Die Motorrad-Vergreisung

Vor 10 Jahren warnte dieser Spiegel-Artikel vor der Vergreisung der Motorradfahrer:

Der Nachwuchs dagegen zögert. 85 Prozent der Führerscheinabsolventen verzichten heute auf den so genannten Ofenlappen, der locker 1500 Euro extra kosten kann. Sie stören sich am Rentnerimage, zudem sind attraktive Maschinen kaum unter 7500 Euro zu haben. Die Industrie versucht, den einst so lukrativen Jugendwahn mit Auftritten auf Rockfestivals neu zu beleben und ließ die Cover-Band Superstarfuckers die Bikerhymne „Born to Be Wild“ zeitgemäß aufpeppen.

So profitieren von den betagten Flitzern nur Firmen wie der US-Hersteller Corbin, der sich auf breite, tiefe und beheizte Sitzbänke spezialisiert hat, auf Wunsch mit Rückenstütze.

Als jemand, der erst mit 42 seinen Motorradführerschein gemacht hat, würde ich laut diesem Artikel in diese Zielgruppe fallen. Und dann fahr ich auch noch eine GS, allerdings ohne Klapphelm. Mein Bäcker fährt eine Goldwing, mein Nachbar eine BMW K1600 GLT.

Aber das ist nicht meine Peer Group. Allerdings ist es auch schwer, aus seiner Filterbubble heraus die Dinge neutral zu sehen. Aktuell erlebe ich das Thema Motorrad als eines, welches den Mittzwanziger wie den Mittfünfziger anspricht. Auf Treffen wie dem Wheels & Waves, dem Glemseck101 oder auf Motorradmessen wie der Custombike sehe ich jede Altersgruppe vertreten. Vielleicht ist das beim Ärzte- und Anwaltreffen in Hamburg (aka Harley Days) etwas anders, da habe ich keinen Vergleich.

In den letzten 10 Jahren hat sich in der Motorradkultur einiges getan. Der Wunsch nach Individualisierung hat viele dazu angeregt, selber ans Motorrad Hand anzulegen oder bei weniger ausgeprägtem handwerklichen Talent den Custom Schrauber seines Vertrauens aufzusuchen. Die Jungs von MotorCircus – am Glemseck just als „Botschafter der Motorradkultur“ ausgezeichnet – sind allesamt deutlich jünger als ich, tragen aber den Spirit des Motorradfahrens aktiv in die Welt hinaus und das bleibt sicher nicht nur an Frührentnern kleben. Hoffe ich jedenfalls.

Meinen Nachwuchs konditioniere ich schon sehr subtil, und wenns nur ums Motorrad waschen geht, was die Zwerge bereits mit Begeisterung tun.

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2 Gedanken zu “Die Motorrad-Vergreisung

  1. 🙂 auch später Führerschein, auch ne GS, aber Klapphelm (wg. Brille). Der Individualisierungs-Trend hat m.E. auch damit zu tun, dass viele gar nicht in Gruppen losfahren sondern ihrem eigenen Fahrstil auf ihren eigenen Strecken fröhnen – dokumentiert per Gropo-Film for the Youtube/vimeo-world to see…

  2. Für meinen Teil überwiegt das alleine fahren deutlich. Liegt einfach daran, daß es eh schon schwierig genug ist zwischen Job und Familie die Zeit fürs Mopped fahren zu finden. Da ist es alleine oder mit 1, 2 anderen sehr viel einfacher zu koordinieren.

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