Motorradblog über Benzinkultur, Motorradtouren und Custombikes

Monat: Februar 2020

Dragracing auf Eis: Baikal Mile

Der Baikalsee ist ein uralter, riesiger See in Sibirien, einer bergigen Region in Russland nördlich der mongolischen Grenze. Er gilt als der tiefste See der Welt und ist die größte Ansammlung von Süßwasser auf unserem Planeten. Und da es in Sibirien bekanntlich auch kalt werden kann, friert der Baikalsee im Winter auch ordentlich zu. Ich erinnere mich an eine Fernsehreportage über die Eisstrassen – sogenannte Zimniki, die von den örtlichen Behörden eingerichtet werden, sobald das Eis eine gewisse Dicke erreicht hat. Aus verschiedenen Gründen herrscht auf diesen Eisstrassen Überholverbot und ein Tempolimit von 30 km/h.

Das mag einigen Anwohner nicht gereicht haben, die sich wohl dachten: „Was die Schweden können beim Årsunda Speed Weekend können, können wir auch. Und unser See ist größer!“ Ob so oder anders, heraus kam die Baikal Mile, die letztes Jahr ihre Premiere feierte.

Aufgrund der großen Zuschauern-Resonanz wurde es zu einer jährlichen Veranstaltung gemacht. Ähnlich wie bei der Bonneville Speedweek geht es darum, auf der geraden Strecke Geschwindigkeitsrekorde in verschiedenen Fahrzeugklassen aufzustellen. Dafür stehen drei speziell präparierte Eisbahnen mit einer Länge von 1/8 Meile und einer Meile zur Verfügung.

Ein bekanntes Fahrzeug aus dem „Sultans of Sprint“-Zirkus wird kommende Woche bei der zweiten Ausgabe des Baikal Mile Ice Speed Festival antreten: Indian Motorcycle und der Workhorse Speed Shop haben das Comeback der Appaloosa angekündigt. Die Appaloosa v2.0 wird vom 25. Februar bis zum 1. März 2020 ihr Renn-Debüt in Russland geben und dabei einen radikal neuen Look zeigen.

Appaloosa in ihrer 2019er Lackierung

Bislang hat Indian nur Teaserbilder veröffentlicht. Um mit den eisigen Bedingungen zurecht zu kommen und die Appaloosa auf dem Drag Strip wettbewerbsfähig zu machen, wurden die von Reifen von Hand mit Hunderten von Spikes versehen, eine Aufgabe, für die Brices Mechaniker Dorsan vier Tage Arbeit benötigte. Um die Kühlung des Motors vor den extremen Temperaturen zu kontrollieren, wurde das „Maul“ der Verkleidung mit einer neuen Abdeckung aus Kohlefaser verschlossen und die Seitenverkleidungen mit kleineren Kühllufteinlässen versehen. Um den Piloten zu schützen und eine klare Sicht nach vorne zu behalten, wurden die Bereiche um die Räder innerhalb der Verkleidung geschlossen, um das von den Spikereifen aufgeworfene Eis zu kontrollieren.

Pilotiert wird die Appaloosa vom Grandmaster des Sultans of Sprint himself, Sébastien Lorentz .

Wem Sibirien zu weit ist, der kann über diverse Social Media Kanäle auf dem Laufenden bleiben: die Baikal Mile Website, Facebook, Instagram oder YouTube. Indian Motorcycle wird unter dem Hashtag #IndianxWorkhorse über ihr Engagement berichten.

Edit:

Und hier nun die Bilder der enthüllten Appaloosa v.2

Bilder: Indian Motorcycle, Baikal Mile

Berliner Motorradtage 2020

Kaum ist man aus dem Winterurlaub zurück, geht es in die Station Berlin zu den Berliner Motorradtagen. Seit 2016 finden sie wieder statt, 2018 zog die BMT vom Messegelände in den ehemaligen Postbahnhof am Gleisdreieck um, die Station.Berlin.

