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Chasing Lost Places in Berlin und Brandenburg

Lost Places: alte, verlassene Gebäude und Strukturen. Ihren Zweck haben sie längst erfüllt und werden nicht mehr gebraucht. Der Zahn der Zeit nagt an Ihnen und die Natur erobert sich ihren Platz zurück. Schon als Kind fand ich das faszinierend und stöberte gerne in alten Gebäuden herum, auf der Suche nach Artefakten oder spannenden Perspektiven.

Berlin und Brandenburg ist voll von Komplexen, die noch aus der Kaiserzeit stammen, dem ersten oder zweiten Weltkrieg oder dem Kalten Krieg geschuldet sind und die nun so rumstehen. Die Erkundung dieser Orte erschienen mir ein guter Aufhänger für eine kleine Motorradtour und so pickte ich mir als Auftakt sechs Lost Places im Norden von Berlin heraus und machte mich auf einem Samstagnachmittag auf den Weg.

Für den Weg aus der Stand fand ich sogar eine Route abseits der Bundesstrassen über Schotter. Man fährt ja jetzt Enduro. Nordostwärts führte mich die Landstrasse dann zum ersten Stop.

Flugplatz Werneuchen

Der Flugplatz Werneuchen wurde als Ausbildungsplatz der Luftwaffe ab 1935 errichtet, nachdem im gleichen Jahr das Reichsluftfahrtministerium das Gelände erworben hatte. Der Bau der eigentlichen Anlagen begann im Frühjahr 1936 und wurde im November des folgenden Jahres abgeschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Flugpatz weiter ausgebaut und von den Sowjetischen Truppen bis zu deren Abzug 1993 militärisch genutzt. Der Flugplatz ist noch heute ein Sonderverkehrslandeplatz, auf dem Flugzeuge mit einem Gewicht von bis zu 5,7 Tonnen landen dürfen.

Aufgrund von illegalen Autorennen auf dem Platz und auch auf der Startbahn wurde die Bahn geteilt, um diese künftig zu verhindern. Dazu wurde ein ca. 0,7 m hoher Erdwall aufgeschüttet, welcher die Bahn in einen 900 m langen westlichen und einen 1499 m langen östlichen Abschnitt teilt. Für den Flugbetrieb ist nur noch der östliche Abschnitt zugelassen.

Im Umfeld der Landebahn finden sich noch alte, graffitiübersäte, rostige Hangars, eine alte Tankstelle und noch ein Bunker, der von der Schützengilde Werneuchen als Schiessplatz genutzt wird. Ein Großteil des Geländes ist mit Solarpaneelen bedeckt, die man schon von der Zufahrt von der alten Hirschfelder Strasse aus sehen kann.

Heeresbekleidungsamt Bernau

Das Nebenlager des Heeresbekleidungsamtes Bernau wurde 1939-1942 erbaut und von 1941 bis 1945 von der deutschen Wehrmacht zur Herstellung und Lagerung von Uniformen und Armeezubehör genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich hier ein Nachschub- und Versorgungsdepot der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.

Auf Google Maps fand ich den entsprechenden Eintrag für das Heeresbekleidungsamt, nachdem ich vorher noch Bilder auf der Website Pixelgranaten entdeckt hatte. Es passte perfekt in die geplante Route, also machte ich da einen Zwischenstop. Anstelle eines alten Komplexes fand ich aber eine neugebaute Wohnsiedlung vor. Auf der Wiese gegenüber musste das Heeresbekleidungsamt gestanden haben. Jetzt wehten da Gräser im Wind. So bleiben von diesem Ort nur die oben verlinkten Bilder.

Auf zum nächsten Ort, den ich schon öfters besucht hatte.

