Benzingespräche: Axel Budde von Kaffeemaschine (Teil 1)

Wenn es um Guzzi Café Racer geht, gibt es in Deutschland eigentlich nur eine Adresse, an die man sich wenden sollte: Axel Budde von Kaffeemaschine. Neulich hatte ich die Gelegenheit, ihn in seiner neuen Werkstatt in Hamburg zu besuchen um ihn etwas mit meinen Fragen vom Arbeiten abzuhalten.

Bevor wir uns auf der Releaseparty von „The Ride“ in Berlin kennengelernt habe, kannte ich Deine Maschinen nur von dem einen oder andere Posting auf Bikeexif. Aber über Dich stand da relativ wenig dabei. Daher würde mich interessieren, wie Du zum Motorradschrauben kamst. Hast Du das gelernt, bist Du Quereinsteiger, wie ist Deine Geschichte?

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Ich komme eigentlich von der Autofotografie und habe dafür spezielle Konstruktionen gemacht, lange Kameraarme an den zu fotografierenden Autos. Als sich dann diese 3D-Technik angebahnt hat, habe ich eine Konstruktion gemacht und zusammen mit dem Fotografen gebaut, war aber voll der Schuss in den Ofen. Damit habe ich mich voll auf den Arsch gesetzt, hatte aber dann schon so viel Geld in das Equipment gesteckt, daß ich dann komplett in diese Technikrichtung geschwenkt bin.

Mein zweites Motorrad war eine Guzzi, als ich 20 war. Seitdem habe ich dann meine Straßenkarre immer weiter umgebaut. Später kam dann noch eine Rennmaschine dazu, das Hobby hatte ich daher schon ewig. Die Kenntnisse in Metallbearbeitung hatte ich aber schon seit meiner Beschäftigung mit diesen Sonderkonstruktionen gelernt und gemerkt, daß ich dafür schon eine Leidenschaft habe. Ich habe dann eine Maschinenbaufirma hier in Hamburg kennen gelernt, die hat mich dann netterweise ihre Maschinen benutzen lassen. In meiner alten Werkstatt hätte ich dafür auch gar keinen Platz gehabt. Und dann ging das los mit dieser 3D-Technik, bei der ich mir erhofft hatte, daß ich mit dieser Neukonstruktion noch was landen kann, was aber nicht so war.

In der Zeit kam dann ein Anruf aus England von einem Typen der Fotos meiner Rennmaschine gesehen hatte und der mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, ihm so etwas zu bauen. Ich sagte zu und dann kam der tatsächlich kurzerhand mit zwei Kumpels aus Nottingham eingeflogen und hat sich das bei mir angekuckt. Ich habe mir voll den Kopf gemacht, was der Kunde denkt, wenn er bei mir in meinem Hinterhofschuppen steht, aber ich denke mal daß er gemerkt hat, daß ich in diesem Moment viel mehr geben werde als jeder professioneller Schrauber mit Stempel und Visitenkarte. Das war mein erster Auftrag.

Als ich die Maschine fertig hatte habe ich dann gleich die Website gemacht. Die wurde dann auch relativ oft besucht und dann kam der nächste Auftrag von einem Radrennfahrer aus Monaco. So reihte sich dann ein Projekt an das andere. Davon leben zu können ist total hart, aber dann bekam ich so viele Aufträge, daß ich das einfach weiterverfolgt habe.

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Wenn Du von englischen und monegassischen Kunden erzählst, wie kamen die damals dann auf Dich?

Übers Internet. Der aus Monaco war auch der erste, bei dem ich das Mopped über Telefon und E-Mail mit dem Kunden abgestimmt und gebaut habe. Der hat mich erst kennen gelernt, als er das Ding abgeholt hat. In dem Moment fand ich das auch krass, ich hatte noch nicht die Wahnsinns-Referenzen, trotzdem war das Vertrauen des Kunden da.

Wie lange machst Du das jetzt Vollzeit?

Zweieinhalb Jahre.

Und wie viele Maschinen hast Du in der Zeit gebaut?

Die neunte Maschine ist jetzt online, das ist die 10 (zeigt auf die Hebebühne), das da hinten sind die 11 und die 12 (zeigt auf die beiden vormontierten Chassis in der Ecke). Ich bin jetzt auch total im Verzug, bislang konnte ich alle meine Termine halten und ich steh da auch gar nicht drauf, die Leute immer wieder zu vertrösten. Aber diesen Sommer mit dem Umzug der Werkstatt und anderen Dingen bin ich da leider in Rückstand geraten.

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Wie lange dauert ein Umbau bei Dir im Schnitt?

Je nach Aufwand circa vier Monate. Wenn es etwas aufwendiger ist auch bisschen mehr.

Als Du angefangen hast, hattest Du da bestimmte Ziele oder Erwartungen?

Nein. Ich bin da ja eher reingeschlittert und die ganze Nachfrage hat mich ja dann erst dazu gebracht, weiter zu machen. Es war jetzt auch nie ein Traum von mir, damit mein Geld zu verdienen. In meinem damaligen Job war ich sehr glücklich, aber – überspitzt gesagt – haben die Computer mir den genommen. Ich freue mich jetzt total, denn es ist ein schöner Job, auch wenn man noch nicht auf Dauer davon leben kann. Ich wüßte aber auch nicht, was ich anderes machen sollte.

Du hattest vorhin erwähnt, daß bereits Deine zweite Maschine bereits eine Guzzi war. Woher kam die Faszination für Moto Guzzi?