Wie schon in den vergangenen Jahren passt das Backstein-Ambiente sehr gut zur Motorradmesse. Vertreten waren wieder die großen Hersteller, u.a. BMW, KTM, Ducati, Triumph, Suzuki, Kawasaki, Yamaha, Indian, Aprilia sowie Husqvarna. Garniert wurde das ganze mit Zubehörhändlern und Merchandiseständen. Motorradclubs und -vereine konnten sich auch präsentieren.

Ich nutzte den schnellen Rundgang am Sonntagmorgen, um mir die für mich interessanten Neuerscheinungen mal in Natura anzuschauen und zu begrabbeln. Im Prinzip waren das zwei Modelle, der Rest war Grundrauschen.

Yamaha Ténéré 700

Bisher kannte ich die Ténéré nur aus Testberichten und Pressebildern. Bilder werden ihr nicht gerecht, in live sieht sie viel besser aus. Die vier LED-Scheinwerfer wirken überhaupt nicht insektoid, das ganze Motorrad wirkt drahtig und sportlich. Sitzhöhe und Ergonomie passten mir perfekt, das ganze Bike ist sehr fahrerorientiert. Den Motor habe ich schon in meiner MT-07 geliebt und alle, die sie schon gefahren sind, schwärmten in höchsten Tönen von dem Motorrad. „Mehr Bike brauchst Du nicht!“ war die einhellige Meinung. Probefahrt-Kandidat #1.

BMW F900 XR

Noch eine Neuerscheinung, die bei mir große Neugierde weckte. Das XR-Konzept von BMW konnte ich bereits auf der S1000XR vor zwei Jahren auf der Slowenien-Tour erfahren und habe es sehr schätzen gelernt. Eine tolle Kombination von Performance und Tourentauglichkeit. Die F900 XR soll dieses Konzept nun in die Mittelklasse bringen. Hier treffen 105 PS und 92 Nm auf ein fahrfertiges Gewicht von 219kg. Ok, das sind immerhin 30kg mehr als bei meiner Street Triple, aber das ist ja auch ein nackter Landstrassenrenner und kein Tourensportler.

Beide neuen XRs bestechen durch eine scharfe, kantige Silhouette. Vorn vorne sind sie auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden, hier soll die große Schwester wohl etwas Stallgeruch abgeben.

Wem der brachiale Vortrieb der S1000 XR etwas zu viel des Guten ist, der wird hier sicherlich fündig und bekommt ein sportliches Paket für die lange Reise. Die F900 XR wäre Probefahrt-Kandidat #2.

Im BMW Showtruck präsentierte sich der neue Big Boxer im Customkleid. Der Motor ist ein Riesentrumm. Ich bin wirklich auf die ersten Testberichte der neuen R18 gespannt. Bis dahin bleibe ich vorsichtig skeptisch.

Triumph

Stichwort Riesentrumm: bei Triumph stand die neue Rocket 3 mit ihrem 2,5l Dreizylinder in beiden Varianten. Just von 1000ps zum Bike of the year gekrönt und von der Fachpresse sehr positiv goutiert scheint sie die Balance zwischen Größe und Geschmeidigkeit gut hinzubekommen.

Auch neu war die überarbeitete Tiger 900. Ab 11.350€ geht es hier mit der Mittelklasse-Enduro von Triumph los. Wer das volle Ornat an Gelände- und Reisetauglichkeit will, muss bei der Rallye Pro einsteigen, die mir in der hier gezeigten Matt Khaki Green-Lackierung sehr gut gefiel.

Das Trockengewicht wird mit 201kg angegeben, 95 PS sorgen für den Vortrieb. Ansprechende Eckdaten. Der Einstiegspreis liegt bei 15.350€, damit spielt sie ungefähr in der gleichen Liga wie die überarbeitete Africa Twin.

KTM

Daß KTM geile Fahrmaschinen herstellt, ist sicherlich unbestritten. Aber: ich komme mit dem Design überhaupt nicht klar. Spätestens seit dem die auf diese insektoiden Doppelscheinwerfer umgestellt haben. Nein, danke.

