Warum Motorrad & Reisen nicht der Nabel der motorradjournalistischen Welt ist

Frank Klose ist ein verwirrter Mensch. Der Herausgeber der Zeitschrift Motorrad & Reisen blickt aus dem beschaulichen Osterode am Harz auf die Medienlandschaft in Deutschland und macht im aktuellen Editorial seinem Frust Luft. Wie kann denn nur das wahre journalistische Gut, die fundierte Recherche und die durch den Chefredakteur qualitätsgesicherte Erkenntnis überstehen, wenn im Internet von zweifelhaften Quellen kostenlos verbreitete Informationen die Menschheit verderben? Wenn „Firmen wie Google, Amazon oder auch Facebook reichlich Marketingbudgets einstreichen, die dem Printbereich dann fehlen.“

Ich zitiere weiter: „Der Freiraum (im Internet A.d.R.) wird deswegen oft von Hasardeuren und Stimmungsmachern genutzt, die keinen Wert auf eine objektive Berichterstattung legen und auch keine Verantwortung für Ihre Beitrage übernehmen.“ Es folgen Ausführungen über Putin, gekaufte Facebookfans, etc. pp.

Es mag ja angehen, daß er frustriert ist. Aber kann er sich wirklich das hohe Ross leisten, auf daß er sich schwingt? Vom gestalterischen Aspekt her ist sein Produkt der papiergewordene Alptraum jedes ambitionierten Printdesigners. Wilde Typographieorgien sowie vollflächige, abgesoftete Bilder auf fast jeder Seite als Artikelhintergrund machen die Lesbarkeit zum migränegeplagten Albtraum. Wildes Eingekästel von Bildunterschriften oder Infoboxen sollen wohl den Lesefluss verbessern, tun aber genau das Gegenteil. Fast jeder Tourenartikel, der kurvenreiche Strecken beschreibt, verwendet den Begriff „innerer Brummkreisel“, das in den Tourenberichten verwandte Kartenmaterial ist eine Beleidigung. Es fallen mir hier auf einen Schlag 5-10 Motorradblogs ein, die das um Längen besser machen. Aber laut Frank Klose bietet „das Internet für Qualitätsjournalismus kaum eine Alternative, zumal man von Umsätzen im world wide web definitiv eine bestens ausgebildeten Redakteure bezahlen kann“.

Was diesen ganzen Ausführungen dann die Krone des Hohns aufsetzt, ist diese Anzeige auf Seite 35 der aktuellen Ausgabe:

motorradundreisenleserreporter

Für ein paar M&R-Merchandiseartikel werden Leser gebeten, ihre eigenen Reportagen einzusenden, die später dann als Artikel in der M&R erscheinen sollen. Wohlgemerkt ungelernte Amateure statt „bestens ausgebildeter Redakteure“.

Herr Klose, steigen sie doch einfach mal von Ihrem hohen Roß herab und bewerten Sie Ihre eigenen Positionen alleine auf Basis ihrer Eigenen Geschäftspraktiken neu. Und anstatt das Internet pauschal zu verdammen und für den Niedergang des Qualitätsjournalismus verantwortlich zumachen überlegen Sie sich doch mal, wie Sie mit dieser in einem starken Wandel befindlichen Medienlandschaft Ihr Produkt neu inszenieren können.

Es sind die Inhalte entscheidend, nicht die Darreichungsform.

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14 Gedanken zu “Warum Motorrad & Reisen nicht der Nabel der motorradjournalistischen Welt ist

  1. Pingback: Die Lifestylisierung der Motorrad-Presse | kettenritzel.cc

  2. Pingback: Der Kettenritzel Jahresrückblick 2014 | kettenritzel.cc

  3. Tomtom

    Ich habe schon mal mit FK konfrontiert, wegen einem Leserartikel. Wer danach noch schreibt ist selber Schuld.
    Auch auf den Messen…freundlich war immer nur die Dame am Laptop.

    So macht es keinen Spaß. Auch den anderen nicht, Herr Klose.

    1. Aufgrund dieses kleinen Blogposts haben sich schon über 10 Leute bei mir gemeldet, die aus unterschiedlichsten Gründen schlechte Erfahrungen mit Herrn Klose gemacht haben. Da scheint Methode zu haben.

  4. Hexe

    Dieser Mensch kann nicht mit seinen Kunden umgehen, er verträgt absolut keine Kritik und das was ihr hier schreibt, dem stimme ich voll zu!

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