Kann ich Dir nicht sagen, es hat mich einfach erwischt. Mein erstes Mopped war eine BMW, obwohl ich total auf Engländer stand. Als Teenie habe ich bereits mit Ferienjobs angefangen, mir Geld zu sparen für Führerschein und das erste Mopped. Meine Eltern hätten das nie unterstützt. Ich komme vom Land, da ist Mobilität erstmal wichtig und es ist natürlich toll, dich als bleicher Teenager hinter einer Lederjacke zu verstecken. In der Zeit war es natürlich auch Lifestyle.

Wie gesagt stand ich damals voll auf Engländer und bis heute sind das für mich mit die schönsten Moppeds. Wunderschöne Motoren und dieses filigrane Design. Aber als ich dann offen fahren durfte, das war die 27 PS-Zeit damals, bin ich dann auch mal die Klassiker durch und habe mich dann auf den Engländern immer etwas verloren gefühlt auch durch meine Körpergröße. Mit Guzzi hatte ich damals überhaupt keinen Kontakt, bei uns in Westfalen fuhr damals keine Sau eine Guzzi. Ich fuhr damals eine CB Four, dann war ich kurz davor eine 75/5, also eine größere BMW, zu kaufen.

Dann sah ich in der Neuen Westfälischen Zeitung ein Inserat mit einer Guzzi bei meinen Eltern um die Ecke. Ich fuhr vorbei, der Typ macht die Garage auf und da stand dieses Tourermodell, eine T3, die schon so bisschen Richtung Le Mans umgebaut war mit Stummellenkern. Die Maschine war abgedeckt und stand da wie ein flaches Bügelbrett, die Silhouette werde ich nie vergessen. Ich hatte noch nie so etwas flaches, langes gesehen. Seit dem Tage bin ich wie paralysiert, habe nie weder an etwas anderes gedacht! Auch in den späteren Jahren habe ich mich nie künstlich irgendwas verschlossen, aber damals hat es mich wirklich erwischt. Mit der Maschine konnte man in den Urlaub fahren, aber auch den Scheinwerfer abkleben und Rennen bestreiten. Um am nächsten Tag wieder damit Brötchen zu holen. Sie sind zwar für keinen dieser Bereiche perfekt, aber ich habe noch nie ein anderes Motorrad erlebt, daß das alles hätte erfüllen können.

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Jetzt sehe ich hier gerade auf der Hebebühne eine Yamaha, gehst Du gerade fremd?

Das ist ein Umbau für Kedo. Jens (vom Brauck) hatte auch schon mal was für die gebaut und jetzt haben die mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, denen einen klassischen 60er Jahre Café Racer-Umbau zu machen. Das ist für mich auch mal was anderes.

Und wie fühlt es sich an im Vergleich zu einer Guzzi?

Es ist interessant. Ich mag es die Maschine mal kurz mit einer Hand am Heck zu versetzen. Ist ein anderer Schnack, macht auch sehr viel Spaß in der Kooperation mit Kedo. Beinhart möchte ich mich nicht festlegen, aber mein Herz gehört ganz klar Guzzi.

Was ich zum Beispiel nicht mag ist bei Einzylindern diese fehlende Symmetrie. Auf der einen Seite der Auspuff, auf der anderen nix. Ich mag eben symmetrische Moppeds, die auf beiden Seiten gleiche Proportionen haben.

Wenn Du jetzt so auf die gestreckten Linien und Symmetrie eingehst, gibt es da ein anderes Fabrikat neben Guzzi, daß Dich in diesem Aspekt reizen würde und mit dem man das gleiche Resultat erzielen könnte?

Nee. Nimm zum Beispiel die alten Königswellen, die sind schon total selten geworden und damit zu teuer. Da hast Du bei einer Guzzi ganz andere Potential eine Kompromiss aus Optik, Fahrbarkeit, Alltagstauglichkeit und Leistung hinzubekommen. Auch durch die Kombinationsmöglichkeiten mit neuen Teilen, weil Guzzi über die Jahrzehnte auch wenig geändert hat.

Das sieht man bei Deinen Umbauten ja auch, daß Du auf einen alten Basismotor neue Zylinder draufschraubst, was auch die Kombinierbarkeit der Teile zeigt. Als Basis hast Du bislang fast Le Mans-Modelle genommen, richtig?

Ja, muss aber nicht. Für den Engländer hatte ich eine T3 umgebaut, die hatte er aber auch mitgebracht. Die meisten Spendermaschinen finde ich den Kunden oder stelle sie. Die schwarzgrüne jetzt, das war eine SP. Du kannst optisch das gleiche erzielen, das macht vielleicht etwas mehr Aufwand. Vom Motor her ist das ein etwas anderer Schnack. Die Ansaugkanäle sind erweitert, da ist ein größerer Vergaser drauf und eine leichte Kupplung drin. Das war es eigentlich schon was mit dem Motor gemacht worden ist, natürlich abgesehen von der Komplettrevision des Motors. Und das funktioniert auch gut. Es muß also nicht immer eine Le Mans sein. Natürlich drehen die Tourermoppeds nicht so gut wie die Le Mans, allein wegen den Ventilgrößen. Da hast Du eher den Rumms untenrum bis 5.000 Umdrehungen, dann wird es zäher. Eine Le Mans geht ab 5.000 Umdrehungen nochmal richtig zur Sache.

(Teil 2 findet ihr hier).

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4 Gedanken zu “Benzingespräche: Axel Budde von Kaffeemaschine (Teil 1)

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