Da bleibt mir nur, bei der Konzernschwester Husqvarna auf die Norden 901 zu warten. Allerdings wird deren Preisschild wohl auch über dem des vergleichbaren KTM Schwestermodell liegen und somit ausser Reichweite.

Motorradmesse – wohin?

Nachdem ich die Bikes abgecheckt und die Fotos im Kasten hatte, waren die Messehallen schon gut gefüllt und das Rahmenprogramm lief an. Und hier zeigt sich wieder mal das Problem nicht nur der Messe, sondern auch der Branche. Das Publikum war überdurchschnittlich männlich und sehr alt. Die Silberrücken in ihren Lederkutten dominierten mein Blickfeld, viel zu wenig Frauen und junge Leute waren zu finden. Das Format der Messe trug aber auch nichts dazu bei, dem jüngeren und weiblicheren Publikum einen Anreiz zu geben, die Messe zu besuchen. Das Bühnenprogramm bot u.a. Body Painting und eine Akrobatik Show, zwischendrin konnten sich Berliner Vereine präsentieren, die aber auch nur wieder aus den oben genannten Silberrücken bestanden bzw. Niveaulimbo boten wie das „Blasen statt Saugen“ der Turbobiker-Fraktion.

In der Pressemappe des Veranstalters waren Bilder enthalten, das erste im Ordner war dieses:

Ernsthaft? Wir schreiben das Jahr 2020 und Motorradfahren wird immer noch mit Sexismus-Klischees präsentiert? Wann findet hier ein Umdenken statt?

Dabei wären doch genug Themen da, um Neu- und Wiedereinsteiger zu interessieren? Die neue Führerscheinregelung z.B. wurde vom Veranstalter null thematisiert und war nur vereinzelt bei den Ausstellern zu finden.

Und über das Thema Custombikes möchte ich am liebsten den Mantel des Schweigens hüllen. Es gab zwar eine Ausstellungsfläche dafür, aber was da gezeigt wurde war teilweise echt zum fremdschämen. Dabei gibt es in der Berliner Szene genug talentierte Schrauber, die exzellente Umbauten vorzeigen können. Mit etwas Energie wäre hier echt was auf die Beine zu stellen. Oder man lässt es am besten gleich.

In meiner Inbox liegt noch die ungeöffnete Mail der Intermot mit dem Titel „INTERMOT 2020: Modernes Konzept setzt neue Maßstäbe im internationalen Motorrad-Messe-Markt“. Ich bin gespannt, was die sich ausgedacht haben. Aber dazu mehr in einem anderen Post.

Riesengebirge revisited

Meine erste Motorradtour führte mich 2013 nach Tschechien und Polen. Gemeinsam mit Thomas erfuhr ich das Riesen- und Isergebirge. Unter anderem führte uns unser Weg durch das polnische Karpacz am Fuße der Schneekoppe. Ein bisschen irritiert war ich damals schon, als wir beim Tankstopp an der innerorts gelegenen Orlen-Tanke auf einen Vierer-Sessellift blickten.  Gut, die Schneekoppe als höchster Gipfel des Riesengebirges ragt immerhin 1.600m in den Himmel. Mit Schnee war da schon zu rechnen. Irgendwie blieb mir das im Gedächtnis.

Als wir dann vor ein paar Monaten nach einem Ferienziel für die Winterferien suchten und der Wunsch der Söhne auf jeden Fall etwas skitaugliches vorsah, schaute ich mal nach, wie weit man denn mit dem Auto nach Karpacz fahren müsste. Mit knapp vier Stunden war es nur ungleich weiter entfernt als der Harz, lag aber höher als derselber und erschien mir daher schneesicherer. Also buchte ich uns kurzerhand dort ein Apartment für die Ferienwoche.

Bei der Anreise führen wir noch durch grüne Landschaften und auch die ersten beiden Tage war das Skifahren nur sehr begrenzt möglich. Ein schmales, weißes Pistenband zog sich durch ansonst grüne Wälder.