FDJ-Jugendhochschule Bogensee

Bekannt wurde der Bogensee durch den hier errichteten Landsitz für Joseph Goebbels und die spätere Nutzung als Jugendhochschule der FDJ, deren Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Eigentümer des Bogensees ist das Land Berlin. 1936 schenkte die Stadt Berlin den Borgensee samt eines Blockhaus Reichspropagandaminister Goebbels zu dessen 39. Geburtstag auf Lebenszeit. 1939 ließ sich Goebbels ein neues Landhaus sowie diverse Nebengebäude errichten. Alle Gebäude wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1946 als Lazarett genutzt. Am 9. März 1946 wurden das Gelände und die Gebäude von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) an die zwei Tage zuvor gegründete Freie Deutsche Jugend (FDJ) übergeben, die dort ihre Jugendhochschule Waldhof am Bogensee einrichtete. 1950 wurde der FDJ-Jugendhochschule der Name des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, verliehen. Seit 1990 suchte man vergebens nach einer neue Nutzung. Heute befindet sich dort noch die Waldschule Bogensee.

Den nächsten Ort könnte man von hier aus mit einem kleinen Marsch nordwärts durch den Wald erreichen. Ich nahm aber die kurze Strecke entlang des Obersees mit ihren schönen Kurven bis Lanke und dann nach Prenden.

Bunker 5001 – Honecker Bunker

Im Wald von Prenden verbirgt sich das angeblich technisch aufwendigste Schutzbauwerk im Warschauer Pakt (außerhalb der Sowjetunion). Der Bunker 17/5001 wurde zwischen 1978 und 1983 als Hauptführungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR in der Nähe des Dorfes Prenden gebaut. Der Vorsitzende des NVR war nach Walter Ulbricht ab 1971 Erich Honecker. Da er somit quasi die wichtigste Person im Bauwerk gewesen wäre, wird es oft auch „Honecker-Bunker“ genannt.

Einen Überblick über das Bauwerk gibt der folgende Film:

Die Anfahrt erfolgt über die Utzdorfer Strasse in Prenden. Zur Rechten der Strasse steht noch ein verwittertes Wachhäuschen. Etwas weiter der Strasse entlang steht das Eingangstor des Komplexes, links davon geht eine Sandpiste weiter in den Wald, die der Begrenzung des Geländes folgt. Der Stacheldraht ist nicht mehr, man kann auch kurz durch den Wald laufen und findet sich hinter dem Eingangstor wieder auf der Zufahrtsstrasse zum Bunker.

Zugegebenermassen gibt es von aussen nicht viel zu sehen und leider werden aktuell keine Führungen im Bunker angeboten. Der Bunker soll aber als Museum eröffnet werden, der Besuch wird sich sicher lohnen.

Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde

Der vorletzte Halt auf der Tour führte mich über Schotter und Sandwege in den Wald nordwestlich von Klosterfelde. Irgendwann zur linken Seite tauchten wieder Gebäude auf, abgesperrt durch einen Zaun und Gitter.

Nach einem Beschluss der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1952 sollten in der Republik fliegende Einheiten stationiert werden, darunter auch Flugabwehrsysteme. Dazu gehörte auch die Flugabwehr-Raketenabteilung 4123 (FRA-4123) in einem Waldstück bei Klosterfelde im Norden Berlins. Hier war die 41. Raketenbrigade „Hermann Duncker“ (Ladeburg/Bernau) stationiert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde fand 2012 die „artbase“ statt – ein Urban-Art-Festival, welches verlassene Orten Künstlern und Kulturschaffenden Freiräume schaffen möchte und diese aufgegebenen Locations einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Leider ist das Gelände nicht mehr zugänglich, einen guten Eindruck über die Gebäude und die Graffitis findet ihr drüben auf Rottenplaces.

Waldsiedlung Wandlitz

Auf dem Rückweg nach Berlin wollte ich noch in der Waldsiedlung Wandlitz Halt machen. Zu DDR-Zeiten schottete sich hier die SED-Führung ab. Erich und Margot Honecker auch Egon Krenz, Otto Grotewohl, Erich Mielke, Günter Schabowski und Walter Ulbricht hatten hier ihre Häuser. Auf dem Areal finden sich mittlerweile viele Kliniken, die sich coronabedingt abschotteten, Hinweisschilder überall. So entschloss ich mich, den Heimweg anzutreten ohne das Gelände weiter zu erkunden.

Fahrerisch war es weniger aufregend, aber das Entdecken auf Aufspüren der verschiedenen Locations war sehr spannend. Ich denke mal, ich werde das fortsetzen. Genug alten Krams haben wir ja hier in der Gegend.

 

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  1. Max

    Da fährt er einfach ohne mich los. 😛

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