR 1200 testen und hatte online einen Termin vereinbart. Dort angekommen, erklärte mir der Händler, daß er seine Vorführer gerade nicht zugelassen bekommt, da auf’m Amt coronabedingt kaum was geht. Es bestünde aber die Möglichkeit, das Motorrad in den Transporter zu laden und zu einem nahgelegenem Industriegelände zu fahren. Dort würde er auch mit seiner angeschlossenen Fahrschule Übungsstunden machen, die FTR könnte ich dort mal über den Hof jagen. Etwas verwundert half ich also, die Maschine in den Transporter zu schieben und fuhr den Transporter sogar selber dahin. Ich war so überrascht, als mich der begleitende Mechaniker bat, zu fahren, daß ich vergaß zu fragen warum.

Egal. Vor Ort luden wir aus und drei Fahrschüler drehten schon ihre Runden auf 125ern. Auf dem kleinen Gelände war nicht viel zu machen, über den zweiten Gang kam man eh‘ nicht raus. Aber zugegebenermaßen war ich sehr angetan von der Maschine. Optik passte, Ergonomie auch, der Motor klang gut und biß kräftig von unten raus und das Handling war echt gut. Vor allem aber: dieses Motorrad hat die Marke Indian auf meinem Radar platziert. Weit entfernt von der barocken, schweren Opulenz der anderen Indian Modellreihen stand hier ein drahtiges, kerniges Motorrad, welches ich wirklich ansprechend fand. Gut, über Digitaldisplay und Auspuff müsste man nochmal reden, aber der Rest? I like it.

Wir spulen ein paar Monate vor und Indian legt bei der FTR-Modellreihe noch eine Schippe drauf. An vielen Stellen würde verbessert und optimiert: durch die Verfeinerung der Motorabstimmung, die Optimierung der Fahrwerkseinstellungen, den steileren Lenkkopfwinkel, den kürzeren Nachlauf und die asphalttauglichen 17-Zoll-Felgen und -Reifen sollen die neuen FTR Modelle Agilität auf höchstem Niveau liefern und sich deutlich kompakter anfühlen.

Alle FTR-Modelle verfügen nun über das sportliche Profil der Metzeler Sportec-Reifen und ein voll einstellbares Fahrwerk, wobei das Flaggschiff FTR R Carbon mit Öhlins-Einheiten vorne und hinten ausgestattet ist, um die Performance auf der Straße noch mehr zu erhöhen. Zusätzlich zu den Fahrwerksverbesserungen sorgt die Deaktivierung des hinteren Zylinders im Leerlauf für ein verbessertes Motorwärmemanagement.

Zusätzlich zu ihrem amerikanischen Erbe und der ikonischen Silhouette bietet die FTR eine umfassende Ausstattung, darunter (ab der FTR 1200 S) ein 4,3 Zoll großes digitales Touchscreen-Display und einen 1.203 ccm flüssigkeitsgekühlten V-Twin-Motor, der 92 kW (123 PS) und 120Nm Drehmoment erzeugt.

Das neue FTR Lineup besteht aus folgenden Modellen:

Die Modelle FTR, FTR S und FTR R Carbon sind mit 17-Zoll-Aluminium-Gussrädern ausgestattet, die mit Metzeler Sportec-Straßenreifen besohlt sind – ergänzt um den steileren Lenkkopfwinkel von 25° und einen kürzeren Nachlauf von 99,9 mm soll das Handling weiter verbessert werden. Die kleineren Räder sowie die Vorder- und Hinterradfederung mit 120 mm Federweg tragen zu einer um 36 mm niedrigeren Sitzhöhe bei Zusätzlich wurde der ProTaper-Lenker um 40 mm gekürzt, um das agile Handling des Bikes zu unterstützen und dem Fahrer mehr Kontrolle zu geben.

Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen zwischen den Modellen gehören die folgenden:

FTR
Die Basis-FTR verfügt über ein analoges Instrument und ist in Black Smoke mit roten Akzenten erhältlich, einschließlich roter Felgenbänder an den Rädern, rotem Indian Motorcycle Schriftzug auf dem Tank und einem roten Federbein hinten. Die Basis-FTR ist auch in einer leistungsreduzierten A2-Version erhältlich.

FTR S
Die FTR S wird in den Farben Maroon Metallic und White Smoke angeboten und verfügt über das 4,3-Zoll Touchscreen-Display von Indian Motorcycle, das Telefonintegration über Bluetooth oder USB und konfigurierbare Anzeigen bietet. Die FTR S ist serienmäßig mit einem Akrapovič-Auspuff, drei Fahrmodi, einer Wheelie-, Stabilitäts- und Traktionskontrolle und einem Kurven-ABS ausgestattet. Zusätzlich bietet ein USB-Schnellladeanschluss eine bequeme Möglichkeit zum Aufladen persönlicher Geräte.

FTR R Carbon
Die FTR R Carbon ist das Spitzenmodell der FTR-Produktpalette. Zusätzlich zu den oben genannten Merkmalen der FTR S hebt sich die FTR R Carbon durch Tankabdeckungen, Frontfender und Scheinwerferverkleidung aus Kohlefaser, einer voll einstellbaren Öhlins-Gabel und Dämpfer mit Ausgleichsbehälter, einem schwarzen Akrapovič-Auspuff und einem Premium-Sitzbezug ab.

FTR Rally
Unter Beibehaltung der Scrambler-Ästhetik ist die FTR Rally mit Pirelli Scorpion Rally STR-Reifen auf Drahtspeichenrädern mit 18-Zoll hinten und 19-Zoll vorne ausgestattet. Wie die anderen FTR-Modelle erhält auch die FTR Rally die verfeinerte Motorkalibrierung sowie die hintere Zylinderabschaltung. Der ProTaper-Lenker der FTR Rally ist 50 mm höher als bei anderen FTR-Modellen, um den Komfort zu verbessern und eine entspanntere ergonomische Position zu ermöglichen. Die FTR Rally verfügt über eine analoge Anzeige und ist in der Farbe Titanium Smoke erhältlich. Wie die Basis-FTR ist auch die FTR Rally in einer leistungsreduzierten A2-Version erhältlich.

Preislich geht es los ab 13.990€ für die FTR Basisversion, die Fahrzeuge kommen zum Saisonstart in den Handel.

Mein persönlicher Favorit wäre ja die Rallye. Mal sehen, ob es in 2021 eine geeignete und etwas ausführlichere Testmöglichkeit ergibt!

Fotos: Indian