Dies änderte sich schlagartig an den Folgetagen. Zwei Nächte Schneefall in Folge bescherten uns das folgende Bild:

Sohn I im tief verschneiten Wald des Karkonoski Park Narodowy des

Sohn I im tief verschneiten Wald des Karkonoski Park Narodowy

Ausblick von der Stabkirche Wang

Ausblick von der Stabkirche Wang

Trotz des ausgiebigen Schneefalls wurden in der Karpacz Ski Arena keine weiteren Pisten geöffnet. Hierfür hätte es noch etwas mehr der Flockenpracht gebraucht. Aber für die Skibedürfnisse der Söhne war es mehr als ausreichend und günstig war der Skipass uns die Skiausleihe zudem auch. Die Erreichbarkeit aus Berlin ist auch deutlich entspannter als die Gebiete in Bayern, der Schweiz oder Österreich.

Und? Welche Reviere kennt ihr von Euren Motorradtouren, die ihr auch im Winter wieder besucht habt?

Work that metal: Workshop Schweißen und Metallverarbeiten im Craftwerk.Berlin

Im Laufe der Jahre und der Motorräder eignet man sich die eine oder andere grundlegende Fähigkeit im Verständnis von Motorrädern und ihrer Reparatur und Modifikation an. Je älter das Motorrad, desto höher die Lernkurve. Zumindest bei mir. Meine 77er Honda CJ250T war da ein gutes Lehrstück, gefolgt vom Umbau meiner Yamaha MT-07.

Was mir immer fehlte: die Möglichkeit Metall zu verbiegen und zu schweißen. Da kam mit der vom Craftwerk.Berlin angebotene Workshop Schweißen und Metallverarbeiten im Craftwerk.Berlin gerade recht. Ziel des vierstündigen Workshops sind, Greenhorns wie mir die Basics im Zerlegen und Zusammenfügen von Metall beizubringen.

Mit elf Gleichgesinnten trafen wir uns an einem Januarsonntag im Craftwerk und wurden von Cäthe, Faruk und Michael willkommen geheißen. Nach einer kurzen Einführung wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt.

Tagesziel war der Bau eines Helmhalters.

Gruppe 1 widmete sich des Biegens und dem Zuschnitt der Metallteile unter der fachkundigen Anleitung von Faruk. Anreissen der Schnittmarkierungen sowie der Bohrlöcher, Entgraten sowie Zurechtfeilen, bis alle Teil auf Maß waren. Das Biegen des Rundstahls verlangte etwas Muskelschmalz, gefolgt von der Feinjustierung der Biegungen mit dem Hammer.

Anschliessend tauschten die beiden Gruppen die Arbeitsbereiche und wir wurden von Michael ins Schutzgasschweißen eingeführt. Zunächst bratzelten wir Metallstücke probehalber zusammen, um ein Gefühl für Abstände, Winkel und Geschwindigkeit zu bekommen. Ohne mich selber loben zu wollen: mein erster Durchgang war schon nicht mal ganz so kacke. Michael leitete uns sehr gut an und kommentierte unsere ersten Gehversuche, so daß wir etwas Routine entwickeln konnte, bevor es ans Zusammenschweissen der bearbeiteten Metallteile ging.

Grundsätzlich ist beim Schweissen mehr Materialauftrag erstmal gut. Nur muss man das danach auch immer wieder glatt und plan bekommen. Also hieß es Trennschleifer an, Schleifpapier- und Feilen-Einsatz, bis das Endresultat die Glätte eines Babypopos hatte. Naja, fast.

Auf jeden Fall war jeder der Teilnehmer glücklich mit seinem Endresultat, tadaaa:

Klar, es war nur ein erstes, kleines Eintauchen in die Materie. Aber es hat riesigen Spaß gemacht und ich habe mich sehr über meine neuen Erfahrungen gefreut.

Das Craftwerk bietet laufend verschiedene Workshops rund ums Schrauben und zur Metallbearbeitung an. Am besten ihr folgt ihnen auf Facebook für alle aktuellen Infos. Und wenn ihr jetzt denkt, daß Berlin voll weit weg wäre: einer der Teilnehmer meines Workshops kam vom Bodensee angereist. Also, was hält Euch zurück?

Fotos: Cäthe Pfläging / Craftwerk

 

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