Was sind zwei untrügliche Zeichen, daß trotz aller Unkenrufe der Frühling bald da ist? Die Kleinkrafträder haben neue Kennzeichen und die Mietroller- und Mietfahrradflotten bevölkern wieder die Berliner Strassen und Gehwege.
In Berlin buhlen mehrere Mietroller-Anbieter um die Gunst der mobilen Gesellschaft. Bislang habe ich immer die Gogoro-Roller von Coup bewegt, aber da beim Konkurrenten Emmy nun auch die neue Elektro-Schwalbe verfügbar ist, bot sich hier mal eine Testfahrt an.

Als ich letzten Freitag mein Motorrad zum Service gebracht hatte, wollte es der Zufall so, daß um die Ecke eine Elektro-Schwalbe verfügbar war, die ich mir dann gleich per App reservierte. Im Gegensatz zum Coup-Roller wird der Emmy-Roller nicht per Knopfdruck sondern ganz herkömmlich per Schlüssel gestartet. Um an diesen zu gelangen, muss man erst mittels der App das Topcase öffnen. Ganz hinten im Topcase findet sich dann neben zwei Jethelmen auch der Schlüssel.



Schlüssel drehen, Killschalter auf an, Bremse ziehen und dann gleichzeitig den „Up“-Knopf für die Fahrmodi drücken, dann startet der Roller. Beim Anfahren kommt mir der Roller doch sehr langsam vor. Dann fallen mir die verschiedenen Fahrmodi im Display auf, von „Crawl“ bis „Boost“.

„Go“ ist der Öko-Modus, mit dem man nicht ganz so schnell beschleunigt, dafür aber maximal 125 Kilometer weit kommt. „Cruise“ ist der Stadtmodus mit kräftiger Beschleunigung, aber immer noch guter Reichweite. Da mir die Reichweite Wumpe ist, schalte ich um auf „Boost“ und gebe Stulle. Der Roller zieht gut von der Ampellinie weg und Zwischensprints gehen auf gut von der Gashand. Bei Tempo 47 auf der Digitalanzeige ist allerdings Schluss, mehr ist nicht drin.
Bei den Konkurrenzmodellen von Coup zeigt der Tacho immerhin 6 km/h mehr Endgeschwindigkeit an, ob das real auch so ist mag nebensächlich sein. Mein ganz subjektives Popometer empfand die Elektro-Schwalbe aber als etwas schwerfälliger und unhandlicher als die Gogoro-Modelle von Coup. Nicht nur optisch kommen die grau-grünen Flitzer leichter und filigraner daher, auch von der Fahrdynamik her empfinde ich sie als agiler.
Optisch sind die Gestaltungsanleihen an der Original-Schwalbe gelungen, die Familienähnlichkeit ist unverkennbar. Wenn man aber dann an der Ampel neben einer alten, zweitaktenden Schwalbe steht fallen die deutlichen Unterschiede auf. Auf der Elektro-Schwalbe sitzt man auf der zwar jüngeren, aber deutlich rubenshafteren Ausgabe. Gut, die Batterien müssen irgendwo untergebracht werden, aber muss der Durchstieg so hoch sein? Alles ist etwas breiter und opulenter als beim Original.
Daß Retrocharme gepaart mit Elektromobilität nicht so ausladend daher kommen muss, beweist am besten der eCub von Shanghai Customs:

Natürlich ist er in dieser Form nicht Mietflottentauglich, aber er zeigt, daß es auch anders geht.
Schicker und fahrdynamischer sind meiner Meinung nach immer noch die Gogoro-Modelle von Coup (aber hier auch nur die ältere Generation, die neue ist ein mittlerer Designunfall). Großer Vorteil der Elektroschwalbe ist allerdings, daß sie voll soziustauglich ist und sie auch über 2 Helme verfügt. Mehr über Emmy Roller, deren Tarife und anderen Rollermodelle findet ihr auf deren